Unter der wissenschaftlichen Begleitung des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität ist am Freitag in Wiesbaden ein Hessischer Zukunftskonvent Fach- und Arbeitskräfte für Hessen ins Leben gerufen unter dem Vorsitz von Arbeits- und Sozialministerin Heike Hofmann.

In dem Format, das an das Neue Bündnis Fachkräftesicherung Hessen anknüpft, kommen Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung, aus der hessischen Wirtschaft, von Gewerkschaften, aus Verwaltung, Arbeitswelt, Wissenschaft, der Regionen und der Gesellschaft künftig regelmäßig zusammen, um die Fach- und Arbeitskräftesicherung in Hessen weiter voranzubringen. „Fach- und Arbeitskräfte für Hessen zu sichern, ist eine Aufgabe, die wir als Hessische Landesregierung zu einem unserer Schwerpunkte erklärt haben. Dass wir hier vereint für eine Lösung kämpfen, ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, die Zukunft des Wirtschafts- und Technologiestandorts Hessen zu sichern. Damit es uns gelingt, müssen alle beteiligten Akteurinnen und Akteure zusammenwirken. Das gewährleisten wir mit unserem jetzt konstituierten Zukunftskonvent“, sagte Ministerin Hofmann.
„Mitreden, mitwirken und machen für mehr Fach- und Arbeitskräfte für Hessen“ lautet das Motto, unter dem sich die Vertreterinnen und Vertreter von nun an im Zukunftskonvent vereinen. Mit vier Untergruppen bzw. Fachgruppen des Konvents – Fachkräfteeinwanderung, dem Steuerkreis Bündnis Ausbildung Hessen zum Thema Übergang Schule, Ausbildung & Beruf, Vereinbarkeit von Familie, Pflege & Beruf sowie Weiterbildung – soll die Nähe zur Praxis, zur Wirtschaft und zu den Menschen und deren Lebens-, Wirtschafts- und Problemlagen hergestellt werden. In den Fachgruppen sollen Lösungsansätze diskutiert sowie Maßnahmen erarbeitet werden, wie der Bedarf an Arbeits-, Fach- und Führungskräften gedeckt werden könnte.
„Die Zahlen lassen keinen Zweifel an der Dringlichkeit. Bis zum Jahr 2030 wird allein für Hessen ein Mangel von ca. 240.000 Fachkräften prognostiziert“, sagt Dr. Christa Larsen. Die Leiterin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität gehört dem neu gegründeten Konvent an. Insbesondere der demografische Wandel werde in den nächsten dreißig Jahren den Arbeits- und Ausbildungsmarkt sowie die regionalen Wirtschaftsräume stark beeinflussen. Gleichzeitig seien der Strukturwandel in der Industrie, die Digitalisierung und globale Veränderungen schon jetzt wirksam und könnten die Auswirkungen der Demografie in einzelnen Berufsfeldern punktuell etwas abschwächen. „Jedoch wird auch zukünftig die Personalnachfrage durch das altersbedingte Ausscheiden von Fach- und Arbeitskräften aus dem Arbeitsmarkt in vielen Berufsbereichen wesentlich bestimmt werden. Bei den Berufen in Gesundheit und Pflege entstehen zudem noch Mehrbedarfe durch eine älter werdende Bevölkerung“, so Larsen weiter.
Die prognostizierte Entwicklung umfasst alle Regionen und Branchen. Auch die kreisfreien Städte und Landkreise in Hessen sind vom Fach- und zunehmend auch vom Arbeitskräftemangel betroffen, zudem sieht sich die Landesverwaltung selbst zunehmend mit Personalengpässen konfrontiert. „Es ist richtig und wichtig, dass sich die Politik drängenden Themen wie der Energiepreisentwicklung oder der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren widmet. Es ist aber ebenso richtig, dass all diese Bemühungen ins Leere laufen werden, wenn die Unternehmen keine geeigneten Arbeitskräfte finden, die die energieintensiven Maschinen bedienen und warten oder die Genehmigungen beantragen“, so Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit und stellvertretender Vorsitzender des Konvents. Die Zahl der nur noch schwer oder gar nicht zu besetzenden Stellen sei eine Wachstumsbremse und kann zum Standortnachteil werden.