Goethe in progress 2024

Goethe in progress 2024 – Campus & Leben

Zukunft aktiv gestalten

Die Goethe-Universität stellt 2024 viele Weichen für die Zukunft: mit Strategien für Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Ausbildung, mit einem Gesundheitsmanagement für alle, mit dem Ausbau des Campus und neuen Köpfen im Präsidium. Dabei entstehen nicht nur neue Netzwerke und Strukturen, sondern wie beim Bau des neuen Centers for Humanities auch neue Räume – für Begegnung, Forschung und kreativen Austausch.

Foto: Peggy Feige

„Wir müssen positive Zukunftsbilder malen“

Fünf Werkstätten und eine Mobilitätsbefragung haben Stoff für die Nachhaltigkeitsstrategie der Goethe-Universität geliefert. Ein Gespräch mit Fabienne Beck, der neuen Leiterin des Nachhaltigkeitsbüros.

Liebe Frau Beck, wie sind Sie heute zur Uni gekommen?

Fabienne Beck: Mit dem Fahrrad – allerdings mit dem eBike, denn für die Strecke zum Campus brauche ich schon eine Dreiviertelstunde. Auf dem Rückweg schalte ich dann auch gerne mal in den Turbo-Modus, um schneller zuhause zu sein.
Fabienne Beck

Foto: Uwe Dettmar

Erst vor wenigen Wochen hat das Nachhaltigkeitsbüro eine Mobilitätsumfrage durchgeführt. Was für eine Rolle spielt es denn für die Klimabilanz der Goethe-Uni, wie ich zum Campus und zurückkomme?

Tatsächlich eine sehr große: Rund 50 Prozent unserer gesamten Treibhausgasemissionen sind der Pendelmobilität zuzuschreiben – zumindest bei der Datenlage, die wir bisher erfassen können.

Ich hätte gedacht, dass die Studierenden als größter Teil der Goethe-Uni-Mitglieder vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Campus kommen.

Ob das so ist, werden wir jetzt herausfinden. Im Moment beruhen die Zahlen noch viel auf Hochrechnungen und Annahmen. Wenn wir künftig einmal pro Jahr die Treibhausgasbilanz der Goethe-Universität aktualisieren, gibt es auch sicher noch Anpassungen, aber ich rechne nicht mit signifikanten Veränderungen. Das liegt einfach daran, dass wir von ungefähr 50.000 Menschen sprechen, die von A nach B kommen – und unser Einzugsgebiet, insbesondere bei den Mitarbeitenden, ist schon ziemlich groß.

Schon während ihres Bachelor-Studiums trieb Fabienne Beck das Thema Nachhaltigkeit um, und im Auslandssemester in Kopenhagen sah sie, dass man dort schon weitergekommen war mit Maßnahmen für Nachhaltigkeit. In ihrer Bachelor-Arbeit befasste sie sich dann auch mit dem Thema Cradle to Cradle, also Kreislaufwirtschaft.

Nach ihrem Studium arbeitete Fabienne Beck zwölf Jahre in der Unternehmensberatung; Nachhaltigkeit war dort höchstens am Rand einzelner Projekte ein Arbeitsgebiet. Fabienne Beck wollte mehr tun – „Ein Auslöser für mich war der Earth Overshoot Day“ – und studierte jetzt berufsbegleitend Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement. Nach der Geburt ihrer Tochter wurde ihr Wunsch noch stärker, sich für eine nachhaltige Welt einzusetzen.

Mit den CO2-Emissionen des Universitätsbetriebs hat das Pendeln eigentlich ja nichts zu tun...

Mit den CO2-Emissionen des Universitätsbetriebs hat das Pendeln eigentlich ja nichts zu tun … Nun, streng genommen könnten wir die Pendel-Emissionen unter den Tisch fallen lassen, weil sie nicht im eigentlichen universitären Betrieb entstehen. Wir sprechen in solchen Fällen von Scope-3-Emissionen nach dem Greenhouse Gas Protocol, also indirekten Emissionen. Aber da der Emissionsanteil der Arbeits- bzw. Studienwege in unserem Fall so groß ist, haben wir uns entschieden, die Pendelwege bei der Entwicklung unserer Nachhaltigkeitsstrategie von Anfang an mit zu berücksichtigen. Das gilt nicht nur für die Pendelwege, sondern beispielsweise auch für unsere Bauprojekte oder Einkäufe. Auch das strategische Ziel der Goethe-Universität bis 2038 klimaneutral zu sein, umfasst die indirekten Emissionen aus Scope 3.

Wie wollen Sie die Angaben aus der Mobilitätsbefragung nutzen?

Wir bringen die Befragungsergebnisse mit anderen Faktoren zusammen, um zum Beispiel Wünsche und Machbarkeit abgleichen zu können. Dabei haben wir Unterstützung von der Gesellschaft für integriertes Verkehrsmanagement RheinMain (IVM), die Berater*innen an die Standorte der Goethe-Universität schickt. Diese schauen dann zum Beispiel, wie die Parkplatzsituation vor Ort ist, wie es mit Stellplätzen für Fahrräder aussieht und welche ungenutzten Möglichkeiten es vielleicht darüber hinaus noch gibt. Falls in der Umfrage also beispielsweise viele Personen angeben, dass sie mit dem Rad zur Uni kommen würden, wenn es vor Ort Duschen gäbe, können wir prüfen, wo solche Duschen gegebenenfalls eingebaut werden könnten oder ob es sogar an einigen Standorten bereits Duschen gibt, die Radfahrer*innen zur Verfügung gestellt werden könnten. Was wir nicht machen wollen, ist, ins Blaue irgendwelche Maßnahmen für viel Zeit und Geld umzusetzen, für die es am Ende gar keinen Bedarf gibt.

„Für die Vielfalt an Fragestellungen ganzheitliche Lösungen zu entwickeln, ist eine unserer großen Stärken als Goethe-Universität“

Als Sie im Mai die Leitung des Nachhaltigkeitsbüros übernommen haben, waren gerade die „Nachhaltigkeitswerkstätten“ angelaufen, bei denen Mitarbeitende und Studierende die Gelegenheit hatten, die künftige Nachhaltigkeitsstrategie mit zu erarbeiten. Wie wurde dieses Angebot angenommen, und was war den Teilnehmer*innen besonders wichtig?

Alle Werkstätten waren wirklich recht gut besucht, das hat uns sehr gefreut! Die Teilnehmer*innen waren vor allem Personen, die sich ohnehin für Nachhaltigkeit oder in der Hochschulpolitik engagieren. Das heißt allerdings auch, dass wir über die Teilnehmenden die angesprochenen Zielgruppen nicht repräsentativ abbilden konnten. Vor allem hätten wir uns mehr Studierende in den Werkstätten gewünscht. Unsere Hilfskräfte wollten das nicht auf sich sitzen lassen und sind dann sogar noch persönlich auf andere Studierende zugegangen, um deren Meinungen einzuholen.

Viele Teilnehmer*innen waren vor allem an Maßnahmen für die betriebliche Nachhaltigkeit interessiert. Das liegt, glaube ich, in der Natur der Sache, weil es da um Dinge geht, die uns unmittelbar betreffen und die man gut greifen kann wie Energiesparen oder Mülltrennung an der Universität. Oder Fragen, warum wir noch kein Jobrad-Angebot oder Photovoltaik auf den Dächern der Goethe-Universität haben.

Die Goethe-Universität arbeitet intensiv daran, ihre zentralen strategischen Ziele den neuen Herausforderungen der Zeit anzupassen und sie zu schärfen. Je größer diese Herausforderungen werden, desto wichtiger ist es zu wissen, in welche Richtung sich die Universität weiterentwickeln soll. Es braucht einen Orientierungsrahmen, Ziele, Kriterien, dann können im Zuge der Umsetzungsplanung auch Prioritäten gesetzt werden.

Das Zukunftsbild sowie die verschiedenen Leitbilder der Goethe-Universität bilden das Fundament für die erarbeiteten Strategien. Die Hochschulentwicklungsplanung gibt dabei den gemeinsamen Rahmen vor – auch für die Fachstrategien zu den vier Querschnittsthemen: Nachhaltigkeit, Internationalisierung, Chancengerechtigkeit, Digitalität.

So ist die Nachhaltigkeitsstrategie der Goethe-Universität eingebettet in weitere Strategieprozesse der Goethe-Universität – wie Digitalisierung, Internationalisierung und Chancengerechtigkeit. Digitalität, Internationalität, Nachhaltigkeit und Chancengerechtigkeit sind vier wichtige Handlungsbereiche der Universität, die die drei Kernaufgaben – Forschung, Lehre und Transfer – betreffen. Eng verzahnt mit diesen Fachstrategien wird der Hochschulentwicklungsplan „2025+“ fortgeschrieben.

Viele Mitglieder der Universität aus allen Bereichen und der Hochschulrat haben intensiv an diesen Strategien gearbeitet. Sie haben sich mit ihrer jeweiligen Expertise eingebracht und daran mitgewirkt, für die Zukunft der Goethe-Universität wichtige Ziele zu formulieren. Es gab einen gemeinsamen Planungsrahmen, sodass einerseits Zielkonflikte vermieden oder zumindest sichtbar wurden und andererseits Synergien möglich werden können.

Wenn die Strategiearbeit geleistet ist, sollen im nächsten Schritt nun zunächst laufende Maßnahmen bewertet und aus der Fülle an neuen Maßnahmen nach Prioritäten die Umsetzung weiterer geplant werden. Auch bei diesem Schritt werden verschiedene Interessengruppen einbezogen.

mw/pb

„Im Moment ist unsere Arbeitsbasis hier noch eher ein Halbwissen“

Wird über Nachhaltigkeit berichtet, geht es vor allem um den Klimawandel. Eigentlich stehen ja aber bei den UN-Nachhaltigkeitszielen 17 Dimensionen gleichberechtigt nebeneinander. Welche Rolle spielt dieser sehr weite Blickwinkel für die Nachhaltigkeitsstrategie der Goethe-Universität?

Ja, in der Berichterstattung zu Nachhaltigkeit wird meist verkürzt vor allem über CO2 gesprochen und wenig über die anderen Nachhaltigkeitsziele. Genau diesen Schuh wollten wir uns als Goethe-Uni nicht anziehen, sondern Nachhaltigkeit ganzheitlich betrachten. Deshalb trifft es auch die Formulierung von 17 SDGs, die „gleichberechtigt nebeneinander“ stehen nicht ganz. Wir verstehen die SDGs als integrierte Ziele mit Wechselwirkungen, Synergien und Zielkonflikten zwischen den Dimensionen. Für die Vielfalt an Fragestellungen ganzheitliche Lösungen zu entwickeln, ist eine unserer großen Stärken als Goethe-Universität.

