{"id":78220,"date":"2023-12-12T15:43:36","date_gmt":"2023-12-12T14:43:36","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=78220"},"modified":"2023-12-13T11:33:07","modified_gmt":"2023-12-13T10:33:07","slug":"wie-saehe-eine-erziehung-nach-auschwitz-heute-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/unireport\/wie-saehe-eine-erziehung-nach-auschwitz-heute-aus\/","title":{"rendered":"Wie s\u00e4he eine \u00bbErziehung nach Auschwitz\u00ab heute aus?"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Antisemitismus 2023: Zur Situation von Bildungseinrichtungen \u2013 ein Essay von Sabine Andresen und Wolfgang Meseth<\/h3>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"346\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/beitragsbild_ur6.23_erziehung-nach-auschwitz_andresen-meseth-500x346.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-78410\" style=\"width:500px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/beitragsbild_ur6.23_erziehung-nach-auschwitz_andresen-meseth-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/beitragsbild_ur6.23_erziehung-nach-auschwitz_andresen-meseth-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/beitragsbild_ur6.23_erziehung-nach-auschwitz_andresen-meseth-18x12.jpg 18w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/beitragsbild_ur6.23_erziehung-nach-auschwitz_andresen-meseth.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Das Ph\u00e4nomen ist nicht neu: Wenn etwas richtig schiefl\u00e4uft und gro\u00dfe politische Sorgen ausl\u00f6st, dann ert\u00f6nt der Ruf nach der P\u00e4dagogik. Politischer Bildung, der Vermittlung historischen Wissens und der p\u00e4dagogischen Verst\u00e4ndigung \u00fcber Menschenrechte und Humanit\u00e4t wird gerade in Krisen eine besondere Kraft zugeschrieben. Wir beobachten dies auch derzeit, denn das Entsetzen \u00fcber das Massaker durch Mitglieder der Hamas im S\u00fcden Israels, die Bombardierungen Israels, der Krieg in Gaza und die vielen Opfer verlangen nach Antworten, wie dies einzuordnen ist und wie darauf reagiert werden kann. Hier in Deutschland l\u00f6st vor allem der in ganz unterschiedlichen Milieus und politischen Arenen sichtbare Antisemitismus gro\u00dfe Ersch\u00fctterungen insbesondere bei j\u00fcdischen Mitmenschen aus. Offenbar, so lautet manche Diagnose, haben Bildung und Aufkl\u00e4rung nicht die Wirkung erzielt, die ihnen zugeschrieben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft, Erziehung in Familie oder Kindertagesst\u00e4tten, aber vor allem Bildung in Schulen, in der offenen Kinder- und Jugendarbeit oder der Universit\u00e4t werden als diejenigen Instrumente angesehen, durch die Antisemitismus ebenso wie alle anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, wenn nicht vollst\u00e4ndig beseitigt, so doch minimiert werden k\u00f6nnen. Und dieser Diskurs rekurriert in Deutschland insbesondere auch auf die Rundfunkvortr\u00e4ge und Schriften Theodor W. Adornos, denn er hatte seiner Hoffnung auf eine fortschrittliche und demokratische P\u00e4dagogik, einer \u201eErziehung nach Auschwitz\u201c Ausdruck verliehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Schulen ebenso wie Universit\u00e4ten, Jugendzentren nicht anders als Sportvereine sind stets auch Orte, an denen sich Ausgrenzung, Abwertung, einseitige und polarisierende Konflikte, antisemitische oder antimuslimische Ressentiments ausbreiten. Internationale Konflikte, Kriege, Spannungen im Inland und all die damit einhergehenden Debatten, Eindr\u00fccke und medialen Sichtbarkeiten bleiben nicht drau\u00dfen vor der T\u00fcr. Sie begleiten Sch\u00fcler:innen in den Unterricht, Athlet:innen ins Training oder Student:innen ins Seminar. Und nicht nur wir selbst als Lehrende an der Universit\u00e4t beobachten, dass