FIERCE-Feier und Verleihung der Wilhelm-Heraeus-Gastprofessuren in Frankfurt

Festkolloquium anlässlich des 2019 gegründeten Hochtechnologiezentrums FIERCE, des Frankfurt Isotope and Element Research Centers, und der Verleihung der Wilhelm-Heraeus-Gastprofessuren 2020 und 2021, an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Ursprünglich sollte die Gründung von FIERCE im März 2020 gefeiert werden, musste jedoch – wie so vieles andere in dieser Zeit – kurzfristig abgesagt werden. Am Freitag, dem 08.07.2022 konnte nun endlich am Institut für Geowissenschaften in Frankfurt mit einem Festkolloquium und einem Rahmenprogramm aus Meet & Greet und einem anschließenden Empfang mit Sekt und Buffet gebührend gefeiert werden. Das Wetter spielte wunderbar mit, so dass sich die etwa 100 Gäste im begrünten Innenhof tummeln konnten. Fröhlich begleitet wurde der gesamte Event dabei von dem Jazz-Trio Evas Apfel, die zur Feier des Tages in FIERCE-blauer Kleidung aufspielten.

FIERCE ist ein interdisziplinär arbeitendes Hochtechnologiezentrum, das auf die Spurenelement- und Isotopenanalytik von Festkörpern und Flüssigkeiten spezialisiert ist. Die FIERCE-Labore sind am Institut für Geowissenschaften angesiedelt und das Zentrum ist Wirkungsstätte von etwa 30 Wissenschaftler*innen, Techniker*innen und Doktorand*innen. Es wird durch die beiden Ko-Direktoren Prof. Dr. Wolfgang Müller und Prof. Dr. Horst Marschall sowie Laborleiter Dr. Axel Gerdes geführt. Hinzu kommen etwa ein Dutzend Mitglieder und assoziierte Mitglieder aus den Fachbereichen Physik und Biowissenschaften an der Goethe-Universität und an externen Standorten in Deutschland.

Der bisherige Erfolg von FIERCE ist durch über 100 Publikationen in verschiedenen Disziplinen und Fachrichtungen aus den ersten drei Jahren seit Bestehen belegt, sowie durch zahlreiche abgeschlossene Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten. FIERCE beherbergt neben chemischen Reinlaboren auch eine Reihe moderner Massenspektrometer und Laser-Ablationssysteme, die unter anderem Analysen bei hoher Ortsauflösung ermöglichen. Eine zusätzliche Erweiterung der analytischen Kapazitäten in naher Zukunft ist geplant.

Das Institut für Geowissenschaften blickt auf eine lange Tradition von erstklassiger analytischer Ausstattung und Expertise zurück, was durch die Berufungen von Marschall (2016) und Müller (2017) und die Gründung von FIERCE mit der gerätetechnischen Modernisierung noch einmal deutlich ausgebaut wurde. Finanziell ermöglicht wurde dieser Schritt durch die großzügige Unterstützung durch die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung, die anlässlich des 100. Geburtstags der Goethe-Universität sowie des 90. Doktorjubiläums von Dr. Wilhelm Heinrich Heraeus ihr Engagement starteten. Hieraus ergab sich außer der Modernisierung der Forschungs-Infrastruktur auch die Berufung von Prof. Dr. Horst Marschall auf die Wilhelm-Heraeus-Professur für Deep Earth Processes im Jahr 2016 und die Wilhelm-Heraeus-Stiftungsgastprofessuren, die seit 2015 jährlich wechselnd zwischen Physik und Geowissenschaften verliehen werden.

Der erste Teil des Festkolloquiums bot nach einer Begrüßung durch die FIERCE-Ko-Direktoren und den Dekan einen unterhaltsamen und inspirierenden Einblick in die vielfältige Arbeit von FIERCE im Bereich der Geowissenschaften, aufgeteilt in die Prozesse im Inneren der Erde und an der Erdoberfläche, die von den beiden FIERCE-Mitgliedern Dr. Sonja Aulbach und Dr. David Evans präsentiert wurden.