Wir haben unglaublich viele kluge Köpfe hier, die zu den spannendsten Fragestellungen forschen, und viele dieser Forschungsthemen zahlen wiederum direkt oder indirekt auf die 17 SDGs ein.

Im Moment werden diese anderen Nachhaltigkeitsdimensionen oft noch gar nicht als solche erkannt und entsprechend deklariert. Damit beschäftigen wir uns jetzt. Wir arbeiten gerade daran, künftig systematisch darstellen zu können, wo die Goethe-Uni heute schon zu den 17 Nachhaltigkeitszielen ihren Beitrag leistet. Im Moment ist unsere Arbeitsbasis hier noch eher ein Halbwissen: Wir kennen einzelne Projekte, aber nicht das große Ganze. Darum schauen wir uns nun noch einmal alle Professuren an, alle Studiengänge, alle betrieblichen Projekte und weitere Aktivitäten in den Fachbereichen. Wenn wir das getan haben, haben wir eine valide Datengrundlage und können systematisch zuordnen, wo wir jetzt schon stark sind und wo wir vielleicht im Aufbruch sind und Kompetenzen bündeln und Expert*innen zusammenbringen könnten für noch mehr Synergien.

„Zum einen brauchen wir Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation“

Wenn Nachhaltigkeitsdimensionen zurzeit teils noch nicht erkannt werden, obwohl es sie in Forschung oder Lehre schon gibt – was braucht es Ihrer Einschätzung nach noch für eine Kultur der Nachhaltigkeit an der Goethe-Universität?

Zum einen brauchen wir Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Und gleichzeitig müssen wir uns der Herausforderung stellen, das Thema Nachhaltigkeit überall hineindiffundieren zu lassen. Mit der Einrichtung eines eigenen Nachhaltigkeitsbüros ist die Goethe-Universität schon recht gut aufgestellt, aber wir können nicht die Transformation einer ganzen Universität bewerkstelligen. Um das zu erreichen, brauchen wir „Verbündete“ und Multiplikator*innen. Wir müssen gemeinsam mit der Hochschulleitung schauen, wie wir Strukturen so verändern können, dass mehr Nachhaltigkeit möglich ist.

Wie könnte das konkret in der Praxis aussehen?

Heute Vormittag war ich zum Beispiel zu Besuch beim Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie. Dort steht gerade eine Nachhaltigkeitszertifizierung der Labore an. Es gibt bereits erste Labore, die das machen möchten, die sehr engagiert und motiviert sind. Aber alleine stoßen sie an Grenzen. In so einem Fall kann das Nachhaltigkeitsbüro ins Spiel kommen und helfen, die Aufgabe systematisch auf Organisationsebene anzugehen. Damit schaffen wir gleichzeitig ein Leuchtturmprojekt, das Abstrahlungseffekte hat, sodass im Idealfall immer mehr Menschen mitziehen.
Fabienne Beck (rechts) mit ihrem Team des Nachhaltigkeitsbüros, von links: Katharina Forster (Kommunikation und Partizipation), Peggy Feige (Sachbearbeiterin), Svenja Maier und Nele Kress (Referentinnen) (Foto: Uwe Dettmar)

Angesichts der Gleichzeitigkeit der vielen Krisen heute ist die Nachhaltigkeit allerdings nicht mehr so präsent in den Medien wie vor einigen Jahren. Überhaupt scheint sich eine Müdigkeit zu verbreiten, ein Gefühl von „es ist zu viel“. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Ja, diese Veränderungsmüdigkeit ist da; Kriege und auch andere Krisen überschatten das Thema Nachhaltigkeit. Aber auch das gehört ja am Ende des Tages zusammen, und gerade auch deswegen hat die Uni aufgrund ihrer Position in der Gesellschaft eine enorme Vorbildfunktion: Wir dürfen unseren Einsatz für Klimagerechtigkeit und andere Nachhaltigkeitsziele jetzt nicht hinten runterfallen lassen – die Probleme gehen nicht weg, nur, weil wir nicht mehr hinschauen; im Gegenteil. Darum ist es mir auch so wichtig, dass wir in der Kommunikation wegkommen von dem Eindruck „Das ist ein globales Problem, da habe ich als Einzelne*r sowieso keinen Einfluss drauf“. Ich sehe es als unsere Aufgabe, die jeweiligen Faktoren so greifbar zu machen, dass wir alle verstehen, was unser eigener Beitrag sein kann und was der institutionelle Betrag der Goethe-Universität sein wird! Und dabei müssen wir positive Zukunftsbilder malen, die motivieren und inspirieren.
Nachhaltigkeit ganz praktisch: Das Nachhaltigkeitsbüro veranstaltet Aktionen zum Mitmachen wie etwa Kleidertausch in Kooperation mit dem Umsonstladen „Die Teilerei“ (Foto: Nachhaltigkeitsbüro)

Vor diesem Hintergrund: Worauf wird es Ihrer Einschätzung nach in den nächsten Jahren ankommen, damit wir unser Ziel einer nachhaltigen Universität wirklich erreichen können?

Ein entscheidender Punkt wird jetzt sein, die Nachhaltigkeitsstrategie zu vollenden. Wir sind dazu gerade noch einmal in einem größeren Feedback-Prozess und merken schon, wie groß die Themenvielfalt ist – nicht, weil alle möglichen Themen wahllos aufgenommen wurden, sondern als Ergebnis einer systematischen Wesentlichkeitsanalyse. Die Analysen zeigen, dass wir jetzt viele Dinge anstoßen müssen, die wir aber nicht in zwei, drei Jahren umsetzen können. Da geht es dann um wirklich große Themen, wie etwa ein sozial-ökologisches Beschaffungswesen oder darum, den vielen Studierenden der Goethe-Universität flächendeckend Bildung für Nachhaltige Entwicklung anzubieten.

Von daher würde ich es für mich als Erfolg verbuchen, wenn wir es in den nächsten zwei Jahren schaffen, unsere Strategie zum Leben zu erwecken: dass sich perspektivisch jede*r an der Uni dieser Nachhaltigkeitsstrategie bewusst ist, die eigene Rolle dabei kennt und sieht, wo er oder sie einen eigenen Beitrag mit leisten kann. Und das Ziel, in das ich vor allem im kommenden Jahr investieren möchte: dass es bei der Strategie nicht bei einem Stück Papier (oder einem PDF-Dokument) bleibt!

Interview: Imke Folkerts

Das (hier leicht gekürzte) Interview erschien in GoetheSpektrum News 1/24.

Fünf Workshops, rund 150 Teilnehmende, über 1500 gesammelte Ideen – das ist die positive Bilanz der Nachhaltigkeitswerkstätten 2024. Hochschulangehörige aller Statusgruppen diskutierten mögliche Schritte und Maßnahmen für die Nachhaltigkeitsstrategie der Goethe-Universität zu den Themen: Forschung und Transfer, Studium & Lehre, Beschaffung & Mobilität, Klima, Energie, sozial-ökologischer Campus, Governance.

Ergänzt wurden die Nachhaltigkeitswerkstätten durch zwei themenübergreifende studentische Nachhaltigkeitsformate. Einen ausführlichen Beitrag zu den Nachhaltigkeitswerkstätten finden Sie im Webmagazin.

Vom 4. bis 8. November 2024 machte die Goethe-Universität bei der Public Climate School (PCS) mit, einer bundesweiten Aktionswoche, die Klimabildung in Schulen, Universitäten und die Gesellschaft tragen möchte. Organisiert von den studentischen Hilfskräften im Nachhaltigkeitsbüro der Goethe-Universität und unterstützt durch ehrenamtliche Coachings der Initiative Klimabildung e.V. stand die diesjährige PCS unter dem Motto „Klima, Bildung, Demokratie“.

Nachhaltig unterwegs? Ergebnisse der hochschulweiten Mobilitätsumfrage 2024

Digitalstrategie mit Kreativtechnik

Die Digitalisierung der Goethe-Universität betrifft alle und jeden: alle ihre Handlungsbereiche sowie jede und jeden Mitarbeiter*in. In offenen Digitalwerkstätten wurden 2024 deshalb die Erfahrungen und Erwartungen aller Statusgruppen an eine digitalisierte Universität gesammelt.

Quantencomputing, Künstliche Intelligenz, Forschungsinformationssystem und Dokumentenmanagement, digitale Lehre und Webrelaunch: Die Digitalisierung der Goethe-Universität prägt alle Handlungsbereiche – sie reichen von Forschung und Transfer über Lehre und Studium bis hin zur Verwaltung. Die im Sommer 2024 mit der ersten Planung gestartete Erarbeitung der Digitalstrategie soll einen Leidfaden für diese vielfältigen und hochkomplexen Änderungsprozesse bieten – und dabei die Mitglieder aller Statusgruppen sowie der Gremien miteinbeziehen; koordiniert wird das Großprojekt vom Chief Information Office.

Das Projektteam des Office hat gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen KPMG die Zielvision des Digitalisierungsprozesses in den kommenden fünf bis sieben Jahren in einem ersten Entwurf formuliert. Sie lautet:

Das versammelte Präsidium der Goethe-Universität beim Auftakt der Digitalwerkstätten: (v.l.) Präsident Prof. Enrico Schleiff, die Vizepräsidentinnen Prof. Sabine Andresen und Prof. Viera Pirker, die Vizepräsidenten Prof. Michael Huth und Prof. Bernhard Brüne sowie Vizepräsident und CIO Ulrich Schielein (Foto: CIOffice/Goethe-Universität)
  • Wir gestalten und nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung reflektiert und sind offen für Veränderungen.
  • Gemeinsam schaffen wir nutzendenzentrierte Forschungs-, Lehr-, Lern- und Arbeitsumgebungen, um unsere Potenziale in allen Handlungsfeldern zu entfalten.
  • Deshalb leben wir die Digitalisierung aktiv und agieren als verantwortungsvoller Treiber gesellschaftlicher Transformation.
  • Die Auswahl von Technologien und deren Betrieb erfolgt nachhaltig.

Das Jahr 2024 stand nun im Zeichen offener Digitalwerkstätten, in denen Interessierte ihre Erfahrungen und Anregungen zu der Vision und den strategischen Zielen und den entworfenen Missionen für die einzelnen Kern- und Unterstützungsbereiche einbringen konnten. Kick-Off war am 16. September. Die Werkstätten standen unter Themen wie Lehre und Studium – Studierende – Verwaltung – IT-Prozesse – Forschung und Transfer.

