Zur besseren Diagnostik und operativen Versorgung von Patienten mit Hörstörungen hat die Universitätsklinik als erster klinischer Anwender in Deutschland ein neuartiges Röntgenschnittbildverfahren erworben – das weltweit leistungsstärkste digitale Volumentomographie-Gerät.

Jeder fünfte Deutsche leidet unter einer Hörschädigung. Einer zunehmenden Zahl an Betroffenen helfen herkömmliche, schallverstärkende Hörgeräte jedoch nicht. Mehr als 30.000 hochgradig hörgeschädigten oder gehörlosen Menschen, die über einen intakten Hörnerv verfügen, wurde deshalb eine elektronische Hörprothese, das sogenannte Cochlea-Implantat (CI), in Deutschland operativ eingesetzt. Ein entscheidender Faktor für die optimale Funktionsfähigkeit ist eine an die individuelle menschliche Anatomie möglichst genau angepasste Elektrode, die sehr präzise in der Hörschnecke (Cochlea) der Patienten platziert werden muss. Grundlage dafür ist eine hochauflösende Bildgebung der komplexen Kopfanatomie. Als erstes Universitätsklinikum in Deutschland, erster klinischer Anwender und erste Radiologie weltweit verfügt das Universitätsklinikum Frankfurt seit kurzem über den international leistungsstärksten digitalen Volumentomographen (DVT), mit dem kleinste Knochenstrukturen des Schädels dreidimensional dargestellt werden können. Im Vergleich zu alternativen bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie oder dentalen DVT-Systemen ist die Bildauflösung hier um bis zu 300 Prozent verbessert bei einer um 70 bis 95 Prozent verminderten Strahlenexposition. Dem Universitätsklinikum Frankfurt ermöglicht dies eine weiter verbesserte Diagnostik von Hörstörungen, eine individualisierte chirurgische Betreuung von Patienten mit Cochlea-Implantaten, eine Reduktion gesundheitlicher Nebenwirkungen sowie eine optimierte technische Grundlage für laufende Forschungsprojekte.

Hoher Nutzen für Patienten mit Hörstörungen

Pro Jahr erhalten 150 bis 180 Patienten am Universitätsklinikum ein Cochlea-Implantat. Bei ca. 3.000 Personen mit bereits implantierten Hörprothesen werden zudem Nachsorgeuntersuchungen durchgeführt. Im Zentrum aller Versorgungsschritte steht die Bildgebung der Felsenbeinregion. Bislang waren CT als auch MRT zur OP-Vorbereitung sowie bei Bedarf intraoperativ im Einsatz. Postoperativ, etwa zur Lagekontrolle der Elektroden, wurden unter anderem Röntgenverfahren angewandt. Mit dem neuen DVT-Modell SCS MedSeries H23 Mark III 120 KV der SCS Systems Consulting Solutions GmbH können alle Untersuchungen nun mit einem Gerät noch effektiver durchgeführt werden.

„Die hohe Bildqualität der digitalen Volumentomographie ermöglicht es uns, im Vorfeld der Operation individuelle, anatomisch bedingte Risiken unserer Patienten festzustellen und eine daran exakt angepasste, personalisierte Therapie zu entwickeln: von der Auswahl des geeigneten Implantats, über das chirurgische Einsetzen bis hin zur Funktionskontrolle. Nur so ist eine qualitätsgesicherte Versorgung mit Cochlea-Implantaten möglich“ fasst Prof. Stöver, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, zusammen.

„Das Universitätsklinikum Frankfurt nimmt bei der Bildgebung des Felsenbeins und der CI-Therapie eine Vorreiterrolle ein. Wir etablieren Sicherheitsstandards, die bestehende Leitlinien weit übertreffen. Interdisziplinär mit der Radiologie finden wir für jedes Ohr die passende Therapie“, so Prof. Stöver.

Das diagnostische Spektrum vervollständigt

Mit der neuen DVT-Gerätegeneration, der speziell für die Humanmedizin entwickelte Super High Resolution Ultra Low Dose CBCT-DVT, sind am Universitätsklinikum nun sämtliche bildgebende Verfahren verfügbar.

„Die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit schließt auch die physiologischen Untersuchungen mit ein. So wird unseren Patienten das gesamte Spektrum hochmoderner Diagnostik zugänglich. Die hohe bildgebende Leistungsfähigkeit, die sich neben der maximalen Auflösung auch in der effektiv minimierten Strahlenexposition ausdrückt, ist ein technischer Fortschritt, der unseren Patienten unmittelbar zu Gute kommt“ stellt Prof. Thomas Vogl, Direktor des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie, dar.

Die Gerätetechnik reduziert auch sogenannte Metallauslöschungsartefakte wirksam, ein für die Implantatdiagnostik wichtiger Faktor. Dabei handelt es sich um Störungen der Bildgebung durch metallhaltige Stoffe im Körper, die beispielsweise in Cochlea-Implantaten verbaut sind.

Verbesserte Forschungsgrundlagen

Auch laufende Forschungsprojekte des Universitätsklinikums profitieren von der neuen DVT-Technik und deren Bildqualität. Dies betrifft etwa die gegenwärtig wissenschaftlich untersuchte Korrelation zwischen exakter Elektrodenlage und optimaler Funktion von Cochlea-Implantaten. Ziel ist es, die CI-Hörqualität noch weiter zu steigern, indem das bestgeeignete Implantat präoperativ planungssicher gewählt und die Positionierung der Elektroden verfeinert wird.

Die digitale Volumentomographie ist ein dreidimensionales Schnittbildverfahren auf Röntgenbasis. Die spezifisch auf die Kopfdiagnostik ausgerichtete Konstruktionsform ermöglicht es, kompakte, hochauflösende Messsysteme zu verwenden. Die Röntgenröhre rotiert dabei ausschließlich um den Kopf des Patienten. Aufgrund ihres ursprünglich limitierten Untersuchungsbereichs, dem sogenannten Field of View (FOV), waren die ersten Gerätegenerationen Ende der 1990er Jahre noch auf die Dentaldiagnostik begrenzt. Seither vergrößerte eine stetig verbesserte Gerättechnik die Untersuchungsvolumina vom Zahn- über den vollständigen Schädel bis hin zur oberen Halswirbelsäule. Neben der vielfältigen Diagnostik von Hörstörungen und der Implantatdiagnostik kann die Technik auch bei der chronischen Sinusitis, entzündlichen Mittelohrveränderungen, Fehlbildungen oder durch Mineralisationsstörungen verursachte Knochenkrankheiten (Osteodystrophie) eingesetzt werden.

Pressemitteilung der Universitätsklinik