die Thematisierung des 7. Oktober 2023, das Existenzrecht Israels, die Situation der Pal\u00e4stinenser:innen, die Interessen anderer L\u00e4nder in der Region und nicht zuletzt die Haltung in Deutschland angesichts antisemitischer \u00c4u\u00dferungen, Androhungen und konkreter Gewalttaten schwierig ist und vielleicht auch hilflos macht. Viele Lehrpersonen erkundigen sich derzeit nach Vermittlungsm\u00f6glichkeiten zum Nahostkonflikt und suchen Beratung f\u00fcr den Umgang mit diversen Jugendgruppen. Dar\u00fcber informiert beispielsweise der Newsletter der Bildungsst\u00e4tte Anne Frank vom 7. November 2023.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Herausforderung f\u00fcr die in Kita, Schule oder Universit\u00e4t t\u00e4tigen Personen besteht dann darin, f\u00fcr das Geh\u00f6rte, Gedachte, nicht immer Ausgesprochene, f\u00fcr das Wissen und Halb-Wissen, die Komplexit\u00e4t, die allen Konflikten meist innewohnt, sensibilisiert zu sein und \u00fcber gute Entscheidungsgrundlagen zu verf\u00fcgen. Entscheidungen dar\u00fcber, wann beispielsweise eine Lehrkraft moderierend, informierend in eine Kommunikation und Interaktion eingreift oder wann und wie sie aktiv den Raum er\u00f6ffnet f\u00fcr eine Diskussion mit der Gruppe \u2013 Sch\u00fcler:innen oder Studierende \u2013 \u00fcber Antisemitismus in Deutschland, \u00fcber die Rolle der israelischen Regierung oder \u00fcber die Adressierung von Muslim:innen, sich vom Terror der Hamas zu distanzieren. Es gibt theoretisch sehr viele Anl\u00e4sse f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch, f\u00fcr einen Austausch, aber auch aus Angst, selbst nicht genug Wissen zur Verf\u00fcgung zu haben, werden diese Anl\u00e4sse nicht genutzt. Allein die Vorstellung \u00fcber Antisemitismus in einer nicht klar einzusch\u00e4tzenden Gruppe junger Menschen zu sprechen, kann bereits Verunsicherung erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Daraus resultieren Fragen, die f\u00fcr Erziehungs- und Bildungskontexte relevant sind:<\/h4>\n\n\n\n<p>Wann legt man seinen Unterrichts- oder Seminarplan beiseite, um Raum zu geben f\u00fcr Trauer, f\u00fcr die Artikulation von \u00c4ngsten, f\u00fcr das Gespr\u00e4ch \u00fcber den 7. Oktober 2023 und \u00fcber den aktuellen Krieg in Gaza, \u00fcber die Geschichte der Region und ihre Konflikte, aber vor allem auch \u00fcber die Angst j\u00fcdischer Menschen in Deutschland, in Frankfurt oder Berlin, vor antisemitischen \u00dcbergriffen, vor Hass und Gewalt, vor Schweigen und Wegsehen? Wann werden Erfahrungen von Studierenden besprochen, die antisemitischen \u00dcbergriffen ausgesetzt sind und an Schulen und Hochschulen keine Solidarit\u00e4t wahrnehmen? Wann werden die Studierenden geh\u00f6rt, die antimuslimische \u00dcbergriffe erfahren haben?&nbsp; Wann gilt es, zuzuh\u00f6ren und unterschiedlichen Perspektiven Raum zu geben, wann fachlich \u00fcber den Nahost-Konflikt aufzukl\u00e4ren, wann kommunikativ Grenzen zu setzen, wenn politische Statements in den Schulunterricht, den H\u00f6rsaal, die Kindertagesst\u00e4tten oder den Jugendclub hineingetragen werden, die Antisemitismus und weitere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sch\u00fcren?<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center has-background is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\" style=\"background-color:#eeeeee\">\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><em>\u00bbDie Erziehung ist konservativ. Ihre Organisation ist es insbesondere. Niemals ist sie die Vorbereitung f\u00fcr eine Strukturver\u00e4nderung der Gesellschaft gewesen. Immer \u2013 ganz ausnahmslos \u2013 war sie erst die Folge der vollzogenen.