Das Präsidium der Goethe-Universität hat entschieden, dass der studentische Arbeitsraum auf dem Campus Riedberg fortan die Bezeichnung Adolf Messer Stiftung-Lounge – Diskursraum – Wissenschaft in Geschichte und Gesellschaft trägt. Diese Namenserweiterung wird im Eingangsbereich der Lounge auf zwei Tafeln unter folgenden Aspekten erläutert werden: der Würdigung des Engagements der Stiftung, der historisch-kritischen Einordnung der Person Adolf Messer sowie einer Skizzierung des Zusammenhangs von Wissenschaft und Gesellschaft.

Die Entscheidung ist das Ergebnis eines intensiven Reflexions- und Diskussionsprozesses. Das Präsidium nimmt die Argumente von Senat und Studierenden gegen eine Benennung des Raumes nach der Adolf Messer Stiftung und damit für eine Umbenennung sehr ernst. 2014 wurde bei den Überlegungen, das langjährige Engagement der Stiftung für die Goethe-Universität mit einer Raumbenennung zu würdigen, übersehen, dass der Namensgeber der Stiftung, Adolf Messer, Mitglied der NSDAP war und als Unternehmer von der NS-Wirtschafts- und Rüstungspolitik profitierte. Dass dieser Sachverhalt Kritik hervorruft, kann das Präsidium nachvollziehen und wird die Argumente auch zukünftig in sein Handeln eingehen lassen.

Benennung nach der Stiftung, nicht nach der Person

Gleichwohl weist das Präsidium nochmals auf die Intention der damaligen Entscheidung hin, die der Würdigung der 1978 gegründeten gemeinnützigen Stiftung und nicht der Ehrung der Person ihres Namensgebers galt. So ist der studentische Arbeitsraum, was in den Diskussionen häufig vernachlässigt wird, denn auch nach der Stiftung und nicht nach der Person Adolf Messer benannt. Eine Umbenennung des Raums bedeutete eine Tilgung des Stiftungsnamens aus dem Ortsgedächtnis der Goethe-Universität. Eine solche hält das Präsidium aus mehreren Gründen für nicht geboten. Durch die seit 1993 bestehende, intensive Zusammenarbeit zwischen Stiftung und Universität haben beide längst eine gemeinsame Geschichte. Diese Geschichte ist geprägt von konstruktiver Zusammenarbeit; zugleich lässt sie eine sich verändernde Reflexion des Verhältnisses von privater Wissenschaftsförderung und Universität deutlich werden. Ebenso wenig aber wie die Universität die deutsche Geschichte hinter sich lassen kann, kann und sollte sie ihre jüngere Geschichte negieren.

Wissenschaft entsteht nicht in einem gesellschaftlichen Vakuum; sie steht in vielfacher Weise in einem Wechselspiel mit der Gesellschaft: sei es implizit durch ihre sozio- und bildungsbiographische Prägung ihrer Mitglieder, sei es durch explizite gesellschaftliche Fragestellungen und Forderungen, sei es durch die Finanzierung von Forschung und Lehre durch Dritte. Wissenschaft umfasst als Handlungssystem also verschiedene Akteure, die nicht idealtypisch der einen oder anderen Seite zugeordnet werden können, sondern die in diesem System in einem komplexen Beziehungsgeflecht miteinander verwoben sind. Diesem Zusammenhang kann sich die Universität nicht entziehen; sie ist aber gefordert, ihn zu reflektieren, Kriterien für das Zusammenspiel von Wissenschaft und Gesellschaft zu entwickeln und dieses Zusammenspiel selbstbewusst mitzugestalten. Geboten ist also Diskurs, nicht Tilgung.

Öffnung eines universitätsweiten Diskursraumes

Für die Goethe-Universität als Stiftungsuniversität bedeutet dies, Verantwortung zu übernehmen, indem sie die begonnene Überarbeitung ihres „Stifterkodexes“ in diesem Sinne fortführen, die Anstrengungen zur Erforschung ihrer Geschichte, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus, verstärken, und den vielfältigen Zusammenhang von Wissenschaft bzw. Wissenschaftssystem und Gesellschaft in einer Reihe von Veranstaltungsformaten thematisieren wird. Die Universität selbst wird an unterschiedlichen Orten den Diskursraum hierfür öffnen.

Die Verhaftung der Universität in Geschichte und Gesellschaft bedarf der fortwährenden kritischen Reflexion. Hierbei können Zusammenhänge zu Tage treten, die mit dem Selbstverständnis der Universität und ihrer Mitglieder nicht immer vollständig zu vereinbaren sind. Dieses Spannungsverhältnis kann jedoch weder aufgelöst noch durch symbolische Akte überdeckt werden. Es gilt vielmehr, dieses Spannungsverhältnis zu benennen, es somit öffentlich und nachvollziehbar zu machen – und es auszuhalten. Dieses soll die Erweiterung des Raumnamens zu Adolf Messer Stiftung-Lounge – Diskursraum – Wissenschaft in Geschichte und Gesellschaft deutlich machen.