Welche digitalen Fähigkeiten und welche IT-Services benötigen wir an der Goethe-Universität? Um Elemente der künftigen Digitalstrategie wurden mittels der eine Kreativtechnik „Walt Disney-Methode“ erarbeitet (Foto: CIOffice/Goethe-Universität)

KI als Gegenstand der Forschung

Welche digitalen Fähigkeiten und welche IT-Services benötigen wir an der Goethe-Universität? Um Schritte der Digitalstrategie zu definieren, arbeiteten die Gruppen mit der Walt Disney-Methode (siehe Illustration) – eine Kreativtechnik, die auf den Arbeitsstil des Filmproduzenten Walt Disney zurückgeführt wird. Dafür nehmen Teilnehmer abwechselnd die Rollen als „Träumer“, „Realist“ und „Kritiker“ ein. „Wir haben über diese Methode viele neue Ideen gesammelt“, sagte Ulrich Schielein, CIO und Vizepräsident für Digitalisierung, am Rande der Werkstätten. Dazu gehören beispielsweise im Bereich Studium und Lehre der Auf- und Ausbau digitaler Kompetenzen wie bedarfsgerechte Lernmanagementsysteme oder formative Prüfungsformate; diese werden bereits koordiniert und gesteuert durch studium digitale, die zentrale Innovationseinheit für technologiegestütztes Lehren und Lernen. Im Bereich der Forschung soll das Center for Scientific Computing zur zentralen Anlaufstelle für digitale Forschungsservices werden und beim Wissens -und Technologietransfer beraten. In der Verwaltung wurde bereits ein Dokumentenmanagementsystem eingeführt, das elektronische Studierenden- und Personalakten ermöglicht. Generative Künstliche Intelligenz (KI) wird zukünftig zudem Prozesse unterstützen – und sollte wiederum selbst zum Forschungsgegenstand werden.

Der Entwurf der Digitalstrategie wird im Rahmen der Digitalmesse der IT- und Digitalprojekte am 26. Juni 2025 vorgestellt. Hat die Digitalstrategie dann alle Gremien der Universität erfolgreich durchlaufen, geht es an die nächsten Schritte: auf Grundlage der Digitalstrategie konkrete Maßnahmen miteinander zu vernetzen und neue zu entwerfen.

In den Digitalwerkstätten arbeiteten die Teilnehmer*innen mit der Kreativtechnik „Walt Disney-Methode“. Dabei nehmen die Teilnehmer*innen abwechselnd verschiedene Rollen ein und beleuchten damit ihre Aufgabe aus verschiedenen Perspektiven.

 

Die Entwicklung der Digitalstrategie war eingebettet in weitere Strategieprozesse an der Goethe-Universität – wie Nachhaltigkeit, Internationalisierung und Chancengerechtigkeit. Gleichzeitig wurde 2024, eng verzahnt mit diesen Fachstrategien, der Hochschulentwicklungsplan 2025+ fortgeschrieben. Digitalität, Internationalität, Nachhaltigkeit und Chancengerechtigkeit sind vier wichtige Handlungsbereiche der Goethe-Universität, die alle drei universitären Kernaufgaben – Forschung, Lehre und Transfer – betreffen.

Foto: Stefanie Wetzel

Wechsel im Team der Unileitung

Zwei neue Vizepräsidentinnen, zwei wiedergewählte Vizepräsidenten, ein neues Ressort: Bei der Wahl der Vizepräsident*innen am 7. Februar stimmten die Mitglieder des Erweiterten Senats der Universität mehrheitlich für alle vier Kandidat*innen.

Zwei Gesichter im neu zusammengesetzten Team der Vizepräsidenten der Universität waren der Unicommunity bereits bekannt: Für eine zweite Amtszeit ab dem 1. April 2024 wiedergewählt wurden Prof. Bernhard Brüne aus dem Fachbereich Medizin als Vizepräsident für Forschung sowie der Physiker Prof. Michael Huth als Vizepräsident für Qualitätsmanagement, Infrastruktur und Technologietransfer.

Neu gewählt wurden die Vizepräsident*innen für Lehre und Studium –  hier löste Prof. Viera Pirker Prof. Christiane Thompson ab, die nicht mehr angetreten war –  und das neu geschaffene Ressort für Chancen, Karriereentwicklung und -förderung. Als Professorin für Religionspädagogik und Mediendidaktik ist Viera Pirker seit 2020 Mitglied des Fachbereichs Katholische Theologie und war dort zuletzt Studiendekanin.

Das Ressort für Chancen, Karriereentwicklung und –förderung, Diversität und Gleichstellung gestaltet Prof. Sabine Andresen: Sie widmet sich damit den Bedingungen und Strukturen für Early Career Researchers, der weiteren Entwicklung der wissenschaftlichen Weiterbildung sowie Gleichstellung und Chancengerechtigkeit an der Goethe-Universität. Andresen gehört seit 2011 dem Fachbereich Erziehungswissenschaften und dort dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an. Bis September 2023 war sie Dekanin; als Prodekanin hatte sie sich u.a. für die Einrichtung einer Ethikkommission eingesetzt.

Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff dankte dem bisher amtierenden Präsidialteam für seinen Einsatz und wies auf besondere Herausforderungen in der bisherigen Arbeit wie etwa Corona-Pandemie und die Energiekrise in Folge des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine hin. Die Vizepräsent*innen waren vom Erweiterten Senat, also allen Mitgliedern und ihren Stellvertreter*innen, gewählt worden. Der hauptamtliche Vizepräsident für Digitalisierung, Chief Information Officer (CIO) Ulrich Schielein, war 2022 mit einer Amtszeit von sechs Jahren gewählt worden und hatte deshalb nicht kandidiert.

pb

„Wir müssen die Lebensrealität der Studierenden wahrnehmen“

Was digital und analog soll eine Hochschule sein? Und welche Rolle spielt „biographienahes Lernen“? Ein Gespräch mit der neuen Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Prof. Viera Pirker.

Prof. Viera Pirker

Foto: Marlene Heinzinger

Die folgenden Aussagen der Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Viera Pirker, entstammen aus einem gemeinsamen Interview mit der scheidenden Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Christiane Thompson. Diese hatte als prägendes Ereignis ihrer Amtszeit die Herausforderungen der Pandemie erlebt und die Umstellung auf digitale Lehre und wieder zurück in Präsenz entscheidend mitgestaltet.

Frau Pirker, Sie forschen ja selbst im Bereich digitales Lernen. Welche Lehren sollte man aus der Pandemie ziehen?

Prof. Viera Pirker: Erfahrungsberichte von Studierenden legen nahe, dass wir in einer solchen Situation mehr interaktive Elemente benötigen. Die Studierenden brauchen den Austausch, aktives Lernen, brauchen das Dialogische, um Dinge zu verstehen, in Themen reinzukommen. Diese interaktiven Elemente sind vorrangig, ganz gleich, ob die Lehre in Distanz oder in Präsenz stattfindet. Ist das die Absage an die klassische Vorlesung? Pirker: Nicht unbedingt. Die Vorlesung ist die richtige Form, um einen großen Gedanken zu entfalten. Sie muss forschungsnah und aktuell gestaltet sein. Aber auch eine Vorlesung braucht heute interaktive Anteile. Sie funktioniert nicht alleine über Videos, die man online stellt und die sich die Studierenden dann anschauen, da braucht es auch Möglichkeiten des Austauschs.

Ist das die Absage an die klassische Vorlesung?

Nicht unbedingt. Die Vorlesung ist die richtige Form, um einen großen Gedanken zu entfalten. Sie muss forschungsnah und aktuell gestaltet sein. Aber auch eine Vorlesung braucht heute interaktive Anteile. Sie funktioniert nicht alleine über Videos, die man online stellt und die sich die Studierenden dann anschauen, da braucht es auch Möglichkeiten des Austauschs.

Was interessiert Sie in Ihrer Forschung besonders?

Mich interessiert, wie fachspezifisches Wissen und fachspezifische Wissensaneignungen sich verändern durch digitale und mediale Perspektiven. Ich arbeite beispielsweise zu Open Educational Resources, frage danach, wie Bildung und Bildungsmedien zusammenhängen. Und mich interessieren Bedingungen des informellen Lernens. Informelles Lernen findet häufig im Medienkontext statt, etwa wenn auf Instagram Vorbilder kopiert werden. Junge Erwachsene entwickeln dort andere Muster des Wissensaufbaus.

Sie meinen zum Beispiel die Physikvideos, die bei der Vorbereitung von Klassenarbeiten hinzugezogen werden?

Genau. Die großen YouTube-Lehrer haben ja heute einen hohen Stellenwert. Kürzlich sagte der Bundesvorsitzende der Schülerkonferenzen, dass er sein Abitur nicht geschafft hätte ohne den Lehrer Schmidt. Das ist eine interessante Herausforderung, die wir im formalen Bildungssektor noch zu wenig wahrnehmen. Wir müssen keineswegs alle YouTuber werden, aber die Frage, wer dieses Feld bespielt und was dort sichtbar wird, die sollten wir uns schon stellen. Natürlich muss man sehen: Die allzu häppchenweise Strukturierung von Wissen, gerade von Grundwissen, ist auch mit Risiken behaftet.

Bei Ihrer Vorstellung haben Sie gesagt, Sie würden die Goethe-Universität nicht zu einer digitalen Universität entwickeln wollen.

Gegenfrage: Was soll eine digitale Universität eigentlich sein? Natürlich muss die Goethe-Universität digital herausragend aufgestellt sein. Also brauchen wir hohe Infrastruktur-Standards, dazu sind wir verpflichtet. Aber das heißt ja nicht, dass alle nur hinter Bildschirmen sitzen. Für das Feld der digitalen Kompetenzen sind die kollaborativen und kommunikativen Elemente ganz wesentlich. Ich selbst merke, dass ich in meiner Lehre, die sich sehr stark aufs Digitale bezieht, immer mehr ins Analoge zurückkehre. Denn mir geht es ja nicht darum, wie man Medien in Bildung integriert. Viel spannender ist doch, zu diskutieren, was sich in der Gesellschaft verändert durch die neuen Technologien, die unseren Alltag bestimmen, und dies dann gemeinsam in Laboratorien zu reflektieren.

