Prof. Ferdinand Gerlach. Foto: Uwe Dettmar

Prof. Ferdinand Gerlach. Foto: Uwe Dettmar

„Viel hilft viel“ – daran sind bereits in der Vergangenheit erste Zweifel aufgekommen. Spätestens seit der Ringvorlesung zum Thema Quartärprävention wissen wir noch genauer, dass weniger oftmals mehr sein kann.

Welche Megatrends und Besonderheiten beeinflussen das deutsche Gesundheitswesen und welche Herausforderungen ergebenden sich daraus für die Zukunft? Diese Fragen beantwortete Prof. Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität und Deutschlands „oberster Gesundheitsweiser“ in der Ringvorlesung „Was hilft heilen?“. Gerlach ist zudem amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM).

Überzeugend veranschaulichte Gerlach zeigen, dass im Alltag der medizinischen Versorgung Über-, Unter- und Fehlversorgung nebeneinander existieren und mancherorts zu allerlei Absurditäten führen. Dabei spielt vor allem die Überversorgung eine zentrale Rolle, die insbesondere auch von vielen Ärztinnen und Ärzten selbst als eklatante Verschwendung wahrgenommen wird. Ein „Zuviel“ an der einen Stelle kann dann nicht nur die Gesundheit beeinträchtigen oder zumindest keinen Mehrwert erzielen, sondern führt ebenso dazu, dass die begrenzten Ressourcen unseres Gesundheitssystems an anderer Stelle fehlen werden.

Doch worin liegen die Ursachen für solche Fehlverteilungen? Gerlach spricht hier unter anderem von einer „organisierten Verantwortungslosigkeit“, die sich aus falschen Systemanreizen, falschen Angebotskapazitäten und einer sektoralen Trennung bzw. mangelhaften Koordination zusammensetzt.

Wann ist eine Behandlung angemessen? Aus seiner Sicht als Vorsitzender des Sachverständigenrats fordert Gerlach, neben einer evidenzbasierten Medizin stets auch die ärztliche Beurteilung des Einzelfalls sowie die Präferenzen des jeweiligen Patienten in die medizinische Versorgung einfließen zu lassen.

Zum Abschluss gab Prof. Gerlach den anwesenden Ärzten, Ärztinnen und Medizinstudierenden konkrete Vorschläge an die Hand, wie diese in Zukunft Über-, Unter- und Fehlversorgung zumindest ein Stück weit vermeiden können. Die hohe Relevanz und das große Interesse am Thema wurden abschließenden durch eine rege Diskussion zwischen dem Referenten und den Zuhörern bestätigt.

Die letzte Vorlesung der Ringvorlesungsreihe „Was hilft heilen?“ des Instituts für Allgemeinmedizin findet am 5. Oktober zum Thema „Choosing Wisely – Less is more, more or less“ mit Prof. James McCormack (Kanada) statt.

Berichte über die bisherigen Vorlesungen:

Auftaktveranstaltung mit Eckhart von Hirschhausen: Von Gesundheitswahn, Humor und Heilung

 

 

 

 

Tobias Esch: Glück ist potentiell gesund

 

 

 

 

 

Annelie Keil: Was hilft heilen? Das Leben selbst

 

 

 

 

 

Alle Informationen zur Ringvorlesung sind hier nachzulesen.