Fünf Veranstaltungen in einer Woche: Die Policy-Dialogprogramme der RMU bringen Wissenschaft und Praxis zusammen
Es reicht nicht aus, ein kluger Kopf zu sein. Wissenschaftler*innen, die ihre Erkenntnisse in politische Gestaltungssprozesse einbringen wollen, brauchen Kontakte, müssen verstehen, was die andere Seite braucht und selbst auch verstanden werden. Umgekehrt hilft Mitarbeitenden in Politik und Behörden ein vertrauensvolles Netzwerk in die Hochschulen, um dort Expertise gezielt anfragen zu können. Mit dem Mercator Science-Policy Fellowship-Programm und dem EU-Projekt ENGAGEgreen arbeiten die Rhein-Main-Universitäten (RMU) an genau dieser Schnittstelle. Dort gibt es den Raum, um Wissenschaft, Politik und Verwaltung in den gemeinsamen Austausch zu bringen, Lösungen für teils sehr komplexe Aufgaben zu entwickeln und persönliche Kompetenzen aufzubauen. Wie das in der Praxis funktionieren kann – und wie gut –, das war Ende Januar bei gleich fünf Policy-Dialog-Veranstaltungen der RMU zu erleben.

Politik trifft auf Wissenschaft: So arbeiten wir – das können wir anbieten
Den Anfang machte der vom Science Communication Centre der TU Darmstadt organisierte Workshop Science meets Policy am 23. Januar in Darmstadt. Der erste Teil des Workshops bot den 35 teilnehmenden Forschenden einen Überblick zum Thema Politikgestaltung und zu Instrumenten der wissenschaftlichen Politikberatung anhand verschiedener Übungen. Im zweiten Teil berichteten die Policy-Fellows Dr. Elena Sondermann (Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat) und Dr. Michael Schulze-Jackowski (Hessisches Ministerium der Finanzen) sowie Prof. Anke Weidenkaff (TU Darmstadt, Material and Resources) über ihre Erfahrungen mit dem Austausch zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. „Forschende nehmen Politik und Verwaltung häufig als eine Art Black Box wahr. Der Workshop und insbesondere die Einblicke in die Praxis der Politikberatung durch die externen Gäste hat den Teilnehmenden Einblicke in die Arbeitsweisen und Wissensbedarfe in Politik und Verwaltung ermöglicht“, sagt Tome Sandevski, der als Koordinator der RMU-Policy-Dialogprogramme den Workshop leitete.
Was ihr (wissen) wollt: Besuch an den Rhein-Main-Universitäten
Verteilt über den Januar besuchten 25 Fellows aus Bundes- und Landesministerien, Nichtregierungsorganisationen und Medien die Rhein-Main-Universitäten. Vor Ort führten sie 142 Gespräche mit 111 Forschenden der Rhein-Main-Universitäten und kooperierender Wissenschaftseinrichtungen. Die Themeninteressen der Fellows reichten dabei von Bildung, Sicherheit und Zukunft der Demokratie über Religion und sozialen Zusammenhalt bis hin zu Klimawandel, Digitalisierung und Quantentechnologien.
Zukunftstechnologien kennenlernen
Am 29. Januar 2026 ging es in Darmstadt um „Zukunftstechnologien für Energie und Sicherheit“: 30 Teilnehmende aus Politik, Behörden, Verbänden und der Wirtschaft informierten sich vor Ort über das Potenzial von Metallen als klimaneutralen Energieträgern sowie über innovative Lösungen für digitale Resilienz. Ausgerichtet wurde der Praxistag vom Technologie- und Transferzentrum Metal Energy Hub und dem Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX) der TU Darmstadt in Kooperation mit den Darmstädter RMU-Policy-Dialogprogramm.
Geburtstagsfeier und Blick zurück
Am gleichen Abend fand die Jubiläumsveranstaltung des Mercator Science-Policy Fellowship-Programms in Kooperation mit dem ENGAGEgreen-Projekt an Goethe-Universität Frankfurt statt. Unter dem Motto „Brücken bauen – 10 Jahre Science-Policy Dialogprojekte der Rhein-Main-Universitäten“ ließen Policy Fellows und Vertreter*innen der RMU in zwei Podiumsdiskussionen ihre Erfahrungen mit dem Policy-Fellowship Revue passieren.
