{"id":78816,"date":"2024-02-09T11:28:11","date_gmt":"2024-02-09T10:28:11","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=78816"},"modified":"2025-02-21T08:26:28","modified_gmt":"2025-02-21T07:26:28","slug":"vertrauen-ist-immer-ein-vorschuss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung-frankfurt\/vertrauen-ist-immer-ein-vorschuss\/","title":{"rendered":"\u00bbVertrauen ist immer ein Vorschuss\u00ab"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"wp-block-heading\">Der politische Philosoph Rainer Forst \u00fcber die Mechanismen der Demokratie<\/h4>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover alignfull is-light has-custom-content-position is-position-bottom-center\" style=\"min-height:550px;aspect-ratio:unset;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-10 has-background-dim\"><\/span><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1892\" height=\"1140\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-78933\" alt=\"\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Varavin88_Shutterstock_1380865061-1.jpg\" data-object-fit=\"cover\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Varavin88_Shutterstock_1380865061-1.jpg 1892w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Varavin88_Shutterstock_1380865061-1-300x181.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Varavin88_Shutterstock_1380865061-1-500x301.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Varavin88_Shutterstock_1380865061-1-768x463.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Varavin88_Shutterstock_1380865061-1-1536x925.jpg 1536w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Varavin88_Shutterstock_1380865061-1-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 1892px) 100vw, 1892px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-white-color has-text-color has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#a83333\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"background-color:#dedede00;flex-basis:100%\">\n<p class=\"has-text-align-left has-white-color has-text-color has-medium-font-size\">Unser Zusammenleben basiert auf normativen Ordnungen. Auch die Demokratie ist eine solche Ordnung. Ihre Regeln sind nicht statisch, sie k\u00f6nnen ver\u00e4ndert, angepasst werden. Doch was, wenn die Menschen der Demokratie nicht mehr vertrauen? Dar\u00fcber sprach \u00bbForschung Frankfurt\u00ab mit Rainer Forst, Professor f\u00fcr politische Philosophie an der Goethe-Universit\u00e4t.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Forschung Frankfurt: Herr Professor Forst, Sie sind Direktor des Forschungszentrums Normative Ordnungen, dem fr\u00fcheren Exzellenzcluster. Mit Frau Professorin Fuchs-Sch\u00fcndeln sind Sie Sprecher des Profilbereichs \u00bbOrders and Transformations\u00ab. Sind Sie eigentlich ein ordentlicher Mensch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Forst<\/strong> (lacht und deutet auf seinen Schreibtisch): Ich bin eigentlich \u00fcberhaupt nicht ordentlich, obwohl ich seit Jahren f\u00fcr das Thema Ordnungen zust\u00e4ndig bin. Als j\u00fcngst ein Artikel \u00fcber mich erschien, der mich allzu gro\u00dfz\u00fcgig den \u00bbMessi der Philosophie\u00ab nannte, weil ich trotz verlockender Angebote in Frankfurt geblieben bin, sagten meine Familie und Freunde verschmitzt, das k\u00f6nne auch einen anderen Sinn haben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>In unserem Gespr\u00e4ch soll es aber ja um die Ordnung in unserer Gesellschaft gehen. Die Staatsform der liberalen Demokratie ist an vielen Stellen bedroht \u2013 zumindest h\u00f6rt man das allenthalben. Ist die Demokratie in einer Krise?