Im 8. Alternativen Drogen- und Suchtbericht 2021, herausgegeben von akzept e.V. und heute erschienen, steht die Alkohol- und Tabakkontrollpolitik im Fokus. Deutschland habe sowohl in Bezug auf die Alkohol- als auch auf die Tabakkontrollpolitik eine sehr industriefreundliche und wenig gesundheitspolitische Ausrichtung, kritisieren die Verfasser. Dr. Bernd Werse vom Centre for Drug Research an der Goethe-Universität (CDR) und Mitherausgeber des Berichts, plädiert im gemeinsamen Vorwort mit Prof. Heino Stöver für eine ganzheitliche und nachhaltige Drogenpolitik: „Am Beispiel des Schwerpunktthemas Alkoholkontrollpolitik werden die Versäumnisse der Vergangenheit deutlich: wir leben in einer sehr alkoholaffinen Gesellschaft; viele Möglichkeiten bleiben ungenutzt, um die vielfältigen Schäden auf mehreren Ebenen für die Konsumierenden, ihr Umfeld und die Gesamtgesellschaft abzuwenden.“ Die Gesellschaft leide unter den gesundheitlichen und sozialen Kosten, alkoholbezogene Unfälle, Gewalttaten, sexuelle Übergriffe und ähnliches seien mit großem Abstand die größten mit psychoaktiven Substanzen assoziierten Risiken im öffentlichen Raum, betonen die Herausgeber.

Ein weiteres Thema des Alternativen Drogen- und Suchtberichts ist die positive Entwicklung durch die Covid-19 Pandemie im Bereich der Opoioidsubstitutionsbehandlung. Handlungsbedarf sehe man aber auf dem Feld der drogenbedingten Todesfälle in Deutschland; hier nehme seit 10 Jahren die Zahl kontinuierlich zu und habe im Jahr 2020 mit 1.581 Fällen einen neuen Höchstwert der letzten 20 Jahre erreicht. Deshalb wird im vorliegenden Bericht ein Maßnahmenplan für eine nachhaltige Reduktion drogenbedingter Todesfälle in Deutschland vorgestellt. Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die Entwicklung von Verhältnisprävention bei legalen Drogen, die auf sehr niedrigem Niveau stagniere, während sich die Kriminalisierungsspirale bei illegalen Substanzen ungebremst weiterdrehe.

akzept e.V. Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik (www.akzept.eu) wurde im Frühjahr 1990 in Bremen gegründet. Es ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss von Praktikern und Forschern, Professionellen und Patienten, Sozialarbeitern Medizinern, Juristen und drogenpolitisch engagierten Personen und Verbänden.

Der Alternative Drogen- und Suchtbericht 2021 steht hier als Download zur Verfügung.

Centre for Drug Research