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Zukunft der U4: Anhörung der Ortsbeiräte 2 und 9 an der Goethe-Universität

Bürger trafen sich auf Einladung der Ortsbeiräte 2 und 9 am 29. November auf dem Campus Westend, um sich über die neuesten Entwicklungen bei den Planungen für die U-Bahn-Linie 4 zu informieren, mit deren Fertigstellung erst nach 2032 gerechnet wird. Anlass war die Entscheidung der Stadt Frankfurt, künftig nur noch mit drei der ursprünglich 16 Streckenvarianten zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim weiterzuplanen – eine Variante mit Haltestelle mitten auf dem Campus Westend (Variante 3i) zwischen Hörsaalzentrum und dem RUW, eine andere mit Halt am »Botanischen Garten« (Variante 1d), eine dritte ohne Halt in universitärer Reichweite (Variante 1a). Schon in den vergangenen Jahren hatte eine große Mehrheit der im Römer vertretenen Parteien die Campus-Variante 3 favorisiert – unter der Voraussetzung, dass das derzeit laufende Grundwassergutachten im Grüneburgpark ein positives Ergebnis erbringt.

Dazu Verkehrsexperte Dennis Pfeiffer-Goldmann von der Frankfurter Neuen Presse in seinem Bericht: „Favorit fast aller Parteien im Römer ist Lösung 3i mit einem langen Tunnel tief unterm Grüneburgpark zum Campus Westend der Goethe-Universität, wo unter dem Adorno-Platz eine Station entstünde. Bei Variante 1a, die die Bürgerinitiative Grüneburgpark, die Aktionsgemeinschaft Westend und der Umweltverband BUND favorisieren, würde der Tunnel hingegen in offener Bauweise entstehen. Das bedeute einen erheblichen Eingriff ins Grundwasser, jahrelanges, aufwendiges Pumpen werde nötig“, was, so VGF-Infrastruktur-Experte Jürgen Tiesler, zu vermeiden sei.

Wolfgang Siefert, Persönlicher Referent von Frankfurts Umweltdezernenten Stefan Majer, ergänzte laut FNP die Kritik an Variante 1a: „Die offene Bauweise ist von den Umweltaspekten her heute nicht mehr zeitgemäß.“ Außerdem müssten dafür entlang der gesamten Zeppelinallee alle Bäume fallen, ebenso einige am Botanischen Garten. Daher prüfe die Stadt die direkte Alternative 1d mit Tunnelbau per Bohrmaschine unterm Palmengarten.

In der insgesamt mehr als dreistündigen Veranstaltung und Diskussion mit neun Referent*innen von Stadt und VGF und den Bürgerinnen und Bürgern zeigte sich auch, dass die kürzeste Variante nicht unbedingt die wirtschaftlichste sein müsse: „Die billigste Variante muss nicht die beste sein“, so Wolfgang Siefert laut FNP. Es gehe neben den Kosten auch um Aspekte wie „den verkehrlichen Nutzen oder Beeinträchtigungen von Flora und Fauna“.

Zum Wintersemester sind die Studierenden
der Sprach- und Kulturwissenschaften noch
hinzugekommen, was man auf dem Campus und
jenseits davon deutlich merkt. Menschenmassen
auf der Strecke zur U-Bahn: Zu den Stoßzeiten
zwischen 9 und 10 Uhr und 17 und 18 Uhr ist der
von vielen »Ameisenpfad« genannte Weg zur
U-Bahnhaltestelle Holzhausenstraße sehr voll.
Vor allem die Fußgängerüberwege (Bild oben) und die
Treppe zum Gleis bergen dabei Gefahren.
Fotos: Dettmar.

Die Frankfurter Rundschau (George Grodensky) stellte mit Verweis auf Wolfgang Siefert die extrem lange Planungs- und Verfahrensdauer für den U4-Lückenschluss zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim in ein kritisches Licht: „Darüber reden wir schon 30 Jahre“, so Siefert. Dabei sei die Strecke dringend nötig. Nochmals Siefert in der FR: „Derzeit gebe es bei der Stadtbahn nur eine Nord-Süd-Verbindung, die sogenannte A-Strecke über die Eschersheimer Landstraße. Nach ersten Schätzungen könnten durch den Lückenschluss 15 000 Fahrgäste von der A- auf die neue Strecke umsteigen, eine zweite Nord-Süd-Verbindung würde das System auch insgesamt flexibler bei Störungen machen. Weitere Vorteile: Mehr Angebot mache den öffentlichen Nahverkehr interessanter, es gäbe eine Verknüpfung zur geplanten Ringstraßenbahn, eine direkte Anbindung an den Hauptbahnhof für Stadtteile im Norden, eine Anbindung für Beschäftigte der Bundesbank und eine Anbindung des Campus Westend, ob nun mit direkter Haltestelle oder einem Stopp am Botanischen Garten. 13 000 bis 17 000 zusätzliche Fahrgäste wird der Lückenschluss dem öffentlichen Nahverkehr laut Schätzung zusätzlich bringen.“

Siefert kündigte laut Mechthild Harting von der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) „als nächsten Schritt an, dass auf der Grundlage der drei Varianten die Machbarkeitsstudie weiter vorangetrieben werde. Dazu seien umfassende Baugrund- und Grundwasseruntersuchungen erforderlich, mit denen zum Teil schon im Sommer begonnen wurde. Ergänzt werde die Untersuchung durch ein Baumgutachten. Außerdem würden die möglichen Varianten hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit und der CO2-Bilanz analysiert. Auch dazu, so Siefert laut FAZ weiter, werde es ein unabhängiges Gutachten geben (…) Er gehe davon aus, sagte Siefert, dass in eineinhalb Jahren, also Anfang 2024, die Machbarkeitsstudie vorliege. „Damit gibt es dann Fakten, die belegen, welche Trasse die beste ist.“

Olaf Kaltenborn

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