blog_beitragsbild_opening-academiaIn der deutschlandweit wohl einzigartigen Vortragsreihe stellen Exil-Akademikerinnen und -Akademiker aus verschiedenen Disziplinen ihre wissenschaftliche Arbeit erstmals vor und berichten, mit welchen Gefahren und Beschränkungen sie bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit konfrontiert waren – und noch heute sind. Die Vortragsreihe ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Verein academic experience Worldwide und der Goethe-Universität und wird am 16. November um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei der Zentralbibliothek der Stadt Frankfurt am Main eröffnet. Im Rahmen der Bürgeruniversität richtet sie sich an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

Mittlerweile öffnen sich viele Universitäten in Deutschland für geflüchtete Studierende. Die Öffnung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Exil bleibt jedoch in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. „Ach? In Äthiopien gibt es Universitäten?“ oder „In Afghanistan wird mit den gleichen Forschungsmethoden wie hier in Deutschland gearbeitet?“ Mit solchen Stereotypen sieht sich Merle Becker, Gründerin des gemeinnützigen Vereins academic experience Worldwide, bei ihrer Arbeit immer wieder konfrontiert. Der Verein gibt geflüchteten Akademikerinnen und Akademikern Orientierung im Wissenschaftsbetrieb und organisiert einen Austausch auf Augenhöhe. Mit der Vortragsreihe möchte die Goethe-Universität bei der Integration von geflüchteten Wissenschaftlern Zeichen setzen und als weltoffene Bürgeruniversität eine Vorreiterrolle einnehmen.

Vier große Chancen

Gemäß dem Titel „Opening Academia“ bietet die Vortragsreihe vor allem vier große Chancen: So soll die Reihe einen Austausch zwischen geflüchteten und deutschen Akademikern sowie mit einer breiten Öffentlichkeit etablieren. Zudem kann die Reihe helfen, Stereotype wie das des „hilfsbedürftigen Flüchtlings“ aufzubrechen. Darüber hinaus soll „Opening Academia“ den Blick über den Tellerrand europäisch zentrierter Diskussionen in der Wissenschaft hinaus lenken. Und schließlich können Wissenschaftler im Exil so Anschluss an akademische Diskussionen in Deutschland finden und erste Schritte auf dem Weg ihrer akademischen Laufbahn in Deutschland unternehmen. „Uns ist es wichtig, dass die Vortragenden nicht auf den Flüchtlingsstatus reduziert werden, sondern wieder als kompetente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ernst genommen werden“, betont Merle Becker.

Auftaktvortrag „Design by Nature“ von Dr. Khaldoun Abaza

Den Auftakt zur Reihe „Opening Academia“ bildet am 16. November der Vortrag von Dr. Khaldoun Abaza mit dem Titel „Design by Nature. Biologically-Inspired Mobile Robots and Worm-Like Locomotion.” Herausragende Erfindungen, so seine These, basieren zuvorderst auf Prinzipien der Natur – sei der menschliche Geist auch noch so brillant. Am Beispiel zweier Prototypen mit Wurm-artiger (peristaltischer) Lokomotion wird Dr. Abaza in seinem Vortrag die Schritte im Konstruktionsprozess von mobilen Robotern erläutern. „Deutschland hat vieles für Geflüchtete getan. Schutz, Solidarität, Freundschaft und die Chance wieder normal atmen und leben zu dürfen sind sehr wichtig. Dafür bin ich dankbar“, erklärt Dr. Abaza, „Aber: Geflüchtete können mehr als nur Geschichten über den Krieg und die schreckliche Reise nach Deutschland bieten. Ich hoffe, dass mein Vortrag ein gutes Beispiel hierfür ist.“

Der zweite Vortrag der Reihe folgt am 13. Dezember. Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Aklilu Ghirmai spricht dann zum Thema „Eritrea – Diktatur und State-Building im Widerspruch.“

Die Vortragsreihe „Opening Academia. Geflüchtete AkademikerInnen präsentieren ihren Blick auf Forschung und Lehre“ wird gefördert von dem Gleichstellungsbüro, dem International Office und dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Goethe Universität Frankfurt am Main sowie der Stadtbücherei der Stadt Frankfurt.

Weiteres Material und Informationen unter folgendem Link: www.aeworldwide.de/opening-academia/