Andreas Hänssig ABL – Praxisphasen im Ausland, Lisa Görz, ABL – Alumni Lehramt, Reinhard Löchelt ZfA, Prof. Dr. Christopher Heim, Direktor ABL (v. l. n. r.). Foto: ABL

Auslandserfahrungen und die damit einhergehende persönliche und berufliche Entwicklung werden für angehende und ausgebildete Lehrkräfte immer wichtiger. Dies zeigt sich auch im stetig steigenden Interesse an der ABL-Vortragsreihe „Schulleitungen Deutscher Schulen im Ausland berichten von ihrer Arbeit“.

Über 80 Interessenten folgten zuletzt der Einladung der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL), deren Arbeitsbereiche International Teacher Education und Alumni Lehramt am 30. Januar 2018 eine Informationsveranstaltung mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) durchgeführt haben. Prof. Christopher Heim, Direktor in der ABL für Internationalisierung, begrüßte Lehramtsstudierende, Absolventinnen und Absolventen der Ersten bzw. Zweiten Staatsprüfung, Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst und Lehrerinnen und Lehrer, um eingangs kurz die Ziele der ABL zu erläutern, wie z.B. Praxisphasen im Ausland für Lehramtsstudierende zu erleichtern.

Der Referent Reinhard Löchelt ist einer der bundesweit anerkannten Experten für das Auslandsschulwesen. Er war Schulleiter an einem großen Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Danach leitete er acht Jahre die Deutsche Schule in Johannesburg. Nach seiner Rückkehr war Reinhard Löchelt für die Personalauswahl für den Auslandsschuldienst in der ZfA in Bonn zuständig. In seinem Vortrag informierte er die Anwesenden über das Thema „Als Lehrkraft ins Ausland – Chancen und Perspektiven“.

Als ADLK oder BPLK an einer Deutschen Schule im Ausland unterrichten

Die ZfA vermittelt fest verbeamtete oder angestellte Lehrerinnen und Lehrer als Auslandsdienstlehrkräfte (ADLK) für die Dauer von max. 3+3 Jahre bzw. Bundesprogrammlehrkräfte (BPLK) für die Dauer von max. 2+2+2 Jahre an deutsche Schulen im Ausland. Wer sich für eine Stelle an einer Deutschen Schule im Ausland interessiert, findet in Werner Henkelmann (Werner.henkelmann@bva.bund.de) in der ZfA einen kompetenten Ansprechpartner.

Reinhard Löchelt begann seinen Vortrag mit dem Hinweis, wie viele Schulen weltweit für eine Lehrtätigkeit im Ausland in Frage kommen. Die „Qual der Wahl“ sei in der Tat groß und neben den 140 Deutschen Schulen im Ausland könnten Bewerberinnen und Bewerber auch an einer von rund 1.100 von der Bundesrepublik Deutschland geförderten schulischen Einrichtungen mit verstärktem Deutschunterricht (Deutschen Sprachdiplom-Schulen (DSD)) unterrichten.

Eine Übersicht über geeignete Schulen ist auf der Homepage der ZfA zusammengestellt. Das Auslandsschulwesen betreffe ca. 473.000 Schülerinnen und Schüler, davon gehen 83.000 auf deutsche Schulen im Ausland. Entgegen der landläufigen Erwartung sind jedoch nicht alle Schülerinnen und Schüler an deutschen Schulen auch Deutsche – im Gegenteil trifft dies nur für ca. ein Viertel zu, der Großteil kommt also aus dem jeweiligen Land.

Diese Zahlen verdeutlichen, warum die ABL Praxisphasen im Ausland unterstützt: Lehramtsstudierende, die internationale Schulerfahrungen bereits während ihres Studiums erwerben und diese theoriegeleitet reflektieren konnten, werden besser darauf vorbereitet sein, ihre Schülerinnen und Schüler auf die Chancen und möglichen Unsicherheiten einer globalisierten Gesellschaft vorzubereiten. Darüber hinaus erleben Studierende und Lehrkräfte, die im Ausland waren, auch ein heterogenes „Lehrerzimmer“ – viele Kolleginnen und Kollegen kommen als Ortslehrkräfte aus dem Zielland.

