Hochschulrechner, Institut für Informatik (FIAS); Foto: Gabi Otto

40 Jahre Informatik Frankfurt wurden mit einem Festakt begangen

Ein großer Tag für das Institut für Informatik der Goethe-Universität: Es feierte sein 40-jähriges Jubiläum mit einem Festakt am Freitag, den 13. Oktober, ab 14 Uhr im Casino auf dem Campus Westend. Die Universität hatte zusammen mit dem Alumni- und Förderverein hochkarätige Gastredner eingeladen, die ein Bild von der Bedeutung der Informatik und ihrer Forschung zeichneten.

Informatik-Systeme prägen heute den Alltag vieler Menschen in hohem Maß. 40 Jahre des wichtigen und zukunftsorientierten Fachs Informatik an der Goethe-Universität ist eine Erfolgsgeschichte, die wir gemeinsam mit allen Gästen gefeiert haben“, so die Geschäftsführende Direktorin des Instituts, Frau Prof. Dr. Mirjam Minor, mit Blick auf das Ereignis. Der Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI), Prof. Dr.-Ing. Peter Liggesmeyer, spricht über die digitale Transformation.

Der Goethe-Alumnus Prof. Dr. Friedhelm Meyer auf der Heide stellte den Sonderforschungsbereich „On the Fly Computing“ vor. Etliche Ehemalige und Freunde des Instituts nahmen  am feierlichen Jubiläum teil. Zahlreiche Alumni hatten sich angemeldet, wie Prof. Dr. Klaus Waldschmidt als stellvertretender Vorsitzender des Alumni- und Fördervereins erfreut feststellt. Informatik als eigene Disziplin: umfangreiche Entwicklung in vier Jahrzehnten Informatik war nicht von Anfang an eine eigene Forschungsdisziplin, erst Ende der Siebzigerjahre wurde ihre Bedeutung nach und nach erkannt.

Heute hat die Goethe-Informatik eine ausgereifte Struktur. „Wir verwenden gerne das ,Frankfurter Bild‘, um unser Profil darzustellen. Die Informatik braucht Terminals und Flugzeuge“, erklärt Mirjam Minor, Professorin für Wirtschaftsinformatik. Das Terminal A repräsentiert Theorie und Algorithmen, Terminal D steht für „Data Analytics“, das Terminal P stellt Plattformen und Systeme dar. Daran docken die Flugzeuge an, eine der „Flotten“ ist die sogenannte Green IT, die so umfangreich ist, dass sie jüngst einen eigenen Neubau bekommen hat.

Zu ihr gehören die Jumbos Energieeffiziente Rechenzentren, Optimierung von Algorithmen für stromsparende Hardware und Intelligentes Energie- und Komfortmanagement in Gebäuden. Doch der Weg dahin war weit, Informatik war lange als eine Art Hilfswissenschaft ein integraler Bestandteil anderer Forschungsgebiete. Die digitale Datenverarbeitung entwickelte sich aber mit Riesenschritten. Bald war die Lösung der neuen Aufgaben „den traditionellen Fachwissenschaften weder zumutbar noch möglich“, wie es in einem Memorandum vom 1. April 1971 hieß.

Dieses war die Basis für die Gründung des neuen Fachbereichs am 18. November 1976. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten die Professoren Bruno Brosowski, Gerriet Müller, Joachim Niedereichholz und Claus-Peter Schnorr. Während die Informatik zunächst im Jahr 2000 mit der Biologie fusioniert hatte, ist sie seit 2005 mit der Mathematik unter einem neuen Dach. Frankfurter Studiengang als einer der größten und mit besonderem Charakter Was im Wintersemester 1977/78 mit einem absoluten finanziellen Minimalplan und nur 20 Studierenden begann, ist in vier Jahrzehnten zu einem der bundesweit größten Studiengänge mit 2000 angehenden Bachelor- und Master-Informatikern gewachsen.

