Bei der Akademischen Feier im Kaisersaal des Römers erhielt der ukrainische Physiker Dr. Volodymyr Vovchenko den Preis der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität für naturwissenschaftlichen Nachwuchs.

Ein angemessenes Ambiente für die 33. Akademische Feier im Jubiläumsjahr der Freundesvereinigung: Die Tore des Kaisersaals im Frankfurter Römer öffnete Oberbürgermeister Peter Feldmann für diese Feier zu Ehren der elf junge Forscherinnen und Forscher, die für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet wurden, aber auch zum Dank an die Freunde der Goethe-Universität.

300 Gäste hatten sich versammelt und dokumentierten am 100. Geburtstag der Freundesvereinigung eindrucksvoll die Verbundenheit zwischen Stadt, Universität und ihren Unterstützern.

„Kennen Sie die Dialektik von Ausnahmezustand und Menschenrechten? Sind Sie vertraut mit Ammoniak-Messungen bei CLOUD11? Wissen Sie um die Situation deutschsprachiger Historikerinnen und Historiker in der britischen Emigration ab 1933? Können Sie die Bedeutung der Entwicklung eines dreidimensionalen Blasentumormodells zur personalisierten Therapieentscheidung einschätzen? – Nein?

Wenden Sie sich an unsere jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die heute hier im Kaisersaal des Römers von Stiftungen der Freunde und Förderer der Goethe-Universität für ihre Forschungen ausgezeichnet werden!“, animierte die Präsidentin der Goethe-Universität, Birgitta Wolff, die Anwesenden zum Gespräch, das im Anschluss an die Preisverleihungen beim Stehempfang schnell in Gang kam. Denn – so hatte es schon Goethe formuliert: „Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.“

Wie keine andere Veranstaltung vermag die Akademische Feier den großen Wissenschaftskosmos der Goethe-Universität abzubilden, so Wolff. Von Archäologie, Humangeografie, Philosophie, Physik und Medizin bis zur Kriminalitätsforschung und Umweltthemen reichte das Spektrum in diesem Jahr. Die kurzen Vorstellungen der Preisträgerinnen und Preisträger durch die Laudatoren ließ erahnen, was die Ausgezeichneten in den vergangenen Jahren an Neugier, Beharrlichkeit, Geduld, Ausdauer, Forschungsdrang, Ideenreichtum und Intellekt in ihre wissenschaftliche Arbeit gesteckt haben.

Dass dies nicht ohne die wissenschaftliche Betreuung in ihren Instituten und die Unterstützung im persönliche Umfeld möglich gewesen wäre, unterstrichen die Archäologin Dr. Vanessa Bähr und der Physiker Dr. Volodymyr Vovchenko in ihrer Dankesrede. Und der junge Ukrainer, der bereits über 20 Artikel in international renommierten Zeitschriften und ein Buch veröffentlicht hat, schloss mit dem Lob auf die internationale Vernetzung dieser Universität, die ihm so viele unschätzbare weltweite Kontakte ermöglicht habe.

Der Dank galt an diesem Tag besonders den Stiftern, deren Verdienst der Vorsitzende der Vereinigung, Prof. Wilhelm Bender, bei der Verleihung der einzelnen Preise hervorhob. Insgesamt konnte die stattliche Summe von 60.000 Euro an die Nachwuchswissenschaftler vergeben werden. Große Dankbarkeit bekundeten der Oberbürgermeister und die Uni-Präsidentin auch der Freundesvereinigung, insbesondere Prof. Bender, für die Initiative zu der Feier in diesem festlichen Rahmen und für das stete Engagement zum Wohle der Uni und der Stadt.

Feldmann betonte in seiner Begrüßung, wie in dieser offenen Stadt mit Menschen aus 180 Nationen der Dialog – durchaus auch lebhaft und kontrovers – gepflegt wird und welche Rolle dabei die Universität spielt: Es war die Goethe-Uni, die auf dem Höhepunkt der Occupy-Bewegung in der Oper eine fruchtbare Diskussion zwischen Bürgern, Wissenschaftlern und Occupy-Anhängern initiierte; es waren Frankfurter Wissenschaftler, die 2017 den March for Science gegen Fake-News und Religionsfundamentalismus starteten. „In dieser Stadt machen die Menschen seit jeher den Mund auf“, zeigte sich Feldmann beeindruckt.

