Den persönlichen Kontakt kann am Ende keine Videokonferenz ersetzen: Aktuelle oder mögliche Partneruniversitäten zu besuchen, gehört für einen Vizepräsidenten für Internationalisierung sozusagen zur Jobbeschreibung. Im September war Prof. Rolf van Dick, im Präsidium der Goethe-Universität für Internationalisierung, Nachwuchs, Gleichstellung und Diversity zuständig, zu Gast in China und Georgien. Er erzählt, welche Möglichkeiten sich dort für Studierende und Wissenschaftler der Goethe-Universität ergeben, und gibt einen Einblick in seine persönlichen Eindrücke.

China

Wie eng sollen wir mit China zusammenarbeiten? Ganz einfach ist die Frage nicht zu beantworten. Die chinesische Politik scheint mir in den letzten Jahren durchaus dirigistischer geworden zu sein. Von daher müssen wir schon ein Auge darauf haben, an welche Institutionen wir unsere Studierenden schicken. Gleichzeitig sollten wir aber unsere Partner nicht im Stich lassen, wenn es für diese politisch schwieriger wird. Es gilt also, genau hinzuschauen, mit wem wir wie kooperieren.

In China sind wir schon lange mit der Fudan-Universität in Shanghai verbunden und nach einigen Jahren ohne Besuche dort wurde es jetzt Zeit, an die Partneruniversität zu reisen. Gerade in den Beziehungen zu China ist es sehr wichtig, auch persönlich den Kontakt aufrecht zu erhalten. Die Vizepräsidenten für Internationalisierung werden bei ihren Reisen im Allgemeinen von Vertretern des International Office begleitet. Dieses Mal hatte ich aber Prof. Zhiyi Yang vom Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften dabei, die nicht nur die Perspektive der Frankfurter Sinologie vertreten hat, sondern mir auch als Coach bei der interkulturellen Kommunikation zur Seite stand – etwa, wenn es darum ging einzuschätzen, wann ein „Ja“ wirklich ein „Ja“ oder doch eher ein „Vielleicht“ ist. Ich hatte an der Fudan University verschiedenste Treffen, unter anderem mit dem Vizepräsidenten für Internationalisierung, und habe auch selbst einen Vortrag am Psychology Department gehalten. Wir haben uns auch das Center for the Studies of Chinese Civilization angeschaut, das Frau Yang schon selbst als Fellow besucht hätte und das auch künftig Möglichkeiten für Kolleginnen und Kollegen der Goethe-Universität bieten könnte für einen Forschungsaufenthalt. Vermittelt über das Hessische Wirtschaftsministerium gab es darüber hinaus eine Visite bei der Shanghai Academy for Social Sciences.

Hochinteressant war für mich der Besuch bei der Yenching Academy, die zur Universität Peking gehört. Die Akademie ist weltoffen, unterliegt keiner verstärkten staatlichen Kontrolle und hat viele international hochkarätige Gastdozenten. Sie schreibt ein zweijähriges Masterprogramm für etwa 120 Studienplätzen aus, auf das sich Bachelor-Absolventen aus aller Welt bewerben können. Das erste Studienjahr findet in Peking statt und wird komplett finanziert; von den Reisekosten über die Unterkunft bis zum Taschengeld. Chinesisch soll zwar gelernt werden, es gibt aber auch ein vielfältiges englischsprachiges Studienangebot. Im zweiten Studienjahr gehen die Studierenden dann zurück in ihre Heimatländer, um ihre Masterarbeit zu schreiben. Das finde ich eine tolle Sache – wenn ich selbst noch jung wäre, würde ich mich sofort bewerben!

Die Universität Peking selbst ist unbestritten die beste Universität in China. Mit ihr konnten wir bisher noch keine Partnerschaft etablieren. Im Gespräch mit deren Vizepräsident haben wir eruiert, ob wir nicht erst einmal auf kleinem Niveau in den Studierendenaustausch einsteigen wollen – an dem Thema werden wir jetzt weiter arbeiten.