40 Jahre Informatik im Überblick

  • Erstes Gründungsmemorandum: 1.4.1971
  • Gründungsbeschluss, Sitzung des ständigen Ausschusses II: 18.11.1976
  • Fusion mit dem Fachbereich Biologie: Im Jahr 2000
  • Fusion mit demn Fachbereich Mathematik zum neuen FB 12: Im Jahr 2005
  • Neubau für den Forschungsbereich Green IT (Green Cube), Einweihung: Anfang 2016

Dazu kommen noch die Lehramtsstudiengänge für verschiedene Schularten. „Der Andrang ist hoch, die Absolventen haben beste Berufschancen, die Nachfrage aus der Wirtschaft ist riesig“, berichtet Prof. Minor. Das Institut bietet fünf Studiengänge inklusive Bio- und Wirtschaftsinformatik an, die „forschungsverzahnte Lehre“ mit ihrem breiten Angebot in Frankfurt wird sehr geschätzt. Bereits Anfang der Siebzigerjahre betonten die Initiatoren des Informatik-Fachbereichs, wie bedeutend die Kooperation mit anderen Fachgebieten und den künftigen Nutzern der digitalen Entwicklungen sind.

Die Gründungsväter gaben den Studiengang-Organisatoren mit, dass „die in Zusammenhang mit der Informatik entstehenden Ausbildungsgänge (…) als integrierte Studiengänge so gestaltet werden, dass neben der rein informatik-wissenschaftlichen Komponente immer eine fachwissenschaftliche Orientierung erhalten bleibt.“ Das Besondere am Studium in Frankfurt ist ein sowohl generalistischer als auch spezialisierter Denkansatz.

Der dreijährige Bachelor qualifiziert für die Berufspraxis und schafft die Grundlage für den Masterstudiengang. Ziel des Abschlusses ist, Aufgaben in verschiedenen Anwendungsbereichen bearbeiten, entsprechende Systeme entwickeln und Projekte leiten zu können. 25 Professorinnen und Professoren vermitteln in allen fünf Studiengängen – jeweils Bachelor und Master Informatik und Bioinformatik sowie Master Wirtschaftsinformatik – allgemein aktuelle Methoden für den Umgang mit Daten, Algorithmen und das Programmieren von Systemen.

Schwerpunkte sind Hardware Systems Engineering, Software-Systeme für Wissensverarbeitung, Theoretische Informatik, Visual Computing und Wissenschaftliches Rechnen. Weiteres Fachwissen erwerben die Studierenden der Bio- und Wirtschaftsinformatik an entsprechend spezialisierten Lehrstühlen. In den Lebenswissenschaften spielt das hochaktuelle Gebiet der Computational Neuroscience eine wichtige Rolle.

Digitale Informationsverarbeitung als Schlüsselkompetenz für fast alle Lebensbereiche Die Frankfurter Professoren definieren die digitale Disziplin als die Wissenschaft von der systematischen, vor allem automatischen Verarbeitung von Informationen durch den Einsatz von Computern. Diese dienen dennoch nur als Werkzeug, um theoretische Konzepte praktisch umzusetzen. Als formale Grundlagenwissenschaft hat die Informatik, ähnlich wie die Mathematik, grundlegende Bedeutung für viele andere Wissenschaftsbereiche.

Informatik ist eines der wichtigsten wissenschaftlichen Schlüsselgebiete für die Gesellschaft dieses Jahrhunderts und der Fortschritt ist rasant. Ob PC, Mobiltelefone, das Internet oder vielfältige Anwendungen in der Autoindustrie, Pharma- und Biotechnologiebranche, ob Verkehrsplanung, Klimamodelle und Katastrophenschutz, die technologische Entwicklung ist eng mit dem Wissen über eine effiziente Verarbeitung von Informationen verknüpft.

Für die Zukunft werden Anwendungen in der digitalisierten Wirtschaft – Stichworte Industrie 4.0 oder FinTech – sowie die Informatik in den Lebenswissenschaften eine noch nicht absehbare Bedeutung bekommen und die Arbeitswelt revolutionieren. Auch auf die Frankfurter Informatik kommen also weitere große Aufgaben zu.

[Autorin: Andrea Gerber]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 5.17 (PDF-Download) des UniReport erschienen.