{"id":84751,"date":"2025-08-04T10:00:00","date_gmt":"2025-08-04T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=84751"},"modified":"2025-10-24T09:23:24","modified_gmt":"2025-10-24T07:23:24","slug":"ein-sprachschatz-unvorstellbaren-ausmasses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/ein-sprachschatz-unvorstellbaren-ausmasses\/","title":{"rendered":"Ein Sprachschatz unvorstellbaren Ausma\u00dfes"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">An der Goethe-Universit\u00e4t entsteht eine digitale Plattform als Grundlage f\u00fcr die Sprachforschung<\/h2>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"465\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1.4_compling_main_page-500x465.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-84831\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1.4_compling_main_page-500x465.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1.4_compling_main_page-300x279.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1.4_compling_main_page-13x12.jpg 13w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1.4_compling_main_page.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Als gemeinsame Plattform f\u00fcr Sprachdaten<br>aus <a href=\"https:\/\/diacl.uni-frankfurt.de\/GeographicalPresence\/Index\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">DiACL <\/a>und TITUS wurde die <a href=\"https:\/\/compling.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CompLing.eu<\/a><br>ins Leben gerufen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Sprachen sind erstaunlich. Sie spiegeln wider, was in unseren K\u00f6pfen vor sich geht, und sie erm\u00f6glichen uns die Kommunikation und Zusammenarbeit bei gro\u00dfen und kleinen Projekten. Und das auf so unterschiedliche Art und Weise: In den Hunderttausenden von Jahren, in denen Menschen Sprachen verwenden, haben sich weltweit zwischen 7000 und 8000 verschiedene Sprachen entwickelt. Manche von ihnen werden von Milliarden von Menschen gesprochen, andere indes weisen nur eine Handvoll Sprecherinnen und Sprecher auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vielfalt der menschlichen Sprache stellt eine unersch\u00f6pfliche Ressource f\u00fcr das Forschen \u00fcber menschliche Kognition und Kultur dar. Im digitalen Zeitalter gibt es ganz neue M\u00f6glichkeiten hierf\u00fcr. Der Bedarf der Linguistik nach immer gr\u00f6\u00dferen und besseren Daten aus m\u00f6glichst vielen Sprachen w\u00e4chst immer weiter. Dieses Sprachmaterial aus gro\u00dfen Datenbanken und Textbest\u00e4nden (Korpora) wird f\u00fcr Studien mit computergest\u00fctzten Werkzeugen wie Evolutionsmodellen, Large Language Models, maschinellem Lernen oder K\u00fcnstlicher Intelligenz verwendet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut f\u00fcr Empirische Sprachwissenschaft an der Goethe-Universit\u00e4t leistet seit Jahrzehnten Pionierarbeit auf dem Gebiet der Sprachendigitalisierung. Schon in den sp\u00e4ten 1980er Jahren startete der damalige Leiter der Abteilung, Prof. Jost Gippert, durch einen Aufruf in der Zeitschrift \u00bbDie Sprache\u00ab (Ausgabe 32\/2, 1987) ein Programm zur Digitalisierung von Daten aus alten und modernen Sprachen, das als TITUS-Projekt (Thesaurus of Indo-European Text and Language Materials) bekannt wurde. Im Laufe der Jahre wuchs der Inhalt dieser Datenbank immer weiter an. Er speiste sich sowohl aus Korpora alter und moderner Sprachen unterschiedlicher Sprachfamilien, aber auch aus W\u00f6rterb\u00fcchern, Grammatiken, Sprachkarten, Diagrammen von Schriftsystemen und vielem mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Die TITUS-Textdatenbank, bestehend aus 900 verschiedenen Korpora und Textsammlungen verschiedener Sprachen, wurde im Laufe der Jahrzehnte immer weiter verbessert und kuratiert und fand ihr Publikum unter Studierenden und Forschern, die in ihrer sprachwissenschaftlichen Forschung mit Korpora, W\u00f6rterb\u00fcchern und anderem Sprachmaterial arbeiten. Im Laufe der Zeit veraltete die technische Schnittstelle f\u00fcr gro\u00dfe Teile der TITUS-Datenbank jedoch, was den Umgang mit den Daten, deren Aktua\u00adlisierung und Nutzung, erschwerte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"500\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Carling_privat-500x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-84832\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Carling_privat-500x500.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Carling_privat-300x300.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Carling_privat-150x150.jpg 150w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Carling_privat-12x12.jpg 12w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Carling_privat.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gerd Carling, Professorin f\u00fcr Vergleichende Sprachwissenschaft, lehrt seit 2023 an der Goethe-Universit\u00e4t.