Dr. Martin Bickl, International Office: "Fällt eine Speiche aus, dreht sich das Rad immer noch." (Foto: Folkerts)

Dr. Martin Bickl, Abteilungsleiter Strategische Partnerschaften/Internationales Marketing im International Office (Foto: Folkerts)

Belohnung für gute Aufbauarbeit: Mit ihrem Konzept der Strategischen Partnerschaften konnte die Goethe-Universität den DAAD erneut überzeugen. Dieser fördert das 2013 gestartete Programm mit 220.000 Euro für zwei weitere Jahre, damit die Verbindungen mit den vier internationalen Hochschulen intensiviert werden können [mehr Infos]. Was aber macht den Unterschied dieser Strategischen Partnerschaften zu den anderen Hochschulpartnerschaften eigentlich aus? Und wer kann wie am Austausch teilnehmen? Dr. Martin Bickl, Abteilungsleiter Strategische Partnerschaften/Internationales Marketing im International Office, erklärt, was das Programm für die Goethe-Universität bedeutet.

Herr Dr. Bickl, die Goethe-Universität steht weltweit mit einer Vielzahl von Universitäten in Verbindung. Was ist bei den Strategischen Partnerschaften so anders, dass der DAAD dieses Modell extra fördert?  

Das Revolutionäre an diesem Programm ist, dass der DAAD erstmals nicht nur Einzelprojekte, sondern gesamte Partnerschaften fördert. An der Goethe-Universität arbeiten wir mit einem dreistufigen Partnerschaftsmodell. Da sind zum einen die Fachbereichspartnerschaften, die – wie der Name schon sagt – inhaltlich und finanziell in der Verantwortung der Fachbereiche stehen. Bei den Hochschulpartnerschaften gibt es dann einerseits den ‚Normalfall‘ der Regionalpartnerschaften. Dabei haben wir versucht, Regionalbezug und Forschungsschwerpunkte zusammenzubringen. Ein Beispiel: Zu den Ostasien-Aktivitäten des Interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien passen Hochschulpartnerschaften mit Japan, China, Korea und so weiter. Die Strategischen Partnerschaften sind dann noch einmal ein Sonderfall. Dort geht es darum, sehr tiefgreifende Beziehungen aufzubauen, bei denen alle an der Universität vertretenden Personengruppen teilhaben können.

Von unseren insgesamt sieben Strategischen Partnerschaften an der Goethe-Universität fördert der DAAD vier. Wir sprechen also nur von einer kleinen Zahl von Hochschulen, aber wir haben viel Zeit und Energie investiert, um die Verbindungen in den Bereichen Lehre, Forschung, Hochschulmanagement und auch Verwaltung auszubauen. Ein Grundgedanke ist dabei, die Partnerschaften besonders stabil dadurch zu machen, dass sie stärker institutionalisiert sind. Bei kleineren Partnerschaften kann es sonst durchaus passieren, dass zum Beispiel eine Professorin eine Partnerschaft mit Herzblut betreibt und die Allianz dann mit dem Weggang dieser Person endet. Bei der Strategischen Partnerschaft soll es dagegen wie bei einem Rad sein: Fällt eine Speiche aus, dreht sich das Rad immer noch.

Wie funktioniert die Partnerschaft ganz konkret, wie können zum Beispiel die Studierenden profitieren? 

Wir bieten unseren Studierenden an, dass sie für ein Semester an eine der geförderten Hochschulen gehen, gefördert durch ein attraktives Stipendium. Damit wir Studierende entsenden können, müssen wir natürlich auch welche aufnehmen. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Studierenden der Partnerhochschulen nur dann zu uns kommen wollen, wenn wir ein englischsprachiges Kurzzeitprogramm anbieten – wer in Pennsylvania oder Toronto um die 25.000 Dollar Studiengebühren pro Jahr zahlt, wird kein Risiko eingehen, seine Studienzeit zu verlängern und geht höchstens für einen Sommer weg. Darum haben wir die fachübergreifende Frankfurt Summer School ins Leben gerufen, die 2016 das dritte Mal stattfinden wird. Darüber hinaus ist es den Studierenden aber auch durchaus möglich, bei den Partnerhochschulen im Sinn forschungsorientierter Lehre Labor- oder Feldforschungserfahrungen zu sammeln.

„Bei der Strategischen Partnerschaft soll es wie bei einem Rad sein: Fällt eine Speiche aus, dreht sich das Rad immer noch.“

Wie nutzen die Forscherinnen und Forscher das Programm? 