<\/em>\u00ab<\/p>\n<cite>Siegfried Bernfeld, 1925<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Auf der Suche nach Antworten f\u00fchlen sich Fachkr\u00e4fte oft allein, dabei sind die Anspr\u00fcche an eine f\u00fcr Migrationsgesellschaften weiterentwickelte \u201eErziehung nach Auschwitz\u201c h\u00f6chst anspruchsvoll. Niemand sollte damit allein bleiben. Neben dem kollegialen Austausch ist auch die Rolle von Leitungskr\u00e4ften zentral, den Verunsicherungen entgegenzuwirken. Denn w\u00e4hrend in einem Moment noch reflexiv \u00fcber ethische Fragen gesprochen wird, k\u00f6nnen im n\u00e4chsten Moment die pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t, politische Haltungen und moralische Einstellungen von Anwesenden im Fokus stehen. Lehrkr\u00e4fte und P\u00e4dagog:innen k\u00f6nnen sich meist nicht auf die Rollen einer neutralen Moderation zur\u00fcckziehen. Ein mehrdeutiges Wort, eine unbedachte Geste, eine Unaufmerksamkeit kann dazu f\u00fchren, dass sie in den Konflikt involviert werden und aufgefordert sind, sich selbst politisch-moralisch zu positionieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Forschung wird es k\u00fcnftig st\u00e4rker darum gehen m\u00fcssen, angesichts von Antisemitismus, fehlenden Kenntnissen, diversen normativen und politischen Deutungen der Komplexit\u00e4t im Nahen Osten die Dynamiken von Lehr-Lernprozessen in Bildungseinrichtungen zu entschl\u00fcsseln, die M\u00f6glichkeiten und Spielr\u00e4ume p\u00e4dagogischen Handelns auszuloten und die Grenzen von Bildung und Begrenzungen von Bildungssettings realistisch und m\u00f6glichst pr\u00e4zise zu benennen. Dabei wird es auch darum gehen, politische Bildung zu f\u00f6rdern, auch in Zeiten knapper finanzieller Mittel. Ein wichtiger Teil ist die Aufkl\u00e4rung \u00fcber Antisemitismus, hier w\u00e4re zu kl\u00e4ren, ob neue Konzepte n\u00f6tig sind. Davon ausgehend sind empirische und theoretische Forschung \u00fcber die konkrete Umsetzung bekannter, modifizierter oder neuer Konzepte vonn\u00f6ten. Wenn etwa \u2013 wie bislang vorliegende Studien zeigen \u2013 gut gemeinte historisch-politische Aufkl\u00e4rung \u00fcber Antisemitismus dazu f\u00fchrt, dass z.B. im Schulunterricht oder Schulb\u00fcchern antisemitische Stereotype reproduziert werden, macht dies auf bislang nur wenig beachtete Nebeneffekte solcher Aufkl\u00e4rungsanspr\u00fcche aufmerksam. Es ist paradox und doch offenbar p\u00e4dagogisch n\u00f6tig:&nbsp; Um Unterricht \u00fcber die Entstehung und die besondere Struktur antisemitischer Stereotype durchzuf\u00fchren, m\u00fcssen diese Stereotype als solche dargestellt und benannt werden. Sie m\u00fcssen aufgerufen und ausdr\u00fccklich zum Thema gemacht werden, damit sie besprochen und deren perfide Mechanismen freigelegt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mehr Bildung = weniger gesellschaftliche Konflikte?<\/h4>\n\n\n\n<p>Doch hier gilt \u2013 wie in jedem Unterricht \u2013, dass nicht immer (nur) das gelernt wird, was gelernt werden soll. Schulisches Vermittlungswissen trifft im Unterricht auf Sch\u00fcler:innen mit unterschiedlichem Vorwissen, die aus dem ihnen gebotenen fachlichen Wissen oftmals ihre eigenen, p\u00e4dagogisch-didaktisch nicht intendierten, Schl\u00fcsse ziehen. Im Mathematikunterricht sind falsche L\u00f6sungswege, die in der Klasse kursieren, \u00e4rgerlich, aber normativ nicht aufgeladen, wie antisemitische Stereotype, die sich im und durch Unterricht reproduzieren und verfestigen k\u00f6nnen. \u00dcber solche Mechanismen und unbeabsichtigte Nebenfolgen historisch-politischer Bildung wissen wir in der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung noch zu wenig. Bisher verdichtet sich die Erkenntnis, dass mehr Bildung und Erziehung nicht zwangsl\u00e4ufig zur L\u00f6sung historisch tief wurzelnder gesellschaftlicher Probleme beitragen. In \u00f6ffentlichen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen wird vielfach reproduziert, was gesellschaftlich ohnehin bereits verhandelt und problematisiert wird.