{"id":71257,"date":"2023-06-26T14:41:00","date_gmt":"2023-06-26T12:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=71257"},"modified":"2025-02-20T12:09:25","modified_gmt":"2025-02-20T11:09:25","slug":"die-turbulente-kindheit-der-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung-frankfurt\/die-turbulente-kindheit-der-erde\/","title":{"rendered":"Die turbulente Kindheit der Erde"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"wp-block-heading\">Diamanten zeugen davon, wie sich unser Planet vor Milliarden Jahren gewandelt hat<\/h4>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group alignfull is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-cover alignfull has-custom-content-position is-position-bottom-center\" style=\"min-height:550px;aspect-ratio:unset;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-10 has-background-dim\"><\/span><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1707\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-71508\" alt=\"\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Aufmacher_shutterstock_1269329752_RZ-scaled.jpg\" style=\"object-position:49% 7%\" data-object-fit=\"cover\" data-object-position=\"49% 7%\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Aufmacher_shutterstock_1269329752_RZ-scaled.jpg 2560w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Aufmacher_shutterstock_1269329752_RZ-300x200.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Aufmacher_shutterstock_1269329752_RZ-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Aufmacher_shutterstock_1269329752_RZ-768x512.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Aufmacher_shutterstock_1269329752_RZ-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Aufmacher_shutterstock_1269329752_RZ-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Aufmacher_shutterstock_1269329752_RZ-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-white-color has-text-color has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#54a9b3\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"background-color:#dedede00;flex-basis:100%\">\n<p class=\"has-text-align-left has-white-color has-text-color has-medium-font-size\">W\u00e4hrend die Lava bei einem Ausbruch des \u00c4tnas eher aus dem Krater \u00fcberflie\u00dft, schoss das Magma bei den seltenen, sogenannten kimberlitischen Eruptionen in der geologischen Vergangenheit wohl mit bis zu 250 Kilometern pro Stunde nach oben und riss dabei Diamanten aus gro\u00dfer Tiefe mit sich.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Vor mehr als vier Milliarden Jahren pr\u00e4gten hei\u00dfe Magma-Ozeane die Oberfl\u00e4che der Erde. Als die Erde allm\u00e4hlich abk\u00fchlte, bildeten sich an manchen Stellen Krusten, sp\u00e4ter die ersten Kontinente. Die Geowissenschaftlerin Dr. Sonja Aulbach erforscht die damals ablaufenden Prozesse anhand spezieller Gesteinsproben und mit hochmoderner Analysetechnik.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Wenn besonders reine, gro\u00dfe und ber\u00fchmte Diamanten den Besitzer wechseln, muss der K\u00e4ufer \u00fcblicherweise mehrere zehn Millionen Euro \u00fcberweisen. Und Diamantschmuck steht als glitzernder Blickfang hoch im Kurs. Da verbl\u00fcfft es, wenn eine Frau sagt: \u00bbDas eigentlich Wertvolle an Diamanten sind ihre mineralischen Einschl\u00fcsse.\u00ab Ausgerechnet die Verunreinigungen, die den in Geld aufgewogenen Wert eines Diamanten deutlich mindern?