Frauenherzen schlagen anders

Warum Frauen häufiger am Herzinfarkt sterben als Männer

Frauen haben nach einem Herzinfarkt schlechtere Überlebenschancen als Männer. Warum das so ist und wie man dem entgegenwirken kann – damit beschäftigt sich die Frankfurter Kardiologin und Forscherin Lena Marie Seegers vom Universitätsklinikum Frankfurt. Sie hat sich in ihrer Forschung den geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen gewidmet. Seegers leitet am Universitätsklinikum das neu gegründete Women’s Heart Health Center Frankfurt, das erste universitäre Frauenherzzentrum Deutschlands.

Untersuchte erstmalig die geschlechtsspezifischen Unterschiede von atherosklerotischen Ablagerungen am Herzen und erhielt dafür den Martina Grote-Wissenschaftspreis »Frauenherzen« von der Deutschen Herzstiftung: Dr. Lena Marie Seegers. Foto: Jürgen Lecher

Müdigkeit, Angst, Übelkeit, Luftnot, Kribbeln in den Händen – Symptome, die auf viele Krankheiten hindeuten. Sie können aber auch Anzeichen für einen Herzinfarkt sein. Bei Frauen. Denn Frauen zeigen bei einem Herzinfarkt häufiger unspezifische Symptome als Männer. »Bildgebende Studien haben bereits Unterschiede bei der koronaren Herzerkrankung zwischen Frauen und Männern nachgewiesen«, sagt Lena Marie Seegers, Assistenzärztin in der Medizinischen Klinik 3: Kardiologie, Angiologie am Universitätsklinikum Frankfurt (UKF). Dennoch erkennen Ärztinnen und Ärzte einen Herzinfarkt bei Frauen seltener als bei Männern. Das hat gefährliche Folgen: Frauen werden seltener reanimiert als Männer – und sie sterben häufiger an einem Herzinfarkt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache bei Frauen.

Ein Herzinfarkt ist ein medizinischer Notfall. Dabei zählt jede Minute.

Lena Marie Seegers hat bei der Erforschung von Ablagerungen, medizinisch Plaques genannt, in den Herzkranzgefäßen deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen festgestellt. Sie fand heraus: Bei Männern scheint eine Gefäßentzündung der vorherrschende Mechanismus bei der Entstehung von Arteriosklerose zu sein, während bei Frauen andere, weniger entzündliche Mechanismen eine Schlüsselrolle spielen könnten. »Dieser Unterschied in der Entwicklung von atherosklerotischen Plaques bei Frauen könnte darauf hindeuten, dass andere therapeutische Ansätze erforderlich sind.« Seegers Studie ist die erste, die die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Plaques bei Patienten mit chronischem Koronarsyndrom untersucht. Die Kardiologin möchte das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Atherosklerose- Forschung deutlich erhöhen.

Geschlechtsspezifische Forschung soll weiter gestärkt werden

Die 33-jährige Kardiologin leitet das 2023 gegründete Women’s Heart Health Center Frankfurt (WHHC) am Universitätsklinikum Frankfurt. Hier geht es darum, spezialisierte Forschung zu betreiben und personalisierte Therapien anzubieten, die optimal auf die einzelnen Patientinnen und Patienten zugeschnitten sind. »Mit einer patienten- und ausdrücklich auch patientinnenorientierten Herzmedizin verfolgen wir das Ziel, die hohe kardiovaskuläre Sterblichkeit in Deutschland endlich zu senken«, betont Prof. David Leistner. Der Direktor der Kardiologie am Universitätsklinikum Frankfurt hat deshalb Lena Marie Seegers aus Harvard nach Frankfurt geholt. Denn in den USA hatte sie sich bereits mit intrakoronarer Bildgebung und Frauenkardiologie beschäftigt. Am neuen Frankfurter Frauenherzzentrum wollen Seegers und Leistner nun mit einem Team Risikopatientinnen genauer und über einen längeren Zeitraum untersuchen. Ziel ist es, medizinische Thesen zum weiblichen Herzinfarkt zu überprüfen. Damit in Zukunft weniger Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben. (hjü)

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