Jobmessen für Studierende und Absolventen der Wirtschaftswissenschaften gibt es zuhauf, aber was ist eigentlich mit den Geistes- und Sozialwissenschaften? Diese Frage stellte sich Jens Blank, Leiter des Career Service an der Goethe-Universität, vor einigen Jahren und trat mit der Idee, diese Lücke zu schließen, an die Stipendiaten des Deutschlandstipendiums im Rahmen des ideellen Förderprogramms heran.

„Eine wirklich großartige Idee, die uns Deutschlandstipendiaten aber einen Haufen Arbeit bescherte“, erinnert sich augenzwinkernd Jacqueline Wagner, die seit drei Jahren zum Organisationsteam gehört. „Es macht uns allen aber einen riesigen Spaß, gerade weil wir angesichts der Vielfalt an Aufgaben und der zahlreichen Kontakte unglaublich viel gelernt haben“, betont die Studentin der Germanistik und BWL. Denn in Vorbereitung einer Jobmesse müsse vieles Neues konzipiert und geplant, vor allem aber müssten Aussteller gefunden werden, damit die Veranstaltung sich über die Vermietung der Stände auch finanziell trägt: „Bei der Ansprache der Unternehmen muss man mit sehr viel Verhandlungsgeschick und Fingerspitzengefühl vorgehen“, weiß Wagner zu berichten. Dabei gelte es auch, Vorurteile abzubauen, denn dass Geistes- und Sozialwissenschaftler nicht nur Lehrer, Verlagsmitarbeiter oder Journalisten werden, sondern auch für Branchen wie Personalvermittlung, Public Relations oder Marktforschung interessant sein können, habe sich noch nicht überall herumgesprochen.

Eine gewisse Offenheit sei auf beiden Seiten wünschenswert, betont Jacqueline Wagner, denn der Arbeitsmarkt habe sich in den letzten Dekaden massiv verändert. Klassische Arbeitsfelder für Geisteswissenschaftler im Bereich Journalismus und Verlagswesen seien geschrumpft; zur gleichen Zeit herrsche in Branchen, in denen traditionell gerne Wirtschaftswissenschaftler oder Juristen eingestellt werden, ein großer Nachholbedarf. Von Personalern werde zunehmend geschätzt, dass beispielsweise Germanisten oder Soziologen über eine hohe kommunikative Fachkompetenz verfügten. Informationen aus unterschiedlichen Wissensgebieten zeitnah aufbereiten und Texte und Formate für heterogene Kontexte und Zielgruppen entwickeln zu können, zeichne diese Absolventen insgesamt aus, so Jacqueline Wagner. Sie sieht gleichwohl auch Defizite bei den Studierenden dieser Fachrichtungen: „Die Studis müssen sich rechtzeitig über Interessen, Fähigkeiten und eben auch Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt klar werden. Einfach nur das Fach zu Ende studieren reicht heute nicht mehr.“ Wagner wünscht sich daher eine noch viel stärkere Praxisorientierung im Studium, das ihr an vielen Stellen zu theoretisch und wissenschaftslastig ausgerichtet ist.

Karriere für den Geist

Karrieretag für Geistes- und Sozialwissenschaftler
8. November 2017, 11.00 bis 16.00 Uhr,
Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend.
www.karriere-fuer-den-geist.de

2016 fand der Karrieretag zum ersten Mal an der Goethe-Uni statt, über 4.000 Studierende besuchten die deutschlandweit erste Karrieremesse für Geistes- und Sozialwissenschaftler. Eine Art Begegnungsplattform zu schaffen sei geglückt, die Rückmeldungen von den beteiligten Unternehmen seien durchweg positiv gewesen, unterstreicht Wagner. Neben einer klassischen Standmesse im Foyer des Hörsaalzentrums wird Anfang November auch ein interessantes Rahmenprogramm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops angeboten. „Sehr zu empfehlen: Die Arbeitsagentur bietet allen Interessierten einen speziellen Bewerbungsunterlagen-Check an“, so der persönliche Tipp von Jacqueline Wagner. Die Messe richte sich zwar im Besonderen an Geistes- und Sozialwissenschaftler, aber: „Auch Studierende anderer Fachrichtungen sind herzlich zum Karrieretag eingeladen.“ Und Jacqueline Wagner ergänzt: „Unternehmen und Institutionen, die sich auf der Messe präsentieren wollen, müssen sich bis zum nächsten Jahr gedulden – der Platz ist schlichtweg bereits voll ausgeschöpft.“

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 5.17 (PDF-Download) des UniReport erschienen.