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Entgeltlücken bei hochqualifizierten Frauen am größten

Am heutigen 6. März ist Equal Pay Day: Bis zu diesem Tag hätten Frauen umsonst gearbeitet – wenn sie denselben Monatslohn hätten wie Männer. Haben sie aber nicht. Obwohl die Lohnlücke insgesamt schrumpft, tut sich in manchen Bereichen wenig. Dies betrifft vor allem hochqualifizierte Frauen. Auf zwei Veranstaltungen haben das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität und das Hessische Arbeitsministerium heute zur Diskussion eingeladen.

Die Lohnlücken zwischen Frauen und Männern in Hessen sind in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt zwar kleiner geworden. Dies zeigt deutlich der Blick in die Daten des Hessischen Lohnatlas, der vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) im Auftrag der Landesregierung fortgeschrieben wird. Diese insgesamt positive Entwicklung speist sich aber vor allem aus der Entwicklung im Bereich der Fachkraftstellen und der Arbeitsplätze für Helferinnen. Die Situation bei hochqualifizierten Tätigkeiten sieht anders aus: Hier bewegt sich wenig. Frauen in Führungsfunktionen haben in Hessen im Schnitt immer noch ein Viertel weniger Einkommen als Männer.

Diese unterschiedlichen Entwicklungen wurden bei zwei Veranstaltungen am heutigen Equal Pay Day genauer betrachtet, zu der das Arbeitsministerium mit der neuen Ministerin Heike Hofmann und das IWAK gemeinsam eingeladen hatten. Mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurden mögliche Lösungen diskutiert. Mit beteiligt waren auch das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität und der Business and Professional Women Germany Club Frankfurt am Main e.V. (BPW). „Die Durchführung des Equal Pay Days 2024 an der Goethe-Universität sensibilisiert dafür, wie wichtig das Thema für uns sowohl bei den Beschäftigten in der Verwaltung als auch bei unseren Absolventinnen und Wissenschaftlerinnen ist“, sagte Dr. Ulrich Breuer, Kanzler der Goethe-Universität, in seinem Grußwort. Auch die zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Goethe-Universität Dr. Anja Wolde begrüßte diesen Schulterschluss zur differenzierten Betrachtung des Themas nach Entgeltbereichen.

„Wir sind stolz, mit dem Hessischen Lohnatlas ein Instrument zur Verfügung zu haben, das uns eine differenzierte Betrachtung der Entgelt-Situation in Hessen ermöglicht. Auf Basis dieses umfassenden und differenzierten Zahlenwerks entwickeln wir zielgenaue Strategien zur Verbesserung der Lage von Frauen“, sagte Arbeitsministerin Heike Hofmann. Am meisten zugunsten der Frauen getan habe sich im Bereich der Fachkräfte, hier hat sich die Lohnlücke seit 2012 mehr als halbiert. „Aber auch hier gibt es noch viel zu tun. Wir werden darauf einwirken, dass sich die Entgeltlage von Frauen mit Berufsabschluss noch stärker verbessern wird“, kündigte die Ministerin an. Denn die meisten Beschäftigten in Hessen seien Fachkräfte mit Berufsausbildung, eine Verbesserung habe hier eine besonders große Wirkung. Dass die Lohnlücken auf Helferstellen seit 2012 ebenfalls deutlich kleiner geworden sind, dafür gibt es eine schlüssige Erklärung: „Dazu trägt maßgeblich die Erhöhung des Mindestlohns bei“, betonte Dr. Christa Larsen vom IWAK.

Das untere und mittlere Entgeltsegment nimmt auch das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität in den Blick: „Wir möchten Frauen aus unserer Verwaltung dafür sensibilisieren, sich mit ihrer eigenen Entgeltlage zu befassen“, sagte Ulrike Schneider-Gladbach, zentrale Gleichstellungsbeauftragte für die Beschäftigten in der Verwaltung. Die Daten aus dem Hessischen Lohnatlas seien ein wichtiger Ausgangspunkt, es brauche jedoch noch mehr Informationen zu den Ursachen der Entgeltungleichheit und vor allem darüber, wie mit deren Folgen umgegangen werden kann. Viele Frauen können sich wirtschaftlich nicht gut eigenständig absichern, im Falle von Scheidung kann es finanziell schnell eng werden. Auch sind immer mehr Frauen im Rentenalter betroffen. Altersarmut trifft viel häufiger Frauen als Männer.

Vor allem Frauen, die sich in Führungsfunktionen hineinentwickeln wollen oder diese schon wahrnehmen, sind mit sehr großen Entgeltlücken konfrontiert. Um sie ging es in der Präsenzveranstaltung am Abend. „Als Hochschule sehen wir diese Zahlen mit Sorge. Wir bilden hochqualifiziertes Personal für den Arbeitsmarkt aus und sehen es als selbstverständlich an, dass Frauen und Männer für ihre Arbeit angemessen entlohnt werden. Wir müssen noch mehr Energie daransetzen, als Bildungsstätte auf mehr Gerechtigkeit hinzuwirken“, sagte Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität für Forschung, in seinem Grußwort.

„Das macht uns Sorgen, aber spornt uns gleichzeitig an“, sagte Monika Diefenbach, die 1. Vorsitzende des Business and Professional Women (BPW) Germany Club Frankfurt am Main. „Die Unterstützung von hochqualifizierten Frauen, beispielsweise durch unser Netzwerk ist wichtig, auch weil immer mehr akademisch qualifizierte Frauen ins Erwerbsleben eintreten und bei gleicher Bildung zurecht auch gleiche Entgelte beanspruchen“, so Diefenbach weiter. Der Lohnatlas zeigt, dass die Lücken auch im Vergleich der Branchen untereinander durchaus verschieden groß sind. Gerade in den MINT-Bereichen erfahren hochqualifizierte Frauen häufig, dass es sehr schwer ist, die „gläserne Decke“ zu durchstoßen. Ideen und Vernetzung untereinander könnten helfen. Wie dies gehen kann, zeigte Veronika Hucke, Mitglied beim BPW Frankfurt, die ein „Gleichstellungspoker“ mit den Teilnehmenden der Abendveranstaltung durchführen wird. Beratung, Vernetzung und Coaching gelten als die Schlüsselfaktoren, die hochqualifizierte Frauen besonders gut unterstützen können.

Alle Informationen zum Hessischen Lohnatlas können auf der Webseite www.hessischer-lohnatlas.de eingesehen, heruntergeladen oder gedruckt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eigene Analysen durchzuführen.

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