Der Professor emeritus für Geschichte der Naturwissenschaften an der Goethe-Universität Fuat Sezgin ist am 30. Juni 2018 im Alter von 93 Jahren in Istanbul gestorben. Er gründete 1982 das Institut für Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaften an der Goethe-Universität, dessen Leiter er auch bis zuletzt war, mit dem Ziel die dem arabisch-islamischen Kulturkreis zukommende Stellung in der universalen Geschichte der Wissenschaften in Forschung und Lehre bekannt zu machen. Das gelang ihm: Als einer der wichtigsten Orientalisten der Gegenwart hat Sezgin die Islamforschung an der Goethe-Universität, in Deutschland und weit darüber hinaus nachhaltig geprägt. Berühmt wurde er mit seinen Bänden zur „Geschichte des Arabischen Schrifttums“, deren erste Ausgabe bereits 1967 erschien. An der letzten soll er bis kurz vor seinem Tod noch geschrieben haben. Das Gesamtwerk manifestierte sich zu einem internationalen Standardwerk.

In Bitlis, Türkei, geboren, studierte Sezgin zwischen 1943 und 1951 an der Universität Istanbul Islamwissenschaft und Arabistik bei dem deutschen Islamwissenschaftler Helmut Ritter. In seiner Doktorarbeit befasste er sich mit den Quellen des bedeutenden islamischen Gelehrten al-Buchari. Nachdem ihm durch einen Militärputsch in der Türkei seine Lehrerlaubnis entzogen wurde, kam er 1961 nach Frankfurt und lehrte zunächst als Gastwissenschaftler zur Geschichte der Naturwissenschaften im arabisch-islamischen Kulturkreis an der Goethe-Universität. Für ebendieses Fach habilitierte Sezgin sich dann auch im Jahr 1965. Seine herausragende Forschungsleistung anerkennend erhielt er 2001 das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Den Hessischen Kulturpreis 2009 lehnte er ab, weil er die Ansichten Salomon Korns zum israelischen Vorgehen in Gaza ablehnte. Er sollte mit ihm gemeinsam ausgezeichnet werden.

Um der Fachwelt die Forschung zu erleichtern, arbeitet das von Sezgin aufgebaute Institut seit Anfang an daran, vergriffene Primärquellen, ihre Übersetzungen in europäische Sprachen und dazu verfasste Studien und Aufsätze, in chronologischer Folge und systematischer Anordnung nachzudrucken. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich damit, die im arabisch-islamischen Kulturkreis aus dem griechischen und anderen Kulturkreisen der Spätantike übernommenen und weiterentwickelten oder auch neu entstandenen Instrumente und technisch-wissenschaftlichen Geräte, die bis auf einen kleinen Rest verloren sind, auf Grund von Beschreibungen und Abbildungen in den Quellen oder auch nach erhaltenen Exemplaren nachzubauen. Die Sammlung umfasst inzwischen etwa 800 Exponate (Nachbauten und Neuerwerbungen) aus der Geschichte der Astronomie, Geometrie, Physik, Technik, Optik, Geographie, Chemie, Nautik, Medizin, Architektur, Mineralogie und Musik. Im Mai 2008 eröffnete Sezgin „sein“ Museum für Geschichte der Wissenschaft und Technik im Islam in Istanbul, um auf ca. 3000 Quadratmetern die Nachbauten des Instituts zu präsentieren. Nicht zuletzt ist es auch der Ort, an dem er seine letzte Ruhe fand. Sezgin wurde am 1. Juli 2018 im Gülhane Park vor dem Museum beigesetzt.