Positiv können sich auch Mobilitätserfahrungen der Lehramtsstudierenden auf den eigenen Unterrichtsalltag auswirken und bereichern. Die erlebten Fremdheitserfahrungen führen zu einer Sensibilisierung gegenüber anderen Kulturen. Diversität in Klassenzimmern kann besser genutzt werden und trägt dazu bei, dass die Defizitperspektive reduziert werden kann.

Was bringt mir eine Auslandsphase?

Reinhard Löchelt verwies in seinem Vortrag ausdrücklich auf folgende Aspekte, die für den weiteren Berufsweg in der Schule von Vorteil sind und als Kompetenzgewinn nach einem Auslandsaufenthalt genannt wurden: Erhöhte bzw. verbesserte (Selbst-)Reflexionsfähigkeit, Kritikfähigkeit, soziokulturelle Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Handlungsfähigkeit, Mediationsfähigkeit und Fremdsprachenkompetenz.

Reinhard Löchelt im Gespräch mit Interessierten. Foto: ABL

Von Schulleitungen wurden folgende Kompetenzen bei Rückkehrerinnen und Rückkehrern festgestellt und geschätzt: Initiative und Lösungsorientierung, Erweitertes Wissen für „richtiges“, i.e. situationsangemessenes Handeln im Klassenraum, gegenüber Eltern und anderen Lehrkräften und eine hohe Arbeitszufriedenheit.

Das Fazit von Reinhard Löchelt nach acht Jahren Schulleitung in Johannesburg und am Ende des Vortrags lautet: Berufstätigkeit „Als Lehrkraft im Ausland“ heißt: „Take the best of two worlds“. Seine Präsentation ist auf der ABL-Homepage (unter International Teacher Education bzw. Alumni Lehramt) zu finden.

Praxisphasen im Ausland im Studium und als OLK nach der Ersten bzw. Zweiten Staatsprüfung

Auch wenn die ZfA selbst keine Schulpraktika vermittelt, sind an den DSD-Schulen Lehramts-oder Unterrichtpraktika für deutsche Studierende mit der Zusatzqualifikation „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) möglich (gesucht vor allem an DSD-Schulen in Mittelosteuropa, Südosteuropa und Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS)). Der Bewerbungsweg, der Bewerberkreis und Informationsquellen für Praktika an DSD-Schulen können der Homepage der ZfA entnommen werden. Erfahrungsberichte sowie weitere Informationen zu Bewerbung, Anerkennung und Stipendienmöglichkeiten sind auf der PASCH-Homepage aufgelistet. Wer sich für Praxisphasen im Lehramtsstudium oder nach der Ersten bzw. Zweiten Staatsprüfung an Deutschen oder Internationalen Schulen interessiert, wendet sich für Informationen an Andreas Hänssig (haenssig@em.uni-frankfurt.de) von der ABL. Wir beraten auch Interessierte, die sich als Ortslehrkraft (OLK) direkt an einer Schule im Ausland bewerben möchten.

Ausblick – Wie geht’s weiter?

Die ABL-Vortragsreihe „Schulleitungen Deutscher Schulen im Ausland berichten von ihrer Arbeit“ wird im Sommersemester 2018 mit zwei Vorträgen aus Indien und Thailand fortgesetzt. Am Donnerstag, den 12. April 2018, werden Melanie Rolf, Schulleiterin der German International School in Chennai (Indien) und im Juli 2018 Johanna Vänskä, Abteilungsleitung Primarschule der Swiss-German-School in Bangkok (Thailand) Einblicke in ihre jeweiligen Aufgaben und Tipps für Bewerbungen für Praxisphasen bzw. Lehrtätigkeiten geben. Ausführliche Informationen können Sie den Ankündigungen entnehmen, die zu Beginn des Sommersemesters erscheinen werden. Als Zielgruppe werden wieder Studierende und Absolventen der Lehramtsstudiengänge im Blick stehen.

[Autoren: Andreas Hänssig & Lisa Görz]