{"id":85001,"date":"2025-08-08T10:00:00","date_gmt":"2025-08-08T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=85001"},"modified":"2025-10-24T09:24:22","modified_gmt":"2025-10-24T07:24:22","slug":"mit-verneinung-auf-der-suche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/mit-verneinung-auf-der-suche\/","title":{"rendered":"Mit Verneinung auf der Suche nach dem linguistischen Code"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Sonderforschungsbereich \u00bbNegation in Language and Beyond\u00ab suchtnach den Grundlagen menschlicher Sprache im Gehirn<br><\/h2>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"318\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/3.1_SFB_Verneinung-500x318.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-85002\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/3.1_SFB_Verneinung-500x318.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/3.1_SFB_Verneinung-300x191.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/3.1_SFB_Verneinung-18x12.jpg 18w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/3.1_SFB_Verneinung.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: paikong\/Shutterstock<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Nein sagen \u2013 das ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Doch wie genau funktioniert die Verneinung in der Sprache? Und wie korrespondieren die sprachlichen Strukturen daf\u00fcr mit den Abl\u00e4ufen im Gehirn? Diesem Themenfeld widmet sich der Sonderforschungsbereich \u00bbNegation \u2013 ein sprachliches und au\u00dfersprachliches Ph\u00e4nomen\u00ab (\u00bbNegation in Language and Beyond\u00ab, kurz NegLaB), der 2024 mit der Arbeit begonnen hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Die Begeisterung war gro\u00df, als im November 2023 der Antrag einer Gruppe von Linguisten in Frankfurt und G\u00f6ttingen und Psychologen aus T\u00fcbingen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auf einen eigenen Sonderforschungsbereich (SFB) bewilligt wurde. 9,3 Millionen Euro f\u00fcr drei Jahre und neun Monate sowie die anteilige \u00dcbernahme von indirekten Kosten aus den Projekten stehen nun zur Verf\u00fcgung, um Licht in ein bislang nicht ausreichend erforschtes Ph\u00e4nomen zu bringen: die Negation in der menschlichen \u00adSprache. Sonderforschungsbereiche geh\u00f6ren zu den umfangreichsten F\u00f6rderungsformaten, die die DFG zu vergeben hat, und selten kommen geisteswissenschaftliche Gro\u00dfprojekte zum Zuge.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun also die Linguistik, die eine vergleichsweise junge Wissenschaft ist. Ihr Gegenstand ist die Sprache in all ihren Aspekten (Phonologie, das hei\u00dft, welche Eigenschaften sprachliche Laute haben, Syntax, das hei\u00dft, welche Sequenzen in einer gegebenen Sprache erlaubt sind, Semantik, das hei\u00dft, wie wir Bedeutung interpretieren und so weiter). Die Linguistik untersucht all diese Aspekte unter der Pr\u00e4misse, dass Sprache das Produkt einer bestimmten Gruppe von neuronalen Bereichen unseres Gehirns ist. Diese sind \u2013 bei Rechtsh\u00e4ndern \u2013 in der linken Hemisph\u00e4re angesiedelt. Da sie eine grundlegende Komponente des menschlichen kognitiven Systems untersucht, ist die Linguistik mit der Psychologie eng verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die formale Linguistik, welche Sprache mithilfe mathematischer Methoden analysiert (siehe Liefke\/Zimmermann auf Seite 50) und die auch Grundlage der Computerlinguistik ist, geht davon aus, dass es einige universelle Eigenschaften gibt, die in allen Sprachen vorkommen und die nur in der menschlichen Sprache vorhanden sind, w\u00e4hrend andere variieren k\u00f6nnen. Vor diesem Hinter\u00adgrund untersucht der SFB aus verschiedenen Blickwinkeln ein in allen Sprachen vorhandenes Ph\u00e4nomen, n\u00e4mlich die Negation.