Ayse-Gül Altinay trägt zum Thema Doing Feminism and Gender Studies in Dark Times vor. © CGC, Cigdem Toprak

Am 23. Mai wurde die Kulturanthropologin und Direktorin des Gender and Women’s Studies Centres der Sabanci-Universität Istanbul, Ayşe Gül Altınay, in der Türkei zu 25 Monaten Haft verurteilt. Das Cornelia Goethe Centrum und dessen Mitglieder, die bereits seit vielen Jahren mit ihr zusammenarbeiten, erklären sich solidarisch mit der Wissenschaftlerin. Ayşe Gül Altınay, unter Kolleg*innen und Student*innen als herausragende Gelehrte brillante Analytikerin und Aktivistin bekannt, ist mit über 2200 weiteren Wissenschaftler*innen und Student*innen Unterzeichnerin der Erklärung „We will not be a party to this crime“ der Academics for Peace. Genau diese Unterschrift hat zu ihrem Schuldspruch wegen freiwilliger und wissentlicher Unterstützung einer terroristischen Organisation geführt hat. Anlässlich ihres Gerichtsprozesses begründete Altınay ihre Unterstützung der Erklärung der Academics mit ihrem Glauben an die Demokratisierung und die Befriedung der Gesellschaft durch Einhaltung der Normen des nationalen und internationalen Rechts und ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu den langfristigen und verheerenden Auswirkungen von Gewalt auf das soziale Miteinander.

Die Petition, die im Januar 2016 veröffentlicht wurde, verurteilt den schweren Waffeneinsatz durch türkische Streitkräfte in städtischen Siedlungen und die Auferlegung monatelanger Ausgangssperren in Südosten der Türkei. Des Weiteren fordern die Unterzeichner*innen den türkischen Staat dazu auf, besagte Operationen einzustellen und seinen rechtlichen und moralischen Verpflichtungen in dieser Region nachzukommen.

Altınay ist nicht die einzige Wissenschaftlerin, die sich für die Wahrnehmung ihres Rechtes auf freie Meinungsäußerung vor Gericht verantworten muss. Derzeit sind im Zusammenhang mit dieser Erklärung über 700 Verfahren vor Gericht anhängig. Scholars At Risk ordnen die Verfolgung der betroffenen Wissenschaftler*innen als Gefährdung der Wissenschafts- und Versammlungsfreiheit in der Türkei ein und haben bereits zum Auftakt der Prozesse im Dezember 2017 dazu aufgerufen, die Verantwortlichen zur Aufgabe der anhänglichen Verfahren aufzufordern.

Ayşe Gül Altınay ist und bleibt sowohl für das Cornelia Goethe Centrums für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. als auch für viele weitere Institutionen in der Geschlechterforschung weltweit eine geschätzte Kollegin und Kooperationspartnerin. Die Solidaritätserklärung des Centrums können Sie unter http://www.cgc.uni-frankfurt.de/91076/statement-of-support-for-ayse-guel-altinay/ (englisch) nachlesen.