In diesen Kontext gehört auch die Geschichte der Frankfurter Stiftungsuniversität, deren Gründung von ungeduldigen Bürgern wie Wilhelm Merton und engagierten Oberbürgermeistern wie Franz Adickes vorangetrieben wurde. „Die Frankfurter gehen nicht zum Thron! Ohne das Engagement und das Durchsetzungsvermögen dieser Persönlichkeiten gäbe es heute weder die Universität noch unsere Vereinigung“, erinnerte Bender. Und im Laufe der vergangenen 100 Jahre habe sich das Zusammenspiel zwischen den Oberbürgermeistern und der Vereinigung zum Wohle der Uni immer wieder bewährt.

 

Preisträgerinnen und Preisträger

Für seine Dissertation zum Thema „Mensch und Maßnahme. Zur Dialektik von Ausnahmezustand und Menschenrechten“ wurde der Philosoph Dr. Jonas Heller (Mitte) mit dem Werner Pünder-Preis ausgezeichnet. Die Laudation hielt sein Betreuer Prof. Christoph Menke (nicht im Bild). Prof. Wilhelm Bender (rechts) bedankte sich besonders bei Dr. Marie-Luise Weber (Zweite von links), Ehefrau des verstorbenen Rechtsanwalts Dr. Dolf Weber, für die Aufstockung des Preises, der nun bis zunächst 2027 mit 10.000 Euro dotiert ist. Er erinnert an den Rechtsanwalt Dr. Werner Pünder, einen entschiedenen Gegner des Nationalsozialsozialismus. Pünder arbeitete nach dem Krieg mit Weber in der Kanzlei Pünder Volhard Weber & Axster zusammen, aus dieser Kanzlei ging die internationale Anwaltssozietät Clifford Chance hervor. Für die Anwaltssozietät nahm Dr. Andreas Dietzel (Zweiter von rechts) an der Preisverleihung teilnahm.

Mit Siedlungsstrukturen, wie sie während der Bronzezeit im bayerischen Ampertal bestanden hatten, beschäftigte sich Dr. Vanessa Bähr (Mitte). Für ihre herausragende Dissertation erhielt sie den Christa Verhein-Preis zur Förderung der Archäologie. Der Preis wurde in diesem Jahr ebenfalls aufgestockt – von 5.000 Euro auf 6.000 Euro. Es gratulierten auch der Laudator Prof. Rupert Gebhard von der Münchner Ludwig Maximilians-Universität (Zweiter von links), und für die Stiftung Dr. Jens Peter Schaefer (Zweiter von rechts). Bähr promovierte am Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität und wurde von Prof. Rüdiger Krause betreut.

International: Die Nordirin Prof. Ingrid Fleming (Zweite von links) vom Frankfurter Universitätsklinikum hielt die Laudatio für den Chinesen Dr. Jiong Hu. Der Pharmakologe aus Whuan (Zentralchina) promovierte an der Goethe-Universität auf dem Gebiet der Gefäßbiologie, er beschäftigte sich mit der diabetischen Retinopathie, die eine Hauptursache für Erblindung in den westlichen Industrienationen darstellt. Der Nachwuchsgruppenleiter am Institute for Vascular Signalling bekam den mit 10.000 Euro dotierten Dr. Paul und Cilli Weill-Preis, mit dem herausragende Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Humanmedizin unterstützt werden sollen.

Sie arbeitet an einem dreidimensionalen Blasentumormodell, das die personalisierte Therapie für Patienten mit einem komplexen Urothelkarzinom voranbringen soll: Dr. Marina Deuker (Zweite von rechts) erhielt zur Unterstützung ihrer Forschungsarbeit den Frankfurter Forschungspreis 2018 der Rudolf Geißendörfer-Stiftung. Die Medizinerin, die an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert hat und auch dort promoviert wurde, arbeitet seit 2016 in der Klinik für Urologie des Frankfurter Universitätsklinikums und wird bald an das Vancouver Prostate Centre wechseln, um dort zusammen mit Prof. Martin Gleave weiter an diesem 3-D-Tumormodell zu forschen, wie der Laudator, PD Dr. Frederik Roos (Zweiter von links), der stellvertretende Direktor der chirurgischen Klinik des Frankfurter Uni-Klinikums, berichtete.

