{"id":86714,"date":"2025-12-08T08:04:00","date_gmt":"2025-12-08T07:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=86714"},"modified":"2025-12-05T15:03:57","modified_gmt":"2025-12-05T14:03:57","slug":"wenn-natur-und-landschaftswissen-im-museum-gefragt-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/unireport\/wenn-natur-und-landschaftswissen-im-museum-gefragt-ist\/","title":{"rendered":"Wenn Natur- und Landschaftswissen im Museum gefragt ist"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcr die Ausstellung \u201e<a href=\"https:\/\/www.mggu.de\/ausstellungen\/solastalgie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">SOLASTALGIE. Spazierg\u00e4nge durch ver\u00e4nderte Landschaften<\/a>\u201c im Museum Giersch der Goethe-Universit\u00e4t wurde Expertise aus Kunst und Wissenschaft gleicherma\u00dfen eingebunden. Der Landschaftsarchitekt Robert Anton und der Geologe Sascha Staubach haben ihre Kenntnisse eingebracht und dabei interessante Erfahrungen gemacht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/solastalgie-c-jens-gerbe.jpg\" alt=\"B\u00e4ume in einem Raum vor Bildern. \u00a9 Jens Gerbe\" class=\"wp-image-86717\" style=\"width:495px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/solastalgie-c-jens-gerbe.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/solastalgie-c-jens-gerbe-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/solastalgie-c-jens-gerbe-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/solastalgie-c-jens-gerbe-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausstellungsansicht Solastalgie. Asad Raza: Root sequence. Mother tongue, 2017 Sechsundzwanzig B\u00e4ume, UV-Beleuchtung, individuelle D\u00fcfte, Teppich und Besitzt\u00fcmer. \u00a9 Jens Gerbe<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Konzept der \u201eSOLASTALGIE\u201c, das 2005 vom australischen Philosophen Glenn Albrecht gepr\u00e4gt wurde und als Titel f\u00fcr die aktuelle Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universit\u00e4t gew\u00e4hlt wurde, beschreibt das Gef\u00fchl der Trauer \u00fcber eine bedrohte Heimatlandschaft \u2013 und zugleich die Sehnsucht nach Trost und Verbundenheit. Robert Anton und Sascha Staubach stehen qua ihrer Profession eher f\u00fcr eine wissenschaftlich-n\u00fcchterne Naturbetrachtung. Wie waren sie eingebunden in die Ausstellungsvorbereitung, an welcher Stelle haben sie ihre Expertise eingebracht, wie hat ihnen der Ausflug in das Reich der \u00c4sthetik und der emotionalen Naturbetrachtung gefallen?<\/p>\n\n\n\n<p>Sascha Staubach, als Geologe im Fachbereich 11 besch\u00e4ftigt, hat mit der US-amerikanischen K\u00fcnstlerin Ilana Halperin zusammengearbeitet, die sich auf besondere Weise f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von geologischen Ph\u00e4nomenen und Alltag interessiert. Ihre kleinen Skulpturen aus Marmor oder Glimmer tragen gravierte Zeichnungen, die an Fossilien und Spuren erinnern. \u201eIlana hatte den Wunsch, das Rohmaterial neben ihre Kunst zu stellen, um zu zeigen, wie das Gestein in der Natur vorkommt und wie sie es dann geformt hat. Sie ist daf\u00fcr zu uns in die Geowissenschaften gekommen, um sich unsere Sammlung zeigen zu lassen. Die umfasst \u00fcber 25 000 Gesteine, Fossilien und Mineralien aus vier Milliarden Jahren Erdgeschichte. Ich muss wirklich sagen, dass ich von ihrem geowissenschaftlichen Wissen, das sie sich autodidaktisch angeeignet hat, sehr beeindruckt bin. Ich habe ihr unz\u00e4hlige Gesteinsproben gezeigt, daraus haben wir dann gemeinsam f\u00fcr die Ausstellung eine Auswahl getroffen. Das hat mir unglaublich viel Spa\u00df gemacht\u201c, erz\u00e4hlt Staubach. Der Geologe sammelt auch privat, konnte der K\u00fcnstlerin davon auch Bilder zur Verf\u00fcgung stellen. So besitzt er ein St\u00fcck altes Grubenholz, an dem ein sogenannter Tropfstein dranh\u00e4ngt, ungef\u00e4hr 100 Jahre alt. Von dem Foto war die K\u00fcnstlerin so begeistert, dass sie es unbedingt in die Ausstellung integriert hat. \u201eDas war f\u00fcr mich als Geologe das erste Mal, dass mich eine solche Anfrage f\u00fcr eine k\u00fcnstlerische Zusammenarbeit erreicht hat. Ich w\u00fcrde das in Zukunft gerne h\u00e4ufiger machen und das, was bei uns in der Sammlung in der dunklen, staubigen Kammer schlummert, in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen\u201c, betont Staubach. Die \u00c4sthetik ist f\u00fcr den Geologen das wichtigste Kriterium seiner eigenen Sammlung: \u201eIch finde die Gesteine und Kristalle einfach total sch\u00f6n.\u201c Aber auch die \u201eMetadaten\u201c der Sammlungsst\u00fccke sind f\u00fcr ihn interessant \u2013 stammt der Fund aus einem bestimmten Bergwerk, enth\u00e4lt er neben den dort h\u00e4ufig vorkommenden Mineralen vielleicht auch den ein oder anderen Exoten und andere Informationen. \u201eNat\u00fcrlich schaue ich immer auch mit einem geowissenschaftlich geschulten Auge drauf, anders als ein Laie, der einfach nur sieht, dass da etwas Buntes glitzert. Aber am wichtigsten sind f\u00fcr mich wirklich Farbe und Form eines Objekts.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dass seine Arbeit in der \u00d6ffentlichkeit steht und dort wahrgenommen wird, ist f\u00fcr Robert Anton, technischer Leiter f\u00fcr den Wissenschaftsgarten und die Au\u00dfenanlagen der Goethe-Universit\u00e4t, an sich nichts Besonderes. Doch auch f\u00fcr ihn war die Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen K\u00fcnstler Asad Raza eine interessante Erfahrung jenseits beruflicher Routinen und Abl\u00e4ufe. Raza begreift Kunst als eine aktive Begegnung innerhalb und au\u00dferhalb des Ausstellungsrahmens. In der Ausstellung SOLASTALGIE sind es im Erdgeschoss des Geb\u00e4udes 26 B\u00e4ume, die er f\u00fcr die Dauer der Ausstellung dort angesiedelt hat. Sie teilen sich den Raum mit den Gem\u00e4lden der Sammlung Giersch, aber eben auch mit den Menschen, die das Museum besuchen oder dort arbeiten. Nach Ende der Ausstellung sollen die Pflanzen auf dem Campus der Universit\u00e4t verpflanzt werden. W\u00e4hrend ihres Aufenthalts im Museum werden sie von sogenannten Caretakern begleitet: Menschen, die sich um die B\u00e4ume k\u00fcmmern und zugleich mit Besucher*innen ins Gespr\u00e4ch kommen. Anton berichtet: \u201eDer Kurator des Museums Tim Pickartz kam auf mich zu und fragte, ob ich den K\u00fcnstler unterst\u00fctzen k\u00f6nnte, ich habe gerne zugesagt. Ich habe dann zusammen mit Asad Raza in der Baumschule Pflanzen ausgesucht, ganz unterschiedliche: Weiden, Oliven, Steinlinden, japanischen Ahorn, Granatapfel und Kirschen. Es musste nat\u00fcrlich auch geschaut werden, dass die Pflanzen sich in den R\u00e4umen auch unterbringen lassen.\u201c Das Platzangebot geh\u00f6rte aber nicht zu den Herausforderungen, die sich im Zuge der Zeit ergeben haben. Es fehlt nat\u00fcrliches Licht, die Raumtemperatur ist zumindest manchen Gew\u00e4chsen zu hoch, berichtet Anton: \u201eWir sehen jetzt, dass die Idee, die Natur gewisserma\u00dfen in die Ausstellung und damit in einen geschlossenen Raum zu holen, selber zu einem \u00f6kologischen Problem geworden ist. Einigen Pflanzen geht es nicht so gut, sie haben Bl\u00e4tter verloren und kr\u00e4nkeln etwas. Das hatte ich bef\u00fcrchtet. Das Ende der Ausstellung werden so gesehen nicht alle \u00fcberleben.\u201c Robert Anton ist aber nach wie vor von der Idee, die Natur mit in die Ausstellung zu integrieren, sehr angetan. \u201eDie Mitarbeit an der Ausstellung hat gro\u00dfe Freude gemacht, auch weil f\u00fcr mich als Landschaftsarchitekt das Gef\u00fchl der Trauer \u00fcber eine bedrohte Heimatlandschaft wirklich sehr pr\u00e4sent ist. Damit sollte sich die Gesellschaft noch viel intensiver besch\u00e4ftigen, die Kunst gibt uns daf\u00fcr vielf\u00e4ltige Anl\u00e4sse.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Ausstellung \u201eSOLASTALGIE. Spazierg\u00e4nge durch ver\u00e4nderte Landschaften\u201c im Museum Giersch der Goethe-Universit\u00e4t wurde Expertise aus Kunst und Wissenschaft gleicherma\u00dfen eingebunden. 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