Prof. David M. Simpson; Foto: Privat

Die Merz-Stiftungsgastprofessur hat das Ziel, die internationalen wissenschaftlichen Beziehungen in den Bereichen Medizin und Pharmazie der Goethe-Universität zu fördern. Mit ihrer Stiftung knüpfte die Firma Merz & Co. 1987 an alte Traditionen Frankfurter Mäzenatentums an, schon der Firmengründer Friedrich Merz war Mitglied der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Die Professur umfasst Forschungs- und Lehrtätigkeiten sowie die Teilnahme an einem internationalen und interdisziplinären Symposium, das dem Forschungsschwerpunkt des Gastprofessors gewidmet ist und ebenfalls von Merz & Co. unterstützt wird.

Die 20. Stiftungsgastprofessur geht dabei an Prof. David Simpson vom Mount Sinai Medical Center in New York. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist der Einsatz von Botulinumtoxin bei spastischen Bewegungsstörungen. Auch Merz Pharmaceuticals hat im letzten Jahr die Zulassung eines neuen Botulinumtoxins vom Serotyp A für die Behandlung der Armspastik nach Schlaganfall in Kanada und mehreren europäischen Ländern erhalten. Die Besonderheit dieses Toxins ist, dass es weitgehend frei von Komplexproteinen ist und daher eine geringere Antigenität im Vergleich zu anderen Botulinumtoxinen aufweisen könnte.

Daher widmet sich in diesem Jahr auch das traditionell mit der Merz-Stiftungsgastprofessur verbundene Symposium, das am 9. Juni in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt stattfindet, dem Thema „Spasticity – Pathophysiology and Treatment“. Neben Simpson werden weitere internationale Experten Vorträge zur Entstehung und Behandlung spastischer Bewegungsstörungen halten.

Prof. Jochen Röper von der Goethe-Universität und Prof. Jens Bo Nielsen von der Universität Kopenhagen werden die Neurophysiologie und spinale Pathophysiologie der Spastik darstellen. Prof. Giacomo Koch wird den Einsatz der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation bei spastischen Patienten erörtern, und Schwerpunkt des Vortrages von Prof. Stuart Yablon (Dallas) wird die orale und intrathekale Pharmakotherapie der Spastik sein. Der Nachmittag des Symposiums widmet sich der Therapie mit Botulinumtoxin, das sich zunehmend als Therapie der ersten Wahl bei fokaler Spastik unterschiedlicher Ursache durchgesetzt hat.

So werden Prof. Geoffrey Sheehan (San Diego) und Prof. Jörg Wissel (Beelitz) die Ersttherapie und Grundprinzipien der Botulinumtoxin-Behandlung bei dieser Indikation darstellen. Da Botulinumtoxine Fremdproteine mit antigenem Potential sind, kann die intramuskuläre Injektion die Entwicklung von Antikörpern gegen das Botulinumtoxin auslösen. Die klinische Relevanz der Antikörperbildung beleuchtet abschließend Prof. Dirk Dressler von der Medizinischen Hochschule Hannover.

[Autoren: Rüdiger Hilker & Susanne Grafe]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.10 des UniReport erschienen.