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Negation als Schl\u00fcssel zum kognitiven System<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Negation ist, vereinfacht gesagt, ein Instrument, das den Wahrheitswert eines Satzes umkehrt. Wenn ich sage: \u203aJohn ist krank\u2039 und \u203aJohn ist nicht krank\u2039, sind diese beiden S\u00e4tze in genau der entgegengesetzten Situation wahr. F\u00fcr einen linguistischen Laien vielleicht eine recht triviale Feststellung. Warum ist die Negation aber so interessant f\u00fcr die allgemeine Kognitionsforschung, und warum kann sie als Schl\u00fcsselph\u00e4nomen betrachtet werden, um den linguistischen Code, die Grammatik der Sprache zu knacken, also zu verstehen, wie die menschliche Sprache funktioniert und wie sie mit anderen Teilen unseres kognitiven Systems zusammenh\u00e4ngt?<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann als erwiesen gelten, dass die menschliche Sprache im Vergleich zu tierischen Kommunikationssystemen besondere Eigenschaften aufweist: So k\u00f6nnen beispielsweise nur Menschen \u00fcber die Vergangenheit oder die Zukunft sprechen oder sich auf nichtexistierende Welten beziehen (wie etwa im Science-Fiction-Roman). Tiere sind dazu nicht in der Lage, obwohl auch ihre Kommunikationsf\u00e4higkeiten komplex sein k\u00f6nnen. Auch die Negation ist ein Ph\u00e4nomen, das nur in der menschlichen Sprache vorkommt. Tiere k\u00f6nnen zum Beispiel zwar Essen und Trinken verweigern, aber sie k\u00f6nnen die Wahrheit einer Aussage nicht verneinen. Au\u00dferdem geh\u00f6rt die Negation zu den sprachlichen Ph\u00e4nomenen, die in allen uns bis jetzt bekannten menschlichen Sprachen vorkommen. Das zeigt: Sie ist eine universelle Eigenschaft unseres Geistes. Im Sonderforschungsbereich wollen wir nun herausfinden, wie diese grundlegende Operation funktioniert, warum sie einerseits in allen uns bekannten Sprachen universell vorhanden ist, andererseits aber mit sehr unterschiedlichen Mitteln ausgedr\u00fcckt wird. Wie wird die Negation von Kindern und Nichtmuttersprachlern einer Zweitsprache erworben, also erlernt? Wie wird sie verarbeitet, was passiert in unserem Gehirn, wenn wir einen verneinten Satz h\u00f6ren? All dies sind Forschungsfragen, die die Projekte innerhalb des SFB untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"background-color:#eeeeee\">\n<p class=\"has-text-align-center\">AUF DEN PUNKT GEBRACHT<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Negation ist eine grundlegende Eigenschaft der menschlichen Sprache und kommt in allen bekannten Sprachen vor. Sie dient dazu, den Wahrheitswert eines Satzes zu ver\u00e4ndern und ist ein Schl\u00fcssel zur Untersuchung des menschlichen kognitiven Systems.<br><\/li>\n\n\n\n<li>Obwohl die Negation in allen Sprachen vorhanden ist, variiert die Art und Weise, wie sie ausgedr\u00fcckt wird. So werden in unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche sprachliche Elemente (z.\u2009B. Adverbien, Artikel, Verneinungs\u00adpartikel) verwendet, um Negation zu kennzeichnen.<br><\/li>\n\n\n\n<li>Die Untersuchung der Negation hilft, die Funktionsweise der menschlichen Sprache im Gehirn zu verstehen. Sie ist eng mit kognitiven Prozessen wie Ged\u00e4chtnis, Urteilsbildung und Wahrnehmung verbunden, da sie als Teil des sprachlichen und kognitiven Systems angesehen wird.