Standpunkte

Liebe Alumni und Freunde der Goethe-Universität,

»Quod non est in actis non est in mundo« – nur was in Akten steht existiert auch. In einem Archiv liegen Akten. Im Universitätsarchiv werden die wichtigsten Akten des Präsidiums, der Zentralen Universitätsverwaltung, der 16 Fachbereiche sowie der Universitätsbibliothek bewahrt. Das Frankfurter Universitätsarchiv, kurz: UAF, besteht seit dem Jahr 2002. Es ist, gemäß seiner Satzung, dem Präsidium unterstellt. An der Spitze des UAF steht der Archivar der Universität. Zum UAF gehören seit 2005 die Kunstsammlung der Universität sowie seit 2011 das Literaturarchiv der Goethe-Universität (vormals Archiv der Peter Suhrkamp Stiftung).

PD Dr. Michael Maaser, Leiter Universitätsarchiv. Foto: Peter Kiefer

Ein Archiv ist keine Sammlung. Es geht nicht darum, Aktentürme zu bauen, sondern Bestände vor Übernahme in das UAF zu bewerten. Dabei sind Kenntnisse der Archivkunde nur eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für den Universitätsarchivar: Welche Materialien muss er gesetzlich auf Dauer aufbewahren und welche Unterlagen sind darüber hinaus archivwürdig? An einer Hochschule sollte der Archivar deshalb auch Historiker sein. Denn die Aktenablage ist nur ein Auftrag eines Archivs. Die andere, genauso wichtige Aufgabe, ist, Informationen aus den Akten bereitzustellen, nicht nur für die Institution selbst, sondern auch für Wissenschaftlerinnen und Forscher, die sich mit einem Thema der Universitätsgeschichte beschäftigen. Das können auch Studierende sein, die überdies im UAF den Umgang mit einem professionellen öffentlichen Archiv kennenlernen. Zurzeit stellen Studierende ein Drittel der Anfragen an das Universitätsarchiv.

Das heißt, im UAF geht es zum einen um die Dokumentation von Verwaltungshandeln, zum anderen um Rechtssicherheit (zum Beispiel im Bereich der Stiftungen oder Eigentumsverhältnisse) und um die Erteilung von Auskünften zur Geschichte der Universität. Noch nie produzierte die Goethe-Universität so viel Papier wie in den letzten Jahren. Hinzu kommen Mengen an elektronischen Daten, die nicht nur auf ihre Archivwürdigkeit zu prüfen sind, sondern in einzelnen Fällen auf lange Sicht gespeichert werden müssen. Das UAF ist ein Vorreiter der digitalen Langzeitarchivierung. Im Januar 2018 erfolgte mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zur Gründung eines »Digitalen Archivs der Hochschulen in Hessen « (DAHH) durch die Präsidentinnen und Präsidenten der Universitäten Darmstadt, Frankfurt, Gießen und Marburg ein wichtiger Schritt zur Sicherung der digitalen Unterlagen der hessischen Hochschulen. Damit existiert eine Strategie zur Langzeitarchivierung digitaler Unterlagen an der Goethe-Universität.

Vor einigen Jahren stellte mir ein frisch gewählter Präsident die Frage, wozu die Universität denn ein eigenes Archiv brauche. Ich antwortete ihm mit dem Hinweis auf den Renaissance- Humanisten Angelo Poliziano. Der erklärte seinem Herrscher auf die gleiche Frage, dass er doch bloß Materialien bewahre, welche die Unsterblichkeit des Königs garantierten. Seitdem ist das Universitätsarchiv ein fester Bestandteil der Verwaltung, Forschung und Lehre an der Goethe-Universität.

Ihr
Michael Maaser
Archivar der Goethe-Universität

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