Vor dem Start: Das EXCISS-Team in Virginia (USA) mit einem Modell ihres Experiments.

Eine Antares-Rakete ist am 17. November 2018 um 10:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit von Virginia (USA) zur ISS gestartet. An Bord befindet sich das Studierendenexperiment EXCISS des „Überflieger“-Wettbewerbs des DLR Raumfahrtmanagements. Das Frankfurter Experiment befasst sich mit der Entstehung von Planeten und wird voraussichtlich Mitte Januar 2019 mit einer Dragon-Kapsel wieder zur Erde zurückkehren.

Es ist nur ein kleines Frachtstück, gerade mal so groß wie eine Schulbrotdose, und dennoch: die Anspannung unter dem Studierendenteam ist förmlich zu spüren. Fast zwei Jahre Entwicklungsarbeit liegen hinter ihnen. Jetzt endlich soll die kleine grüne Kiste zur internationalen Raumstation ISS fliegen. Der Inhalt des 10 mal 10 mal 15 Zentimeter großen Containers: ein Experiment, das auf der ISS vom deutschen Kapitän der Mission „Horizon“, Alexander Gerst, durchgeführt werden soll. Es befindet sich in einem Cygnus-Transporter an Bord der Antares-Rakete, die am 17. November 2018 um 10.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit (4.01 Uhr Ortszeit) von Wallops Island, Virginia (USA) zur ISS gestartet ist. „Mit Vorfreude und auch Anspannung haben wir den Raketenstart beobachtet. Jetzt sind wir natürlich froh, dass alles geklappt hat und dass unser Experiment demnächst auf der ISS ankommen wird“, erzählt Tamara Koch, EXCISS-Teamleiterin. Immerhin zwei Mal musste der Start der Trägerrakete wegen schlechten Wetters verschoben werden. Das zerrt an den Nerven.

Das Studierendenteam der Goethe-Universität gehört zu den Gewinnern des „Überflieger“-Wettbewerbs des Raumfahrtmanagements im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Gewinn der jungen Forscherinnen und Forscher besteht darin, ein eigenes Experiment auf die ISS zu schicken und unter den Bedingungen des Weltraums forschen zu können.

Das Experiment überprüft Blitztheorie

Der Versuchsaufbau der Frankfurter heißt EXCISS. Es geht der Frage nach, wie die sogenannten Chondren entstanden sind. Sie sind die Grundbausteine, aus denen sich später die Planeten gebildet haben könnten. Bis heute ist das nicht geklärt. Die Jungforscher untersuchen, ob Blitze die Staubpartikel im frühen Sonnensystem so stark aufheizen konnten, dass sie zu Chondren verschmolzen: „Wir möchten Staubpartikel unter Bedingungen, wie sie im solaren Nebel geherrscht haben, kollidieren und durch Blitze verschmelzen lassen“, erklärt Tamara Koch. „Die so gebildeten Staubklümpchen beschießen wir wiederholt mit Blitzen.“ Dafür wird eine kleine Menge an Sandstaubpartikeln, die sich in einer Glaskammer befindet, Hochspannungsblitzen ausgesetzt. Eine winzige hochauflösende Kamera filmt, wie die Partikel dabei schmelzen und mit anderen zusammenklumpen. Die Schwerelosigkeit im Weltall sorgt für realistische Bedingungen.

Start der Antares-Rakete von Wallops Island, Virginia (USA), 17.11.2018: An Bord befindet sich das „Überflieger“-Experiment EXCISS von Frankfurter Studierenden.

Alle sind ein wenig EXCISS

Das EXCISS-Team durchlief mit seinem Projekt den gesamten Prozess einer realen Raumfahrtmission – von der Ausarbeitung des wissenschaftlichen Ziels, über das Entwerfen eines technischen Designs und die notwendigen Tests bis hin zum Betrieb des Experiments auf der ISS. Auf der Raumstation soll das EXCISS-Experiment mindestens 30 Tage lang in Betrieb sein. Voraussichtlich Mitte Januar 2019 wird die kleine grüne Kiste mit einer Dragon-Kapsel wieder zur Erde zurückkehren. Dann können die Studierenden weitere Analysen durchführen.

„So ein Projekt ist eine einmalige Lebenserfahrung,“ sagt Prof. Frank Brenker, der zusammen mit seinem Kollegen Prof. Björn Winkler das Projekt begleitet. Der Astromineraloge initiierte die Projektteilnahme der Studierenden aus den Geowissenschaften und der Physik: „Ein eigenes Experiment auf der ISS, das ist für die Studenten ein Traum und gleichzeitig der Sprung ins kalte Wasser.“ Nebenbei lernen sie, für die Mission EXCISS zu werben. Flyer zu entwerfen, eine Homepage zu bauen, Vorträge vor potentiellen Geldgebern zu halten, Fragen von Journalisten zu beantworten. Das machen sie so charmant und kompetent, als ob sie routinierte Weltraumforscher wären. Klappt das Experiment auf der ISS, wird es den Frankfurtern viel Öffentlichkeit und wissenschaftliche Anerkennung bringen.(hjü)

Autorin: Heike Jüngst

Dieser Artikel erscheint am 30. November 2019 in der nächsten Ausgabe des Alumni-Magazins EINBLICK. Mehr Informationen »