Dr. Katharina Hötte hat ein Gerät entwickelt, das zur Geschwindigkeit und Präzision beim Ernten von Zellen beiträgt.

Herausragende Forschung und bedeutende Innovationen sind in der Goethe-Universität an der Tagesordnung. Doch wie wird aus einer großartigen Erfindung ein marktfähiges Produkt? Gleich zwei wichtige universitäre Institutionen arbeiten dafür Hand in Hand: Goethe-Unibator und Innovectis. Elfenbeintürme sind Universitäten längst nicht mehr:

Neue Technologien, wichtige Entdeckungen und Erfindungen finden heute gut organisiert ihren Weg in die Wirtschaft. Damit das gelingt, arbeiten die Kollegen der Innovectis, einem Tochterunternehmen der Goethe-Universität, am Technologietransfer und sind damit eine wichtige Schnittstelle zwischen Universität und Wirtschaft.

„Aus den Erfindungen unserer Wissenschaftler müssen mithilfe der Industrie Innovationen entstehen, die den Markt und damit die Gesellschaft erreichen und am Ende neben Wissen auch Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Innovectis ist hierbei die Verbindung der Universität zu Wirtschaftsunternehmen und Startups“, beschreibt Dr. Martin Raditsch, Geschäftsführer der Innovectis, die Aufgabe.

Innovationen schützen und verwerten

Eine dieser Innovation ist das Projekt zur Prozessoptimierung in der 3D-Zellbiologie von Dr. Katharina Hötte. Ihre Erfindung ist gleichermaßen für die Forschung im akademischen Bereich wie auch für die Entwicklung von Pharmazeutika in der Industrie interessant. Ihr neu entwickeltes Gerät automatisiert viele bisher manuell ausgeführte Schritte und trägt zur Geschwindigkeit und Präzision beim Ernten von Zellen bei.

Hötte wird von der Innovectis GmbH dabei unterstützt, ihre Forschungsergebnisse zu schützen und zu verwerten. Die Arbeit von Innovectis fängt mit der Erfindungsmeldung des Wissenschaftlers an. Die gemeldete Erfindung wird dann auf Neuheit, erfinderische Höhe, Realisierbarkeit und Marktpotenzial überprüft. Danach erfolgt die Anmeldung zum Patent.

Die Umsetzung der Erfindung in eine Innovation durch die Produktentwicklung führt dann der Lizenznehmer aus der Industrie durch. Ob Demonstrator, Prototyp oder schon produktionsreifes Produkt: Innovationen werden heute schon in einer frühen Phase mit dem passenden Markt abgestimmt. Wer ist die potenzielle Zielgruppe, erfüllt das entwickelte Produkt die Bedürfnisse der Anwender, wie sieht die Konkurrenzsituation aus, welche Marktnische wird besetzt?

Eine marktwirtschaftliche Analyse der Innovation und ihrem Potenzial ist nicht üblicherweise Know-how von Wissenschaftlern, wird aber innerhalb der Universität durch Innovectis abgedeckt. Wollen Erfinder eine Ausgründung auf Basis ihrer Erfindung wagen, kommt der Unibator ins Spiel. Aus Innovatoren und Entwicklern Entrepreneure machen – das ist die Aufgabe des Inkubators der Goethe-Universität. Wissenschaftler und Studenten lernen hier, ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln und umzusetzen.

Vom Projekt zum Geschäftsmodell

Dazu gehört, innovative Geschäftsmöglichkeiten zu suchen, zu erkennen und zu bewerten. Bestehende Geschäftsideen werden mithilfe geeigneter Methoden und Techniken weiterentwickelt und das Umfeld einer Geschäftsidee analysiert und bewertet. „Im Ergebnis sollen Gründer aus dem Unibator nicht nur einen fertigen Businessplan und eine Idee für ihre nächsten Schritte mitnehmen.

Sie sollen ein junges, aber bereits funktionierendes Unternehmen führen“, beschreibt Dr. Katharina Funke-Braun, Leiterin des Goethe-Unibators, die Idee des Inkubators der Goethe-Uni. Wie nun aus einem wissenschaftlichen Projekt ein valides Geschäftsmodell werden kann – damit beschäftigen sich Studenten in dem Seminar „iGarage – Student Lab for Entrepreneurs“.

Furkan Iri, Mohamed Becher und Maximilian Werner, alle drei Studenten der Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Uni, werden das Projekt zur Prozessoptimierung in der 3D-Zellbiologie von Katharina Hötte zu einem marktreifen Produkt ausbauen. Das Seminar läuft über ein Semester und soll Studierenden einen Einblick in verschiedene Branchen und deren digitale Herausforderungen vermitteln.

Im Rahmen des interaktiv gestalteten Kurses erlernen sie in einer realen Anwendungssituation, was nötig ist, um ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln und umzusetzen. Zu Beginn des Seminars werden im Rahmen des Kick-offs die wichtigsten theoretischen Konzepte erarbeitet und die Praxisprojekte vorgestellt. Während des Semesters werden die Studierenden von den Lehrveranstaltungsleitern Dr. Thomas Funke und Katharina Funke-Braun sowie von den Projektgebern gecoacht und begleitet.

Die Teams analysieren die Kunden und ihre Bedürfnisse sowie das Umfeld der Geschäftsidee. Am Ende werden die Ergebnisse in einem Business Proposal zusammengeführt. Innovectis und Unibator arbeiten seit einiger Zeit Hand in Hand, um den Transfer von Forschungsergebnissen in funktionierende Geschäftsmodelle zu unterstützen. Von den vielseitigen Erfindungen der Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt können Unternehmen und akademische Einrichtungen profitieren.

Sie können sich an den weiteren Forschungsaktivitäten beteiligen oder aber Nutzungsrechte erwerben. Erfolgreiche Innovationen führen zu Lizenzeinnahmen der Universität, die wiederum der Universität und den Wissenschaftlern zugutekommen. 30 Prozent der Einnahmen werden als Erfindervergütung an die Erfinder ausgeschüttet. Die Zusammenarbeit im Rahmen des „iGarage“-Seminars ist ein weiterer Schritt, um deren Aktivitäten stärker zu verzahnen und den Austausch zwischen verschiedenen Fachbereichen zu intensivieren.

[Autor: Peter Altmann]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4.18 des UniReport erschienen. PDF-Download »