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So pauschal l\u00e4sst sich das nicht beantworten. Wir leben in einer Zeit vieler Krisen in der Demokratie, und es k\u00f6nnte zu einer echten Krise der Demokratie kommen, wenn diese sich nicht l\u00f6sen oder abmildern lassen. Die Krise ist ja der Moment, an dem es auf der Kippe steht, ob und wie es weitergeht; entsprechend vorsichtig sollte man mit dem Begriff umgehen. Es gibt zweifelsohne reale Prozesse der Entfremdung vom existierenden System der Demokratie, die vielerlei Ursachen haben, insbesondere zwei: kulturelle Vorbehalte gegen die Ver\u00e4nderungen, die insbesondere Migration mit sich bringt, und soziale Benachteiligung und entsprechend mangelnde Perspektiven. Diese werden leider oft zu einem unguten Gemisch des Ressentiments verbunden, aber man muss sie auseinanderhalten. Die erstgenannte Haltung ist fremdenfeindlich und somit antidemokratisch; bei der zweiten Problematik werden zuweilen der Demokratie Missst\u00e4nde zugerechnet, die eigentlich aus Wirtschaftsimperativen einer kapitalistischen Ordnung herr\u00fchren. So manche Unzufriedenheit mit der existierenden Demokratie speist sich eigentlich aus demokratischem Geist, andere wieder aus dem Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wenden sich die Menschen aus wirtschaftlicher Not von der Demokratie ab?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die tiefer liegende Problematik des Verlusts von Vertrauen in Politik ist, dass ein Teil der Bev\u00f6lkerung den Eindruck hat, dass, wie auch immer das politische Spiel ausgeht, f\u00fcr sie wenig dabei herauskommt. Und dann geht man nicht mehr w\u00e4hlen oder w\u00e4hlt aus Protest eine rechtsradikale Partei \u2013 und zwar nicht nur in Ostdeutschland. Die Entwicklung von Einkommen und Verm\u00f6gen in unserem Land (und auch anderswo) ist erschreckend. Verantwortliche Politik kann darauf nicht nicht reagieren, sondern muss Menschen mit niedrigen Einkommen das Leben effektiv strukturpolitisch erleichtern.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Oft hei\u00dft es, der andauernde Streit in der Ampelregierung trage zur Politikverdrossenheit bei. Sehen Sie das auch so?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sicher st\u00f6ren sich viele Leute daran, wenn eine Regierung l\u00e4nger braucht, um sich zu Beschl\u00fcssen durchzuringen, und wenn sie ihre Differenzen offen austr\u00e4gt. F\u00fcr mich ist es aber nicht die Tatsache, dass da gestritten wird, die zu Vertrauenseinbu\u00dfen und Entt\u00e4uschung f\u00fchrt, sondern die Tatsache, wor\u00fcber gestritten wird.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Darf und soll in einer Demokratie nicht \u00fcber alles gestritten werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass eine Kindergrundsicherung in Teilen zur Disposition gestellt wird \u2013 das f\u00fchrt zu einem Vertrauensverlust bei Leuten, die auf solche Mittel angewiesen sind. Die verstehen nicht, wieso genau an diesem Punkt gespart werden soll.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Immer mehr Menschen w\u00e4hlen die AfD \u2013 obwohl inzwischen jeder wissen m\u00fcsste, dass sie damit eine antidemokratische Partei w\u00e4hlen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sollte, wer die AfD w\u00e4hlt, wissen, dass das eine rechtsradikale, menschenfeindliche Partei ist. Aber viele nehmen das bestehende System als ihnen gegen\u00fcber feindlich eingestellt wahr und w\u00e4hnen sich im Modus der Selbstverteidigung, wenn sie so abstimmen. Viele f\u00fchlen sich \u00bb\u00fcberfremdet\u00ab, ja sogar kolonisiert in ihren Lebenswelten. Und dabei spielen autorit\u00e4re, rassistische, muslimfeindliche Einstellungen eine gro\u00dfe Rolle. Mit Slogans wie \u00bbDas Volk muss sich wehren und sich mal wieder Geh\u00f6r verschaffen!\u00ab erzielt die AfD leider rhetorische Punkte. Das ist regressiv, die Verneinung grundlegender Standards des demokratischen Zusammenlebens.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default has-medium-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-7b7f7acc63051cb8861a81acc7d02b8b\" style=\"color:#a83333\"><em>\u00bbViele Menschen sehen sich in einer Situation kultureller, \u00f6konomischer und sozialer Unsicherheit\u00ab<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Woher r\u00fchrt der Vertrauensverlust derer, die wirtschaftlich keine Not leiden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viele Menschen sehen sich in einer Situation kultureller, \u00f6konomischer und sozialer Unsicherheit, auch wenn sie nicht Not leiden. Sie sind sehr offen f\u00fcr jemanden wie Trump, der sagt: Ich wei\u00df, was euch fehlt; ich habe politische L\u00f6sungen, die eure Situation verbessern, sowohl \u00f6konomisch wie auch in Bezug auf euren sozialen Status. Das wirkt besonders bei Leuten, die sehr konservative Ansichten vertreten und denken, sie verk\u00f6rperten eine \u00bbLeitkultur\u00ab. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts haben sie den Ton in der Gesellschaft angegeben. Durch kulturelle Ver\u00e4nderungen f\u00fchlen sie sich stark herausgefordert; die Debatte \u00fcber die gendergerechte Sprache ist daf\u00fcr ein Beispiel, die Migrationsdiskussion ein anderes. Und eine gewisse Radikalit\u00e4t und auch Brutalit\u00e4t der Rhetorik kommt daher, dass diese Gruppen sich jetzt in der Defensive f\u00fchlen und f\u00fcrchten, sie k\u00f6nnen nicht mehr bestimmen, wie das Spiel gespielt wird.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"334\" height=\"500\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1153_c_StefanieWetzel-334x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-78822\" style=\"width:249px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1153_c_StefanieWetzel-334x500.jpg 334w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1153_c_StefanieWetzel-200x300.jpg 200w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1153_c_StefanieWetzel-768x1150.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1153_c_StefanieWetzel-8x12.jpg 8w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1153_c_StefanieWetzel.jpg 886w\" sizes=\"(max-width: 334px) 100vw, 334px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Sind also die Konflikte, die die Demokratien bedrohen, gar nicht demokratiespezifisch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6konomischen Umw\u00e4lzungen seit den 1990ern, versch\u00e4rft seit der Finanzkrise zu Beginn des 21. Jahrhunderts, haben politische und \u00f6konomische Ver\u00e4nderungen gro\u00dfen Stils mit sich gebracht. Die Gesellschaften haben darauf unterschiedlich reagiert. Wie man bei Thomas Piketty nachlesen kann: Die Einkommens-, aber besonders die Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnisse haben sich nicht nur in westlichen Gesellschaften stark ver\u00e4ndert, auch weil wir eingebunden sind in ein globales Wirtschaftssystem, dessen Regeln kaum noch politisch bestimmt werden k\u00f6nnen \u2013 zumindest nicht im gegebenen Rahmen. Viele Konflikte, auch solche, die der Klimawandel oder die digitale Transformation mit sich bringen, sind nicht demokratieimmanent, aber sie werden in demokratischen Gesellschaften besonders stark und offen ausgetragen. Wenn Demokratien die Konflikte nicht produktiv verarbeiten k\u00f6nnen, wenn sie es nicht schaffen, zu zeigen, dass demokratische politische Macht in diesen zentralen Fragen unseres Lebens noch effektiv sein kann, dann kommen Gruppen und versprechen, dass sie \u00bbTake back control\u00ab oder \u00bbMake America great again\u00ab leisten k\u00f6nnen. Sie gewinnen Abstimmungen und Wahlen und betrachten dies als demokratischen Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben jetzt schon h\u00e4ufiger den Begriff des Vertrauens erw\u00e4hnt, der ja auch im Clusterprojekt \u00bbConTrust\u00ab eine wichtige Rolle spielt. Wie entsteht Vertrauen eigentlich genau?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Forschungsinitiative \u00bbConTrust\u00ab gehen wir davon aus, dass man lange an der falschen Stelle gesucht hat, um Vertrauensdynamiken in modernen Gesellschaften zu verstehen. In diversen Diszi\u00adplinen wurde gedacht, Vertrauen beruhe auf Vertrautheit: Je weniger gesellschaftliche Pluralit\u00e4t, Differenz und Auseinandersetzungen, desto mehr Vertrauen ist m\u00f6glich. Uns scheint hingegen, dass die Dynamiken moderner Gesellschaften wie auch die in internationalen Beziehungen anders funktionieren. Heterogenit\u00e4t und Konflikte sind nicht mit Vertrauen unvereinbar \u2013 es kommt vielmehr darauf an, wie sie strukturiert und ausgetragen werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-6725715c81ac13c531e04caf552d6428\" style=\"color:#a83333\"><em>\u00bbDemokratien h\u00e4ngen davon ab, dass wir verstehen, dass tiefgreifende Konflikte nicht einfach verschwinden\u00ab<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Schwindet das Vertrauen in die Politik, weil Konflikte nicht ausgetragen werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Demokratien, aber auch andere politische Systeme jenseits des Staates h\u00e4ngen davon ab, dass wir verstehen, dass tiefgreifende Konflikte nicht einfach verschwinden. Konflikte k\u00f6nnen aber so verlaufen und erlebt werden, dass dies vertrauensgenerierend wirkt. Wenn das nicht gel\u00e4nge, k\u00f6nnte es moderne demokratische Systeme und Rechtsstaaten gar nicht geben. Das untersuchen wir nicht nur in der Politik und in Medien, sondern auch in der \u00d6konomie. Die moderne \u00d6konomie ist ja ein Konkurrenzsystem, und dennoch muss es M\u00f6glichkeiten der Vertrauensbildung geben, sonst w\u00fcrde es nicht funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Daraus folgt ja, dass der \u00f6ffentliche Streit gar nicht demokratiesch\u00e4dlich ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Genau. Wir gehen davon aus, dass komplexe politische Systeme \u00fcberhaupt nur als Konfliktsysteme denkbar sind. Und wir untersuchen, unter welchen Voraussetzungen Vertrauen erzeugende Dynamiken in konflikthaften Gesellschaften entstehen. Unser Vertrauensverst\u00e4ndnis bezieht sich also auf gelingende Konfliktprozesse: Wichtige Interessen werden verneint, andere hingegen werden respektiert, und vielleicht haben die Beteiligten diese zweite Kategorie von Interessen bisher nicht gesehen. Sie werden im Konflikt erst sichtbar. Das hei\u00dft nicht, dass es keine Vertrauensformen gibt, die jenseits von Konflikt entstehen. Es hei\u00dft auch nicht, dass <em>jeder<\/em> Konflikt Vertrauen erzeugt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-205dac8e2e0ae17c48d46f6f1506d308\" style=\"color:#a83333\"><em>\u00bbVertrauen ist auch nicht per se w\u00fcnschenswert\u00ab<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Zudem gilt es zu bedenken (wir sind ja in Frankfurt, dem Ort der Kritischen Theorie): Vertrauen ist auch nicht per se w\u00fcnschenswert. Wenn es schlecht begr\u00fcndet ist, dann ist es nichts Wertvolles. Insbesondere dann nicht, wenn es auf eingespielte Formen, was gut und richtig ist, rekurriert und diese sozial eingew\u00f6hnte konventionelle Kraft etwa ins Rechtssystem einwandert. So wird etwa dagegen argumentiert, dass Muslimas mit Kopftuch Richterinnen sein k\u00f6nnen. Denn es sei denkbar, dass Menschen bei einer Richterin mit muslimischem Kopftuch weniger Vertrauen in das System des Rechts haben, das ja \u00bbneutral\u00ab sein muss. Das aber ist ein falsches Verst\u00e4ndnis von Neutralit\u00e4t, denn es benachteiligt eine Gruppe, deren Religion nach den herk\u00f6mmlichen Ma\u00dfst\u00e4ben \u00bbsichtbar\u00ab ist, w\u00e4hrend die anderer unsichtbar bleibt, aber dabei doch gegenw\u00e4rtig ist. In einem Rechtsstaat aber kann nicht ein generelles Vorurteil, sondern k\u00f6nnen nur konkrete, begr\u00fcndete Einw\u00e4nde gegen bestimmte Personen diese in den Verdacht r\u00fccken, keine guten Richter*innen oder Staatsanw\u00e4lt*innen sein zu k\u00f6nnen. Solches Vertrauen ist Ergebnis eines Lernprozesses, auf dessen M\u00f6glichkeit wir in einer Demokratie hinarbeiten sollten. Mit Adorno zu sprechen, geht es darum, dass alle \u00bbohne Angst verschieden sein\u00ab k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"392\" height=\"500\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1105_c_StefanieWetzel-392x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-78821\" style=\"width:219px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1105_c_StefanieWetzel-392x500.jpg 392w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1105_c_StefanieWetzel-235x300.jpg 235w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1105_c_StefanieWetzel-768x979.