<\/p>\n\n\n\n<p>Sonja Aulbach, von der die Worte stammen, sieht die Edelsteine eben mit den Augen einer Forscherin. Und wie die Wissenschaft auf \u00adDiamanten und die darin eingeschlossenen Mineralien blickt, l\u00e4sst sich dem Vorwort eines aktuellen wissenschaftlichen Bandes ent\u00adnehmen, der gewaltige 845 Seiten umfasst: Die Einschl\u00fcsse sind demnach \u00bbBotschafter aus einer anderen Zeit und von einem anderen Ort\u00ab, \u00e4hnlich wie es \u00bbMondgestein, einzigartige Meteoriten, Proben von Kometenvorbeifl\u00fcgen oder Asteroidenlandungen\u00ab sind. Die Einschl\u00fcsse liefern Informationen, \u00bbdie wir auf keinem anderen Weg erhalten werden\u00ab von der Vergangenheit \u00bbdes dynamischsten und aktivsten Gesteinsplaneten unseres Sonnensystems, unserer Erde\u00ab. Sonja Aulbach vom Institut f\u00fcr Geowissenschaften der Goethe-Universit\u00e4t geh\u00f6rt zu den Autorinnen und Autoren dieses \u00dcbersichtsbandes, in den auch ihre eigenen Forschungs\u00adergebnisse eingeflossen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>In Edelsteinqualit\u00e4t kommen Diamanten nur in bestimmten Kernregionen der Kontinente vor, in denen es keine Erdbeben gibt. Solche Regionen werden von Geowissenschaftlern als Kratone bezeichnet. Und innerhalb dieser Kratone treten sie nur in einem bestimmten magmatischen Gestein namens Kimberlit auf. Die Frage, warum die Vorkommen von Diamanten und kratonischen Kimberliten eng miteinander verkn\u00fcpft sind, ist der Ausgangspunkt f\u00fcr viele Erkenntnisse \u00fcber die Kindheit der Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Laborexperimenten ist bekannt, dass zur Erzeugung von Diamanten aus Kohlenstoff bei einer Temperatur von 950 bis 1400 Grad Celsius ein Druck n\u00f6tig ist, der mindestens 40\u2009000-mal so hoch ist wie der Luftdruck. Solche Verh\u00e4ltnisse herrschen auch heute in mehr als 100 Kilometern Tiefe im Gestein des sogenannten oberen Erdmantels. Allerdings darf dort nur wenig \u00adSauerstoff vorhanden sein, damit nicht anstatt der edlen Steine Kohlen\u00addioxid (CO2) entsteht. Zudem ist in dieser Tiefe nur jedes 10\u2009000ste Atom eines aus Kohlenstoff, sodass die Bildung von Diamanten dort eher die Ausnahme ist. Selbst wenn sie dort h\u00e4ufiger statt\u00adfinden w\u00fcrde, k\u00e4men Diamantsucher nicht an die Edelsteine ran: Kein Bohrger\u00e4t ist bislang tiefer als zw\u00f6lf Kilometer ins Erdinnere vorgedrungen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-white-color has-text-color has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#54a9b3\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"background-color:#dedede00;flex-basis:100%\">\n<h5 class=\"wp-block-heading\">AUF DEN PUNKT GEBRACHT<br><\/h5>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Einschl\u00fcsse in Diamanten verraten, dass diese vor bis zu 3,5 Milliarden Jahren entstanden sind. Damit sind sie viel \u00e4lter als das explosive Magma, mit dem sie an die Oberfl\u00e4che gelangten.<\/li>\n\n\n\n<li>Analysen zufolge gab es vor drei Milliarden Jahren bereits Land \u00fcber dem Meeresspiegel und eine Art Kohlenstoffkreislauf, der wichtig f\u00fcr die Entstehung von Leben war.<\/li>\n\n\n\n<li>Bei hohem Sauerstoffgehalt im obersten Erdmantel wird Diamant zu Kohlendioxid umgewandelt, das mit Magmen in die Atmosph\u00e4re gelangt.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Alter bestimmen<\/h3>\n\n\n\n<p>Um in Minen gefundene Diamanten als Zeugen fr\u00fcherer Epochen der Erdgeschichte verwenden zu k\u00f6nnen, muss man ihrer Entstehung einen Zeitpunkt zuweisen. Dazu nutzen Geowissenschaftler aus, dass einige chemische Elemente auch in instabilen radioaktiven Varianten \u2013 den radioaktiven Isotopen \u2013 vorkommen. Diese zerfallen mit einer gewissen Geschwindigkeit zu Isotopen anderer Elemente, die als Tochter\u00adisotope bezeichnet werden. So wei\u00df man \u00adbeispielsweise, dass vom Mutterisotop Samarium-147 nach 106 Milliarden Jahren noch die H\u00e4lfte der urspr\u00fcnglichen Menge vorhanden ist, weil aus der anderen H\u00e4lfte das Tochter\u00adisotop Neodym-143 entstanden ist. Mit der Kenntnis der Zerfallsgeschwindigkeit