Seeleute beim Abspecken eines Grönlandwales, um 1700, unbekannter Zeichner. Die Seeleute benutzen lange „Flensmesser‘ und tragen an den Schuhen sog. Specksporen, damit sie nicht ausrutschen und ins Wasser fallen. Die Seetiere rings herum sind Seeteufel, gefleckter großer Sandaal, Hering und Garnele. (Foto: Schifffahrtmuseum Amsterdam)

Über den niederländischen Walfang vom 16. bis 19. Jahrhundert handelt ein Vortrag in der Veranstaltungsreihe „Niederländische Sprache und Kultur“ des Lektorats Niederländisch am Institut für deutsche Literatur und Didaktik. Die ursprünglich für diesen Termin geplante literarische Lesung mit Alfred Birney wurde wegen Krankheit abgesagt.

Was ursprünglich eine Art „Beifang“ war, wurde bald zu einem blühenden Wirtschaftszweig für die Niederlande: Um 1600 machten sich Entdeckungsreisende wie Willem Barendsz auf den Weg zum Nordpol, weil sie eine kürzere Route zu den Gewürzfeldern Asiens finden wollten als die bekannte über das Kap der Guten Hoffnung. Auf der Reise über das Meer wurden zahlreiche Wale gesichtet. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich daraus der arktische Walfang.

Detail eines Eckschrankes aus Nadelholz (1780-1850). Museum Sorgdrager, Ameland. (Foto: Jan van Dijk)

In ihrem Buch „Walvissen groot en vet. Nederlanders op walvisvaart in het Hoge Noorden“ haben Dr. Hans Beelen und Ingrid Biesheuvel Reiseberichte aus den Hochzeiten des Walfangs gesammelt, die deutlich machen, mit welchen Entbehrungen und mitunter Katastrophen dieser verbunden war. Anhand einiger dieser Reise- und Überwinterungsberichte wird Hans Beelen am Mittwoch, 6. Februar, 19 Uhr im Casinogebäude, Raum 1.812 (Campus Westend)darstellen, wie die Seeleute damals den hohen Norden erlebten und wie sie versuchten, mit den schwierigen Witterungsverhältnissen zurechtzukommen.

Dramatische Ereignisse spielten sich ab: Walfangschiffe wurden vom Eis zerdrückt, zahlreiche Seefahrer fielen den Naturgewalten zum Opfer. Die Schilderungen zeigen, wie sehr sich die Erfahrungen mit der Natur und die Sicht auf sie von der heutigen unterschieden.

Walfang auf hoher See, um 1660. Die Buchstaben GIS auf der Fahne verweisen auf den Verleger: Gillis Joosten Saeghmann. Aus: Drie Voyagien gedaen na Groenlandt. Amsterdam, ca. 1665. (Foto: UB Utrecht)

Das Sammeln und Veröffentlichen von Berichten arktischer Walfänger ist Teil eines größeren Unterfangens der „Stiftung Freiwilligennetzwerk Niederländische Sprache“ (SVNT), dessen Mitkoordinator Hans Beelen ist. Die Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, niederländische historische Texte zu transkribieren und digital und interaktiv für alle zugänglich zu machen. Der reich bebilderte Vortrag wird auf Deutsch sein, die vorgelesenen Fragmente auf Niederländisch.