Während ihrer Amtszeit hat Prof. Christiane Thomson die Entwicklung eines Leitbild Lehre und Studium für die Goethe-Universität angestoßen. Es wurde in einem partizipativen Prozess entwickelt, an dem auch die neue Vizepräsidentin Viera Pirker mitgewirkt hat. Sie hat nun die Aufgabe übernommen, das Leitbild in der Universität bekannt zu machen und mit Leben zu erfüllen.

Was zeichnet das Leitbild der Goethe-Universität denn besonders aus?

Ich halte es für wichtig, dass es im Leitbild nicht nur um die Lehrenden und die Studierenden geht, sondern auch das Begleitungs- und Unterstützungssystem benannt ist. Ob das unser Leitbild von anderen unterscheidet, kann ich nicht sagen. Aber bei uns ist es auf alle Fälle besonders expliziert. Das Leitbild soll ja auch die ganze Organisation auf eine bestimmte Sache verpflichten. (...)

Sie haben ja gesagt, dass es besonders wichtig ist, dass auch die Lehrenden das Leitbild kennen, wenn sie hier anfangen. Was passiert aber, wenn das Leitbild nicht umgesetzt wird: Wo können sich die Studierenden dann hinwenden?

Ich habe keine Sorge, dass die Studierenden ihre Rechte und Positionen nicht einfordern würden, so wie ich sie erlebe an unserer Uni. Sicher, Leitbilder sind keine solchen hard facts wie zum Beispiel Prüfungsrahmenbedingungen, die man einfordern kann. Die Strukturen für Beschwerden sind aber auf alle Fälle vorhanden, die Studierenden sind ja in allen relevanten Gremien vertreten. Und selbstverständlich sollte das Leitbild zum Onboarding neuer Kolleg*innen dazugehören. (...)

Welche konkreten Ziele haben Sie sich gesetzt, die Sie unbedingt erreichen wollen, Frau Pirker?

Als zuständige Vizepräsidentin wünsche ich mir Vorfahrt für die Lehre an der Goethe-Universität, und das in allen Zusammenhängen. Das fängt bei Berufungen an und endet nicht bei der Vergabe von Mitteln. Deshalb will ich das Gespräch über Lehre anregen und so ihre Bedeutung als zentraler Prozess an der Universität stärker in den Vordergrund rücken. So werden auch Personen sichtbarer, die in der Lehre innovative Ideen haben. Es gibt natürlich bereits laufende strategische Projekte, in die ich mich erst einmal einfädeln und die ich gut begleiten will. Dann ist mir Persönlichkeitsbildung wichtig: Wir müssen die Lebensrealität der Studierenden wahrnehmen, ihre Biographie einbeziehen, Stichwort »biographienahes Lernen«. Diese Perspektiven will ich stärker sichtbar machen.

Interview: Anke Sauter

Das vollständige Interview mit der ehemaligen Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Christiane Thompson, und ihrer Nachfolgerin Viera Pirker erschien in GoetheSpektrum 1/24.

„Das Gefühl von Ungerechtigkeit, das macht etwas mit uns“

Erstmals gibt es ein Vizepräsidentenamt mit den Aufgaben Chancen, Karriereentwicklung und -förderung, Diversität und Gleichstellung. Welche Ziele verbindet Sabine Andresen damit? Ein Gespräch.

Prof. Sabine Andresen

Foto: Die Hoffotografen

Liebe Frau Prof. Andresen, seit April verantworten Sie als Vizepräsidentin das neue Ressort „Chancen, Karriereentwicklung, Karriereförderung, Diversität und Gleichstellung“. Erinnern Sie sich noch, wie Sie die Anfangszeit erlebt haben?

Prof. Sabine Andresen: Die ersten Wochen waren herausforderungsvoll. Ich habe gleich mitbekommen, unter welch komplexen Bedingungen eine Hochschulleitung entscheiden und handeln muss. Und auch in nicht-alltäglichen Situationen, wie mehrtägigen Protestcamps auf dem Campus, müssen alle anderen Aufgaben kontinuierlich bearbeitet werden. Ich persönlich habe von Anfang an großartige Unterstützung von allen Seiten bekommen. (…)

Ihr Ressort ist ja neu geschaffen worden. Wo wollen Sie ansetzen?

Der Zuschnitt ist zwar neu, aber die Themen sind es nicht. Wir fangen zum Glück nicht bei null an, denn es ist viel gelaufen hier an der GU zu Karriereentwicklung und Chancengerechtigkeit. Was sich nun vor allem geändert hat, ist die Zusammenstellung und damit auch die Akzentuierung und Gewichtung – manchmal vielleicht auch Verdichtung – von Themen. Was ich an dem Ressort wichtig finde, ist die Fokussierung auf Chancen.

Bei vielen Themen rollt unser Zug also schon und sollte nicht unnötig gestoppt werden. Für mich heißt das, dass ich auf diesen fahrenden Zug aufspringen muss und dann mit den entsprechenden Kolleg*innen zusammen schaue, ob Strecke und Ziel noch zusammen passen. Im Zweifelsfall kann es sinnvoll sein, den Zug für einen Moment anzuhalten und zu überlegen, ob die Fahrt wie vorgesehen weitergeht oder ob doch eine Weiche anders gestellt werden sollte. Was das laufende Geschäft bei uns an der Goethe-Universität betrifft, war ich in den ersten Wochen vor allem in einem Modus des Zuhörens. Dass ich dabei nochmal einen so breiten Einblick in die Universität bekomme und so viele engagierte Menschen in den verschiedensten Feldern kennenlerne, das empfinde ich durchaus als Privileg.

In meinen ersten Tagen als Vizepräsidentin ist mir außerdem viel bewusster geworden, welch große Bedeutung das Thema RMU für uns hat und wie sehr dies auch den Bereich „Chancen“ betrifft, gerade auch mit Blick auf die Exzellenzstrategie. Im Zuge dessen habe ich auch zügig die Fachkolleg*innen aus Darmstadt und Mainz kennengelernt.

Das heißt aber auch: Wir müssen die Themen Early Career, Umgang mit Diversität, Chancengerechtigkeit und auch Weiterbildung einerseits auf das spezifische Profil von Frankfurt beziehen und andererseits im RMU-Zusammenhang weiterdenken.

Das Begriff Gerechtigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die von Ihnen verantworteten Themen. Wann haben Sie sich das letzte Mal über Ungerechtigkeiten im Hochschulalltag geärgert und gedacht: „Das muss anders werden“?

Ich vermute, jedes einzelne Mitglied der Universität könnte dazu etwas sagen. Etwas als ungerecht zu empfinden, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Strukturen, Verfahren, Entscheidungen an der Universität ungerecht sind. Gleichwohl muss eine Universität kontinuierlich daran arbeiten, dass Einstellungs- und Berufungsverfahren transparent und die leitenden Kriterien an der Sache orientiert sind. Fragen der Gerechtigkeit stellen sich für Mitarbeiter*innen beispielsweise in der Verwaltung, wenn es um Möglichkeiten der Weiterbildung und Karriereentwicklung geht, Studierende interessieren Kriterien der Leistungsbewertung, der Zugänge zu von ihnen favorisierten Lehrveranstaltungen und zu qualitativ hochwertiger Betreuung ihrer Abschussarbeiten. Und schließlich stellt sich für viele an der Universität die Frage, wie sich die Anforderungen mit dem übrigen Leben, insbesondere mit Betreuungs-, Pflege- und Erwerbsarbeitsaufgaben vereinbaren lassen. Hier sind nach wie vor insbesondere Frauen stark belastet. Das habe ich auch selbst oft erlebt. In meiner Zeit als Oberassistentin an der Universität Zürich, musste ich pendeln und habe mein just eingeschultes Grundschulkind ein paar Tage „nur“ in der Obhut des Vaters gelassen. Als mich an einem Abend ein Kollege noch spät im Institut antraf, fragte er mich mit einem Grundton moralischer Entrüstung, was denn „mein armes Kind“ jetzt mache. Ein gleichaltriger Kollege meinte, für mich sei es ja nicht so schlimm, wenn ich nicht gleich eine Professur bekäme, mein Mann würde ja Geld verdienen. Wie oft habe ich solche Sprüche „weggelächelt“.

Ich fürchte, dass solche Haltungen auch heute noch nicht ganz verschwunden sind und Menschen in einen völlig unnötigen Rechtfertigungszwang gebracht und Schuldgefühle aufgerufen werden. Mein Eindruck – und auch meine persönliche Erfahrung – ist also, dass wir als Studierende, aber auch als Wissenschaftler*innen immer wieder mit Situationen konfrontiert sind, die ein Gefühl von Ungerechtigkeit auslösen, weil sie ungerecht sind. Und das Erleben von Ungerechtigkeit, die Erfahrung mit Machtmissbrauch, all das macht etwas mit uns.
In das Ressort von Vizepräsidentin Prof. Sabine Andresen fallen auch Fragen zu Chancengerechtigkeit und Gleichstellung. Das zeigt den Banner der Goethe-Universität am Otto Stern-Zentrum auf dem Campus Riedberg (Foto: Marc Jacquemin)

Wie Wissenschaftskarrieren durch Ungerechtigkeit konkret erschwert werden können, haben Sie gerade an Ihrem eigenen Beispiel verdeutlicht. Wann sehen Sie auch sonst die Chancen im Universitätsalltag ungerecht verteilt?

Das fängt an mit der Frage, wie gerechtfertigt rein quantitative Betreuungsverhältnisse im Studium sind. Wir haben Studierende, beispielsweise in den Erziehungswissenschaften, die selbst im Masterstudium immer noch in sehr großen Seminargruppen sind. Kommiliton*innen aus „kleineren“ Fächern können das Studieren viel persönlicher erleben. Solche Erfahrungen können gerade in Übergangsphasen eine große Rolle spielen, wenn ich zum Beispiel jemanden für die Betreuung meiner Abschlussarbeit suche.

Weiter geht es mit der „Klassenfrage“ in unserem akademischen System. In meiner Familie war ich die Erste, die studiert hat. Ich habe diejenigen meiner Kommiliton*innen, die aus akademischen Elternhäusern kamen, immer beneidet. Meine Familie hat mich zwar stets unterstützt, aber wenn ich einen akademischen, karrierebezogenen Rat brauchte, musste ich mir immer jemand anderen suchen.