l\u00e4sst sich somit aus den heutigen Isotopenverh\u00e4ltnissen das Alter eines Gesteins berechnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Messen l\u00e4sst sich die Isotopenzusammen\u00adsetzung eines Gesteins mithilfe von Massenspektrometern, denn Isotope unterscheiden sich in ihrer Masse. \u00bbIch habe Zugang zu den hoch\u00admodernen Ger\u00e4ten des Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE)\u00ab, sagt Aulbach, die ihrer Forschung mithilfe eines Heisenberg-Stipendiums der Deutschen Forschungs\u00adgemeinschaft nachgeht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignfull is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"767\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/PastedGraphic-6_RZ-1024x767.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-71511 size-full\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/PastedGraphic-6_RZ-1024x767.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/PastedGraphic-6_RZ-300x225.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/PastedGraphic-6_RZ-768x576.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/PastedGraphic-6_RZ-16x12.jpg 16w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/PastedGraphic-6_RZ.jpg 1329w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Die mineralischen Einschl\u00fcsse in diesen nur drei bis vier Millimeter gro\u00dfen Diamanten verraten deren Alter und lassen R\u00fcckschl\u00fcsse zu auf die Entwicklung der gro\u00dfen Gesteinsplatten der Erde.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Entsprechende Datierungen von Geowissenschaftlern weltweit zeigen, dass sich die bisher gefundenen Kimberlite bis auf wenige Ausnahmen vor h\u00f6chstens 550 Millionen Jahren gebildet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die direkte Altersbestimmung reiner Diamanten im Kimberlit ist unm\u00f6glich, da sie vollst\u00e4ndig aus Kohlenstoff bestehen, von dem es kein gen\u00fcgend langsam zerfallendes Isotop gibt. Hier nun kommen die Einschl\u00fcsse in den Diamanten ins Spiel: \u00bbSie enthalten geeignete Isotope\u00ab, sagt Aulbach, die an solchen Datierungen beteiligt war. Demnach sind die Einschl\u00fcsse je nach Fundort der Diamanten bis zu 3,5 Milliarden Jahre alt. Die Diamanten mitsamt ihren Einschl\u00fcssen sind also zumeist wesentlich \u00e4lter als der sie umgebende Kimberlit.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Grafik_Vulkane_und_Diamanten.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"378\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Grafik_Vulkane_und_Diamanten-1024x378.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-72866\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Grafik_Vulkane_und_Diamanten-1024x378.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Grafik_Vulkane_und_Diamanten-300x111.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Grafik_Vulkane_und_Diamanten-768x283.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Grafik_Vulkane_und_Diamanten-18x7.jpg 18w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Grafik_Vulkane_und_Diamanten.jpg 1535w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"background-color:#f1f1f1\">\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#ffffff00\">Diamanten k\u00f6nnen nur in Tiefen jenseits von etwa 140 Kilometern entstehen (wei\u00dfe Punkte). Wegen der h\u00f6heren Temperatur und des gr\u00f6\u00dferen chemischen Potenzials von Sauerstoff im konvektierenden Mantel (olivgr\u00fcn) oxidieren die Diamanten zu CO2 (gelbe Punkte). Daher kommen Diamanten bevorzugt in alten Kontinentalkernen vor (Kratone), die eine dicke und kalte Lithosph\u00e4re besitzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#ffffff00\">An die Oberfl\u00e4che gelangen diese Diamanten durch sogenannte