Multispezies Members Club: Fürsorge, Teilhabe und Technologie

Neue Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität / Pressekonferenz am 27.3.2026

„Wie kann eine technologisierte Gesellschaft auf Fürsorge und Teilhabe statt auf Konkurrenz bauen?“ – diese Frage steht im Zentrum der Ausstellung „Multispezies Members Club. Neue Allianzen zwischen lebendigen und künstlichen Systemen“, die vom 28.3. – 6.9.2026 im Museum Giersch der Goethe-Universität im Rahmen der World Design Capital 2026 stattfindet. Die Ausstellung entwirft ein zukunftsweisendes Modell des Zusammenlebens, in dem Menschen, Tiere, Pflanzen und Maschinen gleichberechtigt agieren. Besucher*innen sind eingeladen, Fürsorge, Kooperation und Teilhabe nicht nur zu betrachten, sondern aktiv zu erleben, und zu reflektieren, wie Technologie Kommunikation zwischen unterschiedlichen Spezies ermöglichen kann. Gleichzeitig macht die Ausstellung deutlich, dass Technik nicht neutral ist: Sie verbraucht Ressourcen, kann bestehende Machtverhältnisse verstärken und stößt dort an Grenzen, wo natürliche Systeme zu komplex sind, um sie vollständig zu steuern.

Die Highlights der Ausstellung sind interaktiv und vielseitig: Andreas Greiners neu entstandene Installation Garden Protocol verbindet Pflanzen auf dem Balkon, Menschen und technische Systeme über Wasser als gemeinsame Ressource und fungiert als lebendiges Versuchsfeld für neue Formen des Zusammenwirkens von Natur und Technologie. Greiner agiert dabei sowohl als Künstler als auch als Kurator der Ausstellung, gemeinsam mit Ina Neddermeyer und Susanne Wartenberg. Im Multispezies Café knüpft er an die Tradition des Salons an und bringt aktuelle Diskurse über Künstliche Intelligenz in den Raum, während im Klangkunstwerk Conspiracy Theory (2023) drei KI-Systeme – Grok, DeepSeek und Mistral – in einen Trialog treten und globale Machtverhältnisse sowie politische und gesellschaftliche Modelle reflektieren.


Weitere künstlerische Positionen hinterfragen die Grenzen zwischen Mensch, Natur und Technologie auf vielfältige Weise: Xenia Snow zeigt mit Cyber Chimären (2025) fiktive Mischwesen aus biologischen und technologischen Systemen; allapopp präsentiert die Installation Songs of Cyborgeoisie, in deren Rahmen Computerspiel, Tarotdeck und Soundinstallation zu einer interaktiven Auseinandersetzung mit KI und Robotik einladen; Andreas Greiner präsentiert mit Replicating Seed, Panorama of a Landscape und Hybrid Matter Study 01 + 02 (alle 2018) menschliche und künstliche Zellen im direkten Vergleich. Laleh Khabbazy Oskouei und Farhang Rafiee führen mit Arih Baji (2026) einen Dschinn aus der islamischen Kosmologie in digitale und visuelle Räume ein. Aktivistisch und interaktiv ist Tree and Rockets Truth Gate (2026), das Besucher*innen über umgebaute Arcade-Spielautomaten in die Analyse und Korrektur von Online-Inhalten einbindet.

Auch der Museumsgarten wird Teil des Multispezies-Clubs: Mit der Klanginstallation What do birds tweet about? (2025, Neukonzeption 2026, Baltic Raw Org) werden Vogelstimmen in kurze Textfragmente übersetzt und als eigenständige, nichtmenschliche Stimme erfahrbar. Der Convivial Commons Congress (2025) von Matthias Einhoff (ZK/U Proxylab) lässt symbolisch nichtmenschliche Akteure wie ein Gewässernetz, einen Regenbaum, eine Indische Python, eine Braunkopfmöwe oder einen Perlfleckbuntbarsch an Entscheidungsprozessen teilnehmen und erforscht so neue Formen ökologischer Gerechtigkeit.

Beiträge von Künstler*innen – darunter auch Studierende der Muthesius Kunsthochschule Kiel und der HfG Offenbach, die im Rahmen eines Open Calls ausgewählt wurden – eröffnen vielschichtige Perspektiven auf Künstliche Intelligenz, Ökologie und gesellschaftliche Verantwortung. Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität Frankfurt ergänzen das Programm mit Perspektiven aus der KI-Forschung, Bioinformatik, Kunstpädagogik, Anthropologie sowie Erziehungs-, Kultur- und Literaturwissenschaften. Die Ausstellung verbindet Kunst, Wissenschaft und Nachhaltigkeit und lädt dazu ein, über ein mehr-als-menschliches Zusammenleben nachzudenken sowie die Möglichkeiten und Grenzen algorithmischer Prozesse kritisch zu reflektieren.

