{"id":85398,"date":"2025-08-23T08:22:40","date_gmt":"2025-08-23T06:22:40","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=85398"},"modified":"2025-08-23T08:29:46","modified_gmt":"2025-08-23T06:29:46","slug":"europaeische-allianz-fuer-proximitaets-induzierende-wirkstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/forschung\/europaeische-allianz-fuer-proximitaets-induzierende-wirkstoffe\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Allianz f\u00fcr Proximit\u00e4ts-induzierende Wirkstoffe"},"content":{"rendered":"<p><em>Goethe-Universit\u00e4t ver\u00f6ffentlicht gemeinsam mit europ\u00e4ischen Partnern Perspektiven-Papier<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler f\u00fchrender europ\u00e4ischer Forschungseinrichtungen bef\u00fcrworten die Gr\u00fcndung einer Europ\u00e4ischen Allianz zur beschleunigten Entwicklung von Proximit\u00e4ts-induzierenden Wirkstoffmodalit\u00e4ten. Dies haben die Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, das IRB Barcelona, AITHYRA in Wien, die Universit\u00e4t von Dundee sowie die EPFL Lausanne soeben in einem Perspektivenbeitrag in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift <em>Molecular Cell<\/em> bekannt gegeben. Die innovativen therapeutischen Ans\u00e4tze beruhen auf dem Prinzip, Molek\u00fcle gezielt in unmittelbare r\u00e4umliche N\u00e4he zu bringen, um krankheitsrelevante Proteine zu beeinflussen \u2013 darunter viele, die bislang als nicht angreifbar galten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Proximit\u00e4ts-induzierende Wirkstoffe wie PROTACs (<em>proteolysis targeting chimeras<\/em>) oder molekulare Kleber programmieren die zellul\u00e4re Maschinerie so um, dass krankheitsverursachende Proteine ver\u00e4ndert oder eliminiert werden. Ausgehend von der Idee, das zelleigene Entsorgungssystem gezielt zum Abbau von Proteinen zu nutzen, haben diese Ans\u00e4tze die Art und Weise, wie Wissenschaftler Krankheitsmechanismen angehen, nachhaltig ver\u00e4ndert: Anders als herk\u00f6mmliche Hemmstoffe k\u00f6nnen diese innovativen Wirkstoffe n\u00e4mlich sch\u00e4dliche Proteine komplett entfernen. Und mehr noch: Inzwischen wird auch an der Umprogrammierung anderer zellul\u00e4rer Signalwege geforscht.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland treibt der Zukunftscluster PROXIDRUGS, unter Leitung der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, die Entwicklung dieser bahnbrechenden Wirkstoffklasse voran. Seit Oktober 2021 erh\u00e4lt PROXIDRUGS eine j\u00e4hrliche F\u00f6rderung in H\u00f6he von f\u00fcnf Millionen Euro vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung, Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Der Cluster hat ein weitreichendes nationales Netzwerk aus akademischen und industriellen Partnern aufgebaut, das nun international ausgeweitet werden soll. Eine zentrale S\u00e4ule des PROXIDRUGS-Clusters bildet die \u00fcber Jahrzehnte aufgebaute Expertise der Goethe-Universit\u00e4t in der Erforschung zellul\u00e4rer Abbauwege, insbesondere im Bereich des Ubiquitin-Proteasom-Systems und der Autophagie. Zudem ist hier das neu gegr\u00fcndete <em>Frankfurt Centerfor Emerging Therapeutics (FCET) <\/em>angesiedelt \u2013 ein interdisziplin\u00e4rer Innovationshub, der zentrale Plattformen f\u00fcr Spitzenforschung bietet und einen schnellen Technologietransfer erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eProximit\u00e4ts-induzierende Strategien schreiben die Spielregeln der Wirkstoffentwicklung neu\u201c, sagt Prof. Ivan \u0110iki\u0107, Sprecher von PROXIDRUGS, Professor an der Goethe-Universit\u00e4t und Mitautor des Artikels. \u201eDie Verkn\u00fcpfung unserer nationalen Aktivit\u00e4ten mit anderen international f\u00fchrenden Institutionen wird den Innovationsprozess beschleunigen. Unsere Vision geht \u00fcber die St\u00e4rkung akademischer Verbindungen hinaus, wir wollen vor allem auch eine breite, tragf\u00e4hige Kooperation mit der Industrie etablieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der nun ver\u00f6ffentlichte Perspektiven-Artikel skizziert die wissenschaftlichen Durchbr\u00fcche der letzten Jahre \u2013 vom Weg der PROTACs aus dem Labor in die Klinik \u00fcber das gezielte Design von molekularen Klebern bis hin zu neuen Strategien, um die zellul\u00e4ren Abbauprozesse therapeutisch zu nutzen. Au\u00dferdem wird aufgezeigt, wie KI und maschinelles Lernen die Forschung auf diesem Gebiet beschleunigen und nachhaltig ver\u00e4ndern k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Proximit\u00e4ts-induzierende Wirkstoffe er\u00f6ffnen neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr biologische Ziele, die f\u00fcr herk\u00f6mmliche Inhibitoren nicht zug\u00e4nglich sind, und versprechen