kimberlitische Eruptionen: Warmes und chemisch angereichertes Mantelmaterial (Plumes) steigt in festem Zustand auf bis unter die Lithosph\u00e4re, wo es aufgrund von Druckentlastung gewisse Mengen an fl\u00fcssigem Magma bildet (Kimberlitschmelze). Gase wie Kohlendioxid und Wasserdampf sorgen daf\u00fcr, dass das Magma mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde in schmalen Schloten (Pipes) hochschie\u00dft und in einer vulkanischen Eruption ausgeschleudert wird. Beim Aufstieg rei\u00dft es Bruchst\u00fccke von Fremdgestein (Xenolithe) sowie Diamanten mit sich. Weil dies sehr schnell geschieht, oxidieren nicht alle dieser Diamanten und k\u00f6nnen am Rand der Pipe abgelagert werden. Viele der heute aktiven Vulkane befinden sich an Grenzen tektonischer Platten, wo eine Platte unter eine andere abtaucht (links). Das in der abtauchenden Platte enthaltene Wasser wird unter dem zunehmenden Druck so stark erhitzt, dass es Gesteine zum Schmelzen bringt. Das Magma steigt auf und bildet eine Kammer, die einen Vulkan speist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#ffffff00\">An der Grenze vom oberen Teil des Erdmantels (olivgr\u00fcn) zur Mantel-\u00dcbergangszone (hellgr\u00fcn und bl\u00e4ulich) und von dort zum unteren Erdmantel (dunkelrot) \u00e4ndert sich \u2013 bei gleicher chemischer Zusammensetzung&nbsp;\u2013 das Gestein (Mineralogie) und damit dessen Flie\u00dff\u00e4higkeit und Dichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#ffffff00\"><em>(Grafik nicht ma\u00dfstabsgetreu)<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aus einer Tiefe von 200 Kilometern<\/h3>\n\n\n\n<p>Dies ist ein entscheidendes Indiz f\u00fcr die folgende allgemein akzeptierte geowissenschaftliche Theorie: Im Phanerozoikum, das den Zeitraum von 540&nbsp;Millionen Jahren bis heute umfasst, stieg bei speziellen seltenen und explosiven vulkanischen Ausbr\u00fcchen Magma aus einer Tiefe von mehr als 200 Kilometern auf. Diese kimberlitischen Eruptionen brachen die feste und starre obere Schicht der Erde \u2013 die Lithosph\u00e4re \u2013 auf. Die Lithosph\u00e4re ist bei Kontinentalkernen besonders dick und nimmt nicht an den Umw\u00e4lzungen im festen Erdmantel, der Mantelkonvektion, teil. W\u00e4hrend der kimberlitischen Eruptionen riss das Magma Diamanten und andere Gesteins\u00admaterialien aus dem tiefen Erdmantel \u2013 Xenolithe \u2013 mit, die dort vor mehr als eine\u202fMilliarde Jahre entstanden sind. \u00bbDie Natur hat somit f\u00fcr uns Forschende ge\u00adarbeitet und etwas zutage gef\u00f6rdert, was wir ansonsten nicht erschlie\u00dfen k\u00f6nnten\u00ab, begeistert sich Sonja Aulbach.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Xenolithe wurden nach ihrer Bildung im Erdmantel durch die dort ablaufenden Prozesse ver\u00e4ndert. \u00bbW\u00e4hrenddessen befanden sich die vergleichbaren mineralischen Einschl\u00fcsse in einem nahezu perfekten Beh\u00e4lter, dem Diamant\u00ab, sagt Sonja Aulbach. Damit ergeben sich aus dem Vergleich zwischen Xenolithen und Diamanteinschl\u00fcssen wichtige Anhaltspunkte, wie sich die Lithosph\u00e4re \u00fcber Hunderte Millionen Jahre entwickelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Um aus der Kenntnis der chemischen Zusammensetzung und der Isotopenverh\u00e4ltnisse von Gesteinen ein fr\u00fches Bild der Erde zu erhalten, ben\u00f6tigt man ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis davon, wie sich die chemischen Elemente im Gestein bei dessen Aufschmelzen, Erkalten, bei Druck\u00e4nderungen und Transportprozessen umverteilen. Zu diesem Verst\u00e4ndnis tragen zum einen Laborversuche bei, in denen das Verhalten von Stoffen bei hohem Druck und verschiedenen Temperaturen untersucht wird. Zum anderen helfen Computersimulationen, die Prozesse nachzuvollziehen. \u00bbDabei