Den Anfang machte das Panel zum Thema „Science-Policy-Dialog heute: Zwischen Evidenz, Kommunikation und Vertrauen“. Moderiert wurde es von der stellvertretenden Leiterin des Bereichs Research Support der Goethe-Universität, PD Dr. Simone Haasler. Dr. Patrick Honecker (Chief Communication Officer, TU Darmstadt), Florian Meesmann (MDR), Rebecca Schmidt (Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Goethe-Universität Frankfurt) und Prof. Daniel Schunk (Wirtschaftswissenschaften, Johannes Gutenberg-Universität Mainz) diskutierten über Herausforderungen des Dialogs zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie berichteten u. a. darüber, wie die im Rahmen der Dialogprogramme geführten Gespräche zwischen Forschenden und Policy-Fellows zu zahlreichen Folgeaktivitäten wie gemeinsame Publikationen oder Hospitanzprogramme geführt haben. Journalist Florian Meesmann, der auch Mitglied im Praxisrat des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist, ermutigte die Forschenden, ihre Erkenntnisse nicht nur mit einem wissenschaftlichen Fachpublikum zu teilen, sondern auch in den Medien zu veröffentlichen, die von vielen Menschen genutzt werden.
Beim zweiten Panel „Vom Austausch zur Wirkung: Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis“, ging es darum zu zeigen, wie ergiebig das Dialogformat tatsächlich sein kann und wie die Gespräche sich auf die weitere Arbeit der Beteiligten auswirken. Die Wissenschaft wurde in der Runde vertreten durch Prof. Henner Hollert (Biowissenschaften, Goethe-Universität), Prof. Michèle Knodt (Politikwissenschaft, TU Darmstadt) und Prof. Georg Krausch (Präsident der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz). Zudem waren die Fellows Dr. Jens Martin-König und Peter Hanisch, beide aus dem Hessischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, dabei. Bei der Frage nach der Wirksamkeit lag der Fokus auf der Frage, inwieweit das Science-Policy-Programm zu neuen fachlichen Einsichten für die Teilnehmenden aus Ministerien oder zu neuen gesetzlichen Regelungen geführt hat bzw. inwieweit auch die Arbeit der Wissenschaftler*innen beeinflusst wurde. Der Ökotoxikologe Henner Hollert hob hervor: „Das ist das Besondere an diesem Programm: dass wir erkannt haben, wir haben gemeinsame Interessen. Dass man in diesem geschützten Raum Dinge gemeinsam entwickeln und erarbeiten konnte. Und dass wir viel Wirkung gemeinsam erreichen können. Das hat mich persönlich sehr begeistert.“
Eine Karriere außerhalb der Wissenschaft?
Am 30. Januar 2026 richteten die Policy-Dialogprogramme im Zusammenarbeit mit der (Post-)Graduiertenakademie der Goethe-Universität (GRADE) die Veranstaltung „Aus der Wissenschaft zu Ministerien/Behörden, Medien oder NGOs?“ aus. Knapp 50 Early Career Researchers tauschten sich mit Policy Fellows aus Bundes- und Landeseinrichtungen, dem MDR und der Stiftung Warentest über Karrierewege in den genannten Praxiseinrichtungen aus sowie über deren Bedarfe an wissenschaftlicher Expertise. (Einen Artikel über die GRADE-Veranstaltung können Sie hier lesen →)
Simone Haasler, stellvertretende Leiterin des Research Support der Goethe-Universität, zeigte sich mit den Veranstaltungen sehr zufrieden: „Im Verbund der Rhein-Main-Universitäten können wir ressort- und fächerübergreifende Dialogformate planen und umsetzen, die bei den Teilnehmenden aus Wissenschaft und Praxis auf sehr großes Interesse stoßen. Entscheidend dafür war die Unterstützung unserer Arbeit durch die Stiftung Mercator in den vergangenen zehn Jahren. Hierauf aufbauend konnten wir zahlreiche weitere Formate und Projekte entwickeln, wie beispielsweise das EU-Projekt ENGAGEgreen.“
Wie geht es weiter?
Die Förderungen für das Mercator Science-Policy Fellowship-Programm und das ENGAGEgreen Projekt laufen Mitte 2026 aus. Trotzdem: Die Allianz der Rhein-Main-Universitäten wird den Dialog und den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft bzw. Forschung und Praxis auch weiterhin fördern. Hierzu gehört u. a. die Veröffentlichung eines Policy Engagement Toolkit, das Forschende und Wissenschaftsmanager*innen darin unterstützt, vielfältige Dialogprogramme zu konzipieren und umzusetzen.
Tome Sandevski, Imke Folkerts
Im April geht das Policy Engagement Toolkit der Rhein-Main-Universitäten online →











