Der Deutsche Hochschulverband (DHV) stellt jeden Monat in seinem Newsletter Nachrichten aus der Hochschulwelt zusammen. Unter anderem geht es im November um die folgenden Themen: 

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) hat vor einer Erosion der Debattenkultur an Universitäten gewarnt. „Das Klima der Political Correctness ist bedenklich“, führte Prof. Bernhard Kempen im Interview mit der „Welt“ aus. „Die Sensibilitätsschwelle für andere Ansichten, andere Meinungen, für das Fremde ist erheblich gesunken.“ Früher seien Universitäten Stätten vehementer und teils heftiger geistiger Auseinandersetzungen gewesen, heute werde versucht, niemandem eine Ansicht zuzumuten, die ihn verstören könnte. Man müsse nicht akzeptieren, was jemand sage, aber man müsse es aushalten. Der DHV-Präsident forderte die Hochschulen dazu auf, Rednerinnen und Redner vor Anfeindungen zu schützen und umstrittene Veranstaltungen nicht abzusagen.

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat gegen die Schlechterstellung von Absolvent/innen nicht akkreditierter Studiengänge im öffentlichen Dienst protestiert. DHV-Präsident Kempen rief die Länder in einem Schreiben dazu auf, dem Beispiel Bayerns zu folgen und sich mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden darauf zu verständigen, einen entsprechenden Passus des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst (TVÖD-K) nicht anzuwenden. Dieser sieht vor, Bachelor- oder Masterabsolventinnen und -absolventen, die ihren Abschluss in einem nicht akkreditierten Studiengang gemacht haben, in eine niedrigere Entgeltgruppe einzugruppieren. Kempen: „Die Millionen Euro, die für den Akkreditierungszirkus aufgewendet werden, könnten zielführender zur Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen eingesetzt werden.“

Das Professorinnenprogramm wird bis mindestens 2022 fortgeführt. Statt wie bisher 150 Millionen Euro werden Bund und Länder in der dritten Programmphase ab dem kommenden Jahr insgesamt 200 Millionen Euro den Hochschulen zur Verfügung stellen. Neben bereits bekannten Fördermaßnahmen wie der Anschubfinanzierung für Erstberufungen von Frauen auf eine Professur und der Stärkung der gleichstellungspolitischen Strukturen an Hochschulen durch ein Gleichstellungskonzept als Grundlage für eine Förderung von bis zu drei Professuren wird es neue Verfahren im Bereich der Personalentwicklung und -gewinnung geben. So werden zehn Hochschulen die Möglichkeit erhalten, Fördermittel für eine vierte Professur zu beantragen, wenn ihre Gleichstellungskonzepte als besonders vorbildlich gelten können.

Der Wissenschaftsrat hat Empfehlungen zur Optimierung des Gutachterwesens verabschiedet. Begutachtungsverfahren müssen demnach überprüft und auf Wichtiges beschränkt werden. Außerdem sollten Erfahrungen mit alternativen Verfahren kontrolliert erprobt werden. So sollte mit innovativen Auswahlverfahren der Gefahr des sogenannten Mainstreamings in der Forschungsförderung begegnet werden – etwa mit Zufallsauswahl oder mit Hilfe eines Sondervotums (wild card).

Die Hochschulrektorenkonferenz hat sich gegen Fehlentwicklungen bei der sogenannten Industriepromotion gewandt. Gemeint sind Fälle, bei denen Doktoranden einen Arbeitsvertrag bei einer externen Einrichtung haben, der mit dem Promotionsprojekt in Verbindung steht. Ein häufiges Beispiel etwa sind Promovierende in den Ingenieurwissenschaften, die in der Industrie beschäftigt sind und Forschung betreiben, die für das jeweilige Unternehmen unmittelbar relevant ist. Es dürfe nicht sein, dass die alleinige Zuständigkeit der Universitäten für die Promotion in solchen Konstellationen verwischt werde, betonte HRK-Präsident Prof. Horst Hippler. Nur die Universitäten könnten über die wissenschaftliche Qualität urteilen.

Die meisten Studierenden in Deutschland (61 Prozent) streben einen Masterabschluss an. Das zeigt eine Untersuchung der Universität Maastricht, für die mehr als 40.000 Studierende befragt worden. Nur zwölf Prozent der Studierenden wollen sich demnach schon mit dem Bachelorabschluss begnügen. Eine Promotion ist für 15 Prozent der Studierenden das Ziel. Ein Staatsexamen streben sieben Prozent an.

Kleine Fächer profitieren überproportional von Förderprogrammen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie nutzen das Programmportfolio in seiner ganzen Breite, haben sich in zahlreiche geförderte interdisziplinäre Verbünde eingebracht und in besonderem Umfang an den Förderlinien der Exzellenzinitiative partizipiert. Das geht aus einer aktuellen DFG-Studie hervor. Vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften liegt demnach die relative Beteiligung Kleiner Fächer in der Einzelförderung stabil bei etwa 24 bis 25 Prozent: Jeder vierte Antrag kann hier also einem Kleinen Fach zugeordnet werden.

In Deutschland lebenden türkischen Wissenschaftlern droht Anklage: Die Staatsanwaltschaft in der Türkei will in Deutschland lebende türkische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Intellektuelle wegen „Propaganda für eine Terrororganisation“ anklagen. Nach Angaben von Betroffenen handelt es sich um etwa 100 Personen. Sie sollen zu den 1.128 Personen aus der Wissenschaft gehören, die im Januar 2016 einen Aufruf unterzeichnet hatten, in dem sie die türkische Regierung für ihre Gewalt gegen Kurden kritisierten und sie aufforderten, die Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen. Eine Auslieferung an die Türkei gilt als unwahrscheinlich. Praktisch drohe den in Deutschland lebenden Geflohenen aber zunächst, dass sie von der Türkei international zur Fahndung ausgeschrieben werden. Von diesem Zeitpunkt an könnten sie nicht mehr gefahrlos reisen.

Mit dem Lise-Meitner-Exzellenzprogramm baut die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ihre Frauenförderung aus. Ab Frühjahr 2018 werden pro Jahr bis zu zehn zusätzliche Max-Planck-Forschungsgruppen für Wissenschaftlerinnen ausgeschrieben. Dafür investiert die MPG bis zum Jahr 2022 weit über 30 Millionen Euro. Als Leiterin einer Max-Planck-Forschungsgruppe sollen sich die Wissenschaftlerinnen frühzeitig in ihrer Karriere ein eigenständiges Profil aufbauen und Führungsverantwortung übernehmen. Sie erhalten einen auf fünf Jahre befristeten W2-Vertrag und nach Ablauf die Möglichkeit, an einem Tenure-Track-Verfahren teilzunehmen.

Das wissenschaftsunterstützende Personal an Universitäten und Fachhochschulen erfährt nach eigener Einschätzung trotz wachsender Verantwortung wenig Anerkennung. Das geht aus einer Untersuchung Berliner Hochschulforscher hervor. Die geringe Vergütung und „ungenügende Entwicklungsmöglichkeiten“ würden von den befragten Hochschulbeschäftigten „als fehlende Wertschätzung ihrer Arbeit und als demotivierend empfunden“, heißt es dort weiter. Insbesondere auf den Leitungsebenen der Hochschulen werde die Arbeit des wissenschaftsunterstützenden Personals kaum gewürdigt, kritisierten demnach viele Befragte. Nur 23 Prozent des Hochschulpersonals fühlen sich von der Führung wertgeschätzt. Dennoch arbeiteten die meisten gern an der Hochschule, weil sich ihnen dort ein spannendes Arbeitsumfeld biete. Eine dem öffentlichen Dienst häufig nachgesagte „Verwaltungsmentalität“ sei unter den befragten Beschäftigten viel seltener anzutreffen, als dies häufig behauptet werde, betonten die Autoren der Studie.

Die Schere bei der Professorenbesoldung geht weiter auseinander: Auf bis zu 1.480 Euro können sich inzwischen die realen monatlichen Unterschiede bei den Bruttogehältern von Professorinnen und Professoren in den Ländern summieren. Ein Jahr zuvor waren es noch bis zu 1.260 Euro.

Neuer Staatssekretär: Patrick Burghardt wird zum 1. Januar 2018 neuer Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst des Landes Hessen. Der derzeitige Oberbürgermeister von Rüsselsheim am Main übernimmt nach seiner Amtszeit die Aufgabe und folgt auf Staatssekretär Ingmar Jung, der per Direktmandat in den Deutschen Bundestag gewählt wurde.

Die Langversionen der Meldungen sind nachzulesen im DHV-Newsletter 11/2017, außerdem weitere Themen, unter anderem:

Gute Zeugnisse für Wissenschaftsminister, Rektoren und Präsidenten?

Empfehlung für strategische Allianz für Thüringer Ingenieurwissenschaften

Hochschulleitungen kleinerer Universitäten fühlen sich allein gelassen

Springer Nature: Deutscher Wissenschaftsverlag beugt sich Chinas Zensur

Ausschreibung für den/die „Student/in des Jahres“