{"id":87490,"date":"2026-02-19T16:13:39","date_gmt":"2026-02-19T15:13:39","guid":{"rendered":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/?p=87490"},"modified":"2026-02-19T16:13:40","modified_gmt":"2026-02-19T15:13:40","slug":"das-attentat-von-hanau-theater-als-mittel-der-aufarbeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/en\/gesellschaft\/das-attentat-von-hanau-theater-als-mittel-der-aufarbeitung\/","title":{"rendered":"Das Attentat von Hanau: Theater als Mittel der Aufarbeitung?"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau_flora-egbonu-sabah-qalo-anneke-gies-vincent-doddema-c-gerald-haffke.jpg\" alt=\"Flora Egbonu, Sabah Qalo, Anneke-Gies und Vincent Doddema. \u00a9 Gerald Haffke\" class=\"wp-image-87492\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau_flora-egbonu-sabah-qalo-anneke-gies-vincent-doddema-c-gerald-haffke.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau_flora-egbonu-sabah-qalo-anneke-gies-vincent-doddema-c-gerald-haffke-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau_flora-egbonu-sabah-qalo-anneke-gies-vincent-doddema-c-gerald-haffke-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau_flora-egbonu-sabah-qalo-anneke-gies-vincent-doddema-c-gerald-haffke-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Flora Egbonu, Sabah Qalo, Anneke-Gies und Vincent Doddema. \u00a9 Gerald Haffke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Sechs Jahre sind vergangen, seit am 19. Februar 2020 ein 43-j\u00e4hriger Hanauer neun Hanauer B\u00fcrger erschoss und sechs weitere Menschen zum Teil schwer verletzte. Anschlie\u00dfend t\u00f6tete er seine Mutter und sich selbst. Rassistischer Hass trieben den psychisch gest\u00f6rten T\u00e4ter an. Einer der Schwerverletzten starb im Januar 2026 an den Folgen seiner Verletzungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der T\u00e4ter selbst konnte nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Dennoch tut Aufarbeitung not \u2013 juristisch, gesellschaftlich und politisch. Dies wurde durch das Podiumsgespr\u00e4ch und die Theaterauff\u00fchrung deutlich, die der Arbeitsbereich \u201eKriminologie und Strafrecht\u201c der Goethe-Universit\u00e4t unter Leitung von Prof. Tobias Singelnstein und Dr. Justine Diebel gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Sozialforschung zum sechsten Jahrestag organisiert hatten. Das Theaterst\u00fcck \u201eAnd Now Hanau\u201c von Tu\u011fsal Mo\u011ful ist eine Inszenierung des Staatstheaters Mainz, die an unterschiedlichen Orten gezeigt wird. Diesmal im Casino-Festsaal der Goethe-Universit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auff\u00fchrung mit Vincent Doddema, Flora Udochi Egbonu, Anneke Gies, Sabah Qalo rief die Ereignisse des 19. Februar drastisch in Erinnerung. Beruhend auf einer zweij\u00e4hrigen Recherche des Autors und Regisseurs, entfaltet \u201eAnd Now Hanau\u201c den Hergang des Geschehens als dokumentarisches Theater. Dabei wird deutlich: F\u00fcr ein anhaltendes Trauma sorgte nicht nur die schreckliche Tat selbst, sondern vor allem auch das (Nicht)Agieren der Polizei: Der Notruf eines sp\u00e4teren Opfers wurde nicht entgegengenommen, Opferangeh\u00f6rige wurden wie Verd\u00e4chtige behandelt, stundenlang im Ungewissen \u00fcber das Geschehen gelassen. Ein Notausgang war versperrt \u2013 mutma\u00dflich, um bei Razzien den Fluchtweg abzuschneiden. Aufarbeitung und W\u00fcrdigung der Opfer blieben seither hinter den Erwartungen weit zur\u00fcck. Die Opfer schlossen sich in der Initiative 19. Februar zusammen, setzten sich f\u00fcr eine nachhaltige Gedenkkultur f\u00fcr Opfer des Rechtsterrorismus ein, riefen die Kampagne \u201eSay their Names\u201c ins Leben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" data-id=\"87494\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-vincent-doddema-sabah-qalo-c-gerald-haffke.jpg\" alt=\"Vincent Doddema und Sabah Qalo. \u00a9 Gerald Haffke\" class=\"wp-image-87494\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-vincent-doddema-sabah-qalo-c-gerald-haffke.