Ungleich verteilte Chancen begleiten einen natürlich auch auf dem weiteren akademischen Weg, beispielsweise während der Promotion. Ich selbst bin hervorragend betreut worden von meinem Supervisor, aber dieses Glück hat nicht jede*r. Und auch die Rahmenbedingungen beim Promovieren unterscheiden sich oft sehr: Habe ich eine Stelle an der Universität oder bin ich außerhalb der Uni voll berufstätig, das macht einen Unterschied. Die andere Seite ist: Man muss diese entbehrungsreiche Zeit auch ein Stück weit wollen und akzeptieren, wenn man sich auf eine Promotion einlässt. Das mache ich auch immer zum Thema, wenn junge Wissenschaftler*innen bei mir promovieren wollen: Eine Promotion ausschließlich in der regulären Arbeitszeit machen zu wollen, wird nicht funktionieren. Es werden Urlaubstage und es werden Wochenenden dafür draufgehen, das muss einem bewusst sein.

Sich für andere zu engagieren, ist Ihnen schon lange auch ein ganz persönliches Anliegen. Unter anderem waren Sie Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, seit 2023 sind Sie Präsidentin des Kinderschutzbundes. Für wen wollen Sie sich als Vizepräsidentin stark machen?

Ich möchte mich auf jeden Fall für diejenigen stark machen, die sich entscheiden, nach ihrem Studienabschluss zumindest für eine bestimmte Phase ihres Lebens hier an der Universität tätig zu sein. Mein großes Anliegen ist zu schauen, wie an dieser großen, diversen Universität mit ihren 16 Fachbereichen und unterschiedlichen Fachkulturen die Förderung und das Empowerment von Wissenschaftler*innen in den verschiedenen Phasen bislang gelingt und wo wir noch besser werden können. Also: Was sind unsere Stärken und wo spiegeln uns Early Career Researcher schwierige Übergänge zwischen den verschiedenen Karrierephasen oder machen uns auf andere Probleme aufmerksam? Wir sind dabei zwar abhängig von den Rahmenbedingungen des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes, dennoch erscheint es mir zu einfach, die Verantwortung nur auf die Politik zu schieben. Mein Anspruch ist, immer auch die eigenen Handlungsmöglichkeiten in der Organisation zu prüfen.

Und dann interessieren mich natürlich Fragen zu Chancengerechtigkeit und Gleichstellung – sei es, dass Studierende immer neben ihrem Studium arbeiten müssen, weil das Geld trotz Stipendium oder Bafög nicht zum Leben reicht, sei es, dass Studierende aus Kriegsgebieten zu uns kommen und neue Perspektiven suchen. Oder dass Menschen bei uns an der Universität Erfahrungen mit Diskriminierung machen: Wie begegnen wir diesen Erfahrungen, welche Unterstützung können wir bieten, wie lässt sich präventiv Diskriminierung begegnen? Wie also können wir uns mit unseren Ressourcen und unserer Kultur so aufstellen, dass wir das Risiko der Diskriminierung minimieren und Betroffene so schnell und so gut wie möglich unterstützen?

Mich persönlich bedrückt es sehr, dass sich jüdische Studierende und Kolleg*innen nicht sicher fühlen auf dem Campus. Wir müssen dem Antisemitismus entgegentreten, und zwar als Gemeinschaft an der Universität. Das ist Leitungsaufgabe einerseits, aber das geht jedes einzelne Mitglied der Universität andererseits etwas an. Wichtig ist dabei auch, dass wir alle Formen der Diskriminierung, Grenzverletzung und Gewalt im Blick haben und insbesondere Rassismus nicht ausblenden, sondern benennen und offensiv entgegentreten.

Eine weitere Säule in Ihrem Ressort ist die Entwicklung der wissenschaftlichen Weiterbildung an der Goethe-Universität. Was sollte wissenschaftliche Weiterbildung aus Ihrer Sicht in Zukunft leisten? Auch vor dem Hintergrund, dass der Fachkräftemangel und die Künstliche Intelligenz unsere Arbeitswelt wahrscheinlich bald radikal verändern werden.

Das ist ein großes Thema, zu dem ich aktuell noch in den ersten Orientierungen bin. Mein bisheriger Eindruck ist: Wir bieten viel an, zum Beispiel bei der Goethe Business School (die Weiterbildungsplattform der Goethe-Universität für Fach- und Führungskräfte, die Red.) oder in der Lehrkräfteweiterbildung, aber bisher scheint es noch keine übergeordnete Idee zu geben. Wo wollen wir insgesamt hin? Wie sehen wir die akademische oder wissenschaftliche Weiterbildung vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Herausforderungen, angesichts des Fachkräftemangels, vor dem Hintergrund digitaler und nachhaltig zu steuernder Transformationsprozesse? Das sind Fragen, die eine gesellschaftliche Dimension aufmachen. Darauf habe ich noch keine dezidierte Antwort, sondern nehme es als Problemanzeige in meine Gespräche etwa mit den Kolleg*innen des C3S (Center for critical computional studies, die Red.) mit. Ich bin sehr gespannt, welche Gedanken und Ideen hierzu aus der Goethe-Community kommen werden. Das ist ja das Tolle an dieser Universität, dass wir für die verschiedensten Fragen Wissen und Expertise haben. Darauf, diese Themen und Herausforderungen mit Kolleg*innen aus unterschiedlichsten Bereichen weiterzudenken, freue ich mich am meisten – bei diesem breiten Spektrum, das mir auch zwischendrin immer mal wieder Respekt einflößt.

Wenn Sie nach drei Jahren auf Ihre Amtszeit schauen, was möchten Sie dann erreicht haben?

Weiter ausgebaute und unterschiedliche Karrierewege für ECRs (Early Career Reseachers, die Red.), die auch zu frühen Zeitpunkten Orientierung bieten. Ein Bewusstsein dafür, dass Machtmissbrauch an unserer Universität keinen Platz hat und davon Betroffene wissen und erleben, sie bekommen Unterstützung. Eine weiterentwickelte Idee von wissenschaftlicher Weiterbildung, die auch durch den RMU-Verbund inspiriert ist. Und vielleicht sind wir in drei Jahren auch stärker daran orientiert, wie wir gemeinsam als Mitglieder der Universität zu Lösungen der großen Probleme hier vor Ort beitragen, durch ein gemeinsam getragenes Verständnis von Verantwortung angesichts der Klimakrise und Fragen des möglichen Wachstums, angesichts der Verbreitung von Fake News und Polarisierungen. Dazu gehört auch, dass wir als Universität weiterkommen, wenn es darum geht, eine antisemitismus- und rassismuskritische Universitätskultur zu schaffen und unsere Beratungsangebote zu stabilisieren. Ich möchte gern einen Beitrag dazu leisten, das Gemeinsame, das „Wir“, im Blick zu behalten.

Das Gespräch ist die gekürzte Fassung eines Beitrags in den Goethe-Uni-News vom 24. Juli 2024. Die Fragen stellte Imke Folkerts.

+++ 4.000 Mal beraten +++

Die Psychosozialberatung des Studierendenwerks Frankfurt am Main wird am 1. Januar zehn Jahre alt. Die Anlaufstelle für Studierende auf dem Campus Westend hat zwischen 2014 und 2023 mehr als 4.000 Studierende beraten und ca. 14 000 Gespräche in Beratungsterminen und offenen Sprechstunden geführt.

Psychosozialberatung des Studierendenwerks Frankfurt am Main wird zehn

+++ Forschende im Exil +++

Noch bis zum 17. Februar zeigt die Ausstellung „Poser pour la Liberté / Standing for Freedom“ im I.G. Farben-Haus 15 Lebenswege von Forschenden und ihren Gastgeber*innen im Exil. Die Fotos entstammen dem preisgekrönten Fotoprojekt RESTRICA (Einblicke in das erzwungene wissenschaftliche Exil in Vergangenheit und Gegenwart), initiiert von der Politologin Pascale Laborier mit dem französischen Fotografen Pierre-Jérôme Adjedj.

Gezwungen aus dem eigenen Land 

+++ Auf die Bühne gebracht +++

Die Chaincourt Theatre Company bringt am 26. Januar mit „Fahrenheit 451“ einen Romanklassiker auf die Bühne. Weitere Stücke im Laufe des Jahres sind Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes: A Scandal in Bohemia“ und Shakespeares „Hamlet“.

Brandaktuelles Theater

+++ Abschlusskonzerte +++

Die drei Semesterabschlusskonzerte des Wintersemesters des Collegium Musicum präsentieren große Musikwerke wie Bachs „Johannes-Passion“ und die „Romantische“ von Anton Bruckner. Am Ende des Sommersemesters stehen Werke von Haydn, Brahms, Shostakovich und dem zeitgenössischen lettischen Komponist Peteris Vasks sowie ein Konzert zu „Emotionen in Klangfarben“ auf dem Programm.

Bach, Bruckner und der Klangforscher Crumb

+++ Empfangen +++

Auf dem Neujahrsempfang für die internationale Forschungsgemeinschaft der Goethe-Universität treffen internationale (Jung)Wissenschaftler*innen zusammen.

+++ Runder Tisch Ausbildung +++

Erstmals findet im Februar auf Initiative des Kanzlers der Goethe-Universität, Dr. Ulrich Breuer, der „Runde Tisch Berufsausbildung“ statt. Ziel ist ein Aktionsplan zur Weiterentwicklung der beruflichen Ausbildung an der Goethe-Universität.

Runder Tisch Ausbildung

+++ Lange Nacht +++

Das Schreibzentrum der Goethe-Universität lädt am 7. März zur hybriden Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten ein.

Lange Nacht im Schreibzentrum

+++ Stellung bezogen +++

Mit Bannern gegen Rassismus und Antisemitismus auf dem Campus Westend und dem Campus Riedberg bezieht die Goethe-Universität aktiv Stellung für eine Kultur der Akzeptanz und des Respekts.

Gemeinsam gegen Rassismus und Antisemitismus: Ein Aufruf zur Solidarität an der GU

+++ Memorandum für Nachhaltigkeit +++

Das seit 2022 in Frankfurt am Main ansässige „International Sustainability Standards Board“ (ISSB) soll zukünftig eine stärkere akademische Unterstützung aus der Rhein-Main-Region erfahren. In einem „Memorandum of Understanding“ haben Goethe-Universität und ISSB die Eckpfeiler der künftigen Zusammenarbeit abgesteckt.

Memorandum für Nachhaltigkeit

https://aktuelles.uni-frankfurt.de/english/goethe-university-and-issb-want-to-work-together-intensively-in-future/

+++ Neugebaut +++

Auf dem Campus Niederrad wird der zentrale Erweiterungsbau der Universitätsmedizin Frankfurt, eines der größten Neubauprojekte des Landes Hessen, am 3. Mai offiziell übergeben. Auf rund 20.000 Quadratmetern werden unter anderem neurologische Kliniken, die Knochenmarkstransplantation, die Infektiologie, die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, die Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Teile der Orthopädie und die Nuklearmedizin untergebracht sowie eine Stroke Unit für die Versorgung von Schlaganfallpatienten.

