Dr. Michael Kopatz

Am 21. November hielt der Umweltwissenschaftler und Autor Dr. Michael Kopatz im Rahmen der Abfallvermeidungswoche einen Vortrag an der Goethe-Universität. Sein Thema: „Ökoroutine – befreit die Konsumenten. Damit wir tun, was wir für richtig halten“. Ein Resümee:

Alle sind für den Klimaschutz, aber keiner will sich einschränken. Kollektiv wollen wir den Wandel, individuell möchten nur Wenige den Anfang machen. „Als Einzelner hat man ständig das Gefühl der Ohnmacht und des Scheiterns – also müssen wir das im Kollektiv machen. Das nennt man Politik“, so Kopatz.

Veränderungen finden statt, sie fallen aber nicht vom Himmel
Wie Veränderungen funktionieren, erklärt Kopatz folgendermaßen: „Wir brauchen neben der Technik soziale Veränderungen. Veränderungen unserer Gewohnheiten und Lebensstile. […] Damit sich unsere Gewohnheiten verändern, müssen sich unsere Verhältnisse und Strukturen verändern […] Veränderte Strukturen verändern Routinen.“ Ein Beispiel: Wenn der Bus auf der eigenen Spur Vorfahrt hat, wenn weniger Parkplätze in den Städten zur Verfügung stehen, wird das Autofahren zunehmend unattraktiv und alternative Mobilitätsformen interessanter.

Überraschungseffekt: Die Botschaft ist simpel
Im Mittelpunkt steht deshalb die Therapie, nicht die Diagnose. Kopatz nimmt den sozial-kulturellen Wandel in den Blick, nicht die Technik. Es geht um konkrete Maßnahmen, nicht um ferne Ziele. In seinem Buch Ökoroutine gibt er die Hoffnung nicht auf, dass geschehen kann, was geschehen muss. Damit wir tun, was wir für richtig halten.

Was bedeutet denn nun Klimaschutz für den Einzelnen?
„Es gibt Frustrationserlebnisse. Aber immer dann stelle ich mir vor, wie mich meine Enkelkinder irgendwann fragen: ‚Opa – sag mal: Was hast du denn eigentlich gegen die Klimakrise getan?‘, und dann möchte ich sagen können: ‚Ich habe dagegen gekämpft.’“, erzählt Michael Kopatz. Nachhaltig leben heiße, so zu leben, dass auch für andere und für die folgenden Generationen etwas übrigbleibt. Das könne mit den richtigen Einstellungen ganz einfach sein. Kopatz‘ Beispiel für eine solche Selbstmotivierung: Radfahren kann man nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für das gute Gefühl. Frei nach dem Motto „verbrennt Fett, spart Geld“, im Gegensatz zum Auto („verbrennt Geld, macht Fett“).

Was also tun?
Wie wir leben, ist entscheidend. Das betrifft unseren Lebensstil, unser Konsumverhalten, unsere Einstellung zum Zusammenleben und zum Protest gegen Missstände. Dr. Michael Kopatz bringt die Tatsachen auf den Punkt: „Das wir aktiv sind, dass ich aktiv bin – das ist meine einzige Chance, etwas zu erreichen.“ Ein Vortrag, der inspiriert und bewegt. Ein Kollege erklärt „Den Sticker ‚Verbrennt Fett, spart Geld‘ klebe ich mit direkt aufs Fahrrad.“ Die Motivation ist da! Die Umsetzung kann zur Routine werden. Kopatz‘ Fazit: „Es muss jeder bei sich selbst anfangen. Aber: Öffentlicher Protest ist wichtiger als privater Konsumprotest.“

[Autorin: Patrizia Neuhofer, Energiemanagement]

Fragen? Ideen? Anregungen? Gerne an energiemanagement@uni-frankfurt.de.

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