Ein vielfältiges Vermittlungsprogramm begleitet die Ausstellung und lädt Besucher*innen aller Altersgruppen zur aktiven Teilhabe ein. Den Auftakt bildet die Vernissage am 27. März ab 18 Uhr mit Grußworten aus Kultur und Wissenschaft sowie dazu ab 20 Uhr live Beats von den Frankfurter DJs JUCI VISION. Höhepunkte sind die Nacht der Museen am 25. April, bei der Führungen in Deutscher Gebärdensprache, mehrsprachige Tarot-Readings und die Inklusive Clubnight für Taube und Hörende angeboten werden, sowie der Digitaltag am 26. Juni mit der Lecture-Performance Cyborgs und Chimären, in der Kunst und Wissenschaft im Dialog über Mensch, Technologie und Gesellschaft stehen. Ergänzt wird das Programm durch Führungen, Film- und Vortragsreihen, Workshops sowie Kinder- und Schulangebote.

Für den Workshop „Datendetektiv*innen im Museum“ für Kitas und Grundschulen (Alter: ca. 5–10 Jahre) stehen im Rahmen der Kampagne Stadt der Kinder kostenlose Plätze zur Verfügung. Die Kosten übernimmt das Kinderbüro der Stadt Frankfurt. Das Angebot ist begrenzt, eine frühzeitige Anmeldung wird empfohlen. Das Vermittlungsangebot entsteht in Kooperation mit dem C3S – Center for Critical Computational Studies der Goethe-Universität Frankfurt und dem Museum Giersch der Goethe-Universität. Terminvereinbarung: vermittlung@mggu.de

Beteiligte Künstler*innen und Wissenschaftler*innen: allapopp, Baltic Raw Org (Móka Farkas & Berndt Jasper), Literaturwissenschaftler Roland Borgards, Erziehungswissenschaftlerin Juliane Engel, Anthropologe Steven Gonzalez Monserrate, Kulturanthropologin Katharina Graf, Andreas Greiner, Dženeta Hodžić, David Kuhn & Markus Rauchecker, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Anne Duk Hee Jordan, Laleh Khabbazy Oskouei & Farhang Rafiee, Nadine Kolodziey, Kunstpädagogin Verena Kuni, Biophysikerin Franziska Matthäus, Xenia Snow, terra0 (Paul Kolling & Paul Seidler), Tree and Rocket, Medienpädagoge Dan Verständig, ZK/U Proxylab.

Ina Neddermeyer, Museumsdirektorin und Kuratorin, sagt: „Die Ausstellung fragt, wie wir in einer technologisierten Welt zusammenleben wollen: Können wir auch nicht-menschliche Akteur*innen durch Künstliche Intelligenz oder Blockchain in Entscheidungsprozesse einbeziehen? Wie kann ein zukunftsweisendes Modell des Zusammenlebens aussehen?

Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main, betont: „Dieses Ausstellungsprojekt zeigt eindrucksvoll, wie wissenschaftliche Forschung und künstlerische Strategien gemeinsam neue Perspektiven auf Technologie, Ökologie und gesellschaftlichen Wandel eröffnen. Die enge Zusammenarbeit unserer Einrichtungen – vom C3S über studiumdigitale bis zum Institut für Kunstpädagogik – steht exemplarisch für diesen interdisziplinären Anspruch.“

Andreas Greiner, Künstler und Kurator der Ausstellung: „Ich interessiere mich für Systeme, in denen Menschen nicht die einzigen Akteur*innen sind. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie stark wir auf andere Spezies und technische Infrastrukturen angewiesen sind – und wie fragil diese Beziehungen sind.“

Susanne Wartenberg, Stellvertretende Museumsleitung und Kuratorin, ergänzt: „Die künstlerischen Positionen eröffnen – im Dialog mit wissenschaftlichen Perspektiven – vielfältige Zugänge beispielsweise zu ökologischen Verflechtungen, digitalen Strukturen und Formen der Koexistenz. Der Multispezies Members Club versteht sich als offenes Experiment und als Einladung zum Mitdenken.“

Pressekonferenz: Freitag, 27.3.2026, 11 Uhr – Einführung & Rundgang mit:
Andreas Greiner (Künstler, Kurator)
Ina Neddermeyer (Kuratorin, Direktorin)
Dr. Tim Pickartz (Kurator für Vermittlung und Diskurs)
Dr. Susanne Völker (Kulturfonds Frankfurt RheinMain)
Susanne Wartenberg (Kuratorin, Stellvertretende Leitung).

Die weiteren an der Pressekonferenz teilnehmenden Künstler*innen und Wissenschaftler*innen werden auf der Website bekannt gegeben. Bitte um Anmeldung an: presse@mggu.de

Förderer und Kooperationspartner: STIFTUNG GIERSCH, Goethe-Universität, Kulturfonds Frankfurt RheinMain, World Design Capital 2026 in Frankfurt RheinMain, Stadt der Kinder, C3S – Center for critical computational studies, DFG-gefördertes Graduiertenkolleg „Fixing Futures“, DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

Eintritt: Erwachsene 7 € / Ermäßigt 5 €. Freier Eintritt für Personen unter 18 Jahren und Schulklassen.

MGGU x Klima-Taler App: Das Museum Giersch der Goethe-Universität ist neuer Partner der Klima-Taler App. Die Ausstellung kann zum ermäßigten Eintritt besucht werden – gleichzeitig lässt sich klimafreundliches Verhalten belohnen.

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr. An Feiertagen 10–18 Uhr geöffnet, auch wenn diese auf einen Montag fallen. Sonderöffnungszeiten nach Vereinbarung

Ansprechpartnerin für die Presse: Christine Karmann. Fon: 069/138210121; E-Mail: presse@mggu.de

Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.mggu.de/presse

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