Die fünf hessischen Universitäten sehen den gegenwärtigen Koalitionsverhandlungen und dem Start der neuen Landesregierung mit großen Erwartungen entgegen. An den hessischen Universitäten sind im Wintersemester 2018/19 rund zwei Drittel aller Studierenden eingeschrieben. Mehr als 90 Prozent aller Drittmittel werden durch sie eingeworben. Damit leisten die Universitäten den Löwenanteil des Lehr- und Forschungsauftrags in Hessen und sind die zentralen Innovationstreiber.

Im Rahmen des aktuellen Hochschulpakts haben sie in den letzten Jahren zudem eine über 50-prozentige Steigerung der Studierenden geschultert, ohne dafür aber eine auch nur ansatzweise ausreichende finanzielle Kompensation erhalten zu haben. „Die durch das Land gewährten Budgetsteigerungen haben die Situation nicht entspannt, da diese allein durch die Tarifsteigerungen mehr als aufgezehrt worden sind“, erklärte die Sprecherin der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU), Prof. Dr. Birgitta Wolff, am Freitag bei der Wintersitzung in Frankfurt.

Die KHU-Sprecherin erinnerte bei dieser Gelegenheit an die vor der Wahl verabschiedeten Wahlprüfsteine, die von den Parteien im Hessischen Landtag zum Teil in ihre Wahlprogramme übernommen worden waren:

  1. 5 mal 5: Aufwuchs des hessischen Hochschulbudgets von jährlich mindestens 5 % für 5 Jahre ab dem Jahr 2021
  2. Plus 1: Eine Milliarde Euro zusätzlich mehr für den Hochschulbau, d.h. 5 Jahre lang pro Jahr 200 Millionen Euro mehr in HEUREKA II
  3. 5 mal 50: 5 Jahre lang pro Jahr 50 Millionen Euro zusätzlich für Digitalisierung/digitale Infrastruktur für den Zeitraum von 2021 bis 2025

„Wer unseren hessischen Wissenschaftsstandort stärken will, muss weiter in die Universitäten investieren und zwar über das bisherige Maß hinaus. Von der neuen Landesregierung erwarten wir, dass sie im Interesse der Innovationsfähigkeit unseres Landes vor allem eine deutliche Verbesserung der Betreuungsrelation an den hessischen Universitäten ermöglicht und die Grundbudgets deutlich stärker als bisher steigert“, sagte KHU-Vorsitzende Wolff.

Hintergrundinformationen zur Betreuungssituation

Als eines von drei solidarisch agierenden deutschen „Geberländern“ befinde sich Hessen bei der Finanzierung der eigenen Studienplätze weiterhin in der deutschen Schlussgruppe. Bei der grundmittelfinanzierten Ausstattung eines durchschnittlichen Studienplatzes gebe es in Deutschland enorme Unterschiede, so die Mitglieder der KHU. Die Zuschüsse schwankten zwischen 11800 Euro (Saarland) und 6490 Euro (Bremen). Hessen liege mit durchschnittlich 7260 weiterhin klar unter dem Bundesdurchschnitt von 8400 Euro. Bei der Betreuungsrelation sei Hessen sogar mit Nordrhein-Westfalen deutsches Schlusslicht. (Quelle: Statistisches Bundesamt, Hochschulen auf einen Blick, 2018, S. 44 und 26)

In der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU) haben sich die fünf Universitäten des Landes Hessen zusammengeschlossen. Die Präsidien der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Universität Kassel und der Philipps-Universität Marburg tagen in regelmäßigen Abständen. Die in der KHU organisierten Universitäten nehmen gemeinsam Stellung zu aktuellen Entwicklungen der Hochschulpolitik insbesondere des Landes Hessen, aber auch zu bildungs- und forschungspolitischen Herausforderungen auf nationaler und europäischer Ebene. Das Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der fünf hessischen Universitäten zu sichern und auszubauen.

Mehr Informationen: www.khu-hessen.de