{"id":79033,"date":"2024-02-09T11:38:00","date_gmt":"2024-02-09T10:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=79033"},"modified":"2025-02-20T09:57:43","modified_gmt":"2025-02-20T08:57:43","slug":"das-gemeinsame-haus-als-baustelle-der-unordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung-frankfurt\/das-gemeinsame-haus-als-baustelle-der-unordnung\/","title":{"rendered":"Das \u00bbgemeinsame Haus\u00ab als Baustelle der Unordnung"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"wp-block-heading\">Architektonische Metaphorik im Sprachgebrauch von Demokratien hat oft wenig gemein mit der Realit\u00e4t<\/h4>\n\n\n\n<p><em>von Carsten Ruhl<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover alignfull is-light has-custom-content-position is-position-bottom-center\" style=\"min-height:550px;aspect-ratio:unset;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-10 has-background-dim\"><\/span><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1800\" height=\"1202\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-79035\" alt=\"\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_1610224984_Foto_katuka_banner.jpg\" style=\"object-position:56% 25%\" data-object-fit=\"cover\" data-object-position=\"56% 25%\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_1610224984_Foto_katuka_banner.jpg 1800w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_1610224984_Foto_katuka_banner-300x200.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_1610224984_Foto_katuka_banner-500x334.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_1610224984_Foto_katuka_banner-768x513.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_1610224984_Foto_katuka_banner-1536x1026.jpg 1536w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_1610224984_Foto_katuka_banner-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 1800px) 100vw, 1800px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-white-color has-text-color has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#a83333\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"background-color:#dedede00;flex-basis:100%\">\n<p class=\"has-text-align-left has-white-color has-text-color has-medium-font-size\">Warum in der Politik so viel von \u00bbArchitektur\u00ab gesprochen wird und warum Architektur an sich nicht demokratisch sein kann, dar\u00fcber hat sich der Architekturhistoriker Carsten Ruhl Gedanken gemacht<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Einen Turm aus einzelnen Baukl\u00f6tzen zu bauen, ist gar nicht so einfach. Kinder und ihre Eltern kennen diese Erfahrung von zahlreichen Geschicklichkeitsspielen: Stein auf Stein zu legen, ohne dass das entstandene Gebilde zusammenst\u00fcrzt, erfordert viel Sorgfalt, Konzentration und Geschick. Und niemand m\u00f6chte schuld am Einsturz sein und als Verlierer krachend scheitern. Es w\u00e4re zugleich eine pers\u00f6nliche Niederlage, die Zerst\u00f6rung eines kollektiven Werks sowie ein Beweis mangelnder Geschicklichkeit. Die anderen am Spiel Beteiligten k\u00f6nnen sich indes als geschickte Konstrukteure eines zwar fragilen, aber daf\u00fcr umso bewundernswerteren Bauwerks f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Gruppe der geschickten Konstrukteure scheinen sich bisweilen auch die \u00c4mter und \u00adInstitutionen unseres Landes zu z\u00e4hlen. Das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) w\u00e4hnt sich offenbar auf der Seite talentierter Baumeister, diesen Eindruck gewinnt man zumindest auf der Webseite des Amtes. Unter der \u00dcberschrift \u00bbDas BAMF als Teil der deutschen Sicherheitsarchitektur\u00ab findet sich ein aufschlussreiches Werbebild: Mit sp\u00fcrbarer Entschlossenheit platziert die Hand eines Mannes \u2013 der Schlips weist ihn als Mitarbeiter des Amtes aus \u2013 einen h\u00f6lzernen Baustein auf dem ordentlich gestapelten Spielturm im