n\u00e4hern wir Geowissenschaftler uns der fr\u00fchen Erde aus zwei Richtungen: Von den Anf\u00e4ngen des Sonnensystems her, \u00fcber das uns Meteoriten viel verraten. Oder von der heutigen Erde her, die aus Kruste, Mantel und Kern besteht und in der sich durch Differenziationsprozesse viele verschiedene Gesteine gebildet haben\u00ab, erl\u00e4utert Aulbach. Diese Prozesse gelte es zu erkennen und zur\u00fcckzuverfolgen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vom Magmaozean zu den Kontinenten<\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz aller wissenschaftlichen Fortschritte bleibt das Bild der Erde zwischen ihrer Entstehung vor 4,567 Milliarden Jahren \u2013 ein Alter, das sich aus Meteoritenfunden ergibt \u2013 und der Zeit vor rund eine Milliarde Jahren noch unscharf. Klar ist, dass sich am Anfang der metallische Erdkern gebildet hat, der von einem Ozean fl\u00fcssigen, silikathaltigen Magmas umgeben war. Denn die Erde war sehr viel energiereicher und damit hei\u00dfer als heute&nbsp;\u2013 die Folge unter anderem von hoher Radio\u00adaktivit\u00e4t und Meteoritenbeschuss. Eine allm\u00e4hliche Abk\u00fchlung f\u00fchrte dann vor mindestens vier&nbsp;Milliarden Jahren stellenweise zur Bildung einer \u00adfesten Kruste, auch wenn weiterhin z\u00e4hfl\u00fcssige Magmastr\u00f6me vorherrschend waren. Diese Kruste schmolz dann teilweise wieder, w\u00e4hrend an anderen Stellen neue Kruste auskristallisierte. Bei jedem dieser Vorg\u00e4nge verteilten sich die chemischen Elemente neu: Manche verblieben im Mantel, manche reicherten sich unter anderem aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe ihrer Ionen im fl\u00fcssigen Magma an, aus dem sich die Kruste bildete.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor 4,02&nbsp;Milliarden Jahren entstand das erste Gestein, das bis heute \u00fcberlebt hat, und vor rund 3,5&nbsp;Milliarden Jahren bildeten sich die ersten Kontinentalkerne. \u00bbWann genau dann die Plattentektonik einsetzte, also Lithosph\u00e4renplatten begannen, sich auf dem Erdmantel zu bewegen, ist umstritten\u00ab, sagt Aulbach. \u00bbUnsere Ergebnisse weisen jedenfalls darauf hin, dass es vor drei Milliarden Jahren die Plattentektonik gab und dass sich zu diesem Zeitpunkt bereits Teile der fr\u00fchen kontinentalen Platten \u00fcber den \u00adMeeresspiegel erhoben. Damit waren sie der Verwitterung ausgesetzt, mit weitreichenden Konsequenzen f\u00fcr die Stoffkreisl\u00e4ufe und die Entwicklung des Lebens.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignfull is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DiamantenMine_EAE4JA_c_imageBROKER_Alamy_RZ-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-71509 size-full\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DiamantenMine_EAE4JA_c_imageBROKER_Alamy_RZ-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DiamantenMine_EAE4JA_c_imageBROKER_Alamy_RZ-300x200.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DiamantenMine_EAE4JA_c_imageBROKER_Alamy_RZ-768x512.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DiamantenMine_EAE4JA_c_imageBROKER_Alamy_RZ-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DiamantenMine_EAE4JA_c_imageBROKER_Alamy_RZ-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DiamantenMine_EAE4JA_c_imageBROKER_Alamy_RZ-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Wo einst hochexplosive Eruptionen Diamanten aus der Tiefe in obere Regionen der Erdkruste bewegten, werden sie heute in Minen wie zum Beispiel in Koidu-Sefadu im afrikanischen Sierra Leone abgebaut.