Dr. Aulbach, frisch gekürte Heisenberg-Stipendiatin, nahm ihr Publikum mit auf eine Reise mit dem der USS Enterprise ähnlichen „Earth Trek FIERCE“. Angetrieben durch verschiedene Isotopensysteme tauchte das Earth-Ship in die Tiefe des Mantels ab und flog weit zurück in der Zeit bis in das Hadaikum. Seine Reise endete in Vulkanen und Riftzonen an der Oberfläche und so konnte Dr. Aulbach nahtlos an Dr. Evans übergeben. In seinem Vortrag beleuchtete Dr. Evans die gesellschaftliche Relevanz der Paläoklimaforschung mittels mariner Karbonatarchive, wo Spurenelement- und Isotopenproxies eine zentrale Rolle zur quantitativen Rekonstruktion vergangener Paläoumweltbedingungen spielen.

Der zweite Teil des Festkolloqiums wurde durch den Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, eröffnet, der selbst aktives Mitglied von FIERCE ist, und sowohl bei der Gründung des Zentrums als auch bei der Etablierung der Wilhelm-Heraeus-Professuren aktiv mitgewirkt hatte. Entsprechend konnte er bei seiner Rede auch einen gewissen Stolz auf das Erreichte nicht verhehlen, betonte aber vor allem den Wert des Zentrums bei der Ausbildung der Studierenden und der Nachwuchswissenschaftler*innen, die bei FIERCE direkt in der Praxis in interdisziplinäre Forschung eingebunden werden.

Prof. Schleiff verlieh sodann die Wilhelm-Heraeus-Gastprofessuren 2020 und 2021, die Pandemie-bedingt ebenfalls erst verspätet überreicht werden konnten. Die Gastprofessur 2020 ging an Dr. Glenn Gaetani, experimenteller Petrologe von der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) in Massachusetts, USA. Dr. Gaetani präsentierte in seinen Vortrag seine Arbeit an Schmelzeinschlüssen in vulkanischen Einsprenglingen, die quantitative Einblicke zu Aufstieg und Entgasung von Magmen geben und somit Rückschlüsse auf die Explosivität von Eruptionen zulassen.

Die Wilhelm-Heraeus-Gastprofessur 2021 wurde an Dr. Christoph Geibel, Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, Dresden, verliehen. Sein Vortrag beschäftigte sich mit magnetischen und supraleitenden Eigenschaften von synthetischen Materialien bei Temperaturen im einstelligen Kelvin-Bereich, die klassischen Theorien zu Magnetismus und Supraleitung widersprechen, aber neue Aufschlüsse zu elektronischen Wechselwirkungen in Festkörpern geben.

Das Festkolloquium bot den Teilnehmer*innen damit ein hochkarätiges und diverses Vortragsprogramm, mit musikalisch und kulinarisch angenehm gestalteten Pausen. Der Festakt wurde mit einem anschließenden Empfang mit Buffet abgerundet, und natürlich durfte auch die FIERCE-Torte nicht fehlen. Die Anwesenden genossen sichtlich die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit den externen Gästen und die Interaktion über verschiedene Institute und Fachbereiche hinweg.

Das FIERCE-Team bedankt sich noch einmal ausdrücklich bei allen Gästen, die diesem Stapellauf von FIERCE in eine aktive und produktive Zukunft in Frankfurt beigewohnt haben. Ein herzlicher Dank geht auch an die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung für die großzügige Unterstützung des Zentrums und der Grundlagenforschung an der Schnittstelle von Geowissenschaften und Physik in Frankfurt.

Information zu FIERCE finden Sie auf der Webseite www.fierce.uni-frankfurt.de. Hier finden Sie auch einen Link zu einem kurzen Film über das Zentrum.

Autor*innen: Dr. Angela Helbling, Prof. Dr. Horst Marschall und Prof. Dr. Wolfgang Müller; Fotos: Esra Klein

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