{"id":79397,"date":"2024-03-26T12:14:38","date_gmt":"2024-03-26T11:14:38","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=79397"},"modified":"2024-05-17T13:47:11","modified_gmt":"2024-05-17T11:47:11","slug":"gedaechtnis-der-literatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/einblick\/gedaechtnis-der-literatur\/","title":{"rendered":"Ged\u00e4chtnis der Literatur"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Literaturarchiv der Goethe-Universit\u00e4t st\u00e4rkt die Forschung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Manuskripte, Reden, Briefwechsel, pers\u00f6nliche Preziosen: Das Literaturarchiv beherbergt literarische Vor- und Nachl\u00e4sse von Autoren wie Eva Demski, Walter Boehlich und F. K. Waechter sowie von Verlagen wie dem Verlag der Autoren, Sch\u00f6ffling &amp; Co. oder dem Eichborn Verlag. Eingebettet in das Universit\u00e4tsarchiv der Goethe-Universit\u00e4t ist es in Kooperation mit dem Fachbereich Neuere Philologien ein Ort, der sich unter der Leitung von Dr. h.c. Wolfgang Schopf zu einem vitalen Zentrum der Forschung und Lehre entwickelt hat. Hier wird literarisches Erbe studiert und wissenschaftlich erschlossen, aber auch der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Wolfgang_Schopf_2_hjue.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-79431\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Wolfgang_Schopf_2_hjue.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Wolfgang_Schopf_2_hjue-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Wolfgang_Schopf_2_hjue-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Wolfgang_Schopf_2_hjue-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Studierte das \u00bbklassische Frankfurter Gedeck\u00ab aus Germanistik, Politologie, P\u00e4dagogik, Philosophie, Soziologie: Dr. h.c. Wolfgang Schopf, Leiter des Literaturarchivs der Goethe-Universit\u00e4t. Foto: Heike J\u00fcngst<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Originalschriften aus der Vergangenheit f\u00fcr die Zukunft bewahren \u2013 im Zeitalter der Digitalisierung, Informationsflut und Fake News wirkt ein Literaturarchiv nahezu anachronistisch. Und erh\u00e4lt gerade deshalb eine besondere Bedeutung: Es stellt das literarische Ged\u00e4chtnis und Erinnerungen an Vergangenes auf eine historisch stabile und textsichere Basis. F\u00fcr Wolfgang Schopf ist Literatur mehr noch eine Quelle der Erkenntnis und Inspiration, die es zu bewahren und zu feiern gilt. \u00bbIch hatte das Gl\u00fcck, meine gro\u00dfe Liebe zu Literatur zum Beruf machen zu k\u00f6nnen.\u00ab Geht es um Literatur, wirkt Schopf \u00bbbeseelt und besessen\u00ab (Zitat Claus-J\u00fcrgen G\u00f6pfert, Frankfurter Rundschau) zugleich. Mit seinem untr\u00fcglichen Gesp\u00fcr f\u00fcr literarische Kostbarkeiten, begleitet von wissenschaftlicher Leidenschaft und der Akribie eines Archivars, verhalf der studierte Germanist dem Literaturarchiv der Goethe-Universit\u00e4t zu bundesweitem Renommee. Schopf leitet das ideengeschichtliche Kleinod seit 2010. Und st\u00e4rkt seither die Literaturforschung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vermittlungsbegabter Kurator<\/h4>\n\n\n\n<p>Ein Besuch des Literaturarchivs offenbart die ganze Entdeckerlust von Wolfgang Schopf: Akten und Archivkartons, B\u00fccher und Bilder, Sessel und Sofas, Texte und pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde erz\u00e4hlen hier die Geschichte ihrer Vorbesitzer. Nachl\u00e4sse von Lektoren und Autoren wie Walter Boehlich, Horst Bingel oder des Theaterautors Wolfgang Deichsel stehen neben der Bibliothek von Peter Kurzek, dem Archiv des Verlags der Autoren, des Sch\u00f6ffling Verlages, von Stroemfeld oder der Schriftstellerin Eva Demski, dazu Manuskripte des Literaturnobelpreistr\u00e4gers Dario Fo oder alle Akten und Texte der Frankfurter Poetikvorlesungen seit Beginn 1959 und vieles mehr. \u00bbSpannend sind nicht nur die Texte allein\u00ab, sagt Wolfgang Schopf, \u00bbsondern auch die Bedingungen, unter denen sie entstanden sind.