Bildvordergrund. Damit kein Zweifel dar\u00fcber aufkommt, wie sicher dieser Turm steht, bem\u00fcht das Amt in der Bilderl\u00e4uterung gleich noch eine weitere Architekturmetapher. Darin hei\u00dft es, das BAMF sei eine wichtige \u00bbS\u00e4ule\u00ab der deutschen Sicherheitsarchitektur. Wie l\u00e4sst sich diese Geste im Zusammenhang mit der \u00dcberschrift lesen? Das Amt pr\u00e4sentiert sich als Baustein einer nationalen \u00bbSicherheitsarchitektur\u00ab, der es dem eigenen Selbstverst\u00e4ndnis nach selbst dort noch gelingt, alles in geregelte Bahnen zu lenken, wo von geordneten Verh\u00e4ltnissen schon lange keine Rede mehr sein kann. Die Migration nach Deutschland und Europa ist bekanntlich keine statische Gr\u00f6\u00dfe, wie insbesondere das Bild der S\u00e4ule suggerieren soll, sondern dynamisch und unberechenbar. Ganz zu schweigen von der be\u00e4ngstigenden Wirkung, die von dieser Geste der b\u00fcrokratischen Verwaltung von menschlichen Schicksalen ausgehen kann.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Architekturbegriff im politischen Jargon<\/h4>\n\n\n\n<p>Die kurze Betrachtung dar\u00fcber, wie sich B\u00fcrokratien und Institutionen selbst darstellen, f\u00fchrt zu der Frage, welche Funktion der Architekturbegriff im politischen Diskurs einnimmt und was dies wiederum f\u00fcr die bauliche Repr\u00e4sentation demokratischer Staaten bedeutet. Bleiben wir hierzu beim Begriff der Sicherheitsarchitektur. Die H\u00e4ufigkeit, mit der er seit Jahrzehnten in der Sprache der deutschen Politik verwendet wird, steht nur bedingt f\u00fcr eine besondere Wertsch\u00e4tzung der Baukultur. Vielmehr werden Begrifflichkeiten aus der Architektur in politischen Reden zur Sicherheit Deutschlands oder Europas metaphorisch verwendet. Doch wie wird der Begriff der Architektur als politische Metapher benutzt? Welche Rolle spielt diese Metapher in der politischen Praxis? Und was bedeutet dies wiederum f\u00fcr die Architektur einer demokratisch verfassten Gesellschaft?<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits Ende des 20. Jahrhunderts machte sich in der Politik ein gewisses Unbehagen an\u00adgesichts der weitverbreiteten Verwendung des Architekturbegriffs breit. Der Politikwissenschaftler Heinrich Schneider er\u00f6ffnete seinen Beitrag zu einer Konferenz der OSZE mit der Feststellung, dass der undifferenzierte Gebrauch dieses Begriffs in keinem Verh\u00e4ltnis zu dessen Komplexit\u00e4t stehe (Schneider, 1995). Ideen\u00adgeschichtlich weit ausholend, erinnerte Schneider unter anderem daran, dass Aristoteles Politik als architektonische Kunst verstand und Kant Architektonik als einen vernunftm\u00e4\u00dfigen Systembau definierte. Wer den Status quo der europ\u00e4ischen Sicherheitspolitik als Sicherheitsarchitektur bezeichne, ignoriere diese Bedeutungsdimension vollst\u00e4ndig. Angesichts der vielen ungel\u00f6sten Probleme in Europa lie\u00dfe sich allenfalls von einer \u00bbUnsicherheitsarchitektur\u00ab sprechen. Mit anderen Worten: Das durch den Begriff signalisierte Ordnungsversprechen stand f\u00fcr Schneider in keinem Verh\u00e4ltnis zur tats\u00e4chlich herrschenden Unordnung. Das \u00bbgemeinsame Haus Europa\u00ab, eine weitere Metapher, die Schneider ins Spiel brachte, war aus dieser Perspektive nicht mehr als eine Baustelle.