Aus der Wissenschaft zu Ministerien/Behörden, Medien oder NGOs? Dialog mit Praxisvertreter*innen zu Karrierechancen und -wegen

Welche Karrierechancen haben Promovierende und Postdocs bei Ministerien und den ihnen unterstellten Behörden, bei Medien und zivilgesellschaftlichen Verbänden? Wie gelingt der Einstieg? Und über welche Kanäle und Formate kann wissenschaftliche Expertise die Praxis erreichen? Das konnten Early Career Researchers der Rhein-Main-Universitäten am 30. Januar mit Expert*innen aus der Praxis diskutieren – organisiert von GRADE, der Goethe Research Academy for Early Career Researchers, in Kooperation mit dem Erasmus+ ENGAGEgreeen Projekt und dem Mercator Science Policy Fellowship Programm der RMU.

GRADE unterstützt Promovierende und Postdocs bei der Vorbereitung auf wissenschaftliche und außerwissenschaftliche Karrierewege. Die große Mehrheit von ihnen verlässt auf Dauer die Wissenschaft. Aber weil sie während Promotion und Postdoc-Phase mit vollem Einsatz für die Wissenschaft unterwegs sind, haben viele von ihnen einen erheblichen Orientierungsbedarf, was ihre Perspektiven in anderen Tätigkeitsfeldern betrifft. Glücklicherweise sind durch die  Mercator Science Policy Fellowships und ENGAGEgreen regelmäßig zahlreiche Expert*innen für außerwissenschaftliche Karrierewege an den RMU zu Gast. Die Teilnehmer*arbeiten in Ministerien und nachgeordneten Behörden, internationalen Organisationen, zivilgesellschaftlichen Verbänden oder wissenschaftsnahem Journalismus. Im Rahmen eines maßgeschneiderten Gesprächsprogramms diskutieren sie an den Rhein-Main-Universitäten für ihre Arbeit relevante Themen mit einschlägigen Wissenschaftler*innen. Gleichzeitig geben sie Early Career Researchers Einblicke, wie sie als Mitarbeiter*innen in Politik, Verwaltung, Verbänden und Medien dazu beitragen können, wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Diskussions- und Entscheidungsprozesse einzubringen.

Im Rahmen eines World Cafes diskutierten Early Career Researchers und Praxisvertreter*innen am 30. Januar, welchen Bedarf die Praxis an wissenschaftlicher Expertise hat, wie sich die Arbeitsweisen in der Wissenschaft und der Praxis unterscheiden, welche Kompetenzen und Erfahrungen wichtig für den Einstieg in die jeweiligen Berufsfeldern sind und welche Hürden es beim Wechsel von der einen auf die andere Seite zu überwinden gibt. Die gute Nachricht: Wissenschaftler*innen bringen viele wichtige Qualifikationen für eine erfolgreiche außerwissenschaftliche Karriere mit. Dazu gehören Fachkenntnisse, etwa für die Regulierung von Gefahrstoffen im Hessischen Umweltministerium. Wichtiger noch sind ihre im Rahmen von Promotion und Postdoc-Phase erworbenen fachübergreifenden Kompetenzen: etwa Selbstorganisation und der schnelle und sichere Umgang mit großen Informationsmengen.

Auch in Ministerien und nachgeordneten Behörden gibt es inzwischen vielfältige Einstiegsmöglichkeiten, die Kandidat*innen ohne das früher übliche juristische Staatsexamen offenstehen. Aber natürlich wird dort und in anderen Praxisfeldern nicht rein wissenschaftlich gearbeitet. So ist es oft wichtiger, schnell zu einem kompakten Ergebnis zu kommen, als eine Frage abschließend zu beantworten – etwa wenn in der Staatskanzlei von Rheinland-Pfalz eine Vorlage für den Ministerpräsidenten erstellt oder in der Redaktion des MDR ein tagesaktuelles Thema eingeordnet werden muss. Gut aufbereitete wissenschaftliche Erkenntnisse können durchaus politisches Handeln und öffentliche Diskurse beeinflussen – aber nur im Zusammenspiel mit anderen Einflussfaktoren. Für die Arbeit von Ministerien spielen etwa die Vorgaben der Hausleitung und die parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse eine große Rolle. Und beide können sich auch plötzlich wandeln – mit ganz konkreten Auswirkungen auf die Arbeit, von denen die Praxisvertreter*innen berichten können.

Die Teilnehmer*innen konnten viele neue Eindrücke, Einblicke, und neugeknüpfte Kontakte mitnehmen. Besonders lobten sie die vielfältigen Perspektiven und die offene und ehrliche Diskussionsatmosphäre. Der nächste Termin soll Anfang 2027 stattfinden.

Autor: Dr. Matthias Köhler (GRADE)

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