Die Goethe-Universität trauert um einen überragenden Gelehrten: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Stolleis, der von 1974 bis 2006 als Rechtswissenschaftler an der Goethe-Universität gewirkt hat und bis 2009 Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtgeschichte war, ist nach kurzer und schwerer Krankheit am 18. März mit 79 Jahren verstorben.

„Die Nachricht von seinem Tod hat mich sehr berührt“, sagt Uni-Präsident Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Michael Stolleis war nicht nur ein großer Rechtsgelehrter und Intellektueller, er hat auch viel für die Universität getan und sich lange über seine Emeritierung hinaus mit viel Tatkraft und Kreativität für deren Belange und für den wissenschaftlichen Nachwuchs eingesetzt. Und er war einer der Köpfe, die den Ruf unserer Hochschule weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus verbreitet haben, indem er wichtige gesellschaftliche Debatten angestoßen und sich daran beteiligt hat. Ich habe ihn auch persönlich sehr geschätzt, als freundlichen Kollegen, der immer ansprechbar war. Er wird uns allen sehr fehlen. Mein Mitgefühl gilt jetzt vor allem Michael Stolleis‘ Familie, der ich viel Kraft wünsche, um diesen großen Verlust verarbeiten zu können.“

Michael Stolleis lehrte an der Goethe-Universität öffentliches Recht und Rechtsgeschichte. Als sein Hauptwerk gilt die vierbändige Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland. Stolleis hatte vier Ehrendoktorate inne, 1991 wurde er mit dem renommierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis ausgezeichnet. Er war zudem Träger des Bundesverdienstkreuzes mit Stern und des Ordens Pour le Mérite (Vizekanzler des Ordens). Zudem war er Mitglied in zahlreichen wissenschaftlicher Akademien, etwa der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Mit Michael Stolleis verliert die Goethe-Universität einen ihr zutiefst verbundenen Wissenschaftler: In unnachahmlicher Weise hat sich Michael Stolleis mit der Goethe-Universität identifiziert, brachte ihr auch als MPI-Direktor sein großes Interesse entgegen, hat sich als für sie mitverantwortlich gedacht und war stets mit Rat und Tat zur Hand. Ein großer, weit über die Rechtswissenschaft hinausreichender Wissensschatz, das Vermögen, die Universitas in den Blick zu nehmen sowie Redlichkeit und Integrität sind die wahren Zierden eines Gelehrten – die als denkwürdiges Vorbild für andere den Hochschullehrer lange über seinen Tod hinaus wirken lassen werden.