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Architektur statt Infrastruktur<\/h4>\n\n\n\n<p>Schneider reflektierte damit eine Entwicklung, die er mit der bemerkenswerten Karriere des Architektur\u00adbegriffs in der Politik ins Verh\u00e4ltnis setzte. Denn der zeitgeschichtliche Hintergrund seiner \u00dcberlegungen war das allm\u00e4hliche Ende der Systemkonkurrenz zwischen West und Ost \u2013 und damit auch das Ende von definierbaren Grenzen zwischen politischen Einflusszonen, die als handfeste Bedrohung f\u00fcr die eigene Sicherheit h\u00e4tten genannt werden k\u00f6nnen. Sicherheit war nicht l\u00e4nger eine Notwendigkeit, die an eine konkrete milit\u00e4rische Bedrohung gekn\u00fcpft war. Sie beruhte vielmehr auf eher abstrakten Bedrohungsszenarien, die nicht mehr nur milit\u00e4risch beantwortet werden mussten. Sicherheit \u2013 aus heutiger Sicht m\u00fcsste man wohl vielmehr von der Illusion von Sicherheit sprechen \u2013 konnte beispielsweise durch die Schaffung gegenseitiger \u00f6konomischer Abh\u00e4ngigkeiten (\u00bbWandel durch Handel\u00ab) hergestellt werden. Die Metapher der Architektur kompensierte gewisserma\u00dfen die Absenz einer physisch-materiellen Sicherheitsinfrastruktur.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hier wirksame Bild der Architektur als Inbegriff von Rationalit\u00e4t, Dauerhaftigkeit, Logik, Statik, Vernunft und Professionalit\u00e4t scheint noch heute dem Selbstverst\u00e4ndnis politischer Eliten zu entsprechen. F\u00fcr die demokratische Kultur ist sein Nutzen eher zweifelhaft \u2013 zumindest dann, wenn man unter demokratischer Ordnung kein starres Gebilde versteht, sondern eine Praxis, die innerhalb bestimmter Grenzen anpassungsf\u00e4hig und flexibel sein muss. Nehmen wir die k\u00fcrzlich von Politikwissenschaftlern formulierte Definition von Demokratie als \u00bbinstitutionalisierte Unsicherheit\u00ab ernst, so bedeutet Ordnung hier nicht ein statisches Gebilde, sondern einen permanenten Aushandlungsprozess. Das Bild der Architektur hingegen dient vor allem dazu, diese Unsicherheiten zu \u00fcberspielen, Dauerhaftigkeit und Statik dort vorzu\u00adt\u00e4uschen, wo eigentlich Anpassungsf\u00e4higkeit, Dynamik, Aushandlung und Prozesshaftigkeit vorherrschen m\u00fcssten. Dies w\u00e4re nicht weiter tragisch, w\u00fcrde die politische Elite damit nicht \u2013 beabsichtigt oder unbeabsichtigt \u2013 die demokratische Ordnung, die sie vorgibt zu sch\u00fctzen, delegitimieren. Denn \u00bbechte\u00ab Architektur entsteht selten auf der Basis demokratischer Entscheidungsprozesse. Und zwar selbst dann nicht, wenn sie wie in Bras\u00edlia als Inbegriff einer demokratischen Architektur gilt&nbsp; (Pohl\/Ruhl, 2023). Architektur eignet sich also nur bedingt als Metapher f\u00fcr eine \u00bbechte\u00ab Demokratie und ihre Institutionen. Von einem \u00bbBauwerk der Demokratie\u00ab zu reden, f\u00fchrt in die Irre \u2013 aber ebenso die Annahme, es gebe eine spezifisch demokratische Architektur.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Auch intransparente Systeme m\u00f6gen transparente Bauten<\/h4>\n\n\n\n<p>Selbst wenn in politischen Reden gern ein Zusammenhang zwischen politischer und architektonischer Transparenz postuliert wird, sollte man besser von Architekturen in Demokratien als von Architekturen der Demokratie sprechen. Hierf\u00fcr gibt es nicht zuletzt gute historische Gr\u00fcnde. Hinsichtlich der Analogie von trans\u00adparenten Geb\u00e4uden und einem transparenten politischen System ist zu sagen: Schon die italienischen Faschisten befanden transparente Glasfassaden als ein geeignetes Mittel der architektonischen Repr\u00e4sentation. Glas erm\u00f6glicht eben nicht nur Einblicke, sondern auch Ausblicke und damit eine im Foucaultschen Sinne pan\u00adoptische Observation des \u00f6ffentlichen Raums. Zum anderen hatten die meisten Demokratien entweder mit den baulichen \u00dcberresten fr\u00fcherer Regime umzugehen oder griffen gar aktiv auf architektonische Mittel zur\u00fcck, die aus vordemokratischen Zeiten stammten (Minkenberg, 2020). Prominente Beispiele sind Washington DC mit seiner zwischen Potomac und Anacostia River gespannten Monumentalachse, aber auch das Reichstagsgeb\u00e4ude in Berlin, das seine architekturhistorischen Referenzen im monarchischen Residenzbau hat. Sitz der franz\u00f6sischen Nationalversammlung ist ein im fr\u00fchen 18. Jahrhundert f\u00fcr die Herzogin von Bourbon errichtetes Palais an der Place de la Concorde.