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zusammenhang zwischen Erdmantel und Atmosph\u00e4re<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Entstehung des Lebens auf der Erde bedeutsam ist auch das Schicksal des Elements Kohlenstoff im Laufe der Jahrmilliarden. Damit will sich die Geowissenschaftlerin k\u00fcnftig verst\u00e4rkt besch\u00e4ftigen. Bereits nachgewiesen hat sie, dass es schon vor drei&nbsp;Milliarden Jahren eine Art Kreislauf gab, bei dem Kohlenstoff von der ozeanischen Kruste zumindest bis in 150 \u00adKilometer Tiefe gelangte. Dort kristallisierte der Kohlenstoff zu Diamant, der dann an den Umw\u00e4lzungsprozessen des Mantels teilnahm und beim langsamen Transport nach oben oxidiert wurde. Bei diesem auch heute stattfindenden Prozess bildet\u00ad sich wiederum CO2, das dann durch Magmenbildung und Vulkanismus in die Atmosph\u00e4re ausgesto\u00dfen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher betrachtet Geowissenschaftlerin Sonja Aulbach Diamanten nicht nur hinsichtlich ihres Wertes mit anderen Augen als die meisten \u00adMenschen. Dem ber\u00fchmten Werbe\u00adslogan des Diamantenh\u00e4ndlers De Beers \u00bbEin Diamant ist unverg\u00e4nglich\u00ab h\u00e4lt sie entgegen: \u00bbNach jetzigem Kenntnisstand k\u00f6nnte man durchaus argumentieren: Das Kohlendioxid, das manche Vulkane heute ausgasen, stammt aus verbrannten Diamanten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"background-color:#f0f0f0\">\n<div class=\"wp-block-columns has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#ededed00\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"background-color:#dedede00;flex-basis:100%\">\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized is-style-rounded\"><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/aulbach.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/aulbach-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-71514\" style=\"width:182px;height:182px\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/aulbach-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/aulbach-300x300.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/aulbach-150x150.jpg 150w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/aulbach-768x768.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/aulbach-12x12.jpg 12w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/aulbach-700x700.jpg 700w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/aulbach.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Zur Person<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sonja Aulbach<\/strong> studierte Geologie an der Goethe-Universit\u00e4t und promovierte 2005 an der Macquarie University in Australien. Nach Postdoc-Aufenthalten in den USA und Kanada kehrte sie 2009 an die Goethe-Universit\u00e4t zur\u00fcck, wo sie seitdem in der Facheinheit Mineralogie am Institut f\u00fcr Geowissenschaften forscht. Seit 2022 ist sie Heisenberg-Stipendiatin mit dem Projekt \u00bbKruste-Mantel-Entwicklung und Volatilzyklen des Erdinnern im Verlauf der Zeit\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"mailto:s.aulbach@em.uni-frankfurt.de\">s.aulbach@em.uni-frankfurt.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-default\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Der Autor:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Frank Frick, promovierter Chemiker, arbeitet seit rund 25 Jahren als freier Wissenschaftsjournalist. Er schreibt f\u00fcr Zeitschriften, Forschungseinrichtungen und forschende Unternehmen. Er lebt in Bornheim bei Bonn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.wissenschaftsjournalist.eu\">wissenschaftsjournalist.eu<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-default\"\/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diamanten zeugen davon, wie sich unser Planet vor Milliarden Jahren gewandelt hat W\u00e4hrend die Lava bei einem Ausbruch des \u00c4tnas eher aus dem Krater \u00fcberflie\u00dft, schoss das Magma bei den 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