{"id":82065,"date":"2025-01-06T08:16:46","date_gmt":"2025-01-06T07:16:46","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=82065"},"modified":"2025-01-06T08:16:47","modified_gmt":"2025-01-06T07:16:47","slug":"neues-reinhart-koselleck-projekt-rhythmus-in-der-literaturtheorie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/unireport\/neues-reinhart-koselleck-projekt-rhythmus-in-der-literaturtheorie\/","title":{"rendered":"Neues Reinhart Koselleck-Projekt: Rhythmus in der Literaturtheorie"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Komparatist Achim Geisenhansl\u00fcke erforscht die Rolle des Rhythmus als Beschreibungs- und Analysekategorie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Man kennt ihn vor allem aus der Musik, aber auch in anderen Bereichen wird der Begriff h\u00e4ufig benutzt: der Rhythmus der Gezeiten, der Rhythmus von Arbeit und M\u00fc\u00dfiggang, der Rhythmus einer architektonischen Fassadengestaltung, Herz-Rhythmus-St\u00f6rungen. Welche Rolle dem Rhythmus als Beschreibungs- und Analysekategorie in der Literaturtheorie zukommt oder zukommen sollte, das erforscht Professor Achim Geisenhansl\u00fcke in einem neuen Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Reinhart Koselleck-Projekt bewilligt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon fr\u00fch in seiner akademischen Laufbahn hat Achim Geisenhansl\u00fcke sich mit dem Rhythmusbegriff in der Literatur besch\u00e4ftigt. Nach dem Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Freien Universit\u00e4t Berlin und der Universit\u00e9 de Paris VIII-Saint-Denis wurde er mit einer Arbeit \u00fcber Foucault und die Literatur promoviert, noch vor der Habilitation ver\u00f6ffentlichte er einen Aufsatz zur Poetik von Meschonnic. Der franz\u00f6sische Lyriker sowie Sprach- und Literaturwissenschaftler Henri Meschonnic (1932\u20132009) hatte im Rahmen einer kritischen Auseinandersetzung mit strukturalistischen und poststrukturalistischen Literaturtheorien eine Aufwertung des Rhythmusbegriffs eingeleitet. Dieser Prozess sei jedoch l\u00e4ngst nicht abgeschlossen, so Achim Geisenhansl\u00fcke, der seit 2014 an der Goethe-Universit\u00e4t forscht und lehrt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neues f\u00fcr den literaturwissenschaftlichen Werkzeugkasten<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Rahmen seines Reinhart Koselleck-Projekts wird er an einer Poetik des Rhythmus arbeiten mit dem Ziel, den Rhythmus als Analyse- und Beschreibungskategorie im literaturwissenschaftlichen Werkzeugkasten zu verankern. Die Frage nach der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung des Rhythmus f\u00fcr die Theorie und Praxis der Dichtung (= Poetik) verbindet er mit der nach konkreten Erscheinungsformen dieses Ph\u00e4nomens in der Dichtung. Zwar hat Geisenhansl\u00fcke sich auch schon anhand der Prosawerke von Marcel Proust dem Rhythmus als Teil der Stilistik gewidmet, im Zentrum des Koselleck-Projekts jedoch steht der Rhythmus in der Lyrik. Aber nennt man den Rhythmus in Gedichten nicht einfach Metrum? Durchaus nicht, sagt Achim Geisenhansl\u00fcke. Zwar beschreibe auch der Rhythmus die \u201eForm in Bewegung\u201c in der dichterischen Rede, sei aber wesentlich umfassender als der Begriff des Metrums. Gerade im Hinblick auf moderne Lyrik sei das Potenzial des Rhythmus-Begriffs relevant, wenn auch bislang noch zu wenig erforscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Defizit verwundert umso mehr, als schon der griechische Dichter Archilochos im 7. Jahrhundert vor Christus den Rhythmus als wichtiges Merkmal von Dichtung benannte. Zahl und Ma\u00df zusammen ergeben den Rhythmus, konstatierte im 5. Jahrhundert vor Christus der griechische Philosoph Platon. Achim Geisenhansl\u00fcke k\u00fcmmert sich allerdings um wesentliche sp\u00e4tere literarische Produkte. In drei Teilstudien wird er sich seinem Thema n\u00e4hern: In der ersten geht es um den Rhythmus in Gedichten von Friedrich H\u00f6lderlin, in einer weiteren erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit Foucaults Diskurstheorie, die er um den Rhythmusbegriff erweitern m\u00f6chte. Die dritte Teilstudie schlie\u00dflich widmet sich dem Rhythmus als \u201eForm in Bewegung\u201c im modernen Gedicht bis zur Gegenwart, von Annette von Droste-H\u00fclshoff und Charles Baudelaire bis zu Thomas Kling. Den notwendigen Freiraum, um sich all diesen Aspekten widmen zu k\u00f6nnen, verschafft die finanzielle F\u00f6rderung durch die DFG. 750 000 Euro werden auf f\u00fcnf Jahre verteilt in das Projekt flie\u00dfen, bei einer flexiblen Verteilung f\u00fcr Vertretungen, Stellenbesetzungen, Hilfskr\u00e4fte, Workshops und Tagungen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tagung zu Foucaults 100. Geburtstag<\/h2>\n\n\n\n<p>Die seit 2008 vergebene DFG-F\u00f6rderlinie ist nach Reinhart Koselleck (1923\u20132006) benannt, einem der bedeutendsten deutschen Historiker des 20. Jahrhunderts, der als Mitbegr\u00fcnder der modernen Sozialgeschichte gilt. Reinhart Koselleck-Projekte werden an \u201edurch besondere wissenschaftliche Leistung ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler\u201c vergeben. Voraussetzung f\u00fcr eine Bewilligung sind besonders innovative Denkans\u00e4tze sowie eine gewisse Risikobehaftung. Im Falle des Projekts von Achim Geisenhansl\u00fcke liegen die Risiken im Versuch, im Rahmen eines komparatistischen Ansatzes mit dem Rhythmus einen f\u00fcr die Literaturwissenschaft ebenso zentralen wie untersch\u00e4tzten Begriff zum Gegenstand zu nehmen, um auf diese Weise der Poetik einen neuen Impuls zu geben. Dabei gehe es um nichts weniger als darum, die literaturtheoretischen \u00dcberzeugungen der Gegenwart zu modifizieren \u2013 eine Abkehr vom Dualismus von Signifikant und Signifikat zugunsten der \u00dcberzeugung, dass auch die zeitliche Gliederung literarischer Rede Bedeutung erzeuge. Einer der H\u00f6hepunkte des Projekts ist f\u00fcr das Jahr 2026 vorgesehen: Zu Foucaults 100. Geburtstag soll es eine gro\u00dfe Tagung geben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Komparatist Achim Geisenhansl\u00fcke erforscht die Rolle des Rhythmus als Beschreibungs- und Analysekategorie. 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