Privates Engagement an der Goethe-Universität ermöglicht Nachhaltigkeitsprojekt

Auf den Campi der Goethe-Universität wachsen kleine Wäldchen, die mehr sind als Begrünung. Die sogenannten „Tiny Forests“ verbinden Klimaschutz, Forschung und Bildung auf engem Raum. Sie sind Teil einer langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie der Universität und Ausdruck ihrer Offenheit. Ermöglicht wurden sie auch durch private Förderung. Dieses Porträt erzählt von der Motivation von Dr. Hendrik Leber und Claudia Giani-Leber, Verantwortung praktisch zu denken.
Beobachten, verstehen, ermöglichen – diese Beweggründe prägen das Engagement von Dr. Hendrik Leber. Gemeinsam mit seiner Frau Claudia hat er die Entstehung mehrerer Tiny Forests an der Goethe-Universität Frankfurt unterstützt. Nicht aus spontaner Begeisterung, sondern aus langjähriger Auseinandersetzung mit der Frage, wie ökologische Wirkung, Wissenschaft und gesellschaftliche Verantwortung sinnvoll zusammenkommen können. „Seit vielen Jahren fasziniert mich die Miyawaki-Methode“, sagt Leber. Damit ist ein Aufforstungskonzept des japanischen Pflanzensoziologen Akira Miyawaki gemeint. „Die Idee, dass man mit heimischen Arten auf kleinster Fläche ein funktionierendes Waldökosystem entwickeln kann, hat mich überzeugt. Es ist für Städte hochinteressant.“ Die Entscheidung für die Gelände der Goethe- Universität fiel bewusst. Diese bietet nicht nur geeignete Flächen, sondern auch den wissenschaftlichen Rahmen, um ökologische Maßnahmen systematisch zu begleiten und auszuwerten. Genau dieser Zusammenhang gab für das Ehepaar den Ausschlag.
Kleine Wälder mit System
Tiny Forests, angelegt nach der Miyawaki-Methode, folgen einem klaren Prinzip: Auf kleiner Fläche werden ausschließlich heimische Baum- und Straucharten sehr dicht gepflanzt. Die Konkurrenz zwingt die Pflanzen zu schnellem Wachstum; innerhalb weniger Jahre entsteht ein stabiles, sich selbst erhaltendes Waldökosystem. Gerade für urbane Räume ist das Konzept attraktiv. Tiny Forests binden CO2, kühlen ihre Umgebung und bieten Lebensraum für Insekten und Vögel. Zugleich eignen sie sich für Forschung und Lehre als überschaubare Reallabore, in denen ökologische Zusammenhänge messbar werden. Für Hendrik Leber spielt dieser wissenschaftliche Blick eine zentrale Rolle. „Wir wissen insgesamt noch wenig über die Vielfalt in der Natur“, sagt er. „Nur mit der Wissenschaft lernen wir, ‚Grün‘ von ‚Grün‘ zu unterscheiden.“ Gemeint ist der Unterschied zwischen Pflanzen, die sich invasiv ausbreiten, und solchen, die Teil eines regionalen ökologischen Zusammenhangs sind. Erst Forschung zeigt, welche Organismen sich im Boden ansiedeln und welche Tiere die neuen Lebensräume tatsächlich nutzen.
Nachhaltigkeit als Gemeinschaftsaufgabe
Die Tiny Forests sind Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Goethe-Universität. Sie verfolgt das Ziel, Forschung, Lehre, Transfer, Campusbetrieb und universitäre Kultur schrittweise nachhaltiger zu gestalten. Förderer aus der Gesellschaft leisten dazu einen wichtigen Beitrag. „Hochschulen können abweisend wirken“, sagt Hendrik Leber. „Es braucht einen Zugang, der die Universität mit ihrem städtischen Umfeld verbindet.“ Private Förderer, Bürger innen und Bürger könnten dabei eine vermittelnde Rolle spielen – als Menschen, die sich mit der Hochschule verbunden fühlen. Nachhaltigkeit entstehe dort, wo Wissenschaft und Stadtgesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen, so Leber. Bei den bisher vier angelegten Tiny Forests soll es nicht bleiben. „Ich wünsche mir eine weite Verbreitung der Idee, zunächst in Frankfurt, dann gerne auch in anderen Städten“, sagt Hendrik Leber. Damit aus kleinen Wäldern dauerhaftes Wissen wächst und Wirkung über den Campus hinaus entfaltet.
Autorin: Heike Jüngst
Für weitere Informationen zur Förderung der Tiny Forests: Susanne Honnef, honnef@pvw.uni-frankfurt.de