<br>Photo: private<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>2023 hat Gerd Carling von der Universit\u00e4t Lund in Schweden die Professur f\u00fcr Vergleichende Sprachwissenschaft am Institut f\u00fcr Empirische Sprachwissenschaft der Goethe-Universit\u00e4t \u00fcbernommen. Die Wissenschaftlerin besch\u00e4ftigt sich mit der Erforschung und Digitalisierung alter und untergegan\u00adgener Sprachen, insbesondere der indoeurop\u00e4ischen Sprache Tocharisch, einer Sprache, die f\u00fcr die zweite H\u00e4lfte des 1.\u202fJahrtausends nach Christus im Tarim\u00adbecken im heutigen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang nachgewiesen ist. Auch die indoarische Sprache Romani und die Minderheitensprachen S\u00fcdamerikas geh\u00f6ren zu ihren Forschungsthemen.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem war sie aktiv an der Zusammen\u00adstellung von Daten f\u00fcr das aufstrebende Forschungsgebiet der Sprachevolution und Phylogenetik (computergest\u00fctzte Methode zur Ermittlung von Verwandtschaftsverh\u00e4ltnissen) beteiligt. Zwischen 2010 und 2022 \u00adstellten sie und ihr Team in Lund eine umfangreiche Ressource mit grammatikalischen, lexikalischen und sprachlichen Metadaten f\u00fcr Tausende von Sprachen zusammen. Diese Datenbank mit der Bezeichnung DiACL (Diachronic Atlas of Comparative Linguistics) liefert Daten f\u00fcr die sprach\u00fcbergreifende Untersuchung von Sprachen durch Computermodelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihrer Ernennung zur Professorin erhielt \u00adCarling Mittel, um eine gro\u00dfe gemeinsame Ressource mit Sprachdaten zu schaffen, die die Datenbanken TITUS und DiACL miteinander verbindet. Diese neue Plattform erhielt den Namen CompLing \u2013 The Comparative Linguistic Databank of Goethe University. Sie stellt eine einzigartige Quelle dar f\u00fcr den Zugriff auf linguistische Daten verschiedener Art, die sowohl f\u00fcr Forschende als auch f\u00fcr Studierende von Nutzen sind, aber auch f\u00fcr alle anderen Menschen, die sich f\u00fcr die riesige Vielfalt der Sprachen interes\u00adsieren. \u00dcber eine gemeinsame Startseite k\u00f6nnen die \u00adverschiedenen Bereiche der Plattform erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier hat man zum einen Zugang zur DiACL-Datenbank, die lexikalische, grammatikalische und linguistische Metadaten aus Tausenden von Sprachen enth\u00e4lt. Diese Daten sind so aufbereitet, dass die Datens\u00e4tze dieselben Wortgruppen oder grammatikalischen Formen in Hunderten von Sprachen oder mehr enthalten, die heruntergeladen und von Com\u00adputermodellen analysiert werden k\u00f6nnen. Ein weiterer Teil der Plattform ist die Datenbank TITUS 2.0 \u2013 eine aktuelle Version der Daten der fr\u00fcheren TITUS-Datenbank \u2013, in der Korpusdaten und Metadaten aus \u00adHunderten von Sprachen gespeichert sind, die in \u00adverwendbaren und nachhaltigen Formaten heruntergeladen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem dritten Bereich, dem Polygon-Archiv, wiederum werden die Daten aus den Datenbanken DiACL und TITUS miteinander kombiniert. Hier befinden sich geografische Daten in Form von \u00bbPolygonen\u00ab (digitalen Karten) zu fast tausend Sprachen, die kostenlos f\u00fcr Atlanten oder Berechnungen zur r\u00e4um\u00adlichen Ausdehnung von Sprachen genutzt werden \u00adk\u00f6nnen. Vorgesehen ist eine weitere Komponente, die Schriftsysteme zur Verf\u00fcgung stellt, die mithilfe von Computermodellen analysiert werden k\u00f6nnen. Mit diesem Instrument l\u00e4sst sich die Entwicklung von Schriftsystemen beobachten, oder es lassen sich unbekannte Systeme entschl\u00fcsseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Forschung, Studium, Allgemeininteresse \u2013 all diese Nutzungsbereiche sind vorstellbar. Wissenschaftliche Fragen zum Beispiel nach Sprachkontakten in Gegenwart und Vergangenheit, nach Entlehnungen zwischen Sprachen oder Prinzipien der Sprachevolution k\u00f6nnten sich hiermit l\u00f6sen lassen. Es ist jedoch auch m\u00f6glich, Informationen \u00fcber eine bestimmte Sprache zu finden, zum Beispiel Fragen \u00fcber die Kultur und den Glauben der Sprecher. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich mit gro\u00dfen Sprach\u00admodellen, nat\u00fcrlicher Sprachverarbei\u00adtung, maschinellem Lernen oder K\u00fcnstlicher Intelligenz besch\u00e4ftigen, bietet sich die M\u00f6glichkeit, auf vergleichbare Daten aus vielen Sprachen zuzugreifen. Dar\u00fcber hinaus \u00adk\u00f6nnen Studierende verschiedener Fachrichtungen die Daten f\u00fcr das Training von \u00adForschungsmethoden nutzen oder sie als Ressource f\u00fcr Bachelor- oder Masterarbeiten verwenden. Und schlie\u00dflich hat der sprach\u00adinteressierte Laie die Chance, auf diese Weise Zugang zu Sprachdaten zu erhalten, um seine individuellen Fragen zu beantworten. (asa)<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><a href=\"https:\/\/www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/34831594\/aktuelle_Ausgabe\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zur gesamten Ausgabe von Forschung Frankfurt 1\/2025: Sprache, wir verstehen uns!<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Goethe-Universit\u00e4t entsteht eine digitale Plattform als Grundlage f\u00fcr die Sprachforschung Sprachen sind erstaunlich. 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