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"346\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_2155428421_Foto_Alejandro-Zambrana_web-500x346.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-79039\" style=\"width:734px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_2155428421_Foto_Alejandro-Zambrana_web-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_2155428421_Foto_Alejandro-Zambrana_web-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_2155428421_Foto_Alejandro-Zambrana_web-18x12.jpg 18w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/shutterstock_2155428421_Foto_Alejandro-Zambrana_web.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Inbegriff einer demokratischen Architektur? Das Geb\u00e4ude f\u00fcr den Nationalkongress in der brasilianischen Hauptstadt Bras\u00edlia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Dies alles soll kein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine neue Beliebigkeit im architektonischen Ausdruck von Demokratien sein, sondern den Blick auf vernachl\u00e4ssigte Komplexit\u00e4ten von Architektur sowohl als Metapher wie auch als Gebautes \u00adlenken. Denn entgegen der allgemeinen Wahr\u00adnehmung ist das realisierte Architekturprojekt allein nicht die Hauptsache, sondern lediglich die Schnittstelle zwischen zwei f\u00fcr die Akzeptanz von Demokratien eminent wichtigen \u00adSph\u00e4ren architektonischer Ordnungsstiftung. Wenn Winston Churchill recht hatte mit seiner Aussage, dass wir in der Architektur Bauten formen, die wiederum uns formen, dann l\u00e4sst sich nicht \u00fcbersehen, dass den Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Architekturen eine entscheidende Bedeutung f\u00fcr deren Wahr\u00adnehmung als \u00bbSymptom\u00ab demokratischer Verh\u00e4ltnisse zukommt. Der Versuch, Demokratie mithilfe von Architekturmetaphern zu obje\u00adk\u00adtivieren, ignoriert diese Tatsache, weil darin jede Dynamik, die Demokratie eigentlich auszeichnen sollte, auch metaphorisch zu Stein erstarrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit sind wichtige, immer wieder aufs Neue zu beantwortende Fragen angesprochen, die mitten hinein in das Selbstverst\u00e4ndnis von Demokratien und ihrer Architekturen f\u00fchren. Wer bestimmt die Architektur? Wie ist sie organisiert? Wie organisiert sie wiederum unser Zusammenleben? Wie lassen sich Planungs\u00adprozesse demokratisch gestalten, damit deren Ergebnisse auch f\u00fcr einen m\u00f6glichst gro\u00dfen Teil der Gesellschaft \u00fcberhaupt als demokratische Architektur wahrgenommen werden k\u00f6nnen? Der Stein, der den Turm ins Wanken bringt, w\u00e4re dann nicht mehr nur ein Zeichen der Schw\u00e4che, sondern auch der Souver\u00e4nit\u00e4t. Vielleicht sogar der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t. Zumindest aber k\u00f6nnte er immer wieder der Ausl\u00f6ser sein f\u00fcr ein neues Spiel, in dem sich alle Mitspielerinnen und Mitspieler mal als gute Verlierer zu beweisen haben. Was k\u00f6nnte demokratischer sein?<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover is-light\" style=\"min-height:244px;aspect-ratio:unset;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim\" style=\"background-color:#e6e6e6\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Minkenberg, Michael: Demokratische Architektur in Demokratischen Hauptst\u00e4dten: Aspekte der baulichen Symbolisierung und \u00adVerk\u00f6rperung von Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, in: Schwanholz, Julia\/Theiner, Patrick (Hrsg.): Die politische Architektur deutscher Parlamente, Wiesbaden 2020, S. 13-39.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcller, Jan-Werner: What (if Anything) Is \u00bbDemocratic Architecture\u00ab?, in: Bell, Duncan\/Zacka, Bernardo (eds.): Political Theory and Architecture, London\/New York 2020, p. 21-37.