Kolloquium am Frobenius-Institut präsentiert aktuelle Projekte aus der ethnologischen Forschung

Neueste Felsbildforschungen in Namibia, traditionelle Rituale in Sibirien, das Nachtleben in Istanbul – das Kolloquium des Frobenius-Instituts für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität präsentiert im kommenden Semester aktuelle Forschungsarbeiten aus dem In- und Ausland.

Zum Auftakt spricht am kommenden Montag, 17. Oktober, 16:15 Uhr, Raum 454 im IG-Farben-Gebäude, Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main Patrick Bahners, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, über das Buch „Afrikas Kampf um seine Kunst. Geschichte einer postkolonialen Niederlage“ von Bénédicte Savoy. Savoy, die in Berlin und Paris Kunstgeschichte lehrt, rekonstruiert darin eine Verschwörung deutscher Museumsdirektoren mit der Absicht, Rückgabeforderungen aus Afrika zu vereiteln.

Die Autorin spielte in der Raubkunstdebatte in Frankreich eine große Rolle, da Präsident Macron sie und den senegalesischen Sozialwissenschaftler Felwine Sarr mit einem Bericht zu den Möglichkeiten der Rückgabe afrikanischer Kunst beauftragt hatte. Der Bericht hat gerade in Deutschland starke Reaktionen ausgelöst, in deren Zusammenhang das Eigentum an den Benin-Bronzen an Nigeria übertragen wurde. Unter dem Titel „Eigentum ist Diebstahl?“ durchleuchtet Patrick Bahners nun anhand von Savoys Text die öffentliche Debatte und die Rolle von Wissenschaft und Politik.

Das Forschungskolloquium, das ein großes Spektrum von Themen aufspannt, findet jeweils montags von 16:15 bis 17:45 Uhr im IG-Farben-Gebäude, Raum 454 statt. Die Vorträge sind zum Teil in deutscher, zum Teil in englischer Sprache. Geleitet wird das Kolloquium von Prof. Roland Hardenberg, Direktor des Frobenius-Instituts für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität.

Die Termine

17. Oktober 2022
Eigentum ist Diebstahl?
Bénédicte Savoy und die deutschen Museen
Patrick Bahners, Frankfurter Allgemeine Zeitung

24. Oktober 2022
The substances of distant intimacies: Handling social relations through material objects in a Kyrgyz village
Louise Bechtold, Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung

31. Oktober 2022
Sahlins, Graeber und die “theory of value”
Erhard Schüttpelz, Universität Siegen

7. November 2022
Teaming up with termites: Appraising the termites’ contributions to earth technologies in West Africa
Jan Jansen, Leiden University

14. November 2022
„A jiboia não para”, the boa does not stop: Ayahuasca as a relational resource for the Huni Kuin of the Jordão river
Felix Uhl, Goethe-Universität

21. November 2022
Morals of the market: Negotiating value pluralism in Istanbul’s nightlife scene
Samuel Williams, Max-Plack-Institut für ethnologische Forschung, Halle (Saale)

28. November 2022
Das ob-ugrische Bärenfest, ein sibirischer Ritualkomplex zwischen Paternalismus, Extraktivismus und Perspektivismus
Stephan Dudeck, University of Tartu, Estonia

12. Dezember 2022
Tätigkeiten und Angebote des FID Sozial- und Kulturanthropologie
Matthias Harbeck, Humboldt-Universität Berlin

19. Dezember 2022
The changing role of the museum around the world
François Mairesse, Sorbonne Nouvelle, Paris

9. Januar 2023
Geschichten aus der Steinzeit: Frankfurter Felsbildforschung in Namibia
Gabriele Franke, Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung

23. Januar 2023
On the saf(v)e side: informal economic associations in the Ethiopian diaspora
Kim Glück, Kelemework Tafere Reda, Sophia Thubauville,
Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung

30. Januar 2023
Broadcasting history at Radio Rurale de Kayes (1980s–2000s): Radiophonic genres, cultural brokerage and the transformation of knowledge in Mali
Aissatou Mbodj-Pouye CNRS, Paris

6. Februar 2023
Schooling dilemmas: Conflicts over education, children and agro-pastoralism on Ethiopia’s Southwestern Frontier
Sabrina Maurus Universität Bayreuth

Das ausführliche Programm finden Sie hier.

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