Die Goethe-Universität gehört zu den Gründungsmitgliedern des „Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mitteilte, wird die größte hessische Hochschule jetzt gemeinsam mit zehn weiteren Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen ein Forschungsprogramm und eine Lenkungsstruktur für das dezentral angelegte Institut erarbeiten. In der einjährigen Vorphase fördert das BMBF jede der beteiligten, in einem wissenschaftsgeleiteten Wettbewerb ausgewählten Institutionen mit einem Startbetrag. Für die daran anschließende vierjährige Hauptphase stehen laut BMBF insgesamt 36 Millionen Euro zur Verfügung. Das Forschungsministerium stellt eine Verlängerung um weitere fünf Jahre in Aussicht. Danach ist eine Verstetigung des Instituts angedacht.

Ziel der interdisziplinären Frankfurter Forschergruppe ist es, neue Formen sozialer Pluralität und ihre Auswirkungen auf den Austrag gesellschaftlicher Konflikte zu untersuchen und die Bedingungen produktiver Konflikte als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erkennen und praktisch nutzbar zu machen. Das positiv beurteilte Projekt der Goethe-Universität, das normativ und empirisch ausgerichtet ist, stellt die Frage nach den Bedingungen produktiven Streits. Denn, so die Hypothese, es ist nicht in erster Linie Gemeinsinn als feststehende kulturelle Ressource, sondern der produktive Austrag von Konflikten, der moderne Gesellschaften integriert. Wo die Pluralität individueller Gruppenzugehörigkeit anerkannt und die Auseinandersetzung über widerstreitende Positionen durch politische Institutionen und zivilgesellschaftliche Mechanismen eingehegt wird, entsteht gesellschaftlicher Zusammenhalt innerhalb einer demokratischen normativen Ordnung.

Das Frankfurter Projekt gliedert sich in drei Teilaspekte: Es will erstens zur grundbegrifflichen Klärung des (nicht leicht zu definierenden) Konzepts „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ beitragen, indem die konstitutive Bedeutung von Pluralität und Konflikt für gesellschaftlichen Zusammenhalt herausgearbeitet wird. Zweitens sollen neue Formen sozialer Pluralität untersucht und ihre Auswirkungen auf den Austrag gesellschaftlicher Konflikte empirisch analysiert werden. Der dritte Punkt zielt auf Konzepte für eine Erneuerung der Konfliktkultur, indem die integrative Kraft von Institutionen und Verfahren erforscht wird, die Konflikte nicht nur zulassen, sondern produktiv gestalten und Vertrauen schaffen.

Projektleiterin in Frankfurt ist Prof. Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen, Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung; als stellvertretende Sprecher fungieren Prof. Daniela Grunow, Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Quantitative Analysen gesellschaftlichen Wandels, und Prof. Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie sowie Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Die Arbeit in dem neuen Institut baut auf der bereits elfjährigen Zusammenarbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und dem Frankfurter Fachbereich Gesellschaftswissenschaften auf.

Der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein beglückwünscht die erfolgreiche Frankfurter Initiative: „Ich halte gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land für sehr wichtig. Daher lohnt es sich, in dem geplanten Institut wissenschaftlich zu untersuchen, was diesen gesellschaftlichen Zusammenhalt ausmacht und fördert. Ich freue mich besonders, dass mit der Goethe-Universität auch eine hessische Universität ausgewählt wurde, gemeinsam mit anderen Hochschul- und Forschungsinstituten ihren Beitrag zum Gründungskonzept dieses Instituts zu leisten. Den beteiligten Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität gratuliere ich zu der Gründungsmitgliedschaft am ‚Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt‘.“

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff hebt hervor: „Diese Institutsgründung bietet ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie Spitzenforschung dazu beitragen kann, eine ganz konkrete gesellschaftliche Herausforderung besser zu bewältigen. Es steht auch dafür, dass nicht nur mehrere wissenschaftliche Disziplinen, sondern auch verschiedene Forschungseinrichtungen ihre Kräfte bündeln. Die Goethe-Uni und ihre Partner verfügen hier inhaltlich und strukturell – vor allem durch die lange gemeinsame Verbundforschung im Exzellenzcluster ‚Normative Ordnungen‘ – über eine große Expertise.“

Die Sprecherin des Frankfurter Projekts Prof. Nicole Deitelhoff sagt: „Die Entscheidung für den Standort Frankfurt zeigt, wie stark die Zusammenarbeit zu Fragen politisch-normativer Ordnungen zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften, Universität und außeruniversitären Instituten inzwischen ist: Wir freuen uns, diese Stärke jetzt im Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt einbringen zu können.“

Quelle: Pressemitteilung vom 9. Oktober 2018

Anmerkung: In einer älteren Version der Pressemitteilung stand fälschlicherweise „Institut für gesellschaftlichen Zusammenhang“; der Name lautet aber richtig „Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt“.