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1105_c_StefanieWetzel-9x12.jpg 9w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1105_c_StefanieWetzel.jpg 886w\" sizes=\"(max-width: 392px) 100vw, 392px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Aber wie unterscheidet man w\u00fcnschenswertes und nicht w\u00fcnschenswertes Vertrauen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Uns interessiert, wo in Konflikten immer noch eine Kultur der Kommunikation, der Rechtfertigung, des Eye-to-Eye besteht, die diese Konflikte nicht aufl\u00f6st, aber dennoch so beschaffen ist, dass Vertrauen generiert werden kann. Die Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr begr\u00fcndetes Vertrauen m\u00fcssen kontextspezifisch analysiert werden, aber eine gewisse Form der Anerkennung spielt in jedem Kontext eine Rolle, die signalisiert, dass man einander nicht nur als Instrument betrachtet, sondern als Interaktionspartner in einem Kooperationszusammenhang. In diesem wird \u00fcber Auseinandersetzungen ermittelt, worauf man sich verlassen kann und worauf nicht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wir sprachen vorhin ja schon \u00fcber m\u00f6gliche Ursachen des Vertrauensverlusts. Kann man sagen: Bestimmte Gruppen k\u00f6nnen gar kein Vertrauen mehr haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Demokratie ist ein anspruchsvolles Modell der Organisation des gesellschaftlichen und politischen Lebens. Es geht nicht nur einfach darum, dass wechselnde Mehrheiten bestimmen, wo\u2019s langgeht. Diejenigen, die auf Zeit zum Herrschen legitimiert sind, sind daran gebunden, dass sie alle anderen als Gleiche ansehen, vor denen sie rechtfertigen m\u00fcssen, was sie im Sinne aller f\u00fcr richtig halten. Die Regierungsverantwortung schlie\u00dft ein, dass man sich besonders vor den Schlechtestgestellten rechtfertigen muss, wieso ihre Situation durch politische Ma\u00dfnahmen nicht verbessert werden kann. Deshalb ist der Demokratie ein Anspruch der Gerechtigkeit eingeschrieben. Wenn Teile der Gesellschaft mit geringen Ressourcen und schlechtem Status nur marginal ber\u00fccksichtigt werden, dann kann von diesen Gruppen gar kein begr\u00fcndetes Vertrauen erwartet werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Guter Streit setzt also einiges voraus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Richtig. Ein demokratischer Streit kann nur produktiv sein, wenn er auf Voraussetzungen beruht, n\u00e4mlich, dass es ein Streit unter Gleichen ist. Das hei\u00dft nicht, dass alle gleich viel gewinnen. Aber sie m\u00fcssen den Eindruck haben, dass sie in ihrem Grundstatus, ebenb\u00fcrtiges demokratisches Subjekt zu sein, nicht verletzt werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Worauf beruht denn das Vertrauen der Gruppen, die zur Wahl gehen und das System nicht infrage stellen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hier zeigt sich wieder die Notwendigkeit, zwischen allseitig, einseitig oder gar nicht begr\u00fcndetem Vertrauen zu unterscheiden. Das Vertrauen einer tonangebenden Gruppe kann darauf beruhen, dass sie wissen, sie werden gut abschneiden \u2013 zulasten anderer. Dann ist ihr Vertrauen aus ihrer Perspektive gut begr\u00fcndet, aber nicht aus einer allgemein demokratischen Perspektive, denn es k\u00f6nnte sein, dass sie anderen Grundrechte entziehen wollen. Demokratien sind jedoch keine Selbstbehauptungs- und Bereicherungsinstrumente f\u00fcr Mehrheiten, sondern Demokratien sind (idealerweise) Organisationsformen, in denen um das, was f\u00fcr alle gelten soll, auf einer Ebene gerungen wird, auf der die besten Rechtfertigungen, die allen gegen\u00fcber gegeben werden k\u00f6nnen, in die Gesetze einflie\u00dfen. Demokratisches Vertrauen, recht verstanden, setzt zumindest ernsthaftes Bem\u00fchen darum voraus.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Aber ich muss mich auch mit Menschen auseinandersetzen, die das anders sehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja. Deutlich zu machen, dass eine Haltung rassistisch ist, ist aber keine Form der Missachtung, sondern eine Form der Achtung. Die wirkliche Krise der Demokratie droht dort, wo die Menschen nicht mehr wissen oder wissen wollen, dass Demokratie eine gelebte Form des Respekts und der Teilung von Macht ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wo sind die Rechtfertigungen verankert? Im Grundgesetz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Grundgesetz beruht auf bestimmten grundlegenden Normen. Was hei\u00dft eigentlich Menschenw\u00fcrde? Die Menschenw\u00fcrde ist eigentlich (und jetzt spricht der Kantianer) die Idee, dass im Raum der Normen, die f\u00fcr uns alle gelten sollen, wir Gleiche sind in dem