Erweiterungsbau Universitätsmedizin

+++ Erinnert +++

Das Buber-Rosenzweig-Institut lädt am 6. Mai gemeinsam mit „Elysium – between Two Continents“ zur Wiederentdeckung von Werken vergessener jüdischer Komponistinnen und Komponisten ein.

Konzert „Pioniere im Exil“ an der Goethe-Universität

+++ Baustart +++

Mit dem Center for Humanities erhält der Campus Westend ein weiteres markantes Gebäude. Am 28. Mai ist offizieller Baustart für den Bau mit 180 Büroarbeitsplätzen, drei Seminarräumen, einer Probebühne und einem Ausstellungsraum.

Center for Humanities

+++ Frühlingsfest +++

Das Frühlingsfest im Wissenschaftsgarten der Goethe-Universität am 26. Mai bietet eine gute Gelegenheit, Wissenschaft und Wissenschaftler*innen im Grünen kennenzulernen und dabei etwas über Biodiversität und Nachhaltigkeit zu erfahren. In diesem Jahr gibt es gleich doppelten Anlass zu feiern, denn der Wissenschaftsgarten wird 10 Jahre alt.
Immer wieder sonntags …

Diesmal wurde der Wissenschaftsgarten zehn Jahre alt (Foto. Jessica Kuch)

+++ Umbenannt +++

Das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität Frankfurt heißt ab Mai Büro für Chancengerechtigkeit. Anlass hierfür ist die Erweiterung um den Arbeitsbereich Inklusion. Damit umfasst das Büro die vier Bereiche Gleichstellung, Familie & Dual Career, Diversity Policies & Antidiskriminierung sowie Inklusion.
Auch in diesem Rahmen hat das Büro für Chancengerechtigkeit neue Veranstaltungen initiiert, etwa zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, den Matching Day Inklusion zum Berufseinstieg für gesundheitlich beeinträchtigte Akademiker*innen, die Konferenz für „Equity, Diversity“ und „Inclusion“ der U15 Canada and German U15 und die Tagung über Diversität an Hochschulen.
Aus „Gleichstellungsbüro“ wird „Büro für Chancengerechtigkeit“

 

+++ Studenten dabei +++

Ende Mai findet auf dem Campus Westend der „Tag der studentischen Partizipation – Markt der Möglichkeiten“ statt. Studentische Initiativen, Fachschaften und Institutsgruppen stellen ihre Arbeit vor – umrahmt von Kurzvorträgen und intensivem Netzwerken.

 

+++ Installation +++

Die Studiengalerie 1.357 zeigt ab Mitte Juni Arbeiten der Künstlerin Talya Feldman. Im Fokus steht die Videoinstallation “Elegy“, in der die Künstlerin die traumatische Wirkung des Terroranschlags auf die Synagoge und einen Dönerladen in Halle thematisiert. Die Ausstellung ist der erste Teil des zweiteiligen Ausstellungsprojektes “Setzt dem Schweigen ein Ende“.

Ein Klagegedicht über rechtsextremen Terror

 

+++ Gedenktafel +++

An den Anschlag der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) vom 11. Mai 1972 erinnert seit Juni eine Gedenktafel am Eingang des Casino-Gebäudes auf dem Campus Westend. Bei dem Terrorakt auf das Hauptquartier des V. Korps der US-Armee sowie das United States European Command und die Central Intelligence Agency (CIA) kam der amerikanische Oberstleutnant Paul A. Bloomquist ums Leben.

US-army-Gedenktafel

 

+++ Digitalmesse +++

Mit einer Messe stellen sich am 19. Juni rund 35 IT- und Digitalprojekte der Goethe-Universität im Casino vor. Anlass ist der fünfte bundesweite Digitaltag mit dem Motto „Erlebe Digitalisierung!“.

 

+++ Sommerfest, groß +++

Das Sommerfest der Goethe-Universität am 27. Juni auf dem Campus Westend bietet Livemusik und Rhythmus, ein umfangreiches Sport- und Kulturangebot sowie Spiele für große und kleine Gäste.

Noch eine Gelegenheit der Begegnung – das Sommerfest auf dem Campus Westend (Foto: Peter Kiefer)

+++ Sommerfest, klein +++

Beim Sommerfest für die die internationalen Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität am 28. Juni kommen 85 Wissenschaftler*innen aus 37 Ländern und ihre Familien im Gästehaus in der Ditmarstraße zusammen.

Internationales Sommerfest // Ein Abend mit inspirierendem, vielseitigem und bereicherndem Austausch

 

+++ HEP +++

Vom 15. bis 17. Juli 2024 kann sich die interessierte Hochschulöffentlichkeit am Campus Riedberg und auf dem Campus Westend über den aktuellen Stand des neuen Hochschulentwicklungsplans (kurz: „HEP“) informieren und Ideen einbringen.

 

+++ Goethe-Lauf +++

An Goethes 275. Geburtstag am 28. August findet der Goethe-Lauf für Mitarbeiter*innen der Goethe-Universität statt. 564 Läufer*innen meistern die 5,8 Kilometer lange Strecke. Für das Präsidium ist Kanzler Dr. Ulrich Breuer anwesend. Erstmals ist beim Goethe-Lauf auch ein Awareness-Team des Zentrums für Hochschulsport vor Ort.

 

+++ Digitalstrategie +++

Was sind die strukturellen Anforderungen an eine digitale Goethe-Universität? Mit einer Kick-off-Veranstaltung startet am 16. September  die Goethe-Universität ihre offenen Digitalwerkstätten zu Forschung und Transfer, Lehre und Studium sowie Verwaltung und IT-Prozessen.

Digitalstrategie

 

+++ Richtfest +++

Die Entwicklung des naturwissenschaftlichen Campus Riedberg macht einen großen Schritt nach vorne: Beim traditionellen Richtfest wird am 26. Juni der Abschluss des Rohbaus für den ersten Bauabschnitt der Chemischen Institute inklusive einer neuen Technikzentrale gefeiert.

Richtfest Riedberg

 

+++ Botschafterin +++

Ilona Klemens ist seit Frühjahr neue Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG).

Neue ESG-Pfarrerin

 

+++ Geburtstagskonzert +++

Die Goethe-Universität wird 110 Jahre alt. Gefeiert wird am 30. Oktober mit einem universitären Geburtstagskonzert unter Leitung des Dirigenten Zubin Mehta und dem Sinfonieorchester der Buchmann-Metha School of Music. Das Konzert, zu dem 80 junge Musiker*innen aus Tel Aviv angereist sind, kann stattfinden dank der Unterstützung von Dr.h.c. Josef Buchmann, Ehrensenator der Universität, und Dr. h.c. Bareket Buchmann.
Geburtstagskonzert

 

+++ Goethe Let´s talk +++

Das Präsidium lädt Ende Oktober die Universitätsmitglieder aus allen Statusgruppen zu einer Informations- und Austauschveranstaltung ein. Es geht unter anderem um die Exzellenzstrategie und um Zukunftsstrategien und Leitbilder für die Goethe-Universität.

 

+++ Zweimal gepriesen +++

Jährlich vergibt die Goethe-Universität den „Public Service Fellowship-Preis“ an Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität; der Präsident der Goethe-Universität verleiht zudem einmal im Jahr den New Horizon-Preis. Im Rahmen einer festlichen Veranstaltung am 14. November im IG-Farben-Haus werden beide Preise überreicht: Der „Public Service Fellowship“-Preis geht an den Humangeographen Martin Lanzendorf, der „New Horizon“-Preis an das Team des Wissenschaftsgartens.

Preise der Universität

 

+++ Inklusiv – aktiv +++

Unter dem Titel „Inklusiv – Aktiv – Zukunftsfest? Wie gelingt gutes Arbeiten und Studieren ohne Barrieren an einer inklusiven Hochschule?“ findet am 3. Dezember eine Veranstaltung auf dem Campus Westend statt. Themen sind Perspektiven für ein gelingendes Arbeiten, Studieren und Forschen an einer Universität, die sich auf den Weg zur Inklusiven Hochschule gemacht hat. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der Schwerbehindertenvertretung gestaltet, der Inklusionsbeauftragten und dem Arbeitsbereich Inklusion des Büros für Chancengerechtigkeit.

Foto: Jessica Kuch

Ein starkes Signal für die Gesundheitsförderung

Das Zentrum für Hochschulsport hat seit Januar 2024 einen neuen Platz innerhalb der Universität. Und einen neuen Auftrag: Als zentrale Betriebseinheit soll der Hochschulsport für das Gesundheitsmanagement der Unicommunity sorgen.

2022 wurde die Goethe-Universität für ihr Sport- und Gesundheitsprogramm als „Hochschule des Jahres“ ausgezeichnet. Der eigentliche Preisträger aber war das Team des Hochschulsports. Bisher angesiedelt am Fachbereich „Psychologie und Sportwissenschaften“, organisiert der Hochschulsport nämlich nicht nur seit Jahren ein vielfältiges, beeindruckend breites Sportprogramm für alle Mitarbeiter*innen und Studierenden der Universität. Schon länger hat das Team das physische, psychische und soziale Wohlbefinden der gesamten Unicommunity im Blick.

Offenkundig wurde das besonders in der Pandemie: Damals ersetzte das Hochschulsport-Team sein komplett fertiges, 60 Sportarten breites, 300-Kurse starkes, durch das Virus ausgebremstes Semesterprogramm kurzerhand durch ein hochfunktionelles Notprogramm. Mit Kochkursen und Pausenexpress, mit Pilates-, Full-Body- Workout- und Yoga-Kursen – überwiegend online oder im Freien, versteht sich – wirkte dieses Angebot als sozialer Kleber in einer Zeit, in der viele nur allein und frei flottierend im Homeoffice unterwegs waren.