Für die Forschenden sind die Strategischen Partnerschaften zum Beispiel interessant, um Projektvorhaben durch persönliche Besuche an den Partnerhochschulen zu konkretisieren. Sie können sich dann bei uns um Mobilitätsmittel für Flug- oder Übernachtungskosten bewerben. Wir können den Wissenschaftlern keine teuren Geräte kaufen, aber, um im Bild zu bleiben, gewissermaßen das Öl für die Maschine beisteuern. Wir haben es schon häufiger erlebt, dass sich Forschungsvorhaben, die im Rahmen dieses Programms unterstützt wurden, dann zu umfassenderen Projekten weiterentwickelt haben: Der Aufenthalt bei der Partneruni hat es dann ermöglicht, das Projekt so weiterzuentwickeln, dass die Wissenschaftler im Anschluss an die DFG oder internationale Förderer herantreten konnten. So ergibt sich dann auch ein nachhaltiger Effekt für die Goethe-Universität.

Insbesondere jetzt in der zweiten Projektphase sollen auch die Verwaltungsmitarbeiter von den Partnerschaften profitieren können. Für wen bietet sich ein solcher Austausch an? 

Ein Aufenthalt bei einer Partneruniversität kann neue Impulse für das eigene Arbeitsgebiet geben, indem die Beschäftigten vor Ort erleben, wie andere ‚ihr‘ Themengebiet bearbeiten, mit welchen Methoden, Ideen und so weiter. Die Mitarbeitenden erwerben gleichzeitig interkulturelle und Sprachkenntnisse. Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin aus der Privaten Hochschulförderung blickt einer Kollegin in Tel Aviv beim Fundraising über die Schulter, oder in Toronto schaut man bei den Kollegen vorbei, die sich dem Thema Diversity widmen. Ein anderer Mitarbeiter hospitiert vielleicht in Birmingham in der Uni-Immobilienverwaltung – da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Ihr Interessensgebiet und ihren Arbeitsplan formulieren die Mitarbeiter dafür selbst; wir helfen bei der Vermittlung der Kontakte, und die Förderung kommt dann aus dem Fonds. Genauso freuen wir uns, wenn Kolleginnen und Kollegen Gäste aus den Partnerhochschulen an die Goethe-Universität für eine Hospitation einladen. Die Mitarbeiter, die an dem Austausch bisher teilgenommen hatten, waren begeistert, aber es waren nicht so viele, wie wir es eigentlich erwartet hatten. Oft kam es trotz Interesse am Ende nicht zum Antrag, weil die Beschäftigten das Gefühl hatten, nicht so lange von ihrem Arbeitsplatz weg bleiben zu können, oder ihre Vorgesetzten waren von dem Vorhaben nicht überzeugt. Darum soll der Austausch in ein neues Konzept zur Internationalisierung der Universitätsverwaltung einfließen.

Zu den Strategischen Partnerschaften gehört auch immer die entsprechende Städtepartnerschaft. Welchen Einfluss hat das auf den eigentlichen Projektbetrieb? 

Wir haben uns die Universitäten, die in Frankfurts Partnerstädten liegen, vorab alle angeschaut und geprüft, wo eine Universitätspartnerschaft Sinn macht. Das ist dann der Fall, wenn die Profile der Hochschulen zusammenpassen, wenn es schon viele Aktivitäten gibt, auf denen man aufbauen kann, und wenn ein echter Wille zur Zusammenarbeit besteht. Wie intensiv dann der Bezug zwischen Universität und Stadt ist, hängt immer auch vom konkreten Fall ab. In Frankfurt ist das Verhältnis zwischen Stadt und Universität ja zum Beispiel sehr eng – das spiegelt sich auch bei der Strategischen Partnerschaft wider, indem wir unter anderem regelmäßig die Konferenz „The University and the City“ ausrichten.

Die enge Verzahnung der internationalen Partnerschaften zwischen der Stadt Frankfurt und der Goethe-Universität hat übrigens auch die Juroren des DAAD überzeugt, die unser Projekt zu den zehn besten der über 130 eingereichten Anträge gewählt haben. Im der praktischen Umsetzung fallen die Städtepartnerschaften weniger ins Gewicht, wobei wir, wenn es das Fachgebiet erlaubt, gerne Anträge von Wissenschaftlern fördern, die sich auch inhaltlich mit dem Thema Stadt und Universität auseinandersetzen.