Fortschritte bei bislang nicht-therapierbaren Krankheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autorinnen und Autoren betonen die grundlegende Bedeutung der akademischen Forschung f\u00fcr den Fortschritt in diesem Bereich und rufen zu einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie auf, um das volle therapeutische Potenzial auszusch\u00f6pfen. Die beteiligten Forschungszentren in Wien, Dundee, Barcelona, Frankfurt und Lausanne vereinen komplement\u00e4re Expertise in medizinischer Chemie, Strukturbiologie, Biophysik, Zellbiologie und computergest\u00fctzten Methoden. Bestehende Kooperationen seien bisher oft zu begrenzt in Umfang und Dauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geplante Europ\u00e4ische Allianz soll Know-how, Infrastruktur und digitale Plattformen b\u00fcndeln. Sie w\u00fcrde den Zugang zu Technologien erleichtern, neue Standards zur Bewertung setzen, die Verzahnung experimenteller und rechnergest\u00fctzter Wirkstoffentdeckung verbessern sowie lebensnahe Modelle entwickeln, um Herausforderungen bei Wirkstofftransport und Sicherheit zu adressieren. Angestrebt wird die Einwerbung \u00f6ffentlicher und privater F\u00f6rdermittel, um die bestehenden europ\u00e4ischen Zentren mit internationalen Partnern zu vernetzen, unter anderem Pharma-, Biotech- und Technologiefirmen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn der vorwettbewerblichen Entwicklungsphase k\u00f6nnen sich akademische Freiheit, methodische Innovation und industrielle Erfahrung gegenseitig ideal st\u00e4rken\u201c, sagt \u0110iki\u0107. \u201eHier kann eine Allianz die gr\u00f6\u00dfte Wirkung entfalten, weitere Partner zur Mitarbeit motivieren und die Chancen deutlich erh\u00f6hen, dass neue Konzepte effizient vom Labor in die Anwendung gelangen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber die Autoren:<\/strong><br>Die Perspektive wurde verfasst von Ivan \u0110iki\u0107 (Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, Deutschland), Cristina Mayor-Ruiz (Institute for Research in Biomedicine, Barcelona, Spanien), Georg E. Winter (AITHYRA \u2013 Research Institute for Biomedical Artificial Intelligence, Wien, \u00d6sterreich), Kerstin Koch (Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, Deutschland), Alessio Ciulli (University of Dundee, Gro\u00dfbritannien) und Nicolas H. Thom\u00e4 (\u00c9cole polytechnique f\u00e9d\u00e9rale de Lausanne, Schweiz).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Link zum Artikel: <\/strong><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.molcel.2025.07.018\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.molcel.2025.07.018<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kernaussagen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Bahnbrechende Therapeutika: <\/strong>Proximit\u00e4ts-induzierende Wirkstoffe wie PROTACs und molekulare Kleber k\u00f6nnen krankheitsverursachende Proteine vollst\u00e4ndig entfernen und er\u00f6ffnen so neue Behandlungsoptionen f\u00fcr bisher nicht angreifbare Ziele.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Ein europ\u00e4isches Innovationskraftwerk am Start:<\/strong>&nbsp; F\u00fchrende akademische Standorte in Frankfurt, Barcelona, Dundee, Lausanne und Wien bringen Spitzenexpertise ein und streben eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen akademischen Institutionen und mit Industriepartnern an, um ungenutzte Potenziale besser auszusch\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Appell zur Zusammenarbeit:<\/strong>&nbsp; Die Autorinnen und Autoren fordern den Aufbau einer globalen Allianz zwischen Wissenschaft und Industrie, um Ressourcen zu teilen, die fr\u00fche Wirkstoffentwicklung zu beschleunigen und die n\u00e4chste Forschergeneration auszubilden, sodass Durchbr\u00fcche aus der Grundlagenforschung schneller zur Anwendung gelangen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontakt:<\/strong><br>Dr. Kerstin Koch<br>Clusterb\u00fcro PROXIDRUGS<br>Institut f\u00fcr Biochemie II<br>Goethe University Frankfurt<br>+49 (0)69 6301 84250<br><a href=\"mailto:k.koch@em.uni-frankfurt.de\">k.koch@em.uni-frankfurt.de<\/a><br><a href=\"http:\/\/www.proxidrugs.de\">www.proxidrugs.de<\/a><br><a href=\"http:\/\/www.biochem2.com\">www.biochem2.com<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Goethe-Universit\u00e4t ver\u00f6ffentlicht gemeinsam mit europ\u00e4ischen Partnern Perspektiven-Papier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler f\u00fchrender europ\u00e4ischer Forschungseinrichtungen bef\u00fcrworten die Gr\u00fcndung einer Europ\u00e4ischen Allianz zur beschleunigten Entwicklung von Proximit\u00e4ts-induzierenden Wirkstoffmodalit\u00e4ten. 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