<\/p>\n\n\n\n<p>Pohl, Dennis\/Ruhl, Carsten: Bras\u00edlia oder London? Regierungsarchitekturen zwischen Ordnung und Konflikt, in: He\u00df, Regine (Hrsg.): Architektur und Konflikt, Kritische Berichte, Heft 2, 2023, S. 78-92, https:\/\/doi.org\/10.11588 kb.2023.2.94662<\/p>\n\n\n\n<p>Schneider, Heinrich: Sicherheitsarchitektur Europas, in: Sicherheit und Frieden (S+F)\/Security and Peace, Vol. 13, No. 4, 20 Jahre nach Helsinki: Die OSZE und die europ\u00e4ische Sicherheitspolitik im Umbruch (1995), pp. 226-230.<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover is-light\" style=\"min-height:244px;aspect-ratio:unset;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim\" style=\"background-color:#e6e6e6\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized is-style-rounded\"><img decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ruhl_Carsten_35A3077_3_web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-79037\" style=\"width:207px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ruhl_Carsten_35A3077_3_web.jpg 1000w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ruhl_Carsten_35A3077_3_web-300x300.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ruhl_Carsten_35A3077_3_web-500x500.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ruhl_Carsten_35A3077_3_web-150x150.jpg 150w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ruhl_Carsten_35A3077_3_web-768x768.jpg 768w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ruhl_Carsten_35A3077_3_web-12x12.jpg 12w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Ruhl_Carsten_35A3077_3_web-700x700.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Zur Person<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Carsten Ruhl lehrt am Kunstgeschicht\u00adlichen Institut der Goethe-Universit\u00e4t Architekturgeschichte. Nach dem Abitur studierte er zun\u00e4chst Architektur in Dortmund, wechselte dann aber zu Kunstgeschichte, Philosophie und Geschichte an der Ruhr-Uni Bochum. Die Architektur blieb seine Leidenschaft: Nach dem Magister in Kunstgeschichte war er Stipendiat des DAAD in London sowie der Gerda Henkel Stiftung und wurde mit einer Arbeit \u00fcber den englischen Architekturdiskurs des fr\u00fchen 18. Jahrhunderts promoviert. In seiner Habilitationsschrift befasste er sich mit einem italienischen Architekten der Moderne. Er war Professor der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum sowie der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar. Ruhl ist Sprecher des LOEWE-Schwerpunkts \u00bbArchitekturen des Ordnens\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"mailto:ruhl@kunst.uni-frankfurt.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ruhl@kunst.uni-frankfurt.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover is-light\" style=\"min-height:244px;aspect-ratio:unset;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim\" style=\"background-color:#e6e6e6\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p><strong>Der Autor<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Andreas Lorenz-Meyer, Jahrgang 1974, wohnt in der Pfalz und arbeitet seit 13 Jahren als freischaffender Journalist mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit, Klimakrise, erneuerbare Energien, Digitalisierung. Er ver\u00f6ffentlicht in Tageszeitungen, Fachzeitungen, Universit\u00e4ts- und Jugendmagazinen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"mailto:andreas.lorenz-meyer@nachhaltige-zukunft.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">andreas.lorenz-meyer@nachhaltige-zukunft.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Architektonische Metaphorik im Sprachgebrauch von Demokratien hat oft wenig gemein mit der Realit\u00e4t von Carsten Ruhl Warum in der Politik so viel von \u00bbArchitektur\u00ab gesprochen wird und warum Architektur an 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