Gemeinsam mit der Fudan-Universität betreiben wir das Konfuzius-Institut an der Goethe-Universität, das chinesische Kultur vermittelt und Sprachkurse anbietet. Leider war die die Budgetierung des Instituts in den vergangenen Jahren nicht wirklich befriedigend. Darum war ein Besuch bei der Dachorganisation Hanban ein ganz wichtiger Punkt bei meinem Besuch. Die Gespräche waren gut und konstruktiv; die Hanban ist unseren Wünschen sehr entgegengekommen. Kleine Randnotiz: Als wir zu Besuch bei Hanban waren, fand dort ein Tag der offenen Tür statt, mit Studierenden aus aller Welt, und ausnahmsweise funktioniert der Zugriff auf Facebook … Normalerweise sind die westlichen Social Media und Suchmaschinen in China ja gesperrt, aber bei dieser Gelegenheit war es der Regierung wohl ein Anliegen, sich weltoffen zu zeigen.

Was in China immer Spaß macht, sind die geschäftlichen Essen. Häufig wird an großen runden Tischen gegessen, die dann gedreht werden und man teilt sich die Speisen. Das ist sehr kommunikativ, und das Essen ist im Allgemeinen hervorragend. Dieses Mal war ich überrascht, als sich das vermeintliche Gemüse im Nachhinein als Qualle herausstellte, aber im Allgemeinen probiere ich immer gerne etwas Neues aus.

Georgien

Richtig gut war das Essen auch in Georgien, wohin ich nach einem kurzen Zwischenstopp in Frankfurt aufgebrochen bin. Die Fleischgerichte haben mich an die griechische Küche erinnert, es gibt aber zusätzlich auch viele schöne Gerichte mit Walnüssen.

Anlass für meinen Besuch in Georgien war das 100. Jubiläum der Tbilisi State University, mit der vor allem unsere Sprachwissenschaftler schon länger verbunden sind. Zum Jubiläum wurde ein Innovationsforum ausgerichtet, und am letzten Tag gab es eine Diskussionsrunde zum Thema Europa, an der ich gewissermaßen als Ehrengast teilnehmen durfte. Bei jedem Treffen unterhält man sich natürlich über mögliche Kooperationsschnittstellen, lotet die jeweiligen Stärken aus. Aber auch ganz allgemein ist Georgien ein Land, das ich für den Studierendenaustausch nur empfehlen kann. Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Laufschuhe auf Dienstreisen immer dabei habe, und auch in Tiflis bin ich morgens erst einmal laufen gegangen. Die Stadt ist interessant; historische Altstadt und hochmoderne Gebäude vermischen sich. Georgien ist nicht reich, aber sicher, und auf jeden Fall wert entdeckt zu werden – nicht zuletzt wegen der wunderschönen Landschaften.

Eine große Rolle in der georgischen Alltagskultur spielt übrigens der Toastmaster. Abends hatte der Rektor der Tbilisi State University in ein gutes Restaurant eingeladen, und fünf oder sechs Mal während des Essens unterbrach er, um einen Toast auszubringen, immer verbunden mit einer kurzen Geschichte. Angestoßen wurde auf die Wissenschaft, die anwesenden Damen, den Erfolg, … Der Weinanbau hat eine lange Tradition in Georgien; auch der Rektor besitzt einen Weinberg. Zurück in Frankfurt war eine Delegation der Tbilisi State University zu Gast, um ein Memorandum of Understanding für eine künftig noch stärkere Kooperation zu unterzeichnen. Abends ging es dann ins Restaurant Old Tiflis, und auch dort wurde die Trinkspruch-Tradition geehrt: Weil der Ministerpräsident Georgiens als eigentlicher Gastgeber wegen einer Flugverspätung nicht dabei sein konnte, fiel an diesem Abend jedoch dem hessischen Landtagsabgeordneten die Rolle zu, spontan zu jedem Gang einen Toast auszubringen. In diesem Sinne: Auf die Wissenschaft!

Autor: Rolf van Dick, Vizepräsident der Goethe-Universität