\u00ab Strahlend zeigt er deshalb exemplarisch den Wetzstein des Zeichners F. K. Waechter hervor, deutet auf den schwarzen Lederlesesessel des Literarturkritikers Marcel Reich-Ranicki. \u00bbIch m\u00f6chte Interessierten den Zugang zu Literatur \u00fcber die Gegenst\u00e4nde und Dinge erm\u00f6glichen, \u00fcber die in den Texten gesprochen wird.\u00ab Schopf wei\u00df sich mit diesem didaktischen Schachzug in guter Gesellschaft: Es ist heute g\u00e4ngige Praxis aller renommierten Literaturarchive, \u00fcber unver\u00f6ffentlichtes Material, Korrespondenzen und Tageb\u00fccher hinaus auch Einrichtungsgegenst\u00e4nde und Gebrauchsg\u00fcter des schriftstellerischen Alltags zug\u00e4nglich zu machen \u2013 Werkentw\u00fcrfe, beil\u00e4ufige Skizzen und nebenher Notiertes sowieso. Die enge Verbindung von allt\u00e4glichem Leben und k\u00fcnstlerischem Werk er\u00f6ffnet Forschenden und Studierenden neue Perspektiven, findet Wolfgang Schopf. Und nebenbei st\u00e4rkt der Besitz derlei pers\u00f6nlichen Guts auch das Renommee des Literaturarchivs.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Literaturarchiv_3_Dettmar.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-79433\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Literaturarchiv_3_Dettmar.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Literaturarchiv_3_Dettmar-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Literaturarchiv_3_Dettmar-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/web_Literaturarchiv_3_Dettmar-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Lesesaal des Universit\u00e4tsarchivs: Lebendiger Raum des intellektuellen Austauschs und der Inspiration f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen von Literaturwissenschaftlern und \u2013liebhabern. Foto: Uwe Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Archivarisches Lebensprojekt<\/h4>\n\n\n\n<p>R\u00fcckblick: Im Jahr 2000 wandte sich der Frankfurter Suhrkamp Verlag an das Institut f\u00fcr Deutsche Sprache und Literatur der Goethe-Universit\u00e4t. Helene Ritzerfeld, die engste Vertraute des Verlagsgr\u00fcnders Peter Suhrkamp war gestorben. Es galt, ihre Ablage zu sichten und aufzuarbeiten \u2013 gesammelte Dokumente und Korrespondenzen mit Autoren wie beispielsweise Hermann Hesse oder Bertolt Brecht. Die Wahl fiel auf einen Doktoranden der Neuen deutschen Literatur: Wolfgang Schopf. Er hatte schon damals den Ruf eines archivarischen Goldgr\u00e4bers.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Literaturgeschichtliche Perlen<\/h4>\n\n\n\n<p>Was er vorfand, waren verwinkelte Kellerg\u00e4nge mit Kisten, Truhen, Schr\u00e4nke, alle vollgestopft mit Briefen, Zeitungsausschnitten, Rezensionen und Manuskripten. \u00bbEs war einfach unglaublich \u00ab, sagt Wolfgang Schopf. \u00bbIn jeder verstaubten Kiste, die ich \u00f6ffnete, entdeckte ich neue Sch\u00e4tze.\u00ab Eine Erstausgabe von Thomas Manns \u00bbDoktor Faustus \u00ab mit einer Widmung f\u00fcr Suhrkamp. Oder das Ur-Manuskript von \u00bbStiller\u00ab von Max Frisch. Zwei Jahre lang tauchte er ab. Als klar wurde, dass diese Aufgabe noch umfangreicher war als urspr\u00fcnglich angenommen, gr\u00fcndeten Verlag und Universit\u00e4t 2002 gemeinsam das Archiv der Peter Suhrkamp Stiftung an der Goethe-Universit\u00e4t. Es war ein gro\u00dfer Gewinn auch f\u00fcr die Forschung. Die Best\u00e4nde der Verlage Suhrkamp und Insel wurden der Literaturwissenschaft zug\u00e4nglich gemacht: erschlossen, editiert, wissenschaftlich bearbeitet und daraus publiziert. F\u00fcr Schopf pers\u00f6nlich