Ma\u00dfe, dass, wenn ich glaube, unser gemeinsames Leben sollte so und so eingerichtet werden, ich das nicht nur vor dir so rechtfertigen k\u00f6nnen muss, dass ich dir ein paar Gr\u00fcnde hinwerfe, und die kannst du annehmen oder nicht. Sondern ich muss dir Gr\u00fcnde liefern als gleichberechtigter Person mit einem Recht auf Rechtfertigung, die mir ebenb\u00fcrtig ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-3e34b46104f93ee421bc4c6bc0ac073a\" style=\"color:#a83333\"><em>\u00bbWenn Demokratie schiefgeht, verfestigen sich Privilegiensysteme\u00ab<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Und das gilt f\u00fcr alle Themen, die in der Demokratie verhandelt werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es gut geht, wird in der Demokratie die Rechtfertigung dessen, was f\u00fcr alle gilt, immer weiter ausgeweitet, und die Gemeinschaft der Gleichen, und zwar der sozial und politisch Gleichen, aber dabei kulturell unterschiedlich bleiben D\u00fcrfenden, wird in einem egalit\u00e4ren Sinne definiert. Wenn Demokratie schiefgeht, dann verfestigen sich Privilegiensysteme \u2013 ob kultureller, religi\u00f6ser, sozialer oder \u00f6konomischer Art. Die Demokratie bleibt prek\u00e4r, wenn man sie nicht in Bezug auf die Grundlagen der Gerechtigkeit und des gleichen Respekts durchbuchstabiert.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Das bedeutet, dass in einer demokratischen Gesellschaft st\u00e4ndig alle mit allen in einem Dialog bleiben m\u00fcssen, vor allem nat\u00fcrlich in einer multikulturell gepr\u00e4gten Gesellschaft.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen davon ausgehen, dass Kollektive \u00fcber sich selbst nachdenkende, lernende Entit\u00e4ten sein k\u00f6nnen, die eine bestimmte Form von gleicher Achtung an den Tag legen k\u00f6nnen. Wenn es das nicht g\u00e4be, w\u00e4re der Versuch der \u00dcberwindung von Schranken etwa zwischen Schwarzen und Wei\u00dfen in den USA hoffnungslos. Ein Kampf, wie wir sehen, der nicht gewonnen ist. Auch nicht hierzulande, was rassistische Diskriminierung angeht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"368\" height=\"500\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1077_c_StefanieWetzel-368x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-78819\" style=\"width:261px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1077_c_StefanieWetzel-368x500.jpg 368w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1077_c_StefanieWetzel-221x300.jpg 221w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1077_c_StefanieWetzel-768x1043.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1077_c_StefanieWetzel-9x12.jpg 9w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Forst_Rainer_1077_c_StefanieWetzel.jpg 886w\" sizes=\"(max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Aber auch nicht verloren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er ist weder verloren noch sinnlos. Genauso wie der Kampf von Frauen f\u00fcr Emanzipation, der Kampf von gleichgeschlechtlichen Lebensformen f\u00fcr Gleichberechtigung, der Kampf f\u00fcr soziale Besserstellung \u2013 nichts ist endg\u00fcltig gewonnen. Und es gibt R\u00fcckschl\u00e4ge \u2013 bis hin zur Regression, der Bek\u00e4mpfung von Gleichberechtigung. Wir haben ja gerade 175 Jahre Paulskirche begangen und m\u00fcssen uns in diesem Zusammenhang die komplexe Geschichte der K\u00e4mpfe f\u00fcr wie auch gegen Demokratie in Deutschland vergegenw\u00e4rtigen. Auch heute m\u00fcssen wir fragen: Ab wann untergr\u00e4bt eigentlich eine \u00f6konomische Ordnung, die auf Ungleichheit beruht, eine demokratische Ordnung? Diese Frage der \u00bbalten\u00ab Frankfurter ist nach wie vor virulent. Und auch eine weitere, mit der sich die Frankfurter Schule befasst hat: Wie schleifen sich kulturelle Stereotype bis hin zu gravierenden Rassismen in Gesellschaften ein? Bisweilen, denke ich, auch \u00fcber ideologische Verwendungen des Begriffs \u00bbVertrauen\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Hat sich die Gesellschaft seit den 1960er Jahren nicht ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich. Die Art, wie heute \u00fcber Gleichberechtigung in manchen Bereichen, auch \u00fcber