&nbsp; Das wusste bereits Siegfried Bernfeld, der schon 1925 mit seinem Buch \u201eSisyphos oder die Grenzen der Erziehung\u201c die etablierte P\u00e4dagogik darauf hingewiesen hatte, dass ihr Tun Grenzen hat. \u201eDie Erziehung ist konservativ. Ihre Organisation ist es insbesondere. Niemals ist sie die Vorbereitung f\u00fcr eine Strukturver\u00e4nderung der Gesellschaft gewesen. Immer \u2013 ganz ausnahmslos \u2013 war sie erst die Folge der vollzogenen\u201c (Bernfeld 2000: 119).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rezeption von Bernfeld, einem j\u00fcdischen Kindheits- und Jugendforscher, Marxisten und psychoanalytisch orientierten Intellektuellen, war dementsprechend ambivalent, stellte er doch die gro\u00dfen p\u00e4dagogischen Ziele und Wirkungshoffnungen in- frage. Auf schmerzliche Weise machen Bernfelds Ausf\u00fchrungen auch heute deutlich, dass Erziehung und Bildung nicht die Avantgarde f\u00fcr gesellschaftliche Ver\u00e4nderung, sondern zuvorderst der Resonanzboden f\u00fcr gesellschaftliche Konfliktlagen sind, auf die sich P\u00e4dagog:innen oft fachlich nicht gut vorbereitet f\u00fchlen. Hier liegt ein gro\u00dfer Teil der Verantwortung in der universit\u00e4ren Lehre.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Fachbereich Erziehungswissenschaften greift das Lehr- und Forschungsforum \u201eErziehung nach Auschwitz\u201c diese Herausforderungen aktiv auf und versucht \u2013 in diesem Jahr beispielsweise durch vier thematisch einschl\u00e4gige Hearings in Kooperation mit der j\u00fcdischen Akademie \u2013 Bildungsgelegenheiten f\u00fcr Studierende und Lehrende zu schaffen (s. Beitrag unten).<\/p>\n\n\n\n<p>In seiner Rede an Studierende in Wien hatte Adorno unter dem Titel \u201eAspekte des neuen Rechtsradikalismus\u201c ein \u201ezuschauerhaftes Verh\u00e4ltnis zur Wirklichkeit\u201c (Adorno 2019: 55) problematisiert und die Zuh\u00f6renden aufgefordert, in einem solchen Verh\u00e4ltnis nicht zu verharren. Die letzten Wochen haben einmal mehr gezeigt, dass auch und gerade von der Universit\u00e4t und ihren Mitgliedern zu kl\u00e4ren ist, was diese Forderung f\u00fcr ihre Forschung und ihre Lehre konkret bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><em>Sabine Andresen ist Professorin f\u00fcr Familienforschung und Sozialp\u00e4dagogik; Wolfgang Meseth ist Professor f\u00fcr Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erziehung, Politik und Gesellschaft. Beide forschen und lehren an der Goethe-Universit\u00e4t.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#f0f0f0\"><strong>Literatur<\/strong><br>Adorno, Theodor W. Adorno (2019):<br>Aspekte des neuen Rechtsradikalismus.<br>Berlin: Suhrkamp.<br><br>Bernfeld, Siegfried: (2000):<br>Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung.<br>Frankfurt\/M: Suhrkamp.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>R\u00fcckblick auf das Hearing \u00bbWas wissen wir \u00fcber das Erziehungssystem im Nationalsozialismus?<\/strong>\u00ab<br><br>R\u00fcckblick auf das Hearing \u00bbWas wissen wir \u00fcber das Erziehungssystem im Nationalsozialismus?\u00ab Die vierteilige Hearingreihe des Lehr-und Forschungsforums \u00bbErziehung nach Auschwitz\u00ab befasst sich mit Herausforderungen der schulischen und au\u00dferschulischen Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus und der Shoah unter den Bedingungen aktueller erinnerungspolitischer Konfliktlagen. Im dritten Hearing am 1.\/2. November er\u00f6rterten Expert:innen der historischen Bildungsforschung und ca. 70 Teilnehmer:innen die Frage \u00bbWas wissen wir \u00fcber das Erziehungssystem im Nationalsozialismus?