entwickelte sich die Aufgabe zu einem Lebensprojekt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u00bbKulturgest\u00fctzte Aussenrepr\u00e4sentanz Der Universit\u00e4t\u00ab<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Begeisterung \u00fcber die Fundst\u00fccke von damals ist Wolfgang Schopf auch noch heute anzumerken. Fotos, Dokumente, Objekte: Der umtriebige Literaturwissenschaftler liebt sie alle. Als 2009 der Suhrkamp Verlag nach Berlin umzieht und den Bestand an das Deutsche Literaturarchiv Marbach verkauft, ist das f\u00fcr Wolfgang Schopf ein herber Schlag, sein \u00bbLebensprojekt\u00ab schien nach einem Jahrzehnt zu vergehen. Aber das Universit\u00e4ts-Pr\u00e4sidium entschied, ein eigenes Literaturarchiv zu halten und weiter aufzubauen. Auch dank der Gr\u00fcndungsstifterin Eva Demski und der Autorenstiftung Frankfurt liegt seither die Aufgabe von Wolfgang Schopf in der \u00bbarchivarischen Bergung und wissenschaftlichen Aufarbeitung des zeitgen\u00f6ssischen literarischen Erbes Frankfurts und dessen Vermittlung gegen\u00fcber der Stadtgesellschaft\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Neue Formate Der Literaturvermittlung<\/h4>\n\n\n\n<p>Das trockene Verwaltungsdeutsch t\u00e4uscht allerdings \u00fcber die wahre Bandbreite seiner sch\u00f6pferischen Leistung hinweg. Der Leiter des Literaturarchivs bringt seine Quellen \u2013 er nennt sie \u00bbphysische \u00dcberlieferung\u00ab \u2013 zum Sprechen, in Editionen, Ausstellungen und Lesungen. Das Format der Hauslesung wird \u00fcber die Jahre zu einem Herzst\u00fcck seiner Arbeit. Mit gro\u00dfem Erfolg. Bis zu 120 G\u00e4ste finden den Weg zu den Veranstaltungen. Mit der Erfindungskraft eines Kulturmanagers etablierte er das Literaturarchiv zu einer festen Gr\u00f6\u00dfe im st\u00e4dtischen Kulturbetrieb Frankfurts. \u00bbWir hatten von Anfang an nach Wegen gesucht, unsere Fundst\u00fccke einer \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen, die \u00fcber das akademische Fachpublikum herausgeht\u00ab, sagt Schopf. So kooperiert er mit \u00bbFrankfurt liest ein Buch\u00ab und konzipiert Ausstellungen und Lesungen passend zum jeweiligen Thema. Mehr als 30 Ausstellungen hat er allein im Restaurant \u00bbMargarete\u00ab unter dem Motto \u00bbFenster zur Stadt\u00ab kuratiert, darunter im letzten Jahrzehnt die Begleitausstellungen zu den Frankfurter Poetikvorlesungen. Schopfs gro\u00dfe Begabung ist sein Vermittlungstalent. Und sein unbedingter Wille, sich dem schleichenden Bedeutungsverlust der Literatur im Informationszeitalter entgegenzustemmen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Autorin: Heike J\u00fcngst<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\">Wolfgang Schopf betreut im Literaturarchiv der Goethe-Universit\u00e4t (Universit\u00e4tsarchiv &amp; Neuere Philologien) derzeit ca. 40 Best\u00e4nde: zu Autorinnen und Autoren, Verlagen und der Vermittlung von Literatur in die Wissenschaft und das Kulturleben. Er kuratierte bislang ca. 60 Ausstellungen, dramatisierte die Quellen im Format \u00bbHauslesung\u00ab und legte ein Dutzend Editionen vor (darunter Briefausgaben von Theodor W. Adorno, Wolfgang Koeppen, Siegfried Kracauer, Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld). Zuletzt erschienen aus den Best\u00e4nden des Archivs Fundus. Das Buch vom Verlag der Autoren 1969\u20132019 und Walter Boehlich, Briefe 1944\u20132000. Mehr unter: www.archiv.uni-frankfurt.de<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Literaturarchiv der Goethe-Universit\u00e4t st\u00e4rkt die Forschung Manuskripte, Reden, Briefwechsel, pers\u00f6nliche Preziosen: Das Literaturarchiv beherbergt literarische Vor- und Nachl\u00e4sse von Autoren wie Eva Demski, Walter Boehlich und F. K. 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