Benjamin Fathi will Beschäftigten helfen, Gesundheit und Beruf wieder in Balance zu bringen; Foto: Folkerts

Zu Besuch bei Benjamin Fathi vom Betrieblichen Eingliederungsmanagement.

Der Rücken tut ständig weh. Alle paar Wochen sind die Schmerzen so schlimm, dass an Arbeit nicht zu denken ist. Krankschreibung folgt auf Krankschreibung. Hängen die Probleme mit dem Job zusammen? Erkrankte Mitarbeiter bekommen von der Goethe-Universität Unterstützung. Hierfür ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) als Teil von Personalservices zentraler Ansprechpartner.

Das BEM bietet und koordiniert Hilfe für Beschäftigte, die zum Beispiel nach längerer Arbeitsunfähigkeit wieder an die Uni zurückkehren. Normalerweise greift das BEM erst, wenn jemand innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen krank war. Es soll helfen, erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen und beitragen, den Arbeitsplatz zu erhalten. So sieht es das Sozialgesetzbuch vor.

An der Goethe-Universität gibt es das BEM seit 2011. Im ersten Schritt lädt BEM-Beauftragter Benjamin Fathi länger ausgefallene Mitarbeiter zu einem Gespräch ein. Die Teilnahme daran ist freiwillig. Es gibt zum einen Informationen zu den BEM-Leistungen, zum anderen wird gemeinsam ausgelotet, wie beispielsweise ein stufenweiser Wiedereinstieg am besten gelingen kann.

»Besprechen, was Thema ist und Lösungen finden, um Gesundheit und Beruf wieder in Balance zu bringen und erneuter Arbeitsunfähigkeit vorbeugen«, sagt Fathi. Mitarbeiter, die etwas für sich tun wollen, können auch aktiv das BEM in Anspruch nehmen, »bevor überhaupt längere Arbeitsunfähigkeit droht und unabhängig davon, ob mögliche gesundheitliche Probleme mit dem Arbeitsplatz zusammenhängen«, sagt Fathi.

Auch Vorgesetzte haben im Rahmen der Fürsorgepflicht die Möglichkeit sich an das BEM zu wenden, um für ihre Mitarbeiter etwas zu tun. Das geht über den gesetzlichen Auftrag des Eingliederungsmanagements hinaus. »Es ist eine freiwillige Option der Uni, dass Beschäftigte uns vorsorglich ansprechen und wir unterstützen können«, sagt Fathi. Das BEM nutzt beispielsweise gezielt Gesundheitskurse des internen Weiterbildungsprogramms, sensibilisiert Vorgesetzte für das Thema und gibt Tipps; auch zu Sportmöglichkeiten.

»Der Hochschulsport ist eine gute Adresse«, so Fathi. Er studierte an der Goethe-Uni Sportwissenschaft, Sportmedizin und Psychoanalyse. In Bielefeld absolvierte er eine Zusatzausbildung zum zertifizierten betrieblichen Gesundheitsmanager. Dass die Beschäftigten der Goethe-Uni fit bleiben, liegt auch im Interesse des Arbeitgebers.

»Die Beschäftigten sind der entscheidende Erfolgsfaktor der Goethe Universität. Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten sind uns wichtig«, lautet die ebenso einfache wie einleuchtende Erklärung. Einerseits werden die Menschen in Zukunft länger als bisher im Beruf bleiben, andererseits fehlt bereits an vielen Stellen Nachwuchs. Infolge des demografischen Wandels steigt der Anteil älterer Beschäftigter; altersbedingte Erkrankungen werden zunehmen.

Auch haben ältere Beschäftigte andere Bedürfnisse und Anforderungen an ihre Arbeitsumgebung als jüngere Beschäftigte. Dennoch, ob jung oder alt, die Arbeitsumgebung muss entsprechend den Anforderungen des Beschäftigten gestaltet werden. Fathi macht das an Beispielen deutlich. Jemanden, dessen Sehkraft nachlässt, kann mit einer Bildschirmarbeitsplatzbrille durchaus seinen Job weitermachen. Hierzu bietet die Goethe Universität über den Betriebsarzt Dr. Martin Düvel eine entsprechende Augenuntersuchung an.

Diabetikern wird eine Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung gestellt, um sich in Ruhe versorgen zu können. Das BEM hilft, solche Rahmenbedingungen zu schaffen. Beim Klassiker Rückenschmerz kann das einfach sein: Der Arbeitsplatz wird beispielsweise ergonomisch ausgestattet. Bei psychischen Erkrankungen liegen die Gründe manchmal tiefer. Typisch seien Überforderungssituationen. »Jemand soll mit SAP arbeiten, kommt damit aber nicht klar, weil er mit dem System nicht richtig umgehen kann.

Der Druck wächst. Das kann zu Stress und in manchen Fällen zu Krankheit und Ausfall führen«, weiß Fathi aus der Praxis. In solchen Fällen können Schulung und Qualifizierung helfen, Wissenslücken zu füllen. Ins BEM eingebunden sind zum Beispiel Personalrat, Betriebsarzt und Schwerbehindertenvertretung der GoetheUni. Gemeinsam mit dem Mitarbeiter wird ein Integrationsteam gebildet, das die Gespräche begleitet und berät.

Ob und wer bei den vertraulichen Gesprächen dabei ist, entscheidet der Mitarbeiter. Er kann auch Menschen seines Vertrauens von außerhalb der Uni hinzuholen und jederzeit aus der Runde aussteigen. Erfahrungsgemäß ist es hilfreich, auch mit dem Vorgesetzten über die Eingliederung zu reden und erste Aufgaben zu planen, »um von vorneherein Überforderung zu vermeiden und einen guten Wiedereinstieg zu gewährleisten«.

[Autorin: Monika Hillemacher]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.17 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.