Eine Partnerschaft für Biodiversitätsforschung in Costa Rica

Bundesforschungsministerium fördert gemeinsame biologische Forschung von Goethe-Universität und Universidad de Costa Rica

Mit vereinten Kräften erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und aus Costa Rica künftig die Artenvielfalt in dem lateinamerikanischen Land. Prof. Meike Piepenbring, Pilzforscherin an der Goethe-Universität, hat beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) erfolgreich ein Projekt beantragt: Für die Anbahnung der Partnerschaft fließen in den nächsten drei Jahren 450.000 Euro.

Blick von unten in die Baumkronen eines Tieflandwalds in Costa Rica. (Foto: Piepenbring)

Costa Rica liegt in einem Hotspot der Biodiversität von Pilzen, Pflanzen und Tieren, die in vielfältiger Weise zusammenleben. Diese Vielfalt besser kennenzulernen und sie somit auch besser schützen zu können, dafür soll im Projekt GeCoBio (German-Costa Rican Network for Tropical Biodiversity Research) eine langfristige Partnerstruktur zwischen der Goethe-Universität Frankfurt und der Universidad de Costa Rica (UCR) eingerichtet werden. 450.000 Euro für drei Jahre hat Meike Piepenbring, Professorin am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für diesen Zweck eingeworben. Das Geld wird verwendet, um ein Konzept für die Partnerschaft zu entwickeln, entsprechende Verträge vorzubereiten und Begegnungen zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Costa Rica und Deutschland zu ermöglichen. Diese können dann – auch unter Einbeziehung anderer Experten – gemeinsame Forschungsideen generieren und in die Tat umsetzen.

Der Verlust der biologischen Vielfalt ist eine dringende Herausforderung für den globalen Erhalt gesunder Ökosysteme und das langfristige gesellschaftliche Wohlergehen. Gleichzeitig ist die biologische Vielfalt in dieser Region noch nicht annähernd vollständig erfasst, und so weiß man auch wenig über den Zustand der unterschiedlichen Arten – geschweige denn, wie man sie gegen Bedrohungen schützen kann. „Wir müssen unsere Bemühungen auf diesem Gebiet dringend intensivieren“, sagt Piepenbring. Zwar seien in Costa Rica 25 Prozent der Fläche geschützt, dennoch komme es weiterhin zu schweren Waldschäden – vor allem durch die Umwandlung von Flächen mit Primärwäldern zu Weiden oder Siedlungen.

Eine Tramete (Cubamyces menziesii) an totem Holz in Costa Rica. (Foto: Piepenbring)

Im neu eingeworbenen Projekt sollen vielfältige Themen rund um Biodiversität und Naturschutz von costaricanischen und deutschen Biologen gemeinsam erforscht werden. Mit der Universidad de Costa Rica habe man einen Partner auf hohem Niveau, was Ausstattung, Ausbildung und Qualifikation angeht – exzellent für die gemeinsame Biodiversitätsforschung, freut sich Piepenbring. Gleich in der ersten Phase der Projektförderung wird es eine Expedition in den Urwald geben. Piepenbring ist überzeugt: „Selbst vor Ort zu sein, das öffnet einem die Augen für die biologische Vielfalt und ist wichtig für gute kollegiale Beziehungen.“ Die Pilzforscherin hat schon als Doktorandin in Costa Rica geforscht und war seit 1992 mehrfach im Land. Ihre Partnerin in Costa Rica, Professorin Melissa Mardones, kennt die Goethe-Universität, da sie hier promoviert wurde und danach mehrfach für Forschungsaufenthalte nach Frankfurt kam. Im Antrag vorgesehen sind zwei Pilot-Forschungsprojekte zur Vielfalt von Pilzen in Costa Rica sowie der Aufbau einer Stammsammlung von lebenden Mikroorganismen in Kultur. Eine solche Stammsammlung ist wichtig, damit Forschende, die Stämme von Mikroorganismen aus Costa Rica heraus exportieren möchten, den Vorschriften entsprechend Kopien der Stämme in Costa Rica lassen können. Das Projekt soll Forscherinnen und Forscher auch bei der Beantragung von Sammel- und Exportgenehmigungen unterstützen.

Eine Raupe im Tieflandsregenwald von Costa Rica. (Foto: Piepenbring)

Im Rahmen der Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung fördert die Bundesregierung Projekte in der Forschungs- und Innovationszusammenarbeit mit Lateinamerika und der Karibik – mit dem Ziel, langfristig bestehende bilaterale Forschungsstrukturen zu schaffen. Die Themen konnten in den Bereichen Rohstoffe, Biodiversität oder Klima verortet sein. Mehr als 100 Anträge sind auf den Förderaufruf hineingegangen, zwölf wurden bewilligt – darunter das von Piepenbring eingereichte Projekt GeCoBio. An der Goethe-Universität ist die Biodiversitätsforschung an den Fachbereichen Biowissenschaften und Geowissenschaften sowie in Kooperation mit der Senckenbergischen Gesellschaft für Naturforschung traditionell sehr gut aufgestellt. Sie ist an der Goethe-Universität verankert im Profilbereich „Biodiversity and Sustainability“ sowie im Frankfurter Raum durch BioFrankfurt e.V und international durch das Frankfurt Conservation Center.

Publikation: Mardones M, Umañana Tenorio L, Granados Montero M del M, Mata Hidalgo M, Ruiz-Boyer A, Piepenbring M, Minter D, Coto-López C, Carranza Velásquez J (2024) The first annotated checklist of Costa Rican fungi. Funga Latina 2:V2A7.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Meike Piepenbring
Institut für Ökologie,  Evolution und Diversität
Goethe University Frankfurt
Telefon 069 798-42222
E-Mail piepenbring@bio.uni-frankfurt.de

https://biofrankfurt.de
https://frankfurtconservation.org/de

Relevante Artikel

Öffentliche Veranstaltungen

You cannot copy content of this page