\u00ab Auf der Grundlage einer konzisen Darstellung des Forschungstandes (A. Rohstock, Kassel) wurde das \u00bbEugenik-Programm\u00ab des Nationalsozialismus und die darin enthaltenden Semantiken \u00bbbildungsunf\u00e4hig\u00ab \u00bbminderwertig\u00ab oder \u00bblebensunwert\u00ab rekonstruiert (V. Moser, Frankfurt) sowie die Folgen solcher dehumanisierenden Semantiken f\u00fcr die damalige Jugendf\u00fcrsorge (C. Kuhlmann, Bochum) in den Blick genommen. <br><br>Die Frage, wie sich Judenfeindschaft in nationalsozialistischen Jugendverb\u00e4nden als indoktrinatorisches Kernelement zeigt und bildungshistorisch analysieren l\u00e4sst, diskutierte ein weiterer Beitrag am Beispiel der Mitgliederzeitschrift \u00bbBund Deutscher M\u00e4del\u00ab (BDM) (J. Riepenhausen), bevor abschlie\u00dfend der Frage nachgegangen wurde, wie die NS-Geschichte in der Geschichtsdidaktik nach 1945 aufgegriffen wurde (C. Br\u00fcning, Uni Marburg). Hier zeigte sich ein \u00e4hnliches Bild wie in anderen wissenschaftlichen Disziplinen sowie in Politik, Recht und \u00f6ffentlichem Leben: Auch hier sind es personelle Kontinuit\u00e4ten zwischen Nationalsozialismus und Bundesrepublik, die zu einer versp\u00e4teten Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen und Aufarbeitung von Schuld und Verantwortung, von pers\u00f6nlicher Verstrickung und ideologischen Kontinuit\u00e4ten gef\u00fchrt haben. <br><br>Eindr\u00fccklich haben die vor allem wissensgeschichtlich inspirierten Beitr\u00e4ge der Tagung darauf aufmerksam gemacht, dass und wie sich insbesondere Antisemitismus, aber auch die Semantiken der \u00bbBildungsunf\u00e4higkeit\u00ab sowie des Kolonialrassismus von der Weimarer Republik \u00fcber die dramatische Zuspitzung im Nationalsozialismus bis in die beiden Nachfolgestaaten des Dritten Reiches hinein verfolgen lassen. Hierbei pr\u00e4zise zwischen historischen und aktuellen antisemitischen, rassistischen und ableistischen Erscheinungsformen zu unterscheiden, Kontinuit\u00e4ten und Br\u00fcche zwischen NS-Vergangenheit und der inzwischen langen deutschen Nachkriegsgeschichte zu identifizieren und die Erscheinungsformen solcher Semantiken in den jeweiligen Erziehungssystemen kontextbezogen freizulegen und zu bewerten, bildet eine zentrale Herausforderung zuk\u00fcnftiger Forschung, die als zentrales Ergebnis dieses dritten Hearings festgehalten werden kann. <br><br>Das <strong>vierte und letzte Hearing<\/strong> findet am 31. Januar bis 1. Februar 2024 in der J\u00fcdischen Gemeinde zum Thema \u00bbGedenkst\u00e4tten \u2013 Museen \u2013 au\u00dferschulische Jugendbildung\u00ab statt. Weitere Informationen zum Lehr-und Forschungsforum \u00bbErziehung nach Auschwitz\u00ab finden Sie unter: <a href=\"https:\/\/luf-forum.uni-frankfurt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/luf-forum.uni-frankfurt.de\/<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antisemitismus 2023: Zur Situation von Bildungseinrichtungen \u2013 ein Essay von Sabine Andresen und Wolfgang Meseth Das Ph\u00e4nomen ist nicht neu: Wenn etwas richtig schiefl\u00e4uft und gro\u00dfe politische Sorgen ausl\u00f6st, dann [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":78410,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":""},"categories":[4,173],"tags":[51,48,58,325],"post_folder":[],"class_list":["post-78220","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft","category-unireport","tag-erziehungswissenschaften","tag-gesellschaftswissenschaften","tag-philosophie-und-geschichtswissenschaften","tag-unireport-6-23"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Wie s\u00e4he eine \u00bbErziehung nach Auschwitz\u00ab heute aus? 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