Schon damals zeigte sich: Das Team des Hochschulsports – bestehend aus sieben hauptamtlichen, neunzehn studentischen Mitarbeiter*innen und ca. einhundertzwanzig Übungsleitenden – unter der Leitung von Martin Miecke wendet die Formel „geht nicht“ nur ungern und im alleräußersten Notfall an. Und: Die Sportexpertinnen und -experten fühlen sich zunehmend und ganz grundsätzlich für das soziale Wohlbefinden der Uniangehörigen ansprechbar. „Wir müssen das Thema Gesundheit wesentlich breiter denken als ein Sportprogramm“, sagte Martin Miecke, Leiter des Hochschulsports, im Gespräch anlässlich der Preisverleihung. „Zu einer leistungsfähigen und gut organisierten Bildungseinrichtung gehört auch das Thema Gesundheitsbildung. Das Thema sollte besetzt werden.“ „Allein dadurch“, ergänzte Joshua Kliewer, Koordinator für übergreifende Gesundheitsthemen im Hochschulsport, „dass die Mieten so exorbitant sind, sind viele in finanziellen Nöten, die Stress auslösen. Dann zu sagen, bewegt euch doch einfach ein bisschen mehr, ist unglaubwürdig. Sport als Bewegung um des Bewegens willen ist nicht schon gesund. Da müssen wir mehr tun.“

Gruppenevents als sozialer Treffpunkt

Schon seit geraumer Zeit wird deshalb das Sportprogramm des Hochschulsports von Aikido und Aqua-Fit über Bouldern und K-Pop bis Streetdance bis Zumba Fitness ergänzt – durch neue, psychische und soziale Aspekte mitdenkende Angebote wie etwa das mobile Goethe-Play-Lastenrad, Übungen für hörsaalkompatible Bewegungseinheiten (Active Movement Break) oder auch Musik-Events (wie das GruppenSingen), die vorranging als soziale Treffpunkte gedacht sind. Schier grenzenlos scheint das Ideenpotenzial zu sein, mit dem das Team Angebote passgenau auf studentische Bedürfnisse zuschneidet, was auch damit zu tun hat, dass der Hochschulsport das Programm vor allem von Studierenden für Studierende entwickeln lässt. So entstand auch zuletzt das Programm für die letzte Sensibilisierungsreihe mit Autorenlesungen, Poetry Slams, Podiumsdiskussionen und Filmabenden. „Mit dem Gesundheitsprojekt ‚healthYgoethe‘ setzt die Goethe-Universität ein starkes Signal für die zielgruppengerechte Gesundheitsförderung der Studierenden“, betont Martin Miecke. „Der Hochschulsport zeigt, wie wichtig es ist, auf die körperlichen und auch die psychischen Bedürfnisse der Studierenden – und langfristig der gesamten Universitätsgemeinschaft – einzugehen.“

Der Preis und das kreative Engagement des Teams haben geholfen, auch universitätsintern auf das Thema Gesundheitsförderung aufmerksam zu machen und es hochschulpolitisch zu stärken. So ist es nur folgerichtig, dass die Hochschulleitung den Hochschulsport seit Januar 2024 aus dem Fachbereich „Psychologie und Sportwissenschaften“ „umgezogen“ und als neue zentrale Einrichtung direkt dem Präsidium zugeordnet hat. Damit wird deutlich, was im Angebot des Hochschulsports längst der Fall ist: nämlich das Wohlbefinden der gesamten Unicommunity im Blick zu haben. Und diese umfasst selbst ehemalige Studierende, wie das Alumni-Sommerfest 2024 mit der Freundesvereinigung der Universität am Bootshaus der Goethe-Universität zeigt.

Erstmals organisierte das ZfH in den Semesterferien eine Beachliga (Foto: Zentrum für Hochschulsport)

Gehören zur Unicommunity, dessen Wohlbefinden auch das Zentrum für Hochschulsport (ZfH) im Blick hat: die Alumni der Goethe-Universität. So fand das Alumni-Sommerfest 2024 mit der Freundesvereinigung der Universität am Bootshaus der Universität statt – wo das ZfH sportliche Highlights wie Drachenbootrudern und Stand-Up Paddling organisiert hatte. Weitere Alumni-Jahresevents waren ein Besuch der historischen Sternwarte des Physikalischen Vereins und die Teilnahme einer Alumni-Gruppe am Goethe-Lauf, der die Ehemaligen auf einer 5,4 Kilometer langen Strecke vom Campus Westend zum Campus Ginnheim führte.

Stipendienportal freut Hochschulsport

Verbunden mit der neuen Positionierung des Hochschulsports hat Martin Miecke den Auftrag erhalten, gemeinsam mit seinem Team federführend ein Konzept für das universitätsweite Gesundheitsmanagement zu entwickeln, das Studierende und alle Mitarbeiter*innen umfasst; ein zusätzliches Teammitglied soll für mehr Woman- bzw. Manpower sorgen und sich vor allem der Vernetzung und dem Austausch zwischen den verschiedenen Gesundheitsakteuren, Gremien und Arbeitskreisen widmen. Denn zu dem Auftrag gehört, all diejenigen miteinzubeziehen, die bereits Angebote an Studierende oder Universitätsangehörige verbreiten – wie etwa das Studierendenwerk, die psychotherapeutische Beratungsstelle und das betriebliche Gesundheitsmanagement. Auch die Kolleg*innen aus dem Bereich „Studium, Lehre, Internationales“ (SLI) möchte Martin Miecke mit ins Boot holen – wenn sie nicht schon längst darin sitzen. Denn gemeinsame Sache mit anderen Akteuren zu machen, gehört eigentlich zur DNA des Hochschulsports. „Wir haben an der Universität viele gute Leute, mit denen wir gerne zusammenarbeiten“, betont Miecke. Wenn Kolleg*innen von SLI etwa ein Portal zu Stipendien entwickelt haben, das Studierenden schnell und leicht eine Übersicht den verschiedenen Angeboten gibt, dann freut das das Hochschulsport-Team.

Anders als Universitäten aus anderen Regionen, die ihr universitäres Hochschulsport-Programm auf die Konkurrenzfähigkeit ihrer Studierenden bei Wettkämpfen konzentrieren, will Miecke das schon angelegte Profil der Goethe-Universität noch einmal deutlich schärfen: Nämlich mit einem vielfältigen Sportprogramm und einem darüber hinausgehenden Gesundheitsmanagement eine möglichst umfassende Breitenwirkung des Angebots an der Universität zu erzielen, die wirklich jede und jeden Mitarbeiter*in, jeden Studierenden erreiche. Damit könne, so Miecke, Gesundheitsmanagement an der Goethe-Universität zu einem Querschnittsthema werden wie etwa Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Nicht zuletzt leiste dies auch einen Beitrag dazu, die Universität als Arbeitgeber in der Region attraktiver zu machen.

Konzept mit überraschenden Folgen

Gesundheitsmanagement als Querschnittsthema: Das Konzept hat weitreichendere Folgen, als mancher erwarten mag. „Wenn prekäre wirtschaftliche Verhältnisse von Studierenden ein Studium unmöglich machen oder hohe Durchfallquoten am Ende eines Studiums Existenzen bedrohen, dann ist das psychisch und auch gesundheitlich belastend“. Miecke schließt deshalb in ein Gesundheitsmanagement, das seinen Namen verdiene, ausdrücklich mit ein, auch universitäre Strukturen, etwa in Studienordnungen oder der Lehre, kritisch zu betrachten und Änderungsanstöße zu geben. „Natürlich wissen wir: das ist ein langfristiges Ziel.“ Vorher gelte es, innerhalb der Universität für eine möglichst breite Akzeptanz und Etablierung des Gesundheitsmanagements für alle Uni-Angehörigen zu werben. Das Team des Hochschulsports ist bereits auf dem besten Wege dorthin.

pb

Fotos: Stabsstelle Ausbildung

„Ein Highlight unserer Ausbildung ist die Vielseitigkeit“

Die Goethe-Universität ist einer der größten Arbeitgeber in der Region – eine neue, 2024 entwickelte Strategie soll die Palette an Ausbildungsberufen der Universität nicht nur bekannter machen, sondern auch erweitern. Zum Beispiel im Bereich der Informationstechnik. 

Niklas Sujan, Ausbildungsleiter

Foto: Uwe Dettmar

Dr. Markus Unverzagt,
Leiter des Hochschulrechenzentrum

Foto: Uwe Dettmar

Florian Lang,
ehemaliger Auszubildender am Hochschulrechenzentrum (HRZ), jetzt Mitarbeiter und Teil des Teams Ausbildungsplanung

Foto: privat

Ob Imker, Tischlerin oder Gärtner, Tierpfleger, Industriemechanikerin, Inspektoranwärter über ein Duales Studium oder Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste sowie in der Verwaltung – das Spektrum der Ausbildungsberufe an der Goethe-Universität ist groß. Und es soll noch breiter werden – etwa auch, um den eigenen Bedarf an Fachkräften zu decken. Dies war unter anderem Thema des ersten Runden Tischs „Berufsausbildung“ im Frühjahr 2024, zu dem der Kanzler der Goethe-Universität geladen hatte. Dem Runden Tisch folgten rasch weitere Schritte: Für eine größere Öffentlichkeit sorgte das verstärkte Team in der Ausbildung mit der Teilnahme an der #könnenlernen-Kampagne der Industrie- und Handelskammer und der Broschüre „Schule und was dann“; Kontakte zu regionalen und überregionalen Schulen wurden geknüpft und regelmäßige Besuchen von Schulklassen auf den Campus begleitet. Auch eine universitätsweite IT-Ausbildung wurde 2024 entwickelt – dies schildern im Gespräch nach dem zweiten Runden Tisch Anfang 2025 Niklas Sujan, Strategische Ausbildungsplanung und -entwicklung der Stabsstelle Ausbildung, Dr. Markus Unverzagt, Leiter des Hochschulrechenzentrums seit März 2024, und Florian Lang, ehemaliger Auszubildender am Hochschulrechenzentrum (HRZ), jetzt Mitarbeiter und Teil des Teams Ausbildungsplanung. Das Gespräch führte Dr. Simone Beetz, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im HRZ der Goethe-Universität.

Wie sieht die neue Ausbildungsstrategie an der Goethe-Universität aus?

Niklas Sujan: Wir setzen aktuell einen Schwerpunkt auf die (Wieder-)Implementierung von Ausbildungsberufen. In diesem Zusammenhang bauen wir eine GU-übergreifende IT-Ausbildung auf: Wir bündeln Prozesse, Bedarfe und Interessen, um Synergien zu schaffen und die IT-Ausbildung an der Universität sichtbar und attraktiv zu gestalten. Wir haben sogar eine neue Stelle „Koordination Duale Bildung IT“ geschaffen, um diese Vision strukturell zu unterstützen.

