Foto: Uwe Dettmar

Kürzlich meldete das Fachmagazin „Science“, dass Honigproben weltweit mit umstrittenen Insektiziden belastet sind. Die Rückstände sind jedoch so gering, dass Honigverzehr nicht gefährlich ist, sagt Bienenforscher Prof. Bernd Grünewald.

Das Team um Edward Mitchell von der Université de Neuchâtel (Neuenburg/Schweiz) hatte knapp 200 Honigproben aus allen Erdteilen (mit Ausnahme der Antarktis) untersucht und Rückstände aus der Klasse der umstrittenen Neonicotinoide gefunden.

In knapp der Hälfte aller Proben (48 Prozent) lagen Konzentrationen vor, die Studien zufolge Bienen schädigen können. Alle Werte lägen jedoch unter den Grenzen, die in den USA und der EU als unbedenklich für den Menschen gelten, schreiben die Wissenschaftler. Das bestätigt auch Prof. Bernd Grünewald von Institut für Bienenkunde an der Goethe-Universität. Hier seine Stellungnahme:

„Rückstände von Pflanzenschutzmitteln finden sich seit längerem in allen Honigen. Die Studie bietet insofern keine neuen Erkenntnisse. PSM-Rückstände sind aber nicht nur im Honig sondern praktisch überall auf allen pflanzlichen Lebensmitteln zu finden. Eine Folge unserer Agrarpraktiken. Anhand der Rückstände lässt sich manchmal sogar rückschließen, wo die Bienen Nektar gesammelt haben…

Dennoch besteht für Honiggenießer derzeit kein Grund zur Sorge: in den allermeisten Fällen gelingt es nur durch feinste Analysemethoden, die Rückstände zu messen. Sie liegen bislang stets weit unterhalb der Schadschwellen. Und immer weit unter den Mengen, die in Obst und Gemüse aus konventioneller Landwirtschaft zu finden sind.

Also: Bitte essen Sie auch weiterhin Honig vom Imker!“

Dennoch sollte die Landwirtschaft den Einsatz von Neonicotinoiden überdenken. Diese galten lange als Wunderwaffe im Pflanzenschutz, weil sie Fressfeinde der Pflanzen töten, aber nützliche Insekten nicht. Nach und nach entdeckten Forscher aber, dass die Substanzen durchaus Auswirkungen auf Bienen und andere Pflanzenbestäuber haben. Die Autoren verweisen auf Studien, denen zufolge eine Konzentration von 0,1 Nanogramm (Milliardstel Gramm) pro Gramm Honig Bienen auf verschiedenste Weise beeinträchtigen kann: Die nicht tödlichen Effekte umfassen demnach unter anderem Fortpflanzungs- und Wachstumsprobleme, geschwächtes Immunsystem, Störungen der Nerven- und Gedächtnisfunktion sowie der Atmung.

In einem „Science“-Kommentar schreibt Christopher Connolly von der schottischen University of Dundee: „Die Verluste an Bienen sind eine große Bedrohung für die Sicherung der menschlichen Nahrungsversorgung und die Stabilität der Ökosysteme.“ Die Studie zeige, dass Honig ein guter Indikator für Umweltverschmutzung sein könne. Auch hebe die Untersuchung eine Wissenslücke hervor: Es sei wenig darüber bekannt, wie Bienen dauerhaft auf Neonicotinoide reagierten. (dpa)