politische Mitbestimmung, gedacht wird, hat sich sehr ver\u00e4ndert; betrachten wir nur die verst\u00e4rkte soziale Akzeptanz von Homosexualit\u00e4t (trotz vieler weiter bestehender Vorbehalte). Aber es w\u00e4re zu optimistisch zu glauben, dass wir auf einem stetigen Weg der Vervollkommnung demokratischer Ordnungen w\u00e4ren. Das waren wir nie. Es sind immer K\u00e4mpfe n\u00f6tig gewesen. Und es gibt immer R\u00fcckschl\u00e4ge. Dass auf den ersten schwarzen Pr\u00e4sidenten in den USA ein rassistischer Populist wie Trump folgt, muss einen emp\u00f6ren, kann aber leider, soziologisch betrachtet, kritisch erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wenn es so viele R\u00fcckschl\u00e4ge gibt, woher kommt doch immer wieder ein Vertrauensvorschuss f\u00fcr die Demokratie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vertrauen ist immer ein Vorschuss. Ob es um eine Person geht oder eine Institution: Man wei\u00df nie, was das Gegen\u00fcber tun wird, wie eine Institution sich entwickelt. Vertrauen ist immer mit Unsicherheit verbunden, einem Risiko, einer Vorleistung in Bezug auf die Motivation und Kompetenz anderer, wie auch Luhmann sagt. Aber es gibt nat\u00fcrlich Voraussetzungen: Ich nenne das, in Anlehnung an Habermas, eine Kultur der Kommunikation auf Augenh\u00f6he. Beim Vertrauen geht es im Kern um ein Ernstgenommenwerden, ein Respektiertwerden trotz und gerade im Konflikt. Die Zeiten homogener Gesellschaften sind vorbei, und recht besehen gab es sie auch nie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Die Fragen stellten Pia Barth und Anke Sauter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-top is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-cover\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-100 has-background-dim\" style=\"background-color:#eaeaea\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-2efb58df38a741430fc16f482a460771\" style=\"color:#212121\"><strong>Zur Person<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-fdde11da71e3dd891700ccbdd5101020\" style=\"color:#212121\">Rainer Forst ist Professor f\u00fcr Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universit\u00e4t, Direktor des Forschungszentrums \u00bbNormative Ordnungen\u00ab sowie Co-Sprecher der Forschungsinitiative \u00bbConTrust \u2013 Vertrauen im Konflikt\u00ab. Er leitet au\u00dferdem weitere wichtige Drittmittelprojekte. Im Zentrum seiner Forschung stehen Fragen von Gerechtigkeit, Demokratie und Toleranz. Er befasst sich zudem mit der Fortentwicklung Kritischer Theorie und der Philosophie Kants. 2012 hat ihn die Deutsche Forschungsgemeinschaft als wichtigsten politischen Philosophen seiner Generation mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der British Academy. Forst hatte renommierte Gastprofessuren in den USA inne (unter anderem an der New School for Social Research in New York und der University of Michigan) und lehnte mehrere Rufe aus den USA und von deutschen Universit\u00e4ten ab. 2021 war er Fellow am Thomas-Mann-Haus in Los Angeles.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-83dd237c36d9082017cafe93bff1d050\" style=\"color:#212121\">Forsts wichtigste Publikationen (alle bei Suhrkamp und in viele Sprachen \u00fcbersetzt): \u00bbKontexte der Gerechtigkeit\u00ab (1994), \u00bbToleranz im Konflikt\u00ab (2003), \u00bbDas Recht auf Rechtfertigung\u00ab (2007), \u00bbKritik der Rechtfertigungsverh\u00e4ltnisse\u00ab (2011), \u00bbNormativit\u00e4t und Macht\u00ab (2015), \u00bbDie noumenale Republik\u00ab (2021). Sein Werk wird international breit rezipiert, sowohl auf Symposien als auch in Zeitschriften wie \u00bbPolitical Theory\u00ab und \u00bbPhilosophy and Social Criticism\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-e717c0ffc767f8a8f321158428b7e440\" style=\"color:#212121\"><a href=\"mailto:forst@em.uni-frankfurt.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">forst@em.uni-frankfurt.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der politische Philosoph Rainer Forst \u00fcber die Mechanismen der Demokratie Unser Zusammenleben basiert auf normativen Ordnungen. Auch die Demokratie ist eine solche Ordnung. 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