Dr. Markus Unverzagt: Das Hochschulrechenzentrum hat mit einem Pilotprojekt ein duales Studium Informatik ins Leben gerufen, das Informationstechnik und Angewandte Informatik kombiniert. Auch die reine Ausbildung zum oder zur Fachinformatiker*in ist wieder möglich. Das Ziel ist, den Personalbedarf im IT-Bereich zu decken und die Ausbildungsmöglichkeiten an der Universität und im Hochschulrechenzentrum (HRZ) bekannt zu machen. Besonders betonen wir dabei die Kooperation mit anderen IT-Einheiten der Universität, wie studiumdigitale und der Informationstechnik der Universitätsbibliothek, um ein breites Netzwerk an Erfahrungen und Möglichkeiten zu bieten.

Was ist wichtig für die Ausbildung an der Universität heute?

Sujan: Die Ausbildung an der Universität muss die Auszubildenden sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickeln. Dafür ist es wichtig, dass Ausbilder*innen qualifiziert sind und sich kontinuierlich fort- und weiterbilden. Eine moderne Ausbildung muss den Auszubildenden auch die Flexibilität bieten, sich auf die Veränderungen der Arbeitswelt einzustellen, insbesondere auf die Digitalisierung. Ebenso ist es entscheidend, dass wir als Arbeitgeber attraktiv sind – mit guten Arbeitsbedingungen und der Möglichkeit zur Weiterentwicklung.

Unverzagt: Die Ausbilder*innen benötigen nicht nur Fachwissen; sie müssen auch die Fähigkeit haben, die oder den Auszubildende*n durch schwierige Phasen zu begleiten. Die Motivation aufrechtzuerhalten und Auszubildende darin zu bestärken, dass sie die Verantwortung für ihren Erfolg auch selbst übernehmen und gestalten können, ist entscheidend. Und natürlich brauchen wir ein modernes Marketing, das die Zielgruppen anspricht und unser Angebot attraktiv macht.

Lang: Für mich war es wichtig, dass ich während meiner Ausbildung am HRZ nicht nur Theorie gelernt habe, sondern direkt in den Arbeitsalltag integriert wurde. Das hat mir geholfen, schnell eigenständig zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. (…)

Wenn Sie von Schüler*innen gefragt werden, was für eine Ausbildung an der Goethe-Uni spricht und für wen sie vielleicht besonders geeignet ist – was antworten Sie dann?

Sujan: Eine Ausbildung an der Goethe-Universität ist für alle interessant, die praxisorientiert arbeiten möchten, aber dennoch die Möglichkeit haben wollen, an einer der größten Universitäten Deutschlands zu lernen und zu arbeiten. Besonders spannend ist sie für Schulabsolvent*innen, die sich vielleicht noch nicht sicher sind, ob ein Studium das Richtige für sie ist. Aber auch für Berufserfahrene oder Studienabbrecher, die einen neuen Weg einschlagen wollen, ist dies eine Chance. Und: Wir legen großen Wert auf Inklusion – auch Menschen mit Behinderungen sollen die Möglichkeit haben, bei uns ihre Ausbildung zu machen.

Unverzagt: Das Besondere an der Fachinformatiker-Ausbildung an der Goethe-Universität ist die Verbindung von Studium und Praxis auf einem Zukunftsfeld: IT-Infrastruktur und Digitalisierung gewinnen immer mehr an Bedeutung. Jede*r dual Studierende*r oder Auszubildende*r kann sich dabei ein breites berufliches Netzwerk innerhalb der Universität aufbauen und von den interdisziplinären Perspektiven profitieren. Zudem sind die Ausbildungsbedingungen attraktiv, das Umfeld ist jung, dynamisch und international. Wer sich für eine Karriere in der IT interessiert, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.

Lang: Ich hatte mich für die duale Ausbildung am HRZ entschieden, weil sie eine perfekte Kombination aus Theorie und Praxis bietet. Durch meine persönliche Erfahrung liegt mir das Thema Ausbildung am HRZ sehr am Herzen, und es ist mir ein Anliegen, jungen Menschen den Beruf des Fachinformatikers näher zu bringen.

Was ist das Besondere am dualen Studium Informatik und der dualen Ausbildung zum/zur Fachinformatiker*in?

Sujan: Unsere Auszubildenden erlernen nicht nur die grundlegenden IT-Fähigkeiten, sondern können diese auch direkt in realen Projekten anwenden. Gerade das duale Studium bietet dabei eine vertiefte theoretische Ausbildung, gepaart mit der praktischen Umsetzung im Arbeitsumfeld. Dies ermöglicht eine fundierte Ausbildung, die auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmt ist.

Unverzagt: Ein Highlight unserer Ausbildung ist die Vielseitigkeit. Die Fachinformatiker*innen arbeiten nicht nur im klassischen IT-Support, sondern vor allem in der Entwicklung und Beratung, etwa für Studierende, oder in der Verwaltung rund um die Themen IT-Infrastruktur und Digitalisierung von Arbeitsprozessen. Besonders ist auch, dass die Ausbildung im Umfeld einer Hochschule erfolgt, was eine enge Verbindung zur Forschung und Wissenschaft schafft.

Welche Perspektiven bietet die Ausbildung im Bereich Informatik?

Unverzagt: Durch die Kooperationen mit verschiedenen IT-Einheiten an der Uni eröffnen sich viele Möglichkeiten für unsere Auszubildenden. Sie können nach der Ausbildung in einer Vielzahl von Bereichen arbeiten, von der IT-Entwicklung bis hin zur Systemadministration. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften wird in den kommenden Jahren noch zunehmen, und wir möchten unsere Auszubildenden bestens auf diese Herausforderungen vorbereiten.

Lang: Ich wurde nach meiner Ausbildung direkt im HRZ übernommen und habe sofort in einem vertrauten Umfeld meine Kenntnisse weiter vertieft. Ich konnte so einen direkten Mehrwert für mein Team bieten. Auch der Blick über den Tellerrand und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Teams macht Spaß.

Das (hier gekürzte) Gespräch erschien im Intranet der Goethe-Universität (23.04.2025).

Ausbildung und duales Studium am Hochschulrechenzentrum:

tinygu.de/hrz-ausbildung

Kontakt für Abteilungen/Bereiche an der Goethe-Universität, die Interesse haben auszubilden:

Theresa Anton, Ausbildungsleitung, t.anton@em.uni-frankfurt.de

Beitrag über den Runden Tisch Berufsausbildung:

tinygu.de/MnDCt

Foto: Uwe Dettmar

Ein Domizil „made by Goethe”

Der Campus Westend erhält ein weiteres markantes Gebäude: Mit dem neuen Center for Humanisties bekommen auch die Theater-, Film- und Medienwissenschaftler der Uni Frankfurt ein neues Domizil.

2800 Quadratmeter, alles in allem sieben Stockwerke, 180 Büroarbeitsplätze, vier Seminarräume, eine Probebühne und ein großer Multifunktionsraum – dies alles wird das künftige Center for Humanities zu bieten haben, wenn es im Jahr 2026 in Betrieb gehen wird – viel Raum unter anderem für innovative, zukunftsweisende Forschungsprojekte, die aus Drittmitteln gefördert werden. Am 28. Mai 2024 war der offizielle Spatenstich. Der Standort des neuen Centers auf dem Campus Westend in direkter Nachbarschaft zum 2022 fertiggestellten Gebäude der Sprach- und Kulturwissenschaften und zum Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation DIPF ist prominent: An der Ecke von Miquel- und Hansallee wird das Center for Humanities schon von weitem das Erscheinungsbild der Universität prägen.

„Schon der derzeitige Name des Gebäudes verdeutlich das Grundverständnis der Goethe-Universität, dass stark forschende Geistes- und Gesellschaftswissenschaften notwendig sind, um unsere Gesellschaft zukunftsfähig auszugestalten“, betonte Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff beim Spatenstich. Der Neubau soll Büro- und Seminarflächen sowie eine Probebühne für die Theater-, Film- und Medienwissenschaften enthalten und allen Fachbereichen zur Verfügung stehen.

Die Universität hat beim Center for Humanities nicht nur als Bauherrin alle Fäden in der Hand, sondern auch der Architektenentwurf ist „made by Goethe“. Mit der Ausführungsplanung ist das Architekturbüro ArGe Architekten beauftragt (Grafik: ArGe_Architekten)

Von außen einsehbare Probebühne

Eine Besonderheit des Bauprojekts ist: Die gesamte Objektplanung und die Finanzierung des Center for Humanities liegen in der Hand der Goethe-Universität. Der Entwurf stammt von Esref Yavuz, Leiter der Abteilung Planung und Bauen der Universität. Auf seinem Schreibtisch steht das Modell aus weißem Karton, das er während der Pandemie im Homeoffice gebaut – und bei dem er unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt hat. Von Osten und Westen wird das Gebäude ebenerdig zugänglich sein, man gelangt in das großzügige Foyer und kann in einen zweigeschossigen verglasten Raum schauen, der für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden kann. Auf der anderen Seite des Foyers befindet sich die Probebühne, die sich vom Untergeschoss ins Erdgeschoss erstreckt und die auch von außen einsichtig ist. Die Bühne steht für Proben und Aufführungen der Studierenden des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaften zur Verfügung und kann auch vom Universitätsorchester und von der Medientechnik der Universität genutzt werden. „Die Proben von draußen beobachten zu können, das stelle ich mir sehr spannend vor“, sagt Stephanie Köhler-Frank, die als unizugehörige Architektin die Projektleitung innehat. Ein bis zweimal wöchentlich besucht Köhler-Frank die Baustelle, macht sich ein Bild von den Fortschritten, spricht mit der Bauleitung. In ihre Planungsbesprechungen fließen die Erfahrungswerte aus unispezifischer Nutzung ein – ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei den vielen Entscheidungen, die zu treffen sind.

Im Erdgeschoss des Center for Humanities befinden sich außerdem ein Seminarraum und ein Büro. Drei weitere Seminarräume sind im ersten Obergeschoss angelegt, außerdem Lernbereiche für Studierende. In den Stockwerken zwei bis fünf werden rund 180 Büroarbeitsplätze vor allem für Drittmittelprojekte eingerichtet – zum Teil in Einzel- zum Teil in Gruppenbüros. Mit der Ausführungsplanung ist das Architekturbüro ArGe Architekten beauftragt, die Gesamtkosten sind auf rund 20 Millionen Euro veranschlagt. Der Neubau am Campus Westend wird über Drittmittel und ohne Landesbeteiligung errichtet. In seinem Grußwort beim Spatenstich erinnerte Christoph Degen, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, dass mit dem neuen Gebäude „die Standortneuordnung der Goethe-Universität, die die Landesregierung bereits mit über einer Milliarde Euro aus dem Hochschulbauinvestitionsprogramm HEUREKA unterstützt hat, weiter vorangebracht“ werde.

asa/pb

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