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-vincent-doddema-sabah-qalo-c-gerald-haffke-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-vincent-doddema-sabah-qalo-c-gerald-haffke-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-vincent-doddema-sabah-qalo-c-gerald-haffke-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Vincent Doddema und Sabah Qalo. \u00a9 Gerald Haffke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"450\" data-id=\"87493\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-anneke-gies-sabah-qalo-flora-egbonu-c-gerald-haffke.jpg\" alt=\"Anneke Gies, Sabah Qalo, Flora Egbonu. \u00a9 Gerald Haffke\" class=\"wp-image-87493\" srcset=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-anneke-gies-sabah-qalo-flora-egbonu-c-gerald-haffke.jpg 650w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-anneke-gies-sabah-qalo-flora-egbonu-c-gerald-haffke-300x208.jpg 300w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-anneke-gies-sabah-qalo-flora-egbonu-c-gerald-haffke-500x346.jpg 500w, https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/and-now-hanau-anneke-gies-sabah-qalo-flora-egbonu-c-gerald-haffke-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Anneke Gies, Sabah Qalo, Flora Egbonu. \u00a9 Gerald Haffke<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Der Auff\u00fchrung voraus ging eine Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Justine Diebel (Goethe-Uni) und Dr. Felix Trautmann (Institut f\u00fcr Sozialforschung). Rechtsanw\u00e4ltin Waltraut Verleih, Rassismusforscher Lorenz Narku Laing, Autor, Arzt und Regisseur Tu\u011fsal Mo\u011ful und Armin Kurtovi\u0107 von der Hanauer Initiative 19. Februar, der seinen Sohn bei dem Attentat verloren hat, sprachen aus ihrer jeweils eigenen Perspektive \u00fcber die Tat und den Umgang damit durch Polizei, Justiz, Politik und Gesellschaft. Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Beitrag die k\u00fcnstlerische Aufarbeitung rechtsextremer Taten zu deren Aufarbeitung beitragen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Darin, dass im Fall Hanau wie in anderen F\u00e4llen bei der polizeilichen, politischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung vieles falsch gelaufen ist, darin war man sich auf dem Podium einig. Und auch darin, dass es in der Gesellschaft noch immer viele rassistische Verhaltensweise gebe, unabh\u00e4ngig davon, wie integriert eine Person auch sei. \u201eWir m\u00fcssen an der Erinnerung arbeiten\u201c, erkl\u00e4rte Regisseur Mo\u011ful, was ihn zu seinem St\u00fcck motiviert hat. Die Mittel des Theaters erm\u00f6glichten ein unmittelbares Miterleben und dadurch mehr Emotionalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reaktion nach rassistisch motivierten Straftaten sei immer gleich: ein gro\u00dfer Aufschrei, aber keine angemessene Aufarbeitung, kritisierte Rassismusforscher Lorenz Narku Laing, Professor an der evangelischen Hochschule Bochum. Noch immer w\u00fcrden rechtsextremistisch motivierte Taten als Ausnahmeerscheinung erz\u00e4hlt, die Mehrheitsgesellschaft f\u00fchle sich nicht nachhaltig angegriffen. F\u00fcr Rechtsanw\u00e4ltin Waltraut Verleih ist die Suche nach Gerechtigkeit nicht in erster Linie eine juristische Frage. Es sei wichtiger, die \u00d6ffentlichkeit dazu zu bringen, sich mit den Missst\u00e4nden zu auseinanderzusetzen \u2013 wozu auch eine k\u00fcnstlerische Bearbeitung des Themas gut geeignet sein k\u00f6nne. Unterschiedliche Auffassungen gab es zur Rolle des Staates. Nur eine differenzierte Kritik k\u00f6nne zu Ver\u00e4nderungen f\u00fchren, betonte Prof. Laing. Immerhin erm\u00f6gliche dieser Staat Rassismusforschung und ein Theaterst\u00fcck, das die Geschehnisse aufarbeitet. Laing forderte jedoch, dass die Justiz eine aktivere Rolle in der Aufarbeitung rechtsextremer Gewalt spielen m\u00fcsse. Au\u00dferdem pl\u00e4dierte er f\u00fcr mehr Diversit\u00e4t in staatlichen Einrichtungen. Aus Wortbeitr\u00e4gen aus dem Auditorium ging hervor, dass nicht jeder Hoffnung in diese Form der Repr\u00e4sentation setzt. Opferangeh\u00f6riger Armin Kurtovi\u0107 indes hofft auf Erfolg f\u00fcr seine Klage beim Bundesverfassungsgericht. Wichtig sei ihm vor allem, dass die Beh\u00f6rden Fehler eingest\u00fcnden, Verantwortung \u00fcbern\u00e4hmen. \u201eWir hatten bis jetzt kaum Zeit zum Trauern, wir haben nur gek\u00e4mpft\u201c, sagte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Strafrechtsprofessor Tobias Singelnstein zeigte sich im Anschluss zufrieden mit der Veranstaltung: \u201eDer Versuch, wissenschaftliche, juristische, k\u00fcnstlerische und zivilgesellschaftliche Perspektive in einen konstruktiven Austausch zu bringen, ist meiner Einsch\u00e4tzung nach gelungen.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sechs Jahre sind vergangen, seit am 19. Februar 2020 ein 43-j\u00e4hriger Hanauer neun Hanauer B\u00fcrger erschoss und sechs weitere Menschen zum Teil schwer verletzte. 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