Ihre Dissertation „A tale of two cultures” steht kurz vor der Veröffentlichung in einem Londoner Wissenschaftsverlag: Dr. Birte Meinschien (Mitte) ist in ihrer Arbeit den Lebenswegen von 70 deutschsprachigen Historikerinnen und Historikern nachgegangen, die ab 1933 nach England emigrieren mussten. Darüber hinaus hat sie beleuchtet, wie diese Wissenschaftler sich in der englischen Science Community etablieren konnten. Der Frankfurter Historiker Prof. Christoph Cornelißen (Zweiter von links) hielt die Laudatio auf die Preisträgerin, die mit dem Friedrich Sperl-Preis für herausragende Arbeiten des Historiker-Nachwuchses ausgezeichnet wurde. Für die Stifterfamilie gratulierte Peter Sperl (Zweiter von rechts).

Wie lassen sich psychopathische Persönlichkeitseigenschaften zur Vorhersage von antisozialem Verhalten und Kriminalität messen? Mit dieser Frage hat sich die Psychologin Dr. Sonja Etzler (Mitte) in ihrer Dissertation beschäftigt. Dafür wurde sie mit dem Förderpreis der BURSE e.V. für herausragende wissenschaftliche Leistungen in Höhe von 3.000 Euro ausgezeichnet. Die von Sonja Etzler entwickelten psychologischen Messinstrumente können unter anderem eingesetzt werden, um Vorhersagen darüber zu treffen, wie hoch die Rückfallgefahr eines Straftäters ist. Die Laudatorin Prof. Sonja Rohrmann (Zweite von links) hob den forensischen Schwerpunkt dieser Dissertation hervor; seit 2016 arbeitet Etzler nun beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Michael Kropp (rechts) überbrachte den Glückwunsch des BURSE e.V.

Kooperationen über alle Grenzen: Der ukrainische Physiker Dr. Volodymyr Vovchenko (Zweiter von rechts) ist ein echter Durchstarter in der internationalen Welt der Schwerionen-Forscher, in dieser Worldwide Science Community arbeitet er auch bestens mit seinen russischen Kollegen zusammen. Mit seinem enormen wissenschaftlichen Output – allein 20 Aufsätze in führenden internationalen Journals – gehört er zu den Shootingstars, daran ließ der Frankfurter Physiker Prof. Horst Stöcker (links) in seiner Laudatio keinen Zweifel. 10.000 Euro Preisgeld stehen dem jungen polyglotten Ukrainer nun für seine weitere Arbeit zur Verfügung, ihm gratulierten zum Preis der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität für naturwissenschaftlichen Nachwuchs: Oberbürgermeister Peter Feldmann (Mitte), Uni-Präsidentin Prof. Birgitta Wolff und der Vorsitzende der Freundesvereinigung, Prof. Wilhelm Bender.

Drei junge Wissenschaftler wurden mit den Procter & Gamble-Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet: Dr. Johannes Völker (Zweiter von rechts), Ronja Schneider (Mitte) und Lena Weitz (bei der Verleihung nicht anwesend). Über die Themen der prämierten Arbeiten informierte Prof. Jörg Oehlmann (Zweiter von links) vom Fachbereich Biowissenschaften der Goethe-Universität. Völker, der den mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt, erforscht seit Beginn dieses Jahres als Postdoc an der Universität in norwegischen Trondheim humane Expositionswege und Effekte von hormon-ähnlichen Chemikalien. Während seiner Promotion beschäftigte er sich mit nachhaltigen biologischen Prozessen, um die Spurenstoffentfernung im Abwasserkreislauf zu verbessern. Für das Unternehmen Procter & Gamble nahm Dr. Katharina Marquardt (Dritte von links) an der Preisverleihung teil.

Die weltgesellschaftlichen Zusammenhänge zwischen Näherinnen in Bangladesch und den Konsumenten im „globalen Norden“ hat Dr. Elisabeth Fink (Dritte von links) in ihrer Dissertation in den Blick genommen, wie die Laudatorin Prof. Antje Schlottmann (Zweite von links) erklärte. Das Thema ihrer mit dem WISAG-Preis für gesellschaftlichen Zusammenhalt ausgezeichneten Arbeit lautet: „Transnationalisierung, Arbeitsrechtsaktivismus und Geschlecht. Transnational Social Movement Unionism im Bekleidungssektor Bangladeschs?“ Es brauche mehr Arbeiten dieser Art, um die eurozentrische Perspektive zu hinterfragen, wünscht sich die Humangeografin Schlottmann. Auch der Stifter Claus Wisser (rechts) war anwesend und für WISAG Facility Service der Leiter Personal John Lotz (Dritter von rechts).

Fotos: Uwe Dettmar