<br><\/li>\n\n\n\n<li>Ein zentrales Thema der Forschung ist, wie Kinder und Zweitsprachler Negation erlernen und wie diese Operation im Gehirn verarbeitet wird. Hierbei wird untersucht, wie verschiedene Gehirnregionen beim H\u00f6ren und Verstehen negativer S\u00e4tze aktiv werden<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verwandte Sprachen, unterschiedliche Negationsweise<\/h3>\n\n\n\n<p>Was wir bereits \u00fcber die Negation zu wissen glauben: Einerseits scheint sie eine grund\u00adlegende Eigenschaft unseres sprachlichen und kognitiven Apparats zu sein, so dass unser logisches System ohne sie nicht auskommt, obwohl man sich durchaus k\u00fcnstliche Sprachen ohne Negation vorstellen kann. Andererseits k\u00f6nnen Sprachen in der Art und Weise, wie sie die Negation in der Sprache umsetzen, sehr unterschiedlich sein. Nehmen wir zum Beispiel zwei historisch und typologisch recht eng verwandte Sprachen: Was in einer Sprache wie dem Englischen durch ein negatives Adverb wie \u203anot\u2039 ausgedr\u00fcckt wird, kann im Deutschen durch einen negativen Artikel wie \u203akein\u2039 ausgedr\u00fcckt werden: Wenn ich also den bekannten Satz von Magrittes Bild \u00bbthis is not a pipe\u00ab vom Englischen ins Deutsche \u00fcbersetze, erhalte ich im Deutschen \u00bbdas ist keine Pfeife\u00ab. Im Franz\u00f6sischen erhalte ich: \u00bbceci n\u2019est pas une pipe\u00ab, wobei ich f\u00fcr die Negation sogar zwei Elemente brauche (ne und pas).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sprachen k\u00f6nnen sich auch in Bezug auf eine Eigenschaft unterscheiden, die an mathematische Rechenvorg\u00e4nge erinnert: Wenn ich zum Beispiel im Englischen oder im Deutschen zwei negierende sprachliche Elemente einf\u00fcge, erhalte ich eine positive Bedeutung. Der Satz: \u00bbEr hat nicht immer keine Steuern gezahlt\u00ab, bedeutet, dass er sie manchmal gezahlt hat. Zwei negierende Elemente heben sich also gegenseitig auf, also \u00e4hnlich wie bei der mathematischen Gleichung 5 \u2013 (\u20132) = 5&nbsp;+&nbsp;2. Anders in den romanischen Sprachen: Hier kann man beliebig viele negierende Elemente in einem Satz anh\u00e4ufen und trotzdem bleibt der Sinn dieses Satzes negativ. So kann man im Italienischen sagen: \u00bbNessuno ha detto niente a nessuno\u00ab, w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt: \u00bbNiemand hat zu niemandem nichts gesagt\u00ab, und der Satz ist immer noch negativ und bedeutet \u00bbNiemand hat jemandem etwas gesagt\u00ab \u2013 verbl\u00fcffend, wenn man dies mit dem Englischen (oder Deutschen) vergleicht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verneinung kann auch verst\u00e4rkend wirken<\/h3>\n\n\n\n<p>Warum aber betrachten einige Sprachen jedes negierende Element als einen eigenst\u00e4ndigen Fall von Negation, der dann als solcher in die Gesamtbedeutung eingerechnet wird, w\u00e4hrend andere dies nicht tun? Wie wirken sich diese Unterschiede auf das allgemeine linguistische und kognitive System der Sprecher der jeweiligen Sprachen aus? Und wie verh\u00e4lt es sich mit solchen F\u00e4llen, bei denen ein negierendes Wort vorkommt, das den Sinn des Satzes aber nicht negiert \u2013 wie im deutschsprachigen Satz \u00bbWas er nicht alles isst!\u00ab? Denn dieser Satz bedeutet nicht, dass er nichts isst, sondern genau das Gegenteil. Was macht also das \u203anicht\u2039 in einem solchen Satz? Warum wird die Negation manchmal als solche interpretiert und manchmal scheint sie den Wahrheitswert des Satzes nicht zu ver\u00e4ndern, sondern sogar zu verst\u00e4rken? Und woher wissen wir beim H\u00f6ren oder Lesen, wann wir die Negation als Negation interpretieren und wann wir sie ignorieren sollten?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir unseren Blickwinkel weiten und solche Sprachen betrachten, die auf anderen Kontinenten zu Hause sind, wird deutlich, dass die Negation mit dem morphosyntaktischen System des Verbs interagiert, so dass bestimmte negative Elemente nur mit einigen Verbformen zu verbinden sind. So ist die Negation von einem Imperativsatz, der einen Befehl ausdr\u00fcckt, anders als die von einem normalen Aussagesatz. Dies hat zur Folge, dass die Negation empfindlich auf zeitliche oder modale Beziehungen zu reagieren scheint. Aber warum ist das so? Klar ist auf alle F\u00e4lle: Die Untersuchung der Negation ist ein Dreh- und Angelpunkt, um besser zu verstehen, wie das sprachliche System insgesamt funktioniert, wie es mit anderen kognitiven Systemen wie Ged\u00e4chtnis, Urteilsbildung und Stereotypen zusammenh\u00e4ngt \u2013 und sie kann interessante Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie wir Kommunikation in allen Bereichen konstruieren. Ganz allgemein kann diese Untersuchung uns dabei helfen, uns selbst besser kennenzulernen, wie der ber\u00fchmte Spruch \u00bbErkenne dich selbst\u00ab (Gnothi seauton) auf dem Tempel des Apollo in Delphi besagt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Die Projekte im Sonderforschungsbereich Negation<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-white-background-color has-background\"><strong>Negation and cancellation<\/strong>*<br>Im Fokus des Projekts von Cornelia Ebert und Andr\u00e9 Fuhrmann stehen sprachliche Mittel, die es erm\u00f6glichen, bereits gemachte Aussagen nachtr\u00e4glich zu ver\u00ad\u00adneinen oder in ihrer G\u00fcltigkeit einzuschr\u00e4nken. Ein Beispiel: \u203aPeter hat alle Romane von Thomas Mann gelesen au\u00dfer Doktor Faustus\u2039. Diese Mittel werden aus linguistischer und philosophischer Perspektive analysiert.<br><br><strong>Negative adjectives in language change<\/strong><br>C\u00e9cile Meier und Helmut Wei\u00df analysieren negierte Adjektive (\u203aun-verheiratet\u2039 = \u203anicht verheiratet\u2039) in ihrer Entwicklung vom Althochdeutschen bis zum modernen Deutsch. Diese Adjektive sind besonders interessant, weil sie h\u00e4ufig nicht dem regul\u00e4ren Muster folgen (\u203aun-vergesslich\u2039 \u2260 \u203anicht vergesslich\u2039) oder nicht von einem bestehenden Wort abgeleitet sind (\u203aun-erbittlich\u2039).&nbsp;<br><br><strong>A comparative approach to the mysteries of the Jespersen cycle<\/strong><br>Cecilia Poletto und Helmut Wei\u00df untersuchen die Entwicklung der Negationsw\u00f6rter in den ger\u00adma-nischen und romanischen Sprachen. Insbesondere soll der sogenannte Jespersche Zyklus \u00fcberpr\u00fcft werden, laut dem die Entwicklung in drei Stufen verl\u00e4uft; Stufe 1: ein einfaches Wort dr\u00fcckt Negation aus (Altfranz\u00f6sisch \u203ane\u2039), Stufe 2: Negation wird durch ein weiteres Wort verst\u00e4rkt (Modernes Stan\u00addardfranz\u00f6sisch \u203ane pas\u2039), Stufe 3: nur dieses weitere Element ist \u00fcbrig (Umgangsfranz\u00f6sisch \u203apas\u2039).<br><br><strong>Resolving the Neg-Raising paradox<\/strong><br>Manfred Sailer und Hedde Zeijlstra widmen sich zusammengesetzten S\u00e4tzen, in denen die Verneinung eines Hauptsatzes als Verneinung des Nebensatzes verstanden wird (\u203aIch glaube nicht, dass es regnet\u2039 = \u203aIch glaube, dass es nicht regnet\u2039). Warum funktioniert dies mit Verben wie \u203aglauben\u2039, aber nicht mit anderen Verben (\u203aIch behaupte nicht, dass es regnet\u2039 \u2260 \u203aIch behaupte, dass es nicht regnet\u2039)?<br><br><strong>Negation at the interfaces: Negation and existential quantifi\u00adcation in German<\/strong><br>Markus Bader, Sascha Bargmann und Gert Webelhuth gehen der psycholinguistischen Frage nach, wie beim Schreiben und Sprechen verneinte S\u00e4tze produziert werden, wenn Verneinung auf unterschiedliche Weise ausgedr\u00fcckt werden kann. Im Mittelpunkt steht die Auswahl zwischen Verneinung mit \u203anicht\u2039 (\u203aMir stand ein Flugzeug nicht zur Verf\u00fcgung\u2039) und Verneinung mit \u203akein\u2039 (\u203aMir stand kein Flugzeug zur Verf\u00fcgung\u2039).<br><br><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-white-background-color has-background\"><strong>Negative Concord in adult L2 acquisition<\/strong><br>Irene Caloi, Cecilia Poletto und Jacopo Torregrossa befassen sich mit dem Erwerb des Italienischen als Zweitsprache durch Muttersprachler des Deutschen, Englischen und Spanischen. Negation wird in den beteiligten Sprachen sehr unterschiedlich realisiert, so dass das Projekt den Einfluss der Erstsprache auf den Zweitspracherwerb aufkl\u00e4ren kann.<br><br><strong>Syntactic and morphological interactions of negation \u2013 a cross-linguistic study<\/strong><br>Katharina Hartmann und Johannes Mursell analysieren, wie S\u00e4tze in zwei afrikanischen Sprach\u00adfamilien (Mabia- und Bantu-Sprachen) konstruiert werden. Sprachen dieser Familien zeichnen sich durch vielf\u00e4ltige Interaktionen zwischen Negation und anderen Elementen (Tempus, Modus) aus, wie sie in den anderen im SFB untersuchten Sprachen nicht zu finden sind.<br><br><strong>Negative scope mismatches in coordination<\/strong><br>Katharina Hartmann und Hedde Zeijlstra untersuchen das Zusammenspiel von Verneinung mit Koordination (\u203aund\u2039) sowie Disjunktion (\u203aoder\u2039) in europ\u00e4ischen und westafrikanischen Sprachen. S\u00e4tze mit \u203anicht\u2039 und \u203aund\u2039\/\u203aoder\u2039 werden in verschiedenen Sprachen unterschiedlich inter\u00adpretiert. Das Projekt pr\u00fcft, ob dies von anderen Eigenschaften der Sprachen abh\u00e4ngt.<br><br><strong>Negative Polarity Items in non-negative contexts<\/strong><br>Frank Richter und Manfred Sailer interessieren sich f\u00fcr sprachliche Ausdr\u00fccke und Redewendungen, die normalerweise nur in verneinten S\u00e4tzen gebraucht werden k\u00f6nnen (\u203aEr sieht den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht\u2039). Dabei geht es um die Frage, inwieweit solche Redewendungen auch in bejahende Kontexte \u00fcbernommen werden (\u203aEr sieht den Wald vor lauter B\u00e4umen\u2039).<br><br><strong>The prosody of negation and its interpretation in sentence comprehension<\/strong><br>Markus Bader und Frank K\u00fcgler erforschen die Rolle der Intonation beim Produzieren und Verstehen verneinter S\u00e4tze. Welche Teile von verneinten S\u00e4tzen in der gesprochenen Sprache werden durch Intonation besonders hervorgehoben und welchen Einfluss hat dies auf das Verstehen der S\u00e4tze?<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column has-white-background-color has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-white-background-color has-background\"><strong>Influences of negation on behavior, memory, and attitude<\/strong><br>Carolin Dudschig und Barbara Kaup gehen der Frage nach, wie die Verwendung verneinter S\u00e4tze au\u00dfersprachliche kognitive Prozesse beeinflusst. Dies kann unser Verhalten, unser Ged\u00e4chtnis sowie unsere Einstellungen betreffen. Macht es beispielsweise einen Unterschied f\u00fcr unsere Einstellungen, ob wir erfahren \u203aMaria ist keine L\u00fcgnerin\u2039 oder \u203aMaria ist ehrlich\u2039?<br><br><strong>Negation beyond language: Interactions between verbal and nonverbal negation<\/strong><br>Carolin Dudschig und Merle Weicker untersuchen \u2013 sowohl f\u00fcr Kinder als auch f\u00fcr Erwachsene \u2013 das Zusammenspiel unterschiedlicher Formen sprachlicher Negation (\u203anicht\u2039, \u203anein\u2039) mit verneinenden Gesten, insbesondere Kopfsch\u00fctteln. Getestet wird beispielsweise, ob eine verneinende Geste das Verstehen von \u203anicht\u2039 oder \u203anein\u2039 beschleunigt.<br><br><strong>The role of non-linguistic cognitive abilities in children\u2019s negation processing<\/strong><br>Angela Grimm, Barbara Kaup und Yvonne Portele erforschen, ob das Verst\u00e4ndnis verneinter S\u00e4tze durch Kinder bis zum Alter von etwa sechseinhalb Jahren von der Entwicklung au\u00dfersprachlicher kognitiver F\u00e4higkeiten abh\u00e4ngt. Setzt das Verst\u00e4ndnis von Negation beispielsweise voraus, dass Kinder in der Lage sind zu verstehen, welches Wissen und welche Intentionen ihre Gespr\u00e4chspartner haben?<br><br><strong>Discourse matters? The role of discourse relations and type of events in child production and comprehension of sentence negation<\/strong><br>Angela Grimm und Jacopo Torregrossa ergr\u00fcnden, wie Drei- bis F\u00fcnfj\u00e4hrige verneinte S\u00e4tze in unterschiedlichen Gespr\u00e4chskontexten produzieren und verstehen. Insbesondere soll gekl\u00e4rt werden, ob Kinder schon in der Lage sind, den Kontext ad\u00e4quat zu ber\u00fccksichtigen, und falls ja, ob dies die Verarbeitung verneinter S\u00e4tze erleichtert.<br><br><strong>Comprehension of negation in child and adult speakers of Spanish and German<\/strong><br>Sol Lago, Esther Rinke und Petra Schulz erforschen, ob die fr\u00fche oder sp\u00e4te Position der Negation innerhalb von S\u00e4tzen den Erwerb und das Verstehen verneinter S\u00e4tze beeinflusst. Zur Kl\u00e4rung dieser Frage werden verneinte S\u00e4tze des Deutschen mit verneinten S\u00e4tzen des Spanischen hinsichtlich des Zeitpunkts des Erwerbs sowie des Zeitverlaufs des Satzverstehens verglichen.<br><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"500\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Poletto_Cecilia_2013_010_ud-1-500x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-85003\" style=\"width:150px\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Poletto_Cecilia_2013_010_ud-1-500x500.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Poletto_Cecilia_2013_010_ud-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Poletto_Cecilia_2013_010_ud-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Poletto_Cecilia_2013_010_ud-1-12x12.jpg 12w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Poletto_Cecilia_2013_010_ud-1.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Photo: Uwe Dettmar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Die Autorin<\/strong><br>Cecilia Poletto ist seit 2011 Professorin f\u00fcr Italienische und Franz\u00f6sische Sprachwissenschaft am Fachbereich Neuere Philologien (FB&nbsp;10) der Goethe-Universit\u00e4t. Ihre Interessen liegen im Rahmen der formalen Syntax der romanischen nicht standardisierten Variet\u00e4ten und ihrer historischen Entwicklung seit dem Mittelalter. Sie hat mehrere Projekte betreut, unter anderem eines \u00fcber Quantifizierung im Altitalienischen, \u00fcber Indefinita in den modernen norditalienischen Dialekten und \u00fcber die historische Entwicklung des Franz\u00f6\u00adsischen und des Venezianischen. Seit April 2024 leitet sie den Sonderforschungsbereich \u00bbNegation in Language and Beyond\u00ab.<br><a href=\"mailto:poletto@em.uni-frankfurt.de\">poletto@em.uni-frankfurt.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><a href=\"https:\/\/www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/34831594\/aktuelle_Ausgabe\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zur gesamten Ausgabe von Forschung Frankfurt 1\/2025: Sprache, wir verstehen uns!<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sonderforschungsbereich \u00bbNegation in Language and Beyond\u00ab suchtnach den Grundlagen menschlicher Sprache im Gehirn Nein sagen \u2013 das ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft. 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