Drei Sonderforschungsbereiche an der Goethe-Universität erhalten Fördergelder

Für weitere vier Jahre fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Sonderforschungsbereich/Transregio 288 der Goethe-Universität, in dem Quantenmaterialien mit ungewöhnlichen Eigenschaften erkundet werden. An zwei neuen SFB/Transregios ist die Goethe-Universität als Mitantragstellerin beteiligt. Hier geht es um die Neuropsychobiologie der Aggression und um die Verwendung des zellulären Ubiqitinsystems zur Entwicklung neuer Krebswirkstoffe.

Im Labor (Czochralski-Verfahren) und am Computer entstehen innerhalb des SFB/Transregio Quantenmaterialien mit überraschenden Eigenschaften. Foto: AG Cornelius Krellner

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, hebt die Bedeutung der Sonderforschungsbereiche hervor: „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität haben mit der erfolgreichen Beantragung der Sonderforschungsbereiche Großartiges geleistet und zukunftsweisende Forschungskonzepte vorgelegt. Ich gratuliere ihnen dazu herzlich im Namen des ganzen Präsidiums. In allen Sonderforschungsbereichen zeigt, sich, wie gut unsere Forschenden vernetzt sind, vor allem mit unseren Partnern im Verbund der Rhein-Main-Universitäten, RMU.“

Präsident Schleiff führt weiter aus: „Ich freue mich sehr, dass der Transregio ELASTO-Q-MAT seine erfolgreiche Forschung an den faszinierenden Quantenmaterialen fortsetzen kann. Dieses Projekt ist ein Anker unseres Forschungsprofilbereichs Raum-Zeit-Materie, während die beiden Transregios zur Aggressions- und zur Krebsforschung Ausdruck unserer Stärke im Profilbereich Molekulare und Translationale Medizin sind.“

Quantenmaterialien verändern bei sehr tiefen Temperaturen ihre Eigenschaften. Supraleiter, die zu den bekanntesten Quantenmaterialien gehören, verlieren bei hohen Minusgraden ihren elektrischen Widerstand und leiten so Strom verlustfrei. Der SFB/Transregio 288 „Elastisches Tuning und elastische Reaktion elektronischer Quantenphasen der Materie (ELASTO-Q-MAT)“ untersucht Quantenmaterialien, die ihre Eigenschaften verändern, wenn sie elastisch verformt werden. Im Zusammenspiel zwischen Theorie und Experiment gelang zum Beispiel die Züchtung eines Kristalls, der – bei einer Temperatur von minus 100 Grad Celsius – seinen Magnetismus verliert, wenn auf ihn Druck ausgeübt wird, und wieder magnetisch wird, sobald der Druck nachlässt. Ziel ist es, die Funktionsweise solcher Altermagneten und anderer Quantenmaterialien wie nematische Quantenflüssigkeiten oder elastokalorische Kühlflüssigkeiten zu verstehen und die Materialien herzustellen und zu untersuchen. Die DFG fördert den TRR 288 bis 2028 mit insgesamt rund 12,8 Millionen Euro.

SFB/Transregio 288:
Koordination: Goethe-Universität Frankfurt
Weitere Antragstellerinnen: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Karlsruher Institut für Technologie

Partner: Ruhr-Universität Bochum, Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, Dresden, Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie, Hamburg
https://transregio288.org
siehe auch: https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/135970852.pdf

Mitantragstellerin ist die Goethe-Universität an folgenden beiden Sonderforschungsbereichen:

Aggression ist ein Symptom ganz unterschiedlicher psychischer Erkrankungen wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie, ADHS oder bipolarer Störungen. Der SFB/Transregio 379 „Neuropsychobiologie der Aggression: Ein transdiagnostischer Ansatz bei psychischen Störungen“ will verstehen, wie bei solchen Erkrankungen Gene, molekulare Mechanismen, Hormone und Nervenschaltungen auf aggressives Verhalten einwirken. Ziel ist es, aggressives Verhalten zum Beispiel als Reaktion auf Bedrohung oder Frustration vorherzusagen und Biomoleküle zu identifizieren, die es beeinflussen. In einer Längsschnittstudie mit Erkrankten wird der Verbund zudem untersuchen, wie sich das Aggressionsverhalten im Verhältnis zur psychischen Erkrankung entwickelt, um kritische Perioden sowie Zeitfenster für die Aggressionsprävention zu identifizieren. Die DFG fördert den TRR 379 bis 2028 mit insgesamt rund 16 Millionen Euro.

SFB/Transregio 379:
Koordination: RWTH Aachen
Weitere Antragstellerinnen: Goethe-Universität Frankfurt, Universität Heidelberg

Partner: Forschungszentrum Jülich, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Neben genetisch bedingte Konstruktionsmängeln von Proteinen kann Krebs durch Fehler verursacht werden, die erst nach der Fertigstellung der Proteine entstehen. Der SFB/Transregio 387: „Funktionalisierung des Ubiquitin-Systems gegen Krebs (UbiQancer)“ will ein zelluläres Proteinmanagementsystem als Basis für die Entwicklung von Therapien gegen Lungen- und Darmkrebs, Akute Myeloische Leukämie (AML) sowie die Blutkrebsformen B-Zell-Neoplasien nutzen, das in die Veränderung und den Abbau eines Großteils der zellulären Proteine involviert ist: das Ubiquitin-System. Der Verbund will Wirkstoffe entwickeln, die dieses System beeinflussen, sodass die Zelle fehlerhafte Proteine gezielt abbaut. Die DFG fördert den TRR 387 bis 2028 mit insgesamt rund 18 Millionen Euro.

SFB/Transregio 387:
Koordination: Technische Universität München

Weitere Antragstellerinnen: Goethe-Universität Frankfurt, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Partner: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Helmholtz Zentrum München, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Universitätsmedizin Mainz, Max-Planck-Institut für Biochemie, Martinsried

Sonderforschungsbereiche sind auf die Dauer von bis zu zwölf Jahren angelegte Forschungseinrichtungen der Hochschulen, in denen Wissenschaftler*innen im Rahmen eines fächerübergreifenden Forschungsprogramms zusammenarbeiten. Gefördert werden innovative, anspruchsvolle, aufwendiger und längerfristiger konzipierte Forschungsvorhaben, die der institutionellen Schwerpunkt- und Strukturbildung in den antragstellenden Hochschulen dienen. Während ein klassischer Sonderforschungsbereich (SFB) von einer Hochschule beantragt und getragen wird, werden SFB/Transregios von zwei oder drei Hochschulen gemeinsam beantragt und getragen. Mehr unter

Weitere Informationen
Sprecherin SFB/TRR 288
Prof. Dr. Roser Valentí
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798 47816
valenti@itp.uni-frankfurt.de

SFB/Transregio 379 „Neuropsychobiologie der Aggression: Ein transdiagnostischer Ansatz bei psychischen Störungen“: https://www.rwth-aachen.de

SFB/Transregio 387: „Funktionalisierung des Ubiquitin-Systems gegen Krebs (UbiQancer): https://www.tum.de

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