Gruppenbild in Accra nach der Evaluierung des Projektes im Dezember. (Foto: Mohammed Amidu/University of Ghana)

Ein neuer Knotenpunkt der deutschen geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung in Afrika entsteht derzeit an der University of Ghana: das Maria Sibylla Merian Institute for Advanced Studies in Africa (MIASA). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat nun die Mittel für die Hauptphase bewilligt. Das Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität und das Forschungsinstitut Point Sud in Bamako, Mali, wirken mit einem wichtigen Teilprojekt mit, für das weitere 1,8 Millionen Euro zugesagt wurden.

Das „Merian Institute for Advanced Studies in Africa“ (MIASA) soll künftig zu einem Zentrum der deutschen Afrikaforschung werden. Zu seinen Aufgaben gehört es, ein ambitioniertes intellektuelles Programm und eine Forschungsagenda zu entwickeln, die afrikanische Perspektiven in Wissenschaft und Politik stärken und damit zum Abbau globaler Wissensasymmetrien beitragen sollen. Ein thematischer Fokus liegt dabei auf nachhaltiger Regierungsführung. Aktuelle Themen wie Migration, Demokratisierung und ökologischer Umbau sollen interdisziplinärer bearbeitet werden. Exzellente Nachwuchsforscherinnen und -forscher, die sich für ein mehrmonatiges Stipendium am MIASA bewerben können, werden besonders gefördert. Im Jahr 2018 ging das Projekt an den Start, nun wurden die für die im September beginnende sechsjährige Hauptphase notwendigen Mittel in Höhe von 11 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bewilligt.

Standort des MIASA ist die University of Ghana in Accra. Auf deutscher Seite sind die Albert-Ludwigs-Universität mit dem Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) und dem Arnold-Bergstraesser-Institut für kulturwissenschaftliche Forschung (ABI) federführend bei Aufbau und Koordination des Instituts. Weitere Partner sind das Deutsche Historische Institut Paris als Mitglied der Max-Weber-Stiftung, das German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg und das Zentrum für Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Universität Frankfurt. Das Forschungszentrum Point Sud in Mali, das seit 2004 im Rahmen eines DFG-Programms von der Goethe-Universität finanziert wird, und sein stetig wachsendes Netzwerk von Partnern im anglo-, franko- und lusophonen Afrika spielen eine zentrale Rolle bei der Überwindung der Sprachbarrieren in Afrika.

Für das ZIAF ist der Erfolg des Antrags von großer Tragweite: Das Frankfurter Zentrum wird zusammen mit Point Sud in Bamako und dessen Netzwerkpartnern in Afrika das Outreach- und Konferenzprogramm von MIASA organisieren. Das Netzwerk ist im Rahmen des DFG-Programms Point Sud entstanden und umfasst Partnerinstitutionen in Burkina Faso, Gabun, Mali, Mosambik, Niger, Senegal, Ghana und Südafrika. An den verschiedenen Standorten des Netzwerks sind internationale Konferenzen zu Themen wie regionale und kontinentale Integration,  intra-regionale Migration oder Ressourcenmanagement und Klimawandel geplant. Außerdem wird es Schreibwerkstätten für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Tagungen geben, die sich dezidiert mit der Wissensproduktion in Afrika beschäftigen. So wird das Frankfurter Teilprojekt einen entscheidenden Beitrag zur Sichtbarkeit und Verankerung von MIASA auf dem Kontinent und darüber hinaus leisten. Der Frankfurter Ethnologe und Afrikaforscher Prof. Dr. Mamadou Diawara wird von 2024 an den Direktorenposten innehaben, Dr. Marko Scholze, wird die Koordination des Frankfurter Teilprojektes übernehmen.

ZIAF und das Point Sud Netzwerk bringen jedoch nicht nur ihre Kompetenz bei der Organisation von hochklassigen akademischen Veranstaltungen, sondern auch ihre wissenschaftliche Expertise in die Arbeit von MIASA mit ein. So sind zahlreiche Persönlichkeiten des ZIAF und des Netzwerks an der inhaltlichen Konzeption des Konferenzprogramms direkt beteiligt.  Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag für die Internationalisierungs-Strategie der Goethe-Universität.

Information: Dr. Marko Scholze, Koordinator Programm Point Sud und Frankfurter Teilprojekt für das Merian Institute for Advanced Studies (MIASA) in Ghana, Institut für Ethnologie, 60323 Frankfurt am Main, Tel.